Report: Der moderne Kopierschutz - Eine Geschichte von Sinn und Unsinn
Raubkopie-Razzia in Tschechien <
Das Problem ist der Kopierschutz. Auf dem Bildschirm steht irgendwas mit "DRM", Digitales Rechte-Management. Ronny Bauer hört den Begriff zum ersten Mal. "Sie müssen Ihre Daten via Internet übertragen und das Produkt registrieren", steht auf dem Bildschirm. Das Problem: Ronny Bauer hat gar kein Internet. Ob er denn beim Kauf gewusst habe, dass eine einmalige Verbindung mit dem Internet notwendig sei, fragen wir. Nein, das wusste er nicht. Woher denn auch?
"Eine Kennzeichnungspflicht besteht nicht", sagt der Bundesverband für Interaktive Unterhaltung (BIU). Wer seine Produkte mit Kopierschutzmaßnahmen versieht, der muss das nicht auf die Verpackung schreiben. Wer's macht, macht's freiwillig "In fast allen Fällen existiert ein solcher Hinweis", meint der BIU, was jedoch fehlt, ist der genaue Hinweis auf die verwendeten Verfahren".
Und von denen gibt es reichlich. Die bekanntesten heißen Tagès, SafeDisc und SecuROM und sie unterscheiden sich in ihrer Funktionsweise. SafeDisc zum Beispiel packt eine digitale Signatur auf den Datenträger, von der der Hersteller meint, sie sei schwer zu umgehen. Bevor das Spiel startet, überprüft SafeDisc die Signatur. Dann kann's losgehen. SecuRom funktioniert - vereinfacht ausgedrückt - durch Daten-Chaos auf der Spiele-DVD. SecuRom verursacht das Chaos höchstpersönlich, weiß aber beim Aufräumen, wo alles liegt. Und wenn da nichts rumliegt, wo eigentlich was rumliegen sollte, tja, dann haben Sie wohl eine illegale Kopie im Laufwerk. Das Chaos lässt sich nämlich nicht kopieren, zumindest nicht so einfach. Tagès macht's wieder anders. Der Kopierschutz teilt die DVD in zwei Sektoren mit unterschiedlichen Daten, gibt aber beiden die gleiche Adresse. Beim Spielstart kontaktiert Tagès die Anschriften in der Hoffnung, verschiedene Antworten zu erhalten. Ist das der Fall, handelt es sich um ein Original.
Eine äußerst kostspielige Methode ist der Dongle, ein kleines Stück Hardware, auf dem relevante Informationen gespeichert sind. Wenn Sie ein Programm mit Dongle-Unterstützung starten, will die Software Daten vom Dongle. Kein Dongle: kein Programmstart, oder nur beschränkter Zugriff. "Hardware-Dongles gelten als sicherste Methode", bestätigt uns der BIU, "werden jedoch aufgrund ihrer hohen Kosten im Spielebereich nur in Ausnahmefällen verwendet."
Allen Maßnahmen gemein (den Dongle mal außen vor gelassen): Entwickler und Publisher dürfen sich für diverse Sonderfunktionen entscheiden. Eine dieser Sonderfunktionen macht Ronny Bauer momentan zu schaffen: Die Online-Aktivierung, eine Geißel des digitalen Rechte-Managements. Ihre Popularität steigt rasant, zumindest bei den großen Publishern. Zu den jüngsten Spiel-Exemplaren mit Internetzwang gehören Spore, Anno 1404, Mass Effect, Die Sims 3 sowie Grand Theft Auto 4, die Zukunft bringt Command & Conquer 4, vermutlich Assassin's Creed 2 und andere. Die meisten davon kennt Ronny Bauer nur vom Hörensagen.
Raubkopie-"Fabrik" <
Zum Glück für Ronny Bauer setzten nicht alle Hersteller auf die Online-Aktivierung. Risen, das aktuelle Projekt von Piranha Bytes und Deep Silver, verzichtet auf den Zwang. "Wir beobachteten, ob ein Onlinekopierschutz länger gegen Raubkopierer durchhält als ein Disc-only-Schutz", erklärt Daniel Oberlechner, Brand Manager beim deutschen Publisher. Zudem habe das Unternehmen die Verkaufszahlen verschiedener Produkte analysiert sowie vergangene Kunden-Reaktionen in die Entscheidung einfließen lassen. "Für uns war unter dem Strich klar, dass wir bei Risen von einer Online-Aktivierung absehen werden", so das Fazit von Oberlechner.
Die Simulator-Reihe von Astragon, die kennt Ronny Bauer auch, verzichtet nahezu vollständig auf Kopierschutzmechanismen, vom digitalen Rechte-Management ganz zu Schweigen. Keine Online-Aktivierungen, keine Installations-Beschränkungen, vielleicht mal eine CD-Key-Abfrage. Mehr nicht. "Für uns überwiegen beim Verzicht auf weitergehende Kopierschutzmaßnahmen die Vorteile", sagt Felix Buschbaum, Leiter der Öffentlichkeitsarbeit bei Astragon. "Wir haben zum Beispiel keine teuren Entwicklungskosten für solche Maßnahmen, der Kunde hat keinen Ärger." In der modernen Sprache nennt man das eine "Win-Win-Situation", weil jeder gewinnt und keiner verliert.
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Die meisten Spiele lohnen sich doch erst nach nem Jahr, da ist die erste teure Betaphase vorbei…
Die meisten Spiele lohnen sich doch erst nach nem Jahr, da ist die erste teure Betaphase vorbei.
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