Medieval 2: Total War
"Zeigt keine Gande! Tötet Sie alle!" ruft der englische König seinen Mannen zu. Genau das taten wir - 60 Runden lang mit der Vorschauversion!
Wenn Redakteure freiwillig ein ganzes Wochenende im Verlagsgebäude verbringen, hat das Gründe. In diesem Fall einen ganz konkreten, nämlich die erste spielbare Version von Medieval 2. Ein Erfahrungsbericht!
Spalier für die Kamera
Keine Frage, die Schlachten in Rome: Total War waren schon ziemlich beeindruckend und vermittelten Freizeit-Generälen ein Gefühl von epischer Größe. Medieval 2 schafft es spielend, besser zu sein. Wer zum ersten Mal seine Truppen in die Schlacht führt, bewundert mit Stolz die blank geputzten Rüstungen und farbenfrohen Banner der Soldaten, die im kniehohen Gras auf den Befehl zum Angriff warten. Und: In keinem anderen Spiel kann man eine 20-sekündige Kamerafahrt entlang seiner aufgestellten Truppen machen und sich dabei wie Mel Gibson im schottischen Heimatfilm Braveheart fühlen. Hoch die Röcke!
Eine KI, die sich wehrt
Die Mauern waren ein Kinderspiel für unsere Katapulte. Der folgende Ansturm unserer Kavallerie und schwer gepanzerter Ritter trieb die Franzosen (blaue Fahnen) in die Mitte der Stadt. Ein kurzer, gnadenloser Prozess und: der Sieg!
In Rome standen die KI-gesteuerten Verteidiger einer Stadt meist wie gelähmt auf den Mauern und kletterten erst dann herunter, wenn man bereits an anderer Stelle des Walls durchgebrochen war. Leichtes Spiel für den Angreifer. Anders Medieval 2: Hier flitzen gegnerische Bogenschützen über die Zinnen, um die angreifende Meute mit Pfeilen einzudecken, und verkrümeln sich, sobald Belagerungstürme und -leitern an den Verteidigungsmauern in Stellung gebracht werden. Nahkämpfer rücken derweil nach und geben ihr Bestes, die Angreifer wieder von den Wällen zu prügeln. Großes Kino!
My Home is my Castle!
Schön auch, dass sich Burgen im Vergleich zu Städten schwerer erobern lassen und es wirklich darauf ankommt, ob man lieber mehr Truppen oder Belagerungswaffen ins Feld führt. Beim Beschuss durch Katapulte und Trebuchets halten Burgwälle im Vergleich zu Stadtmauern nämlich deutlich mehr aus, außerdem sorgen die vielen Verteidigungstürme für unangenehmen Pfeilregen. Größere Burganlagen besitzen zudem mehrere Wälle, sodass man sich sehr gut überlegen muss, für welche gegnerischen Gebäude man die begrenzte Munition der Katapulte einsetzen will. Vorbei auch die Zeit der "Sollbruchstellen": Sie können mit Wurfmaschinen jetzt an beliebiger Stelle Breschen in die Mauern schlagen und haben so mehr Angriffsmöglichkeiten für Ihre Fußtruppen.
Bewegung im Spiel
Nachdem wir hochrangige französische Generäle mit Assassinen ausgeschaltet haben, greifen wir Paris mit über 5.000 Mann an. Trotz vergleichbarer Truppenstärke sind wir dank verbesserter Rüstungen und Waffen deutlich im Vorteil.
Die typische Total War-Krankheit, dass sich die Verteidiger irgendwann in der Mitte einer Siedlung sammeln und von Bogenschützen zusammenschießen lassen, gab es in unserer Vorschauversion immer noch. Laut Sega soll das in unserer Testversion der Vergangenheit angehören - wodurch das Gerangel um eine Stadt auch dann noch fordernd wäre, wenn die Mauern bereits erobert sind und sich die Kämpfe in die engen Gassen und auf Dorfplätze verlagern. Dafür verhalten sich die Feinde in offenen Feldschlachten endlich nicht mehr so statisch, sondern greifen beherzt an, sobald der erste Pfeilhagel auf sie niederprasselt.

