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  • Pc Games Meisterwerke: Alpha Centauri

    In Alpha Centauri besiedelt ihr eine neue Welt inklusive Bündnissen, Drohungen und Intrigen. Quelle: PC Games

    Bereits 15 Jahre vor Beyond Earth wagte Alpha-Mann Brian Reynolds eine Reise in die Civilization-Zukunft. Wir blicken im Rahmen unserer Meisterwerke-Reihe zurück auf die Faszination Alpha Centauri.

    Als Sid Meier 1996 das sinkende Microprose-Schiff verließ und mit Brian Reynolds und Jeff Briggs ein Studio namens Firaxis Games gründete, waren die Erwartungshaltungen groß – schließlich hatte das Trio höchst erfolgreich an den ersten beiden Civilization-Titeln gearbeitet. Dessen nachgespielte Menschheitsgeschichte war so ziemlich das Suchterregendste, was das Strategiegenre der Neunzigerjahre zu bieten hatte. Doch Meier widmete sich lieber Echtzeittaktik-Schlachten des Amerikanischen Bürgerkriegs, die von der deutschen Fanbasis mit höflichem Interesse, aber wenig Enthusiasmus aufgenommen wurden. Denn was wir wirklich wollten, das war die nächste Evolutionsstufe von Civilization. Die reifte langsam unter der Leitung von Brian Reynolds und wurde im Februar 1999 veröffentlicht.

    Zurück in die Zukunft

    Aus vier Komponentenkategorien basteln wir individuelle Einheiten zusammen, zwei Spezialfähigkeiten sorgen für zusätzliche Boni. Aus vier Komponentenkategorien basteln wir individuelle Einheiten zusammen, zwei Spezialfähigkeiten sorgen für zusätzliche Boni. Quelle: PC Games Alpha Centauri beantwortete gleich mehrere Fragen: "Wie taufen wir unser neues Civilization-Spiel, wenn wir den Originalnamen nicht verwenden dürfen?" und "Was passiert eigentlich mit dem Kolonistenschiff, das am Civ-Spielende zum Nachbarstern aufbricht?". Wie wir im Intro des inoffiziellen Nachfolgers erfahren, kommt es während der langjährigen Reise zu Zwist und Meuterei. Letztendlich teilen sich die Fluggäste in sieben Fraktionen auf, die auf einem Planeten des Alpha-Centauri-Systems ihre eigenen Kolonien gründen. Hier stoßen sie auf Pilzterrain und Parasitenwürmer, wachsen und mehren sich, gründen in bester Civ-Tradition schließlich weitere Städte. Jede der sieben Fraktionen verfolgt ihre eigene Ideologie, die konkrete spielerische Auswirkungen in Form von Zivilisationsboni hat. Wir wählen zwischen Lagern wie Öko-Freaks, Ultra-Kapitalisten oder Pazifisten, die anderen sechs Parteien steuert die künstliche Intelligenz.

    Der Civ-Cousin traut sich was

    Das Spielkonzept erinnert nicht von ungefähr an die Ausgangssituation von Civilization: Beyond Earth, dem jüngsten offiziellen Vertreter der ruhmreichen Reihe. Im Prinzip ist dieser Neuling der Versuch eines modernen Alpha-Centauri-Nachfolgers, ohne dessen Namen zu verwenden – denn der gehört Mitbewerber Electronic Arts. Gut 15 Jahre später sind Grafik und Bedienung natürlich um Längen besser, aber der Oldie hat der Enkel-Generation auch einiges voraus. Zum Beispiel einen Editor, bei dem man aus verschiedenen Komponenten wie Gehäuse, Motor und Bewaffnung ganz individuelle Einheiten basteln kann. Solche Feinheiten werden heutzutage als zu kompliziert erachtet, um sie einem Massenpublikum zuzumuten. Wohl nicht ganz zu Unrecht: Alpha Centauri erhielt Traumnoten in der Presse und hatte mehr Spieltiefe als Civilization 2 – aber erreichte nicht dessen Verkaufszahlen.

    Zu komplex für diese Welt?

    Sieben ideologisch unterschiedliche Fraktionen breiten sich auf der neuen Welt aus. Die solide KI sorgt für spannende diplomatische Beziehungen. Sieben ideologisch unterschiedliche Fraktionen breiten sich auf der neuen Welt aus. Die solide KI sorgt für spannende diplomatische Beziehungen. Quelle: PC Games "Alpha Centauri ist eines dieser Spiele, für die man eine Weile braucht, bis sie einen packen. Nicht wenige Spieler dürften an dem komplexen Gewirr von Technologiebäumen, Geheimprojekten und Fraktionsbündnissen erst einmal verzweifelt sein", stellte PC Games einst beim Test der Erweiterung Alien Crossfire fest. Alpha Centauri erforderte mehr Ausdauer als Civ und wirkte nerdiger, das SF-Szenario war nicht so leicht zugänglich wie die irdische Geschichte: Die Erfindung des Rads ist nun einmal weniger erklärungsbedürftig als die Singularitätslehre. Die schon nach den Maßstäben von 1999 spröde Grafik war eine weitere Einstiegshürde, die Identifizierung der Einheiten konnte etwas mühsam sein.

    Wer Alpha Centauri aber die nötige Hingabe und Geduld widmete, wurde reich belohnt. Die Freiheiten bei Regierungsform und Planetengenerierung, all das Terraforming und Einheitengebastel konnten monatelang motivieren. Selbst die nüchterne Präsentation hatte ihren Reiz: Gut geschriebene Storytexte und eine wohldosierte Sprachausgabe sorgten für eine ganz eigene Atmosphäre, die zur Fremdartigkeit der Umgebung passte.

    Außenseiter mit Kult-Patina

    Alpha Centauri betrat im Rahmen des vertrauten Civilization-Grundspielgefühls erstaunlich viel Neuland und nutzte die kreativen Freiheiten des Science-Fiction-Szenarios gut aus. So richtig zu schätzen wussten wir den Außenseiter wohl erst, als Sid Meier & Co. 2001 mit der Civ-Reihe wiedervereint waren und das ebenso solide wie unaufregende Civilization 3 entwickelten. Über die Jahre setzte Alpha Centauri immer mehr Kult-Patina an und kann heute noch genossen werden: Der Digitalvertrieb gog.com hat für rund fünf Euro eine Download-Version im Angebot, die auch auf modernen Windows-Systemen läuft.

    Interview mit Brian Reynolds

    Brian Reynolds war Mitgründer von Firaxis Games
und designte neben Alpha Centauri auch Strategiespiele
wie Civilization 2 und Rise of Nations. Brian Reynolds war Mitgründer von Firaxis Games und designte neben Alpha Centauri auch Strategiespiele wie Civilization 2 und Rise of Nations. Quelle: PC Games PC Games: Auf welche Merkmale von Alpha Centauri bist du rückblickend besonders stolz?
    Brian Reynolds: "Ich hatte es wohl ganz gut hingekriegt, Charaktere und Storyelemente in einem extrem offenen Strategiespiel zu integrieren. Wir gaben den Charakteren verschiedene Absichten, auf denen ihr Verhalten gegenüber dem Spieler basiert. Sie registrierten deine Aktivitäten und mochten dich mehr oder weniger, je nachdem, ob sie deinen Aktionen zustimmten. Mir gefällt auch, wie wir uns diese zukünftigen Kulturen vorgestellt haben, Dinge wie die Wunderfilme und Charakterstimmen. Es fühlte sich wirklich an wie Science Fiction zum Leben zu erwecken. Ich war extrem geschmeichelt, als Ken Levine mir später erzählte, dass Alpha Centauri ihm mit den kurzen Voiceovers einen Weg wies, wie einiges der Story von Bioshock vermittelt werden könnte."

    PC Games: : Du hast mal gesagt, dass sich der Multiplayer-Aufwand für Alpha Centauri kaum geloht hatte. In welche Programmteile hättest du lieber mehr Zeit gesteckt?
    Brian Reynolds: "Ich hätte hauptsächlich die Charaktere tiefgründiger gemacht, mit noch mehr Wahlmöglichkeiten, und mehr Zeit in Dinge wie Spielbalance und zusätzliche Storyelemente gesteckt. Die meiste Arbeit wendeten wir beim Multiplayer für das simultane Netzwerkspiel auf, und es stellte sich heraus, dass kaum jemand diesen Modus verwendete. Andererseits war das Hotseat-Multiplayer, wo du lediglich einen gespeicherten Spielstand per Email verschickst, innerhalb weniger Tage programmiert – und erheblich mehr Spieler machten davon Gebrauch. Im Nachhinein gesehen hätte ich diesen Modus mehr verfeinern und mir dafür all die harte Arbeit ersparen sollen, die wir in das wenig genutzte Simultan-Multiplayer gesteckt hatten."

    PC Games: Warum hat es all die Jahre nie eine offizielle Fortsetzung zu Alpha Centauri gegeben, obwohl das Spiel so beliebt war? Brian Reynolds: "Ich denke, das lag in erster Linie an der komplexen rechtlichen Lage. Die Alpha-Centauri-Rechte gehören Electronic Arts, deshalb konnte Firaxis nicht ohne deren Genehmigung einen Nachfolger produzieren. Aber ich glaube, dass Firaxis zugleich die Erstoption zur Entwicklung einer Fortsetzung hatte, weshalb EA sie nicht ohne das Studio machen konnte. Und inzwischen gehört Firaxis zu 2K Games/Take Two, einem Hauptmitbewerber von EA. Das macht es nicht unmöglich, sich zusammen zu setzen und eine Lösung zu finden, aber es wäre wirklich kompliziert und zeitaufwendig. Angesichts dieser Komplexität wundert es mich überhaupt nicht, dass Firaxis sich letztendlich entschieden hat, stattdessen (mit Beyond Earth, Anm. d. Red.) ein Sci-Fi-Spiel ‚im Civ-Universum' zu machen. Aber es ist schon schade, dass dies nötig war, denn ich hätte liebend gerne eine Fortsetzung (zu Alpha Centauri, Anm. d. Red.) gesehen."

    PC Games: Hatte es dich eigentlich gestört, dass das Spiel auf der Packung groß als "Sid Meier's Alpha Centauri" bezeichnet wurde, obwohl du der Lead Designer warst?
    Brian Reynolds: "Ach was, als Miteigentümer von Firaxis war ich aktiv an dieser Entscheidung beteiligt. Unsere Annahme war, dass dieser Schriftzug dem Verkauf des Spiels helfen würde. Ich erhielt reichlich Namensnennungen, zum Beispiel im Hauptmenü oder dem Aufklappbild der Originalpackung. Ich hatte definitiv nie Probleme, in der Spieleindustrie Anerkennung für meine Arbeit an Alpha Centauri zu finden."

    PC Games: Behältst du Civilization: Beyond Earth im Auge?
    Brian Reynolds: "Ich hatte mit Interesse die Medienberichterstattung verfolgt, als das Spiel angekündigt wurde. Ich halte es für eine weise Entscheidung, den Gordischen Knoten der Alpha-Centauri-Rechtslage zu umgehen und mit einem neuen Science-Fiction-Spiel weiter zu machen. Ich trauere den Alpha-Centauri-Charakteren, der Story und dem Schauplatz nach, aber angesichts der Situation war es die richtige Entscheidung von Firaxis und gab ihnen den Spielraum, um mit den Spielmechaniken zu experimentieren. Ich habe es selber noch nicht gespielt und generell seit langer Zeit keine Spiele im Civ-Stil mehr angefasst. Die mehr als sechs Jahre, die ich hauptberuflich mit ihrer Entwicklung verbracht hatte, scheinen mein Interesse erschöpft zu haben, sie noch zu spielen."

    PC Games: Du arbeitest aktuell an einem Projekt mit dem Arbeitstitel ‚SecretNewGame', was ist das Geheimnisvolles?
    Brian Reynolds: "Es wird ein ‚Free2play'-Mobilspiel mit einem historischen Thema sein. Demnächst werden wir mehr darüber sagen können."

  • Es gibt 4 Kommentare zum Artikel
    Von Wut-Gamer
    Tja, wer nicht? So viel Genialität auf so wenigen Megabyte gibts wohl nie wieder 
    Von Orzhov
    Eine gute Neuauflage von Masters of Orion würde ich auch gerne nehmen.
    Von MichaelG
    Schau Dir doch aber mal das Alter des Spiels an. Das ganze mit aktueller KI wäre ein Schmatz. Oder ein neues Master of…
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Meisterwerke: Alpha Centauri
Bereits 15 Jahre vor Beyond Earth wagte Alpha-Mann Brian Reynolds eine Reise in die Civilization-Zukunft. Wir blicken im Rahmen unserer Meisterwerke-Reihe zurück auf die Faszination Alpha Centauri.
http://www.pcgames.de/PC-Games-Brands-19921/Specials/Meisterwerke-Alpha-Centauri-1144666/
30.12.2014
http://www.pcgames.de/screenshots/medium/2014/12/alphacentauri003-pc-games_b2teaser_169.jpg
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