Metro 2033: Bizarre Postapokalypse mit spannender Story und ein paar Versäumnissen - Leser-Test von KaTjoNaK
Zunächst möchte ich euch die Systemkonfiguration meines PCs vorstellen, mit dem ich Metro2033 durchgespielt habe: CPU AMD Athlon 2 X2 250E, Gigabyte GA-MA790FXT-UD5P Mainboard, Grafikkarte: ATI Radeon 4850 1 GB, 4 GB DDR3-1600 RAM sowie einer WD Caviar Black SATA2 Festplatte. Das Ganze mit Windows 7 64 Bit und dem Catalyst 11.2 auf "Höchstleistungs"-Settings. Das Spiel wurde auf Full HD-Auflösung mit hohen Details und DirectX 10 gespielt.
Grafik: Sehr schöne Grafik, die selbst mit meiner etwas betagten Grafikkarte wunderbar aussieht und erstaunlich flüssig läuft. Ein Ruckeln war nur selten zu verzeichnen, als ich mich z.B. in den Außenarealen von Moskau bewegte. Leider ist das ganze Spiel recht "farblos", echte farbliche Akzente fehlen leider völlig.
Steuerung & Gameplay: Die Steuerung ist generell in Ordnung, die Mausführung könnte aber etwas feiner sein. In einer Mission muss man jemanden Huckepack durchs Level tragen, die Rundumsicht ist dann entsprechend verzögert und schwerfällig. Das Gameplay gestaltet sich strikt linear, die Levels sind meist übersichtlich und die Gefahr, sich zu verlaufen, ist fast nicht gegeben. Es gibt nur wenige Metrostationen und "friedliche Häfen" für den Spieler, in denen man diverse Waffen und andere Items kaufen kann. Fast ausschließlich befindet man sich dagegen in gefährlichen Tunnels, verseuchten Stadtgebieten und anderen Gegenden, in denen es vor Mutanten/Monstern nur so wimmelt.
Story & Atmosphäre: Ich werde den Story-Verlauf nicht detailliert schildern, das haben andere schon zur Genüge getan… Ein althergebrachter, keineswegs frischer Gedanke zieht sich wie ein roter Faden durch das Spiel: die Menschheit muss überleben (damit sie sich ein zweites Mal als herrschende Rasse über die Welt erheben kann). Das ist sehr gut inszeniert. Die Stimmung ist stets bedrückend und das postapokalyptische Feeling dauerhaft vorherrschend. Gleichzeitig schimmern immer wieder Hoffnung und Motivation durch, wenn die Charaktere die Geschichte in Dialogen, Gedankengängen und Script-Aktionen vorantreiben.
Besonders positiv fiel mir auf:
Die deutsche Sprachausgabe ist sehr gelungen. Alle NPCs haben einen russischen Akzent und sprechen sehr authentisch. Die vom Atomkrieg zerstörte Szenerie sieht deutlich realistischer und intensiver aus als beispielsweise in Fallout3/New Vegas. Die surrealen und irrationalen Situationen im Spiel finde ich aus Gründen der "Kunst" sehr bereichernd, insbesondere gegen Ende des Spiels kommen einige höchst bizarre Visionen, die teilweise den Höllenlevels aus Doom3 oder den Visionen von Max Payne ähneln ( diese haben aber auch frustrierende Elemente, siehe unten)
Besonders negativ fiel mir auf:
Es gibt zu wenige Gegnertypen, ständig knallt man die gleichen Viecher oder Leute über den Haufen… Immer wieder kommt es vor, dass der Spieler eine Gasmaske aufsetzen muss, damit er keine radioaktiven Partikel o.ä. einatmet. Dabei klingt ein dauerhaftes, schwerfälliges Schnaufen durch die Boxen, welches manchmal in ein "kränkelndes Röcheln" wechselt (Darth Vader am Ende von Episode 6 lässt grüßen). Diese Sache fand ich schlicht nervtötend, und ständig musste ich an Husten, Bronchitis und Atemnot denken… Eine etwas dezentere Untermalung (oder gar keine) hätte es auch getan. So toll die künstlerisch grandiosen, surrealen Gedankenblitze und Visionen auch waren, so ergaben sie für mich bis zum Ende des Spiels (auf dem Fernsehturm) keinen Sinn. Thematisch war diesbezüglich immer wieder die Rede von den "Schwarzen". Ich wusste ebenfalls bis zur letzten Mission nicht, um was es sich dabei überhaupt handelt, bzw. konnte ich erst dann einen halbwegs brauchbaren Zusammenhang herstellen. Hier hätte ich mir eine gängigere Einführung oder zumindest etwas mehr Hintergrundinformation gewünscht. Es gibt nach Ende des Spiels noch haufenweise unbeantwortete Fragen, der Abspann ist dürftig und man wird einfach im Regen stehen gelassen. Da habe ich schon weitaus bessere Endings gesehen. Die Inszenierung der "Rote gegen Faschisten"-Levels war sehr dürftig. Da wollten die Entwickler wohl auf Gedeih und Verderb nochmals auf diverse Situationen des Zweiten Weltkriegs anspielen (und natürlich auch anmerken, dass Russland gewann), das Leveldesign und die gesamte Aufmachung der Mission waren aber sehr langweilig und passten irgendwie überhaupt nicht zum Rest des Spiels.
Fazit: Ein solider Shooter ohne Schnörkel mit linearem Design, einer brauchbaren, nicht zu dünnen und interessanten Endzeit-Story und fantasievollen Anomalien, bizarren Zwischenpassagen und einer drückenden Atmosphäre sowie kleineren Schwächen wie unvollendeter Story, langweiligen Gegnertypen sowie fehlendem Wiederspielwert. Eine Kaufempfehlung kann ich trotz aller positiven Aspekte nicht aussprechen. Nicht-Steambesitzer, die sich Metro 2033 unbedingt anschaffen wollen (und damit Steam-abhängig werden, was sie aus ideologischen Gründen eigentlich nicht wollen), sollten es lieber nicht kaufen, das Game stattdessen ein Mal bei einem entsprechenden Freund durchspielen und sich dann anderen Games zuwenden…
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