Nachfolger zum hevorragenden Shooter No One Lives Forever.
Ein japanischer Ganove wird ge- und nicht erschossen: mit einem zum Fotoapparat umgebauten Lippenstift.
Eine wahre Freude ist es, Figuren von einem sicheren Versteck aus zu beobachten. Wachposten putzen sich die Stiefel, inspizieren die Umgebung, kritzeln Notizen auf ihre Blöcke, laufen Routen ab, kurz: sie gehen ihrem ganz normalen Tagesablauf nach. Häufig ergeben sich spaßige Smalltalks: Da beschwert sich beispielsweise ein indischer Terrorist in wunderbar witziger Sprachausgabe über seine herrische Stiefmutter, während ein Ninja über fehlende Freizeit klagt, weil er ständig für Attentate eingeteilt wird. Nichts wird in No One Lives Forever 2 richtig ernst genommen; der Humor zieht sich durchs ganze Spiel. Selbst die Bösewichte, ein bis auf die Augen eingegipster Volkov im Rollstuhl und Pierre, der kleinwüchsige Meuchelmörder, sind ausnahmslos bizarr gehalten. Kein anderes Action-Spiel hat eine höhere Lacher-pro-Sekunde-Rate: Während der Infiltration eines indischen H.A.R.M.-Hauptquartiers stolpert Cate in eine Falltür, die etliche Meter nach unten führt. Dort stehen drei flauschige Karnickel, die lustig ihre Hasenzähne blecken. Daneben liegt ein Zettel, auf dem geschrieben steht: "Die Lieferung der Todeshasen aus Kanada verzögert sich. Bitte benutzen Sie bis dahin diesen Ersatz."
Den Titel als Ego-Shooter zu bezeichnen, wäre nicht ganz korrekt: Erstens schießen Sie nicht ausschließlich, zweitens gibt es genügend andere Dinge zu tun. Eine Mission umfasst eine scheinbar langweilige Hausdurchsuchung. Es gilt, sämtliche Schränke, Schubladen und andere Verstecke nach Beweismitteln zu durchforsten. Das klingt öde, ist aber aufregend, weil die Atmosphäre des heruntergekommenen Gebäudes passend eingefangen wird: Sonnenstrahlen brechen vereinzelt durch schlecht zugenagelte Fenster, sogar winzige Staubpartikel schwirren durch die Luft, während im Wohnzimmer lose Fensterladen im Wind klappern. Ein anderer Auftrag spielt sich in einer indischen Stadt ab, die gerade von Supersoldaten heimgesucht wird. Es herrscht Ausnahmezustand; auf den Straßen wird geschossen und Brände versperren Durchgänge. Cates Aufgabe ist die Rettung von Zivilisten.
Dazu scheuchen Sie die Agentin durch verwinkelte Gassen, über den Marktplatz, vorbei an ramponierten Verkaufsständen, direkt hinein ins Krisengebiet. Das Feuer, das die Fluchtwege versperrt, löschen Sie mit einem Wassereimer, den Sie jeweils nachfüllen müssen. Das ist gar nicht so einfach, wenn Ihnen dabei die Kugeln um die Ohren fliegen. Der Einsatz in Sibirien ist bombastisch wie James-Bond-Popcorn-Kino: Mit einem Schneemobil schlittern Sie durch eine feindliche Basis, um einen gewaltigen, herrlich unrealistischen Sprung über eine explodierende Brücke zu vollführen - natürlich inklusive Sekunden-Countdown. Highlight ist der Kampf in einem Haus, das von einem Wirbelsturm erfasst, durch die Luft getrieben und sukzessive auseinander gerissen wird. Das sind Szenen, die Sie nur in No One Lives Forever 2 finden werden - einem Spiel, spannend, humorvoll und abwechslungsreich von vorne bis hinten.
In Sachen Multiplayer-Modus beschreiten die Entwickler einen neuen Pfad. Auf traditionelle Spielmodi wie Capture the Flag oder Deathmatch hat man verzichtet, stattdessen gibt es einen Kooperativ-Modus, in dem bis zu vier Spieler gleichzeitig gegen die H.A.R.M.-Bösewichte antreten können - und zwar in recycelten Einzelspieler-Levels mit leicht abgewandelten Missionszielen. Teamwork steht dabei an erster Stelle. In Mission 1 ist eines der Auftragsziele die Rettung der verwundeten Cate Archer: Ein Spieler trägt die Agentin über den Schultern, der andere gibt Rückendeckung. Spaß macht der Mehrspielermodus allerdings nur im Netzwerk; über das Internet gibt es trotz schneller Verbindung starke Verzögerungen. Herzstück ist klar die Einzelspieler-Kampagne - und in dieser Hinsicht punktet No One Lives Forever 2 in allen Belangen.


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