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  • Naissancee im Test: Abwechselnd atemberaubend und irritierend - mit Video

    Naissancee verbindet einen ausgefallenen Grafikstil mit Puzzles und Hüpfeinlagen. Quelle: PC Games

    Ein Hüpfspiel mit künstlerischem Anspruch, ein Puzzlespiel ohne Story, ein Spiel, das den Erkundungsdrang schürt und keine Texturen hat: Naissancee ist ungewöhnlich. Unser Test samt Video-Review zeigt auf, das Tristesse schön sein kann, dass fair verteilte Speicherpunkte Gold wert sind und dass es nie eine gute Idee ist, vom Spieler Präzisionssprünge aus der Ego-Perspektive zu verlangen - es sei denn, das Spiel heißt Mirror's Edge.

    Der Weg ist das Ziel - selten hat diese Weisheit besser zu einem Spiel gepasst als bei Naissancee. Das Indie-Projekt, das auf der Unreal Engine fußt und von den Spielern per Steam Greenlight in Valves Online-Shop gewählt wurde, verzichtet nämlich komplett auf einen typischen Plot und einen richtigen Handlungsabschluss. Neben der offenbar weiblichen Protagonistin, die während der fünfstündigen Solo-Kampagne kein einziges Wort verliert, gibt es noch ein mysteriöses, finsteres Wesen, das an das Rauchmonster aus der TV-Serie Lost erinnert.

    Die Nemesis der Heldin bekommt ihr nach dem abrupten Story-Beginn aber nur noch einmal ganz am Ende zu sehen - nach einer Art Boss"kampf" endet das Spiel auf die unspektakulärste Art und Weise, die man sich vorstellen kann. Antworten auf Fragen, die sich der Spieler bei seinem Trip durch Naissancee zwangsläufig stellt, liefert die vermeintliche Auflösung nicht. So muss der atmosphärische Abstieg in die Eingeweide einer faszinierenden Stadt unter der Erdoberfläche für sich stehen. Nur gut, dass dieser Erkundungstrip mit jeder Menge spektakulären Ansichten und der vielleicht beeindruckendsten Level-Architektur der letzten paar Jahre aufwarten kann, was die Abwesenheit einer Story fast vergessen macht.

    Wo der Weg zum nächsten Level-Ausgang ist, erschließt sich einem nicht immer sofort. Wo der Weg zum nächsten Level-Ausgang ist, erschließt sich einem nicht immer sofort. Quelle: PC Games

    Tristesse, die begeistert

    Das optische Alleinstellungsmerkmal von Naissancee ist seine Kargheit: Texturen gibt es keine, Farben bis auf ganz wenige Ausnahmen auch nicht, nahezu alles ist Grau in Grau. Das verleiht dem Spiel auf den ersten Blick den Anstrich einer Tech-Demo oder eines frühen Prototypen. Indie-Entwicklerstudio Limasse Five hat für sein monochromes Erstlingswerk gigantische Levels gebaut, die uns mit ihrer Größe und Ästhetik imponieren - trotz oder gerade wegen der spartanischen Optik sorgt die beeindruckende Architektur von Naissancee im Minutentakt für Momente mit Staun-Garantie. Da gibt es Bogengänge, die wie für Riesen gebaut scheinen und in einer prächtigen Kathedrale bestens aufgehoben wären, kilometerweite Schluchten mit dezenter Todesstern-Färbung und schließlich wagt das Spiel sogar einen Ausflug in eine seltsame Pixel-Wüste.

    Obwohl Grau, Weiß und Schwarz die vorherrschenden Farben sind, gibt's in Naissancee spektakuläre Ansichten zu bestaunen. Obwohl Grau, Weiß und Schwarz die vorherrschenden Farben sind, gibt's in Naissancee spektakuläre Ansichten zu bestaunen. Quelle: PC Games Naissancee glänzt so immer wieder mit wunderschönen Panoramen, während der Spieler Schritt für Schritt tiefer in eine fremdartige Unterwelt hinabsteigt, in der man gespannt um jede Ecke lugt, neugierig darauf, welch wundersamer Anblick einen als nächstes erwartet. Dieses Gefühl des Entdeckens und Erforschens erinnert an den Abstieg in die zufallsgenerierten Riesenhöhlen von Minecraft, ist dank der mit Sorgfalt gebauten Levels und dem minimalistischen, aber perfekt abgestimmten Soundtrack aber deutlich mitreißender und stimmungsvoller. In der zweiten Spielhälfte wird's dazu auch richtig schräg, wenn Naissancee mit den Konventionen des logischen Spielablaufs bricht und die Designer einige absonderliche Gedankenexperimente im Spiel umsetzen. Darunter leidet allerdings trotz der wenigen alternativen Routen zuweilen die Orientierung, um die es bei Naissancee ohnehin nicht sonderlich gut bestellt ist. Das liegt unter anderem an der omnipräsenten Dunkelheit im Spiel. Besonders während einer längeren Sequenz in einem optisch langweiligen System von Röhren sieht man kaum die Hand vor Augen.

    05:18
    Naissancee im Videotest: Phänomenale Architektur, missglückte Hüpfpassagen

    Mit Kopfnüssen sieht's finster aus!

    Einige Oberflächen werden durchlässig, wenn sie nicht vom Licht angestrahlt werden: eins der häufigsten Rätselelemente. Einige Oberflächen werden durchlässig, wenn sie nicht vom Licht angestrahlt werden: eins der häufigsten Rätselelemente. Quelle: PC Games Die Dunkelheit, stellenweise ein echtes Hindernis für den Spielspaß, spielt auch eine zentrale Rolle im Spieldesign. Denn Naissancee enthält neben dem "Lauf durch die Stadt und schau dich um"-Aspekt auch sehr sparsam eingesetzte, aber logisch und gut aufgebaute Puzzles, in denen es um das Spiel mit Licht und Schatten geht. So stoßt ihr immer wieder auf silbern glitzernde Wände, die es zu passieren gilt. Befinden sich diese Oberflächen im Schatten, werden sie wie von Zauberhand durchlässig. Also manipuliert ihr geschickt die Umgebung und stößt von den Entwicklern bewusst platzierte Lichtkügelchen an, um Schatten zu erzeugen. Das klingt komplex, ist es aber nicht: Die Kugeln bewegen sich bei Kontakt mit der Spielfigur zu einer von zwei vorgegebenen Orten, allein durch bloßes Ausprobieren lassen sich die Rätsel so lösen. Die einzige Ausnahme in Sachen Schwierigkeitsgrad stellt ein größeres Verschiebe-Puzzle dar, bei dem tatsächlich etwas Nachdenken gefordert ist. Indes: Naissancee ist kein Puzzlespiel, kein Portal-Ersatz und schon gar kein Spiel, das die grauen Zellen trainiert. Im gesamten Spielverlauf stoßt ihr gerade mal auf ein knappes Dutzend Denkaufgaben.

    Die Levels sind riesig, aber auch furchtbar leer. Anderen Lebewesen begegnet ihr bis auf eine Ausnahme nie. Die Levels sind riesig, aber auch furchtbar leer. Anderen Lebewesen begegnet ihr bis auf eine Ausnahme nie. Quelle: PC Games

    Sackhüpfen in den Tod

    Den Großteil eurer Zeit verbringt ihr in Naissancee mit Rennen und Hüpfen. Zwar lässt sich das Spiel nur mit viel Vorstellungskraft und zwei zugedrückten Augen als Jump & Run klassifizieren, dennoch ist Geschicklichkeit eine Grundvoraussetzung für interessierte Spieler. Und wenn man dann noch über Engelsgeduld und eine hohe Frustresistenz verfügt, kann das nicht schaden. Denn die ästhetisch so begabten Entwickler von Naissancee versagen auf ganzer Linie, wenn es um die Gestaltung eines fairen Hindernisparcours geht. Das fängt schon mit der Prämisse des Spiels an: Ein Spiel mit Ego-Perspektive, bei dem es auf zentimetergenaue Sprünge ankommt? Das kann doch nur schiefgehen! Zumal die Spielfigur anders als im in dieser Hinsicht gelungenen Mirror's Edge eine körperlose Kamera ist, die über dem Boden schwebt. Ohne dargestellte Gliedmaßen fiel es uns im Test ausgesprochen schwer, Entfernungen und den richtigen Zeitpunkt zum Abspringen abzuschätzen. Und wenn wir mal wieder in eine (oftmals bis zum letzten Augenblick unsichtbare) Spalte stürzten, kannte das Spiel kein Erbarmen: Statt die Protagonistin sich an der um Haaresbreite verpassten Kante festhalten zu lassen, stürzte sie hilfslos in die Tiefe. Wieder und wieder und immer wieder.

    Das schlechte Speichersystem verschärft die ganze Angelegenheit noch: Naissancee legt zwar automatische Spielstände an, die Abstände zwischen den Checkpoins sind jedoch teils sehr groß. So kommt es vor, dass ihr bei einem Fehlschlag minutenlange Sequenzen noch einmal spielen müsst. Frustrierend, zumal es keine Möglichkeit gibt, den Spielfortschritt vor kniffligen Parts selbst zu sichern. Zum Testzeitpunkt arbeitete Entwickler Limasse Five laut eigener Aussage aber bereits an einem Patch, der sich dieser Problematik annehmen soll. Wir drücken die Daumen, dass dieses Unterfangen von Erfolg gekrönt ist. Im Zuge dieses Updates korrigieren die Entwickler hoffentlich auch gleich noch einige Schlampigkeiten bei der Programmierung: So funktionieren auf schwächeren Systemen mit niedriger Framerate Ventilatoren nicht richtig, die den Charakter eigentlich per Luftstrom nach oben tragen sollten. Stattdessen stürzt man unter Umständen unverschuldet in den virtuellen Tod. Zudem gab es auf unserem Testrechner gravierende Probleme mit der V-Sync-Einstellung, was in einem massiv zerstückelten Bildaufbau ("Tearing") resultierte. Durch mehrmaliges An- und Ausschalten der entsprechenden Option im Menü ließ sich dieser Grafik-Bug aber umgehen.

    In der zweiten Spielhälfte stößt man zunehmend auf absonderliche Formen und ominös blubbernde 'Quadersprudel'. Klingt komisch, ist aber so. In der zweiten Spielhälfte stößt man zunehmend auf absonderliche Formen und ominös blubbernde "Quadersprudel". Klingt komisch, ist aber so. Quelle: PC Games Die unpräzisen Sprungelemente stellen nicht die einzige fragwürdige Mechanik in Naissancee dar. Ein Feature der Marke "Überflüssig" ist das Atmen: Wenn die Spielfigur bei gedrückter Umschalttaste rennt (die Tastenbelegung lässt sich anpassen), blinkt alle drei Sekunden ein weißer Kreis in der Mitte des Bildschirms auf. Das dient als wenig subtile Aufforderung an den Spieler, die linke Maustaste zu drücken, um die Atmung der Heldin zu kontrollieren. Wer im falschen Moment einatmet, der muss schon bald mitansehen, wie der Protagonistin die Sicht verschwimmt und sie außer Atem eine Weile braucht, um erneut loszusprinten. Wir sind uns sicher, dass sich die Entwickler beim Einbauen dieser Mechanik etwas gedacht haben - nur was, das will sich uns nicht erschließen. Schon nach der ersten Spielstunde erscheint uns das Atmen-Feature wie purer Firlefanz; eine Beschäftigungstherapie von zweifelhaftem Nutzen. Denn: Außer in einigen hektischen Geschicklichkeitspassagen stellt das virtuelle Atmen keinen Spieler vor die geringste Herausforderung und selbst dann erweist es sich als sinnlose Zugabe, eine Art pazifistisches Zugeständnis an die Ballereskapaden in vielen anderen, actionreicheren Spielen: Statt Gegner totzuklicken, klicken wir den Sauerstoff in die Lungen der Spielfigur. Ein befremdliches Konzept.

    Naissancee gibt es derzeit ausschließlich auf Steam für knapp 15 Euro. Bis zum 20. Februar 2014 erhalten Käufer einen Rabatt von zehn Prozent.

    Naissancee (PC)

    Spielspaß
    62 %
    Leserwertung:
     
    Meine Wertung
    Pro & Contra
    Beeindruckende Architektur mit Wow-Faktor
    Teils verblüffende Levelstruktur, besonders in der zweiten Spielhälfte
    Faszinierendes Entdecker-Gefühl
    Tolles Grafik-Design ohne Farben
    Einfallsreiches Spiel mit Licht und Schatten
    Gute, logische Puzzles
    Entwickler spielen auf intelligente Weise mit der menschlichen Psyche.
    Bizarrer, die Einsamkeit unterstreichender Soundtrack
    Unpräzise First-Person-Hüpfeinlagen mit viel Frustpotenzial
    Speicherpunkte liegen oft zu weit auseinander / viele Wiederholungen
    Aufgesetztes Atmen-Feature
    Levels wirken zuweilen arg leer, viel überflüssiges Herumgelatsche
    Orientierung fällt unter Umständen unnötig schwer.
    Puzzles sind sehr rar gesät.
    Technische Mängel (unzuverlässiges V-Sync, fehlerhafte Physik bei niedriger Framerate)
    Keine klassische Hintergrundgeschichte
    Die texturlose Grau-in-grau-Optik ist Geschmackssache.
    Sehr dunkle und triste Abwasserkanal-Levels

  • Naissancee
    Naissancee
    Release
    13.02.2014
    Es gibt 1 Kommentar zum Artikel
    Von babajager
    Also ich muss sagen ich finde das Spiel sehr Faszinierend. Wer will kann gerne mal in mein LP schauen.mfg.http://www…

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    • Es gibt 1 Kommentare zum Artikel

      • Von babajager Erfahrener Benutzer
        Also ich muss sagen ich finde das Spiel sehr Faszinierend. Wer will kann gerne mal in mein LP schauen.
        mfg.

        http://www.youtube.com/playlist?list=PL6sDUs8YPytuzlRFOKGwLowGEwsZEMmkj
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Naissancee
Test: Abwechselnd atemberaubend und irritierend
Ein Hüpfspiel mit künstlerischem Anspruch, ein Puzzlespiel ohne Story, ein Spiel, das den Erkundungsdrang schürt und keine Texturen hat: Naissancee ist ungewöhnlich. Unser Test samt Video-Review zeigt auf, das Tristesse schön sein kann, dass fair verteilte Speicherpunkte Gold wert sind und dass es nie eine gute Idee ist, vom Spieler Präzisionssprünge aus der Ego-Perspektive zu verlangen - es sei denn, das Spiel heißt Mirror's Edge.
http://www.pcgames.de/Naissancee-Spiel-54101/Tests/Naissancee-im-Test-1109773/
18.02.2014
http://www.pcgames.de/screenshots/medium/2014/02/11_20140217150140-pc-games_b2teaser_169.jpg
indie game,jump and run
tests