Max Payne in der PC Games-Filmkritik
Max Payne ist ein 99 Minuten lang brodelnder Kessel der Depression: Wut, Trauer, Verzweiflung und Angst köcheln zum Gegenteil des Feelgood- Movies heran. Man sieht Gesichter durch Großaufnahmen, wässrig und fahrig die Augen, abwechselnd versteinerte Mimik und sich maskenhaft bewegende Münder, meistens kommen daraus Flüsterlaute. Kontrast geben heftig dosierte Momente der Action ab.
Max Payne (Mark Wahlberg) und Mona Sax (Mila Kunis) spielen ein wortkarg wütendes Duo mit triefenden Psychowunden.
Geschossen wird tausendfach, gestorben kindgerecht: Im Bleiregen zerspringen Gläser, fliegen Aktenblätter, bricht Inneneinrichtung - bloß die Opfer machen blutlos-unspektakulär ihre Äuglein zu. Im Fokus steht stattdessen die Mechanik einer Waffe: Wie der Finger den Abzug drückt, der Mechanismus die Kugel ausspuckt, sie ihren Flug antritt. Derlei bringt Zeitlupen- Zauber mit opernhaftem Pathos rüber, doch wirkt der Bullet-Time- Einsatz zahm im Vergleich zur Spiel-Schablone.
Die Schussgefechte sind laut, aber arm an Gewalt. Regisseur John Moore wollte verhindern, dass Max Payne ein zu strenges Alters-Rating bekommt.
Die Kamera zeigt vielmehr atmosphärische Bilder, in ihrer Stimmung einer Beerdigung gleich. Schummrig steht das New York da, in dem sich Mark Wahlberg (Departed: Unter Feinden), zu brav für die Rolle, als Max Payne durchschlägt. Jegliche Menschenwärme zum Frost gekühlt, glimmen Lichter der Wolkenkratzerwohnungen gegen die einhüllende Glocke aus Dunkelheit, Regen und Schnee an. Welche Fremden hinter diesen isolierten Fenstern leiden, lässt sich nur erahnen, denn der Film schwärzt die Welt mit Schatten bis zur Unkenntlichkeit. Einen Hauch Zuneigung bringt bloß Mona Sax, die russische Auftragskillerin, gespielt von der clownesk geschminkten Mila Kunis, keiner Schönheit.
Zwischen kalten Farben stapfen die wenigen Haupt- und Nebendarsteller um emotionale Abgründe herum, um am Ende zu fallen; jeder scheint seine Strafe zu kriegen und so stark die Angst vor dem Tode sein mag, die Charaktere sehen erleichtert aus, wenn sie jemand aus dieser Trostlosigkeit herauswürgt. Der Weltuntergangsdramatik liegt zugrunde, was der Vorlage als Ausgangssituation dient: Nachdem Max seine Frau und sein Kind tot im Schlafzimmer vorfindet, macht er sich auf einen Rachefeldzug, im Fadenkreuz die schmutzigen Cops des Drogendezernats. Regisseur John Moore (Das Omen, Im Fadenkreuz) hat Max zum Mann gemacht, der sich Gegnern in jener selbstmörderischen Ruhe zur Wehr setzt, die bloß jemand mit Sehnsucht nach dem Sterben aufbringt. Wahlberg kriegt's hin.
Wahlberg macht seine Sache, trotzdem kommt man nicht umhin, sich Clive Owen zu wünschen.
Während einer Szene springt Max bei Nacht und Minusgraden ins Wasser, bricht unter das Eis durch, schwebt schwerelos an hinterhergefeuerten Patronen vorbei, erstarrt. Die Bilder gehen zurück auf jene, die ihn jagen, einer sagt: "Lass gut sein, der holt sich den Tod." Dann wäscht Friede über Max, im schwindenden Bewusstsein weicht seine Wahrnehmung durch leise leuchtende Lichter auf, seine Frau erscheint zur vermeintlichen Absolution. "Noch nicht, Max", sagt sie sanftstimmig und meint: Sterben darfst du später, vorher hast du einen Job zu tun. Max hangelt sich zittrig an Land, würgt zwei Dosen Valkyr runter, eine Droge, die Soldaten im Krieg gegen den Terror jede Angst nehmen soll, aber halluzinogene Nebenwirkungen aufweist: Schneeflocken wandeln sich zu brennender Asche, am Himmel wimmeln Gespenster, bassstark ihr Flügelschlag. Man kann sie als Dämonen verstehen, die in Max stecken. Wahrscheinlich kann das nur das spielende Publikum. Denen gilt dieser Film.
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