Esel auf dem Eis
Die Overhead-Kamera ist die übersichtlichste Perspektive. Freie Mitspieler und gute Schusspositionen erkennen Sie hier am schnellsten.
Der Angriff gewinnt Spiele, die Abwehr gewinnt Meisterschaften, sagen die Amerikaner. Die alte Weisheit bringt das Spielgefühl von NHL 2003 auf den Punkt. Wer in der aktuellen Version der Eishockey-Simulation um den Stanley-Cup mitspielen will, muss sich richtig anstrengen. 30 Originalteams aus der NHL beteiligen sich an der Jagd auf die hässlichste Trophäe im Profisport, hinzu kommen noch einmal 20 Nationalmannschaften und vier All-Star-Teams. Neben dem Karrieremodus, bei dem Sie auch als Manager tätig werden dürfen, stehen Freundschaftsspiele, Playoffs und Turniere auf dem Programm - eine Möglichkeit zum Trainieren, wie etwa die genialen Drill-Übungen in Madden 2003, gibt es nicht.
Auf dem Eis angekommen, sieht es zunächst danach aus, als sei alles beim Alten geblieben; auch in grafischer Hinsicht. Ein paar zusätzliche Polygone, die ein oder andere neue Animation und komplett überarbeitete Gesichtstexturen der Spieler - auffallen werden Ihnen die optischen Detailverbesserungen erst beim Torjubel oder wenn einer Ihrer Angreifer verletzt vom Feld humpelt. Damit das nicht passiert, stehen Ihnen nun gleich acht Dribbel-Möglichkeiten zur Verfügung, von denen auf Knopfdruck zufällig eine ausgewählt wird. Auf Wunsch dürfen Sie den Gegner auch manuell per Analogstick austanzen, in der Praxis erweist sich das aber als enorm schwierig. Coole Tricks mit Schläger und Puck füllen mit der Zeit den so genannten Gamebreaker-Balken. Ist der voll, zoomt die Kamera auf Knopfdruck an den puckführenden Spieler heran, das Geschehen verlangsamt sich zur Zeitlupe, nur Ihr Akteur kann sich noch ganz normal bewegen. Gut gedacht, schlecht gemacht: Der vermeintliche Vorteil ist nämlich keiner, da durch die neue Perspektive jede Übersicht flöten geht. Und gerade auf die sind Sie mehr denn je angewiesen - da der Gegner (dessen Cleverness Sie wie gewohnt mit vielen Detaileinstellungen an Ihre Vorlieben anpassen dürfen) kompromisslos checkt, Pässe blitzschnell abfängt und Chancen eiskalt verwandelt, sind insbesondere auf der höchsten der vier Schwierigkeitsstufen sichere Zuspiele der Schlüssel zum Sieg.
Erschwerend kommt noch hinzu, dass der Puck nicht wie in den Vorgängern automatisch angenommen wird, wenn einer Ihrer Spieler in der Nähe ist, sondern schon ziemlich genau mit dem Schläger "erwischt" werden muss. Wunderschöne Kombinationen hin oder her, vor dem Tor bekommen nun sogar Profis kalte Füße. Grund: Die Goalkeeper haben ihren Kasten zur Bank von England erklärt und weigern sich beharrlich (und oft unrealistischerweise), selbst die schärfsten Schlagschüsse passieren zu lassen. Für Aufmunterung sorgen die herrlich witzigen US-Kommentatoren, die sich mit Vorliebe gegenseitig auf den Arm nehmen und auch in der deutschen Version enthalten sein werden.

