Overlord
Sie beenden das Spiel als fieser Tyrann oder als geläuterter Gutmensch. Es gibt mehrere Endsequenzen; welche Sie sehen, bestimmt ein Moralsystem, das Ihre Durchtriebenheit misst: Erschlagen Sie Unschuldige, werden Sie böser. Helfen Sie stattdessen Bedürftigen, macht das Ihre Weste nicht nur sauber, sondern rein. Selten lässt Ihnen das Spiel die Wahl, einen Auftrag auf zwei Weisen zu lösen - zum Beispiel dringend benötigte Nahrungsmittel einzubehalten, anstatt sie abzugeben. Solche Freiheiten hätten wir uns häufiger gewünscht!
Mit der Zeit wird auch der dunkle Turm wieder aufgebaut, das schaltet neue Räume frei. Gegen bare Münze kaufen Sie Verschönerungen wie einen größeren Thron oder Wächterstatuen. Optische Gags, zum Schmunzeln erdacht - spielerisch haben sie aber keinerlei Auswirkungen. Eine Ausnahme ist der Schmelzofen, wo Sie Schergen zu neuen Rüstungen und Waffen verarbeiten. Eine Idee, die kaum etwas bringt: Die Auswahl an Items ist limitiert und die Schergenkosten sind viel zu hoch, um das Aufwerten einer Waffe zu rechtfertigen. Hier wird wichtiges Potenzial verschenkt. Klasse ist jedoch die Wahl Ihrer Braut: Sie entscheiden sich zwischen einer tussihaften Ordnungstante und einem lüsternen Gothic-Vamp. Solche Momente sind so cool, man möchte das Spiel fest an sich drücken.
Mehr Rollenspielelemente hätten Overlord aber grundsätzlich gutgetan, denn im Prinzip machen Sie Stunde um Stunde immer das Gleiche: Ihre Schergen auf Gegner und Hindernisse hetzen, zwischendrin schicken Sie mal einen Axthieb oder Feuerball hinterher. Ein wenig Spielwürze bringen die vier Schergen-Typen: Die roten Schergen schleudern etwa Feuerbälle, daher platziert man sie besser per Sammelpunkt auf einer höheren Ebene. Dort sind sie geschützt und haben höhere Trefferquoten. Insgesamt ist das Spiel aber zu leicht: Den Kämpfen mangelt es an Herausforderung, da die Gegner-KI keine Tricks auf Lager hat. Auch den Rätseln fehlt es an Biss. Selten erwartet man von Ihnen mehr, als Schergen zu einem Schalter zu lenken. Dennoch: Wo es dem innovativen (!) Gameplay an Abwechslung mangelt, sorgen fiese Gags und eine tolle Inszenierung für diabolischen Spielspaß. Kaufen!


Mein größter Kritikpunkt an dem Spiel ist die recht kurze Spieldauer, ansonsten wäre es durchaus ein Ü90%-Kanditat.