Fröhlich am Freitag: Origin, Electronic Arts und die erste allgemeine Verunsicherung [Kommentar des Tages]
Das beherrschende Thema auf pcgames.de und vielen anderen Websites: die Spieleplattform Origin aus dem Hause Electronic Arts.
Gier und Angst sind bekanntlich die zwei zentralen Motive, die Menschen antreiben. Angst ist das stärkere Motiv der beiden – und deshalb leben etliche Branchen extrem gut von und mit der Angst des Volkes. Um beim Beispiel Versicherungen zu bleiben: Sobald die Brandstiftung anfängt zu wirken (weil sich der Verbraucher die Autopannensituation in schönsten Farben gedanklich ausmalt), gibt es nur drei Möglichkeiten.
a) Der Verbraucher schließt die Versicherung sofort ab - Treffer, versenkt!
b) Der Verbraucher kommt ins Grübeln, überlegt sich die Sache nochmal und schließt dann doch ab. Ebenfalls Punkt für den Verkäufer.
c) Der Verbraucher verzichtet. Und jetzt überlegen wir uns mal, mit welchem Gefühl der Betroffene in den folgenden Wochen und Monaten nachts über die Landstraße fährt…
Fröhlich am Freitag ist die extrem unregelmäßige Kolumne von PC-Games-Chefredakteurin Petra Fröhlich.
Ähnlich verhält es sich mit der mehr als umstrittenen Download-Plattform Origin aus dem Hause Electronic Arts und dessen EULA (also den Allgemeinen Geschäftsbedingungen): Selbst bei jenen Spielern, die sich von den Origin-Debatten nicht schrecken lassen (und das sind hierzulande Hunderttausende), dürfte seit gut einer Woche eine diffuse Angst mitspielen: Wird Origin meine halblegale Version vom Fußball Manager 10 und von Dragon Age: Origins entdecken – und wenn ja: Ist bereits die Kavallerie in Form der Staatsanwaltschaft unterwegs? Wer im kalifornischen EA-Hauptquartier schaut sich gerade meine Steuererklärung 2009, meine iTunes-Playlist oder die fiesen Fotos von der Silvesterfeier an?
EULA, das bedeutet sinngemäß übersetzt: Der Worte sind nun echt genug gewechselt, lasst Daten folgen. Viele Daten!
Die Diskussion um die Origin-EULA wird schwerpunktmäßig in Deutschland geführt – dort, wo das Thema Datenschutz seit jeher am kontroversesten diskutiert wird. Deutschland ist das Land, in dem sich Verbraucherschutzministerinnen aus Protest bei Facebook abmelden. Es ist das Land, in dem so viele besorgte Eigenheimbesitzer wie nirgends sonst ihr Veto einlegen, wenn ihnen Google Streetview in den Vorgarten leuchten will. Und wenn das PlayStation Network (PSN) die eine oder andere Kreditkarteninformation verliert, kennt das heute-journal für ein paar Tage lang kein anderes Thema mehr.
Getreu dem Motto: Nur weil man paranoid ist, bedeutet das ja noch nicht, dass sie nicht trotzdem hinter einem her sein können.
Die womöglich nicht rechtskonformen und womöglich übertriebenen Datenschnüffeleien powered by Origin haben zu dem geführt, was man landläufig einen "Shitstorm" nennt: Angefangen von Spielewebsites über Facebook, Foren und Twitter bis hin zu TV-Nachrichtensendungen wird eifrig berichtet, analysiert, disktutiert, gestritten; Tausende haben ihre virtuelle Unterschrift unter eine Online-Petition gesetzt. Die Protestplattform theorigin.de hat im Namen "der Community" (wie viele Prozent der Gesamt-Community das auch immer sein mögen) einen "Offenen Brief" formuliert und fordert nicht weniger als die Abschaltung von Origin. Die Emotionen zwischen Befürwortern und Gegnern von Origin kochen hoch: In Foren (auch hier auf pcgames.de) kommt bereits die bloße Nennung von Stichworten wie "Origin" oder "Electronic Arts" dem Jonglieren mit Nitroglyzerinfläschchen gleich.
Wer zu Sachlichkeit und Besonnenheit aufruft, könnte genauso gut versuchen, Charlie Sheen zu einem stillen Mineralwasser zu überreden.
Im deutschsprachigen Raum dürfte die Zahl der verkauften PC-Versionen von Battlefield 3 bei rund einer Viertelmillion liegen. Wie viele von diesen bislang 250.000 Spielefans die Packung zurückgebracht oder zurückgeschickt haben, ist nicht bezifferbar. Die Reaktionen einzelner Elektronikmärkte, die ihre Kunden sogar vor dem Kauf vor "ungeklärten" Datenschutzproblemen warnen und sich das gar schriftlich bestätigen lassen, lässt darauf schließen, dass die Zahl der Retouren größer ist als 1. Angeblich hat EA-Deutschland-Chef Coenen seine Handelspartner sogar dazu aufgerufen, bereits geöffnete Packungen nicht zurückzunehmen, denn aus seiner Sicht ist ja alles in Ordnung (die Echtheit dieses Schreibens ist indes nicht belegt). Unsere unrepräsentative Schätzung aufgrund von Gesprächen mit Händlern, Versendern und Märkten: Die Retourenquote liegt deutlich unter 5 %, also grob fünfstellig.
Unbestritten: Wer in Deutschland Spiele verkaufen will, muss sich an deutsche Gesetze halten. Inwieweit die EA-EULA hier Nachholbedarf hat, müssen Juristen, Datenschützer und Gerichte klären. Ebenfalls vorhersehbar: Die EULA von heute wird zu Weihnachten 2011 eine andere sein.
Vier zentrale Erkenntnisse lassen sich Stand heute nach rund einer Woche Origin-Shitstorm ableiten:
Mein Appell an die Publisher: Lasst eure Kunden wissen, was gespielt wird!
Und der Appell an jene, die sich mit Begeisterung die Nächte auf den Battlefield-Servern um die Ohren schlagen: Lasst euch die gute Laune nicht verderben!
Ein schönes Wochenende wünscht allen Lesern
Petra Fröhlich
Der Worte sind genug gewechselt, lasst Daten folgen: Origin wirft einen Blick in Verzeichnisse, die dem System eigentlich nichts angehen. Doch ob das bei Windows "normal" ist oder ob hier Grenzen überschritten werden, darüber wird heftig gestritten.
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kopierschutz, drm und derlei dinge sind "zentraler bestandteil" eines spiels?
bitte?
Ich halte es für einen Fehler, Softwares wie Origin, Steam etc. nicht in die Bewertung aufzunehmen. Immerhin sind sie zentraler Bestandteil des jeweiligen Produktes und werden mit verkauft. Ich halte zudem die Trennung in einer Bewertung zwischen Spiel und solchen Zusätzen für willkürlich.…
Steamzwang, Origin, irgend son Rootkitdreck? BÄM! Erstmal knallhart 10 Punkte Abwertung.
Obwohl ich befürchte da ist der Zug schon abgefahren, das hätte damals gleich bei der Steameinführung passieren sollen. Denn wie Frau Fröhlich schreibt, haben sich die Bauern schon mit dem Joch…