Medal of Honor: Airborne
Seit ein berühmter Charakter "Eva! Auf Wiedersehen!" rief und röchelnd umkippte, ist der Zweite-Weltkrieg-Shooter in vielen Belangen gereift: Die Soundeffekte wurden bombastischer, die Texturen schärfer, die Explosionen größer, die KI hat ein paar Quotienten zugelegt. Nur eines schien immer gleich: Der Run durch linearstes Kriegsgebiet, so randvoll mit Gegnern, dass man die Feuertaste aus Gründen der Bequemlichkeit auch mit einem Stein hätte beschweren können.
Airborne will mit dieser Tradition brechen, einen neuen Spielverlauf mit Strategie-Anstrich liefern. Deshalb sind Sie Boyd Travers, Fallschirmjäger der 82nd Airborne Division. Boyd setzt Fuß auf italienischen, französischen, afrikanischen und deutschen Boden. Doch bevor er das tut, segelt er durch die Luft. Denn die Einsätze beginnen jeweils mit einem Absprung aus einem Flugzeug. Der Clou daran ist, dass Sie den Fallschirm lenken dürfen. Aus schwindelerregender Vogelperspektive gleitet Travers übers Feindgebiet, überblickt MG-Nester, Flakgeschütze, Häuserruinen, Wälder - der Landeplatz ist Ihre Sache.
Mutige schlagen direkt in der Höhle des Löwen auf, sollten sich dann aber nicht über den rasch einsetzenden "Game over"-Schriftzug wundern. Empfehlenswert ist es, den anderen Kameraden zu folgen, um gemeinsam vorzurücken. Vorsichtige lassen sich abseits vom Schuss runter und schleichen durchs Unterholz. Die Möglichkeiten sind vielfältig - eine Herausforderung für die KI. Deshalb verzichtet Medal of Honor: Airborne auf starre Skripts, passt sich stattdessen an die Vorgehensweise des Spielers an.
Wenn Sie beispielsweise von Süden angreifen, richtet der Feind seine Aufmerksamkeit auf eben jene Stelle. Mit der Verlagerung von Frontlinien rühmt sich Entwickler Electronic Arts Los Angeles. Diese Dynamik soll eine Taktikkomponente erzeugen, die in der Medal of Honor-Reihe bislang dadurch auffiel, dass sie fehlte. Wer sein Köpfchen benutzen, flankieren statt stur vorstürmen wollte, der musste mit Brothers in Arms von Gearbox vorliebnehmen.
Ansonsten ist Airborne spielerisch noch immer fest mit seinen Vorgängern verwurzelt; die Wehrmachtssoldaten treten so zahlreich an, als kämen sie frisch aus einer Klonmaschine, und die Ballereien sind kaum zu überleben, sofern man keine Deckungen nutzt. Das Moral- und Adrenalin-Feature, ein bisschen glücklos eingesetzt im Vorgänger Medal of Honor: Pacific Assault, wurde auf den Müll geworfen. Electronic Arts will Emotionen lieber grafisch darstellen - nicht mit nüchternen Anzeigen als Stimmungskiller.
Entsprechend viel Detailarbeit wurde in Mimik und Körperhaltung der Agierenden investiert. Die entspannten Gesichtsausdrücke von Kameraden, die sich in Sicherheit wähnen, gehen bei einem Überraschungsangriff in Grimassen über. Die Mundwinkel verhärten, die Augen verengen sich zu Schlitzen. Manchen ist der Schrecken anzusehen: Die Atmung durch gepresste Lippen, der erschütterte Blick, die gekrümmten Brauen - so sieht jemand aus, der um sein Leben bangt.


Gespannt bin ich jedoch vor allem, ob das Spiel zur Ausnahme dieses Mal nicht nur grafisch, akustisch, physisch etc. einen Schritt nach vorne macht, sondern auch vom Realismus des Settings her…
1.) bessere Grafik
2.) neue ideen
3.) aber warum 82.
ich will 101. Screaming eagles