Warum ich Starcraft 2 ganz toll finde
Ich begann, anders zu spielen. Ließ Basen ungeschützt. Verzichtete auf Raketentürme. Bildete Einheiten aus. Schickte diese zu Schlüsselpunkten der Karte. Aufklärung war wichtig. Zu wissen, was der Feind vorhat, ermöglicht den Konter. Wieder schlug man mich vernichtend.
Meine Gegner schienen immer einen Schritt voraus, schienen mehr Geld zu haben, mehr Einheiten, mehr Feuerkraft. Mir war bewusst, dass sich mein Spielstil verbessert hatte; gleichzeitig beschlich mich die ungemütliche Ahnung, dass die anderen eben schneller besser werden als ich. Eines änderte sich nicht: Immer wusste ich nach einer Niederlage genau, welcher Fehler ausschlaggebend war. Dieses Wissen schürte eine Art Obsession in mir. Es MUSSTE doch möglich sein, einmal das Siegertreppchen zu besteigen; ausgenommen der Glückstreffer, die ich gegen totale Anfänger erzielte.
Ich hörte nicht auf zu spielen. Wechselte von den Terranern zu den Protoss, versuchte mich an den Zerg. Landete wieder bei den Terranern. Wandte mich wieder angewidert ab. Ging wieder zu den Protoss über. Es war ein Hin und ein Her, ziellos zuerst. Ich suchte meine Art zu spielen, indem ich experimentierte. Auf allen möglichen Karten. Mit allen möglichen Rassen. Mit allen möglichen Einheiten. Ich feierte Erfolge, wenige zwar, aber immerhin. Gegen bessere Spieler ging ich weiterhin K.O.
Unmerklich verfeinerte sich mein Spielstil. Ich ging stückchenweise davon weg, die Maus als alleiniges Eingabegerät zu verwenden. Einheiten baute ich irgendwann mit den dafür vorgesehenen Hotkeys. Ein paar hundert Spiele später hatte ich diese Bedienung in Fleisch und Blut. Ein paar tausend Spiele später brauchte ich meine Basis nicht mehr im Bildausschnitt, um darin Einheiten zu produzieren. Ich verrenkte meine Finger in für Außenstehende unnachvollziehbare Stellungen und gab die kompliziertesten Updates und Einheiten in Auftrag, während die Kamera aufs Gefecht gerichtet war, fernab jeder Produktionsstätte. Wer mir zusah, fragte irgendwann: Was machst du da eigentlich? Es muss von außen ausgesehen haben, als hämmerte ich wild auf Tasten herum, während die Bilder in rascher Folge wechselten. Gescrollt wurde nur noch sporadisch, ich hatte alle Schlüsselpositionen als Hotkey gespeichert. Starcraft glich einer beschleunigten Diashow; das Rattern auf der Tastatur erinnerte mehr ans Texteschreiben denn ans Spielen.
Irgendwann hatte ich sämtliche Hotkeys soweit intus, dass ich die Zeit, die ich sonst in langwierige Mausarbeit investieren musste, anderweitig einsetzen konnte. Ich entschloss mich, die frei gewordene Kapazität zur Perfektion meines Micro-Managements einzusetzen. Micro-Management bezeichnet die geschickte Lenkung einzelner Einheiten, etwa: Reaver hinter den Kristallen des Gegners abladen, drei Schüsse abgeben, Reaver wieder ins Transportschiff aufnehmen und flüchten bevor der Geschädigte überhaupt weiß, wie ihm geschieht. Schafft man drei Aktionen dieses Kalibers gleichzeitig, darf man allmählich von sich behaupten, das Micro-Management zu beherrschen.

