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  • PC Games Meisterwerke: Grim Fandango

    Im Laufe der vier Jahre umspannenden Story steigt Manny unter anderem zum Clubbesitzer auf. Quelle: PC Games

    Tim Schafers brillante Totensaga: Mit Jazz, Ganoven und ganz viel Stil. In unserer Meisterwerke-Reihe blicken wir zurück auf das letzte große Adventure-Meisterwerk von LucasArts, dem seinerzeit der kommerzielle Erfolg zu Unrecht verwehrt blieb.

    Es gab eine Zeit, in der es für Adventures nicht gut aussah. Die 90er neigten sich dem Ende zu, das 3D-beschleunigte Zeitalter war hereingebrochen, immer mehr Spieler reizten ihre Hardware mit Shootern und Rollenspielen aus. Da waren klassische Abenteuerspiele kaum gefragt – was auch erklärt, warum Grim Fandango kein finanzieller Erfolg beschieden war, als es im Herbst 1998 erschien. Eine Schande! Denn das Spiel ist das letzte große Highlight in Lucas Arts' langer Adventure-Tradition. Tim Schafer lieferte mit Grim Fandango eine seiner verrücktesten und kreativsten Arbeiten ab. Er ließ sich von aztekischen Mythen inspirieren, schrieb die Story an einem mexikanischen Feiertag entlang (siehe Kasten auf der nächsten Seite) und inszenierte sie im Stil eines Film-noir-Krimis. Einzigartig!

    Reise ins Jenseits

    Grim Fandango erzählt die Geschichte von Manny Calavera, einem frustrierten Kerl, der als Agent und Sensenmann für das DOD (Department of Death) schuftet. Sein Job: Die frisch Verstorbenen aus der Welt der Lebenden ins Reich der Toten zu überführen, wo sie ihren langen Marsch ins endgültige Jenseits antreten. Manny soll ihnen zu diesem Zweck teure Reisepakete andrehen, mit denen sich der Trip durchs Totenreich schneller und bequemer vollziehen lässt. Der Trick an der Sache: Nur wer ein gutes Leben geführt hat, genießt Anspruch auf die richtig feinen Reisepakete. Wer zu Lebzeiten artig war, darf beispielsweise per Luxusdampfer touren, während besonders edle Seelen sogar den begehrten Zug "Nummer Neun" buchen dürfen – der befördert die Toten binnen vier Minuten ans Ziel anstatt der üblichen vier Jahre.

    Tot, aber cool

    Die groben 3D-Figuren agieren vor realistisch designten, vorgerenderten Umgebungen. Die groben 3D-Figuren agieren vor realistisch designten, vorgerenderten Umgebungen. Quelle: PC Games Doch Manny hat eine Pechsträhne: Der glücklose Charmeur bekommt meist nur Halunken zugeteilt, die für gute Reisepakete ausscheiden. In seiner Verzweiflung trickst Manny schließlich seinen Arbeitgeber aus, um eine vielversprechende Kundin an Land zu ziehen – Mercedes "Meche" Colomar. Doch Mannys Plan geht nicht auf: Die herzensgute Dame wird vom DOD um ihr Zugticket betrogen und dazu verdammt, einsam durch die gefährliche Totenwelt zu reisen. Ein Skandal, der Manny wachrüttelt: Beherzt nimmt der Knochenkopf Meches Fährte auf, um sie sicher ans Ziel zu bringen. Dabei schließt er sich nicht nur einer Rebellentruppe an, sondern lernt auch den liebenswerten Glottis kennen – ein lautstarker Dämon und Mechaniker mit einer brennenden Leidenschaft für alles, was Sprit verbraucht.

    Auf ihrer Suche nach Meche treten die zwei Freunde eine epische, vierjährige Reise kreuz und quer durch die Totenwelt an, trotzen dabei Riesenkraken und brennenden Biebern, erleben Abenteuer auf und unter dem Meer, steigen zwischendurch sogar zu erfolgreichen Besitzern eines feinen Nachtclubs auf. Es ist eine der verrücktesten, besten Geschichten, die Tim Schafer je geschrieben hat: Die bizarre Totenwelt fühlt sich vom ersten Moment an vertraut und – ironischerweise – lebendig an. Charaktere sind bis in die Nebenrollen glaubhaft und liebevoll ausgearbeitet, die ausführlichen Dialoge werden außerdem von motivierten Sprechern vertont, die vor allem im englischen Original begeistern.

    Zusammen mit einem fabelhaften Soundtrack, der mexikanische Klänge mit lässigem Jazz verbindet, entsteht von der ersten Minute an eine Atmosphäre, die nur Ausnahmetiteln vorbehalten ist. Selbst als die Story in der zweiten Spielhälfte dramaturgisch etwas ins Straucheln gerät, scheinen den Entwicklern nie die Ideen auszugehen. Grim Fandango ist Komödie, Abenteuer, Romanze und Krimi in einem – Manny flirtet mit skelettierten Ladys, nimmt es mit Gaunern, Monstern und Verrätern auf und löst seine Probleme (obwohl er sich nie von seiner treuen Sense trennen kann) so oft wie möglich mit Charme und nicht mit Gewalt. Denn Grim Fandango ist ein klassisches Rätselspiel – auch wenn es bei Release mit vielen Konventionen brach.

    Film noir zum Anfassen

    Mit Charme, Witz und Stil wickelt Manny viele Charaktere um den Finger - und uns gleich mit. Mit Charme, Witz und Stil wickelt Manny viele Charaktere um den Finger - und uns gleich mit. Quelle: PC Games Grim Fandango war das erste Adventure von Lucas Arts, das mit einer 3D-Engine betrieben wurde. Das brachte grundlegende Änderungen mit sich. Anders als etwa bei The Curse of Monkey Island (1997) sind die Umgebungsgrafiken nicht handgezeichnet, sondern aufwendig in 640 x 480 Pixeln vorgerendert und setzen auf einen realistischen Look. Umso ungewöhnlicher wirken die Charaktere, die in den detailreichen Umgebungen agieren: Alle Figuren bestehen aus groben 3D-Modellen und sind eher spärlich animiert – ein bewusster Kontrast zu den realistisch gestalteten Schauplätzen. Das Design der Verstorbenen ist deutlich an die Calaveras angelehnt – so werden die stilisierten Schädel genannt, die in Mexiko traditionell zum Tag der Toten (siehe Kasten unten) als Dekoration verwendet werden.

    Der Einsatz einer 3D-Engine gab den Designern viele Möglichkeiten. Im zweiten Akt, der in der Hafenstadt Rupacava spielt, ist beispielsweise wunderbar weich animiertes Wasser zu sehen, das vorgerendert in den Hintergründen schwappt. Um solche stimmigen Szenen noch besser einzufangen, wählten die Grafiker hin und wieder weit herausgezoomte Perspektiven, die dem Spiel einen filmähnlichen Look verleihen. Diese Schönheit hat aber auch ihren Preis: Manche Laufwege fallen in Grim Fandango sehr weit aus, sodass man etwas zu viel Zeit damit verbringt, Manny von einem Rätsel zum nächsten zu befördern. Ein Problem, das durch die ungewöhnliche Steuerung noch deutlicher zutage tritt – denn auch in dieser Hinsicht wich Grim Fandango kräftig vom Genre-Standard ab.

    Rätseln ohne Maus-Unterstützung

    Der hünenhafte Dämon Glottis wird im Spielverlauf zu Mannys bestem Freund. Der hünenhafte Dämon Glottis wird im Spielverlauf zu Mannys bestem Freund. Quelle: PC Games Grim Fandango ist zwar ein klassisches Adventure, allerdings ohne den Zusatz "Point and Click". Denn eine Maussteuerung gibt es nicht, das Spiel wird untypisch mit der Tastatur bedient. Mit den Pfeiltasten scheucht man Manny durch die Gegend, weitere Tasten lassen ihn Objekte untersuchen oder aufheben. Ebenso untypisch ist sein Inventar: Anstatt bequem auf Icons in einem Menü zu klicken, zieht Manny die gewünschten Items einfach in Nahaufnahme aus seiner Jackentasche. Das hat Stil, aber keinen Komfort: Wer viel Zeug mit sich rumschleppt, muss das Inventar mühsam durchsuchen, was unnötig Zeit kostet. Das größte Problem der Steuerung und der 3D-Umgebungen ist aber die Hotspot-Suche. Da es keinen Mauszeiger gibt, richtet Manny seinen Blick einfach automatisch nach interessanten Objekten in der Umgebung aus – das ist der einzige Hinweis, den man bekommt, es gibt nicht mal eine Texteinblendung. Besonders in Szenen, in denen die Kamera weit herausgezoomt ist, kann man Mannys Kopfbewegungen so leicht übersehen. Zumal sich der Knochenmann eher träge und ungenau steuert, an Raumausgängen flitzt er beispielsweise manchmal einfach vorbei. Die sperrige Steuerung und die langen Laufwege sorgen dafür, dass man sich an manchen Rätseln länger die Zähne ausbeißt als eigentlich nötig. Die meisten Knobeleien sind zwar recht logisch, doch einige Puzzles geraten auch ziemlich abgehoben und umständlich. Da Manny grundsätzlich mit Hinweisen geizt, zählt Grim Fandango zu der Sorte Adventures, bei denen man auch ohne schlechtes Gewissen mal in die Komplettlösung linsen darf – es wäre doch zu schade, wenn man sich von solchen Hürden die fantastische Geschichte, die kreative Spielwelt und die liebenswerten Charaktere entgehen ließe!

    Lucas Arts' letzter Adventure-Hit

    Für Tim Schafer war Grim Fandango auch so etwas wie ein Abschiedsgeschenk: Es war sein letztes Projekt bei Lucas Arts, da er das Studio zwei Jahre später verließ, um seine Firma Double Fine zu gründen. Für sehr lange Zeit sollte es Tim Schafers letztes Adventure bleiben – erst 16 Jahre später fand er mit dem Kickstarter-Erfolg Broken Age in das Genre zurück. An die Klasse von Grim Fandango konnte sein letztes Projekt leider nicht anknüpfen. Doch er darf sich trösten – immerhin ist das bislang auch keinem anderen Entwickler gelungen.

    Dia de los Muertos – der Tag der Toten

    Solche Calavera-Puppen (in der Mitte eine Figur der La Catrina) dienten Tim Schafer als Inspiration für Grim Fandango. Solche Calavera-Puppen (in der Mitte eine Figur der La Catrina) dienten Tim Schafer als Inspiration für Grim Fandango. Quelle: PC Games Für Grim Fandango ließ sich Tim Schafer von einem mexikanischen Feiertag inspirieren. Vom 31. Oktober bis 2. November wird in Mexiko traditionell der Dia de Los Muertos gefeiert, der Tag der Toten, der auf alte Bräuche der Azteken zurückgeht. Anders als es der Name vermuten lässt, handelt es sich dabei aber nicht um eine reine Trauerveranstaltung – der Tag der Toten ist vielmehr ein fröhliches Fest, mit Paraden, Musik und farbenfrohen Kostümen. Dabei soll der Verstorbenen gedacht werden, die nach altmexikanischem Glauben zu dieser Zeit aus dem Jenseits zurückkehren, um ihre lebenden Verwandten zu besuchen. Straßen, Geschäfte und Schaufenster werden zu diesem Anlass mit Skeletten und Schädeln – den sogenannten Calaveras – verziert, Gabentische und Altäre für die Toten werden mit verschiedensten Speisen gedeckt, an denen sich die Verstorbenen stärken sollen. Beispielsweise wird zu dem Fest das Pan de Muerto (Totenbrot) gebacken, eine traditionelle Süßspeise, die auch im ersten Akt von Grim Fandango eine kleine Rolle spielt. Die wohl bekannteste Figur des Totenfestes ist heutzutage La Catrina – die Darstellung einer Skelett-Dame in herrschaftlicher Kleidung.

    Wieder spielbar dank ResidualVM

    Auf heutigen PCs ist Grim Fandango kaum lauffähig. Erst mit diesem kostenlosen Helfer lässt sich das Spiel wieder halbwegs problemlos durchspielen. Um Grim Fandango auch auf modernen PCs spielen zu können, ist ein kleines Tool namens ResidualVM nötig. Das Programm gibt's gratis auf http://residualvm.org. Dazu empfiehlt es sich, den offiziellen Patch herunterzuladen, den man u. a. hier beziehen kann: http://demos.residualvm.org/patches/gfupd101.exe

    Mit dem kostenlosen Tool ResidualVM ist Grim Fandango auch auf modernen PCs spielbar, auf Wunsch auch im Fenstermodus. Man sollte allerdings häufig Spielstände anlegen! Mit dem kostenlosen Tool ResidualVM ist Grim Fandango auch auf modernen PCs spielbar, auf Wunsch auch im Fenstermodus. Man sollte allerdings häufig Spielstände anlegen! Quelle: PC Games Weder das Spiel noch der Patch müssen installiert werden. Es genügt, alle Daten von den beiden Spiel-CDs in einen Ordner auf der Festplatte zu kopieren (doppelte Dateien können einfach überschrieben werden). Danach schiebt man den Patch in den "GRIMDATA"-Ordner. Anschließend muss man das Spiel nur noch über ResidualVM starten – fertig. Die Spiel-CDs sind danach nicht mehr nötig.

    Achtung: Legt euch häufig Spielstände an! Der Emulator ist zwar recht ausgereift (wir konnten Grim Fandango komplett durchspielen), es kann aber trotzdem noch zu Bugs kommen – zumal Grim Fandango trotz offiziellem Patch nie ganz frei von Fehlern war.

    Woher bekomme ich das Spiel? Grim Fandango ist nur noch selten (und dann meist sehr teuer) neuwertig zu bekommen. Eine gebrauchte Version findet man aber leicht auf Ebay oder ähnlichen Plattformen, etwa bei Zweithändlern über Amazon. Eine Version bei GOG.com oder gar ein Remake wie von Monkey Island gibt's leider nicht.

    07:16
    Retro-Special: Grim Fandango - ein Abschied von den LucasArts-Klassikern
  • Es gibt 4 Kommentare zum Artikel
    Von Shadow_Man
    Das große Problem dieser 3D-Adventure war meist die miese Steuerung. Adventure-Fans waren es auch immer gewohnt, ein…
    Von MatthiasDammes
    Das ist richtig.Dieser Text ist ursprünglich schon ein paar Monate alt, daher stimmt diese Aussage nicht mehr ganz…
    Von CorinaH
    "..Eine Version bei GOG.com oder gar ein Remake wie von Monkey Island gibt's leider nicht...". Stimmt nicht ganz, am…
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Tim Schafers brillante Totensaga: Mit Jazz, Ganoven und ganz viel Stil. In unserer Meisterwerke-Reihe blicken wir zurück auf das letzte große Adventure-Meisterwerk von LucasArts, dem seinerzeit der kommerzielle Erfolg zu Unrecht verwehrt blieb.
http://www.pcgames.de/PC-Games-Brands-19921/Specials/Meisterwerke-Grim-Fandango-1144479/
22.12.2014
http://www.pcgames.de/screenshots/medium/2014/12/grim_fandango_meisterwerke_0001-pc-games_b2teaser_169.jpg
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