1378 km: Schießbefehl-Simulation wird vorerst nicht veröffentlicht - Update #2
Geschmacklosigkeit oder zeitgemäße Vermittlung historischer Ereignisse? 1378(km) sorgt für massive Kritik seitens Politik, (Springer-) Presse und Opferverbänden.
Update vom 1.10.2010: Die Staatliche Hochschule für Gestaltung hat mittlerweile die Notbremse gezogen und die Veröffentlichung der Seminararbeit gestoppt. Die Premiere von 1378(km) werde gestoppt, heißt auf der Webseite der FH. Dort teilen die verantwortlichen Professoren mit: "Um zur Versachlichung der Diskussion beizutragen sagen wir den Termin der öffentlichen Präsentation am 3. Oktober ab. Wir werden diese zu einem späteren Zeitpunkt mit einer begleitenden Diskussion zum Thema nachholen. Unserem Studenten Jens M. Stober werden wir jede notwendige Unterstützung zuteil werden lassen."
Update vom 30. September 2010: Wie zu vermuten war, ließ die übliche Welle der Empörung auch diese Mal nicht lange auf sich warten. Ganz vorne mit dabei in Sachen Meinungsmache ist natürlich eine gewisse, auflagenstarke Publikation aus dem Hause Springer: Bild Online spricht von einem "widerwärtigen Computerspiel, in dem der Spieler (...) Republikflüchtlinge töten muss." Wieder einmal scheint es Bild hier mit der Recherchearbeit nicht allzu genommen zu haben, denn von einem "Müssen" ist in der 1378(km)-Spielbeschreibung keine Rede: "Der Spieler ist mit dem Dilemma schießen oder verhaften konfrontiert", heißt es dort.
Immerhin richtig festgestellt hat Bild, dass 1378(km) auf der Technik von Valves "blutigem" Half Life 2 basiert. Möglicherweise um den Ausnahmecharakter der an dieser Stelle unbestreitbaren Korrektheit zu unterstreichen, kennzeichnet Bild diesen Passus sogleich auch als "Fakt". Fakt ebenfalls ist übrigens, dass auch Mario Kart Source oder Portal auf der HL2-Technik basieren. Fraglich allerdings, ob diese Tatsache alleine etwas über das beanstandete Studienprojekt von Jens Stober aussagt.
Aber nicht nur Bild springt auf den Zug der Vorsorglich-Empörten auf. Auch Politiker versuchen sich im Ringen um ein kleines bisschen Medienaufmerksamkeit, beim Artikulieren ihres Grades an Schockiertheit gegenseitig zu überbieten: Von "geschmacklos und Opfer verhöhnend" (Helmut Rau, CDU) über "makaber und skandalös" (Markus Meckel, SPD) bis hin zu schlicht "dumm" (Gesine Lötzsch, Die Linke) reicht hier die Bandbreite.
In einem anderen Licht zu sehen sind kritische Anmerkungen von Opfern des DDR-Regimes und deren Vertretern. So hat sich Rainer Wagner, Vorsitzender des Opferdachverbandes UOKG, schriftlich an den Rektor von Stobers Karlsruher Studienstätte, Peter Sloterdijk, gewandt: "Statt stolz darauf zu sein, dass dieses Machwerk Ihrer Schule entspringt, sollten Sie sich schämen! Dieses Spiel verhöhnt die Hinterbliebenen der Mauertoten." 1378(km) sei sogar noch "schlimmer" als andere Ego Shooter, da man hier "auf unbewaffnete Zivilisten" schieße. Nicht bei einem bloßen Brief belassen hat es Hubertus Knabe, Leiter der Stasi-Gedenkstätte in Hohenschönhausen: Er erstattete bei der Berliner Staatsanwaltschaft Anzeige wegen angeblicher Gewaltverherrlichung gemäß § 131 StGB.
Allen Bedenkenträgern und Empörten gemein ist, dass sie bislang noch keinerlei Gelegenheit hatten, 1378(km) überhaupt auch nur auszuprobieren. Eben darauf weist dann auch Klaus Heid, Sprecher der HfG Karlsruhe hin: "Kritiker sollten sich das Spiel erstmal anschauen."
Quelle # 1: Bild
Quelle # 2: Golem
Quelle # 3: Netzwelt
Originalmeldung:
Am 3. Oktober jährt sich zum 20. mal der Tag der Deutschen Einheit. Viele Vertreter der jüngeren Generation verbinden mit diesem Datum heutzutage sehr wahrscheinlich nicht mehr viel mehr als den Gedanken, an diesem Tag nicht in die Schule gehen zu müssen, so er denn auf einen Wochentag fällt. Damit nicht in Vergessenheit gerät, dass Deutschland bis vor kurzem noch durch einen 1.378 Kilometer langen Grenzstreifen getrennt war, setzt die Politik vor allem auf Aufklärung.
Jens Stober (Jahrgang 1986) Medienkunst-Student an der Staatlichen Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe wählt einen anderen, möglicherweise erfolgversprechenderen, Weg. Er lässt Interessierte ein besonders düsteres Kapitel deutsch-deutscher Geschichte am eigenen, virtuellen Leib erfahren: In seinem selbst entwickelten Mehrspieler-"Spiel" 1378(km) unternehmen die Probanden einen "immersive und interaktive" Zeitreise ins Jahr 1976 an die innerdeutsche Grenze.
In der Rolle von Republikflüchtlingen oder DDR-Grenzern gilt es dann ein Szenario nachzu"spielen", dass sich zwischen 1961 und 1989 hundertfach am, nicht umsonst so genannten, Todesstreifen abspielte und wohl keiner weiteren Erläuterung bedürfen sollte. Allerdings wird das Handeln der Protagonisten, was den Charakter des Spiel als Serious Game unterstreicht, nicht folgenlos bleiben: Grenzsoldaten die von der Waffe Gebrauch machen, was nicht unumgänglich ist, müssen sich im Jahr 2000 in einem virtuellen Gerichtsprozess für ihre Taten verantworten.
Für jedermann zum Download bereitstehen wird 1378(km) pünktlich ab dem 3. Oktober.
Teaser zu 1378(km):
Quelle: 1378(km)
- Schlagwörter:
- , panorama
- , valve
- , gewalt
- , jugendschutz
- , half-life 2
- , source engine
- , portal 2
- , usk


Man fragt sich doch echt wer den misst glaubt??
Naja gibt leider immer solche die den Politiker aus der Hand fressen.
Filme dürfen solche Handlungen haben aber Spiele NEIN.
Geht mir weniger um das Spiel hier mehr darum das man einfach nur noch verbittet zensiert usw.
Man fragt sich doch echt wer den misst glaubt??
Naja gibt leider immer solche die den Politiker aus der Hand fressen.
Filme dürfen solche Handlungen haben aber Spiele NEIN.
Geht mir weniger um das Spiel hier mehr darum das man einfach nur noch verbittet zensiert usw.