Warum ich Starcraft 2 ganz toll finde
Mit Echtzeit-Strategie kann man mich jagen. Dieses fürchterliche Abarbeiten schwarzer Flecken auf der Minikarte, dieses zeitraubende Aufstellen riesiger Verteidigungswälle, dieses umständliche Management unterschiedlicher Ressourcen. Es entspricht nicht meiner Vorstellung von Spielspaß, dem Gegner so lange zuzusehen, wie er sich am Defensivwall die Zähne ausbeißt, bis ich selber genügend Einheiten aufgestellt habe, um ihn damit zu überkippen. Natürlich gibt es Spiele, die das von mir Bemängelte entschärfen, aber in seinen Grundzügen hat das Genre derlei Nervfaktoren nie abgestreift.
Starcraft habe ich seinerzeit bloß durchgespielt, weil ich die mitreißende Story zur Konklusion bringen wollte. Die Rendersequenzen, atemberaubend in Ausführung und Dramatik, mögen mich auch angetrieben haben. Später, ich war mit den Einheiten halbwegs vertraut, stieß ich die Tür zum Battle-Net auf - eine Entscheidung, die sich auf mein Leben auswirken sollte.
Ich bekam während meiner ersten Matches fürchterlich auf die Nase, erinnere mich noch gut an die Schockstarre, in die ich verfiel, als mich eine kühle weibliche Computerstimme darauf hinwies, einen nuklearen Abschuss geortet zu haben. Wo war er, der rote Punkt, der die Einschlagstelle kennzeichnete? Ich schob die Maus in meiner Suche schrubbelartig übers Pad, verfiel in eine Panik, begleitet von Symptomen wie beschleunigtem Herzschlag und feuchten Händen.
Dann krachte es, und die meisten meiner Einheiten, die sich über das einstündige Spiel hinweg angesammelt hatten, verpufften in einer Explosion. Ich verließ das Match, überwältigt von dem Gefühl der Wertlosigkeit - hatten die Lehrer, die mich seinerzeit im Werkunterricht für meinen unheilbringenden Umgang mit dem Lötbrenner rüffelten, eben Recht behalten: Ich war in handwerklichen Dingen ein Nichtsnutz, die Bedienung von Maus und Tastatur eingeschlossen.
Doch dann geschah etwas Bemerkenswertes. Statt meine Karriere an den Nagel zu hängen bevor sie überhaupt Konturen angenommen hatte, stachelte mich die Niederlage an. Ich überlegte, woran das liegen könnte, und kam zu einer Erkenntnis: Ich war mir meines Fehlers im Nachhinein bewusst geworden, sah Raum für Verbesserung. Zum nuklearen Abschuss hätte es nicht kommen dürfen. Es war der Preis, den man fürs Einigeln bezahlt.
Defensives Vorgehen bringt in der Einzelspieler-Kampagne voran, gegen Menschen ist es ein Witz, bei dem der andere lacht. Während man sorgsam einen Abwehrturm neben den nächsten setzt, breitet sich der Gegenüber auf der Karte aus, schnappt sich Ressourcenquellen, ohne sie absichern zu müssen. Er weiß das, weil er billige Einheiten zum Ausspähen losschickt, einen Sammler vielleicht, dessen Verlust nicht wehtut. Der Sammler lebt lange genug um zu verkünden, dass man Bunker baut statt Einheiten mobilisiert - ein Freibrief für den Widersacher, sich in aller Ruhe auszubreiten. All das wurde mir rückblickend klar, und nur ein Match reichte für diese Einsicht.

