PC-Games-Redakteur Thomas Weiß wählt den ÄHM!
Adrenalin
Thomas Weiß: Wählt seine eigenen Spiele.
Nähme man eine Biofeedback-Messung an mir durch, während ich gerade Counter-Strike Source spiele, das Gerät flöge in die Luft. Wem Biofeedback kein Begriff ist: Forscher setzen die Methode beispielsweise in Studien ein, um die Aufregung eines Menschen zu messen. Hautwiderstand, Atmung, Bewegung, Blutdruck, solcher Kram eben. Beim Taktik-Shooter spannt sich mein Körper bis zum kerzengeraden Rücken an; die Augen fixieren das Fadenkreuz; die Hand soll locker liegen, umfasst aber fest die Maus, gelegentliche Krämpfe und Sehnenscheidenentzündungen eingeschlossen; die linken Finger trommeln über die "WASD"-Tastenreihe; das Koordinationszentrum läuft heiß. Ich bin, so umgangssprachlich, in meinem Element.
Leider musste ich auf die harte Tour lernen, dass dieser rauschende "Flow" bloß manchmal eintritt. Vor allem tritt er weniger ein, desto seltener man übt. Eingerosteter Skill. Andere Ego-Shooter zur Reflexerhaltung als Substitut klappen nur skizzenhaft, Valves Taktik-Shooter funktioniert über eine einzigartige Mechanik, deren Feinheiten sich allein durch Übung mit CS erschließen, nirgendwo sonst. Wer eine Idee hat, wie ich als Berufstätiger Zeit für Counter-Strike finde, der möge mir bitte schreiben. Der Vollständigkeit halber sollte ich Warhammer Online erwähnen: Das spiele ich seit Release, wann immer sich Möglichkeiten auftun. Ach ja, um es offiziell inoffiziell zu machen: Meine Adrenalin-Stimme gilt natürlich Counter-Strike Source. Gelegentlich bringt mich sogar Kopfkino vergangener Luckshots (Glückstreffer) und anschließender Beleidigung ("can u cheat any more obvious pls?") in positiv stressbedingte Mini-Euphorie.
Atmosphäre
Bioshock. Daran denke ich sekundenschnell, wenn das Wort "Atmosphäre" fällt. Deswegen gewinnt es meine irrelevante Stimme. Es findet sich sogar in der Auswahl der offiziell nominierten BÄM!-Spiele, insofern kann ich mit der Synapsen-Verbindung Bioshock <--> Atmosphäre gut leben. Was Jugendschützer über mich sagten, sähen sie mich gedanklich zur kranken Stimmung im Unterwasser-Irrenhaus hingeifern, das ist wieder eine andere Sache. Wahrscheinlich wenig Gutes: Fotos von verkohlten Leichen schießen, sich Monologe im Wahnsinn wähnender Figuren anhören, Schädel mit Golfschläger spalten, Blubberbläschen durch Bullaugen beim Blubbern zugucken...
In Bioshock erscheint nichts normal, und was als normal durchginge, hebt sich qualitativ weit über den Durchschnitt hinaus. Final Klick hat es bei mir gemacht, als der nette Herr mit dem Flammenfaible die Puppenkörper an Seilen herunterzog und sie an der Angeber-Architektur einer ebenso pompösen wie unheilvollen Eingangshalle entlang gleiten ließ. Da wallte der Soundtrack in einer orchestralen Entfaltung auf, derweil sich summend die Stimme des Verrückten über die Melodie legte. Schön. Vielleicht lassen sich aus psychotisch-paranoider Schizophrenie gebarte Zwischensequenzen schätzen, ohne dass man selbst auf Schienen "psychiatrischer Störungen" entgleist. Bestimmt. Hoffentlich. Ich bin nämlich nicht verrückt. Ich träume nur komisch.


Nur: World of Goo gibt es nicht über Steam, d.h. es gab es am Releasetag, aber wurde am nächsten für Europäer sofort wieder rausgenommen (Amerika-only