Thomas Weiß ist The Witcher #2
Etwa 25 Stunden habe ich bislang in der Welt von The Witcher zugebracht, geschätzte 20 davon mit hohem Genuss. Führte ich eine Motivationskurve, beliefe sie sich wohl auf Werte, an deren erster Stelle eine 8 stünde - sagt mein Herz. Der Kopf hält dagegen: Zu vieles erscheint unfertig (NPC-Verhalten), halbgar (Steuerung), fehlerhaft (Abstürze).
Lasst mich eure Fragen beantworten, die die vorige Berichterstattung aufwarf.
"Bugs an jeder Ecke, keine Fliegenden Gliedmaßen und schlechte Sprachausgabe?"
Bugs an jeder Ecke ist übertrieben, aber zahlreich sind sie schon. Immer wieder Programmfehler, etwa dass Kinder mit der Stimme von Erwachsenen sprechen - um gleich auf die "schlechte Sprachausgabe" zurückzukommen.
Insgesamt betrachtet erscheint mir die Sprache erträglich. Mühe bereitet den Sprechern in erster Linie die Betonung. Offenbar wurden Leute ins Tonstudio bestellt, ohne dass man sie über den genauen Kontext ihrer Rolle aufgeklärt hätte.
Doch wie erwähnt: Atari meint, da würde noch nachgebessert.
Gliedmaßen fliegen sehr wohl, wenn ich im Kampfmenü auf Gruppenstahl schalte; einer Technik, die Rundumschläge im Mittelpunkt hat, hilfreich bei Kämpfen gegen mehr als zwei Gegner.
"Kann man eigentlich Rüstungen für Geralt kaufen? Oder spielt man die ganze Zeit in der gleichen Tracht rum?"
Hier werde ich aus The Witcher nicht schlau. Es gibt bei Händlern vereinzelt eine Rüstung zu kaufen, die besser ist als das, was Geralt ab Beginn trägt. Doch die neue Tracht kostet 5.000 Orens; das ist, vorsichtig ausgedrückt, ein kleines Vermögen.
200 Orens lassen die NPCs für erledigte Quests im Durchschnitt springen. Das meiste Geld geht für andere Wichtigkeiten drauf, beispielsweise Bücher, ohne derer Hilfe es unmöglich wäre, besiegte Monster auszuschlachten: Zähne, Häute, Herzen, alles Gegenstände, die notwendig sind für Alchimie oder Aufgabenerfüllung.
"Was mich noch interessiert, ist die Bewegungsfreiheit. Kann man direkt in alle Dörfer, Regionen etc ohne der Hauptquest zu folgen (wie z. B. in Oblivion)? Oder ist man gezwungen, einen bestimmten Weg 'abzuarbeiten', um im Spiel voran zu kommen?"
Oblivion lässt große Freiheiten, The Witcher steckt die Grenzen enger ab. Für gewöhnlich eröffnet sich ein Gebiet mit all seinen Haupt- und Nebenquests. In welcher Reihenfolge man Missionen erledigt, ist überwiegend bedeutungslos. Sind die primären Quests abgeschlossen, folgt das nächste Story-Kapitel mit neuer, wiederum frei begehbarer Umgebung.
Der Spielablauf ähnelt damit einem Mix aus Linearität und Nicht-Linearität, mit Tendenz zu Letzterem.
"Hast du in The Witcher schonmal einen Ausreißer gemacht und bist dabei auf etwas haarigere Gegner gestoßen, oder gibt es das Levelscaling auch hier?"
Mit Zahlen hat es The Witcher nicht so; es ist schwer abschätzbar, welchen Level man selber hat, welchen die Gegner haben, wie stark das Schwert, wie stark die Rüstung ist. Das liegt insbesondere am zu kleinen Feedback - es gibt nirgendwo eine Übersicht, aus der hervorgeht, für wieviel Trefferpunkte das Ziel getroffen wurde oder Ähnliches.

