PC Games

Fröhlich am Dienstag: Leisure Suit Larry, Kickstarter und die Inka-Panflöten-Gruppen

03.04.2012 15:45 Uhr
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Die digitale Version von "Haste mal ne Mark" heißt Kickstarter. Doublefine-Chef Tim Schafer ließ den virtuellen Klingelbeutel rumgehen - und öffnete sowohl die Herzen als auch die Portemonnaies (nicht zuletzt jene der PC-Games-Redakteure, die nun weiß Gott nicht unter mangelndem Spielenachschub leiden). Jetzt versucht auch Al Lowe mit einem Leisure-Suit-Larry-Remake sein Glück - PC-Games-Chefredakteurin Petra Fröhlich kommentiert.

Make Leisure Suit Larry come again - schon in der Überschrift lassen Al Lowe und seine Mitstreiter keinen Zweifel daran, welche Humorgipfel beim Remake erklommen werden sollen. Make Leisure Suit Larry come again - schon in der Überschrift lassen Al Lowe und seine Mitstreiter keinen Zweifel daran, welche Humorgipfel beim Remake erklommen werden sollen. [Quelle: Siehe Bildergalerie] Petra Fröhlich ist Chefredakteurin von PC Games. Petra Fröhlich ist Chefredakteurin von PC Games. [Quelle: Siehe Bildergalerie] Tim Schafer war nicht der erste, der mit Kickstarter Geld eintrieb. Aber zweifellos der lustigste. Mit charmanter Underdog-Attitüde, nachgewiesenem Talent (Monkey Island, Grim Fandango) und schreiend kommischen Videos wurden Spendengelder von mehr als drei Millionen Dollar für ein klassisches Adventure eingeworben.

Wer für die Doublefine-Inkasso-Aktion nicht zumindest ein bisschen Sympathie übrig hat, findet auch Golden-Retriever-Welpen und Baumarkt-Kaninchen doof.

So ein irrer Erfolg triggert zwangsläufig "Das kann ich doch auch!"-Trittbrettfahrer. Dagegen ist prinzipiell erstmal nichts zu sagen, denn die Kickstarter-Ausschreibungen sind zutiefst demokratisch, transparent und gnadenlos: Kommen genügend Spenden zusammen, wird losprogrammiert – wenn nicht, dann nicht. Beim Endzeit-Rollenspiel Wasteland 2 hat's zum Beispiel geklappt; das ursprüngliche Ziel von 900.000 Dollar wurde um mehr als das Doppelte übertroffen.

Dennoch: Das Hypethema Crowdfunding im Allgemeinen und Kickstarter im Speziellen laufen Gefahr, allmählich in "Och nee, nicht schon wieder!"-Regionen abzudriften. So wie die Inka-Panflöten-Kapellen in der Fußgängerzone – die erste ist noch amüsant und eine Münze wert, bei der fünften nervt das Gedudel.

Es scheint, als hätten viele gelangweilte Entwickler und Studios nur darauf gewartet, in den Keller hinabzusteigen und in den Umzugskisten zu kramen, was für feine Lizenz-Zombies denn da noch vor sich schimmeln. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis das Ehepaar Williams ihre Yacht in einen nahegelegenen Hafen navigiert und verkündet: "Ladies and Gentlemen, wir machen ne Fortsetzung zu King's Quest – bitte spenden Sie jetzt!"

Und jetzt auch noch Al Lowe mit "Leisure Suit Larry in the Land oft he Lounge Lizards" reloaded. Die Ausschreibung folgt dem bekannten Muster: Für 15 Dollar gibt's den Download des fertigen Adventures, für 10.000 Dollar wird man nach Seattle eingeflogen und darf mit Al Lowe dinieren. Dazwischen rangieren diverse Ausbaustufen in allen Preisklassen, von der Nennung in den Credits bis hin zu signierten Fanartikeln.

Ich fürchte, die Erwartungen vieler Spender werden enttäuscht, egal, wie brillant das Remake ausfällt.

Die meisten Kickstarter-Spieleprojekte sind im Grunde nichts anderes als gekaufte Kindheitserinnerungen. So wie das Playmobil-Piratenschiff, "Wetten dass" mit Frank Elstner, Omas Blechkuchen oder Captain-Future-Folgen. Diese nostalgisch verklärte Sehnsucht ist verständlich, doch Remakes und Klassiker-Fortsetzungen haben nachgewiesenermaßen ihre Tücken.

Es gibt wohl nur wenige, die Star Wars Episode 1 dieselbe Magie zuschreiben wie den Episoden 4 bis 6.

Leisure Suit Larry ist mein persönliches Playmobil-Piratenschiff unter den PC-Spielen. Es war Ende der 80er mein erstes "richtiges" Computerspiel (abgesehen von Shareware-Gedöns) – und es flimmerte so oft über meinen damaligen Schwarz-Grün-Monitor, dass ich es womöglich heute noch ohne Komplettlösung am Stück durchspielen könnte. Mein Verlangen nach einem Remake liegt bei ungefähr null, einfach, weil die Ansprüche an Spieldesign, Steuerung, Erzähltempo und –weise gestiegen sind. Und bei allem Respekt vor Al Lowe: auch die Ansprüche an den Humor – einen Ingo-Appelt-gestählten Verbraucher werden die "CENSORED"-Szenen nicht mehr aus der Umlaufbahn kegeln.

Es ist jedem einzelnen Crowdfunding-Projekt zu wünschen, dass sich hinreichend Fans und somit Förderer finden – ganz sicher wird auch diese Kickstarter-Aktion binnen weniger Tage das gesteckte Ziel erreichen. Man bewahre uns nur vor den vielen anderen programmierten Antiquitäten aus den wilden 80ern und 90ern, die man besser wohl besser wie die Bundeslade in einer Holzkiste am hinteren Ende eines riesigen Lagers belassen würde.

Print-Chefredakteurin
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03.04.2012 15:45 Uhr
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Dein Kommentar
Erfahrener Benutzer
Bewertung: 0
08.04.2012 14:24 Uhr
Bei Kickstarter ist die Höhe der Einzahlungen in Stufen eingeteilt, ich vermute man muss mindestens die erste Stufe bezahlen, weiß ich aber nicht sicher.
EDIT:Quatsch, du hast recht, es gibt dazu auch noch eine minimale Einzahlungsgrenze.

Nebenbei, so wie die das bei Shadowrun Returns…
Community Officer
Bewertung: 0
08.04.2012 13:57 Uhr
Zitat: (Original von MisterSmith;9438568)
So wie ich das verstehe, bekommt man sein Geld wieder, wenn man die versprochene Leistung nicht erhält.

Ist nur die Frage, wie das in der Realität aussieht: Die Entwickler haben ja auch laufende Kosten die durch die Spenden abgedeckt werden. Wenn das Projekt jetzt aber…
Erfahrener Benutzer
Bewertung: 0
08.04.2012 13:32 Uhr
Zumindest bei Kickstarter steht in den Nutzungsbedingungen:
http://www.kickstarter.co...

So wie ich das verstehe, bekommt man sein Geld wieder, wenn man die versprochene Leistung nicht erhält.

EDIT: Ist halt die Frage ob sich 'erfolgreich' auf die Kampagne oder nur auf die nötigen…

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