Napoleon: Total War im Test: Der Empire-Nachfolger macht fast alles besser
Artillerie ist noch wichtiger als in Empire und rafft ganze Kompanien dahin.
Natürlich lassen sich militärische Konfrontationen auch wieder automatisch berechnen. Diese Möglichkeit dürften Sie in Napoleon: Total War jedoch seltener als im Vorgänger wahrnehmen: Besonders in den ersten beiden Kampagnen haben Sie weder die Zeit noch das Geld, um große Armeen vom Stapel laufen zu lassen. Um die zahlenmäßig überlegenen Gegner zu besiegen, müssen Sie daher öfter selbst eingreifen. Dafür freuen Sie sich umso mehr, wenn es Ihnen gelingt, eine Übermacht auszutricksen und die eigenen Truppen unbeschadet nach Hause zu bringen. Häufigere Stufenaufstiege erfahrener Einheiten verstärken die Zuneigung gegenüber den Soldaten. Wenn Sie am Ende der Ägyptenkampagne mit Napoleon vor der Zielprovinz Damaskus stehen und Ihre zu Eliteeinheiten herangereifte Artillerie Kleinholz aus den gegnerischen Truppen macht, dann fühlen Sie sich in der Tat wie ein General, der seine Streitmacht durch Feuer und Tod zum Sieg geführt hat.
Apropos General: Die Heerführer sind noch verletzlicher als zuvor und im Kampf nahezu wehrlos. Im Gegenzug erweisen sich ihre Spezialfähigkeiten jedoch als nützlich, da Sie damit die Moral verbündeter Truppen erneuern können. Leider klappt das nur innerhalb eines engen Radius. Praktisch: Den Gemütszustand der Soldaten lesen Sie jetzt an einem kleinen Balken über der Einheit ab – wenn der Trupp Verluste erleidet oder der Gegner die Flanke angreift, sinkt die Moral und der Balken leert sich. Dann heißt es schnell handeln, denn wenn sich erst einmal einzelne Uniformierte zur Flucht wenden, befindet sich bald das ganze Heer in Auflösung.
Die Schiffskämpfe sehen spektakulär aus, steuern sich aber immer noch behäbig.
Als Empire im März 2009 erschien, war es bei Weitem nicht perfekt: Neben einigen technischen Anlaufschwierigkeiten bereitete besonders die künstliche Intelligenz der Computergegner vielen Spielern Probleme. Für Napoleon haben sich die Entwickler deshalb vorgenommen, die CPU-Generäle schlauer agieren zu lassen, was größtenteils geglückt ist. Besonders auf der Strategiekarte verhalten sich die Nationen clever, sammeln einzelne Einheiten in großen Armeen, legen Hinterhalte und greifen gezielt die am schwächsten verteidigten Provinzen an. Selbst Seeinvasionen sind jetzt Bestandteil der Computertaktiken und Verbündete stehen Ihrer Nation besser im Kampf bei. Teilweise überraschen die Aktionen der KI sogar auf angenehme Weise: Als wir in der Europakampagne mit Napoleon Moskau belagerten, brachen die zuvor dezimierten Preußen und Österreicher ihre Friedensverträge mit Frankreich und fielen über unsere schutzlosen Besitztümer im Hinterland her. Nachdem wir unsere Reservearmee aus Russland abgezogen hatten und mit ihr eine der verlorenen Städte angriffen, bot uns die darin befindliche Garnison angesichts der Übermacht die Kapitulation an – bei Empire kam es in solchen Situationen oft zu sinnlosen Kämpfen bis zum Tod. Auch in diplomatischen Belangen haben die KI-Gegner dazugelernt. Statt Sie wie im Vorgänger Runde für Runde mit obskuren Tauschvorschlägen für Ihre Provinzen zu belästigen, fordern die benachbarten Staatsmänner auf realistische Weise Ihre Bündnistreue ein oder verlocken Sie mit Geldgeschenken dazu, ihnen im Konflikt mit einer dritten Nation zu helfen. Eine neue Waffe im Arsenal des Staatsmanns sind zudem die – salopp ausgedrückt – „Schweinedeals“: Unter anderem lassen sich Verbündete dazu aufstacheln, eine andere Nation mit einem Handelsembargo zu belegen, welches die Wirtschaft des Widersachers lahmlegt. Klasse!
Sie können jetzt andere Staaten dazu anstiften, Feinde mit Handelsembargos zu belegen.
So gut die KI im Rundenmodus auch agiert, in den Kämpfen könnten die Computergeneräle ein paar Nachhilfestunden vertragen: Noch immer kommt es vor, dass gegnerische Artillerie vor Hügeln steht und in den Boden feuert. Mehr als einmal beobachteten wir, wie Reiter um ein von uns besetztes Haus kreisten und sich dabei von den Schützen im Inneren wehrlos abknallen ließen. Dennoch: Solche Totalausfälle sind seltener geworden. Außerdem haben die Entwickler kurz vor Redaktionsschluss bereits ein größeres Update angekündigt, das unter anderem die Aggressivität der Gegner erhöhen soll. Leider konnten wir das nicht mehr rechtzeitig zum Test nachprüfen. Wer ohnehin nur ungern gegen virtuelle Widersacher antritt, kann in Napoleon: Total War übrigens einem menschlichen Gegner das Kommando über die Feindestruppen übergeben.
An der Inszenierung der Schlachten hat Creative Assembly kräftig geschraubt: Wer die Kamera in der Nähe von Kanonen positioniert, dessen Bild wackelt bei jedem Schuss, während ein tiefes Krachen aus den Lautsprechern dröhnt. Beim Einschlag reißen Kanonenkugeln tiefe Krater in den Boden und wirbeln getroffene Soldaten wie Puppen durch die Luft. Auf den Planken der Schiffe spiegelt sich die Sonne und bei Bränden an Bord gehen die Segel spektakulär in Flammen auf. Bei Weitem der beeindruckendste Anblick sind jedoch die volumetrischen, flauschigen und halb durchsichtigen Pulverdampfschwaden, die sich über den Köpfen der Musketenschützen oder zwischen den Segeln der Kanonenboote bilden. Mit zunehmender Kampfdauer nehmen diese Wolken aus beißendem Rauch an Größe zu, bis sie das halbe Schlachtfeld verdecken. Satte Farben und ein allgemein düsterer Anstrich erwecken dazu perfekt den Eindruck gewaltiger Schlachtengemälde, wie sie für die Zeit der Napoleonischen Kriege typisch sind. Dazu kommt die aufgehübschte Strategiekarte, auf der Städte wie Paris und London mit Details protzen. Leider sind selbst solche Metropolen im Echtzeitmodus minimalistisch umgesetzt: Wenn Sie die Franzosen vor Paris stellen und dann mit Napoleon um die Kontrolle über eine Handvoll Bauernhäuser kämpfen, kratzt das an der Atmosphäre. Die Akustik unterstützt dagegen die Illusion, dass Sie sich im Europa des 18. und 19. Jahrhunderts befinden. Die dramatische bis ruhige klassische Musik begleitet gekonnt sowohl epische Schlachten als auch das überlegte Taktieren auf der Übersichtskarte. Ein Lob verdienen sich die Entwickler für die in ihrer Heimatsprache sprechenden Soldaten. Ausgerechnet Napoleons Stimme ist jedoch ein Reinfall. Aber dafür war der Korse ja auch nicht berühmt.


grafisch Super. Aber im spiel kommt bei mir frust auf (siehe Kommentare von chris110488): In Gefechten/Schlachten: Einige Einheiten führen Befehle nicht aus, obwohl voll motiviert. Sondereinheiten wie z.B. die Black Watch 42 Highland Regiment haben bis auf eine höhere motivation überhaut keine…
http://www.zdf.de/ZDFmedi...#/beitrag/video/996842/Geschichtsunterricht-2010
Napoleon sieht echt gut aus Bin ein total war fan der ersten stunde, shogun, med1, med2. Sind so ziemlich konkurenzlose spiele. kenne nichts besseres in diesem sektor. Leider muß ich ehrlich auch zugeben, das diese auch…