Echte Cyborgs: Wie Wissenschaftler Zukunftsvisionen aus Spielen zur Realität machen wollen
Künstliche Intelligenz ist in Spielen wie Mass Effect 2 längst selbstverständlich.
Zuviel Technik verdirbt den Charakter. Das hat die Maschinenrasse Geth aus Mass Effect bereits im ersten Teil des Rollenspiels bewiesen, als sie beschloss, das Universum für ein böses Alien zu unterjochen - und auch die Borg aus Star Trek Online haben wenig mehr im Sinn, als die Assimilation allen Lebens. Dafür steigert ein bisschen kollektives Bewusstsein aber gehörig die Intelligenz. So können die Borg beispielsweise wie ein einziges Wesen agieren und auch die Geth gewinnen durch die Nähe ihrer Artgenossen an Intellekt. Dennoch: Cyborgs und Maschinen-Rassen sind in Spielen eher selten umgängliche Zeitgenossen. Da ist es doch tröstlich zu wissen, dass die Maschinenwesen lediglich Fiktion sind. Oder nicht? Einige Wissenschaftler sind der Meinung, dass der vollvernetzte Cyborg sehr viel schneller Realität werden könnte, als man denkt. Die Vorstellung einer Verschmelzung von Biologie und Technik, bis hin zu einer Maschinenrasse, ist also gar nicht mehr so abwegig – zumindest nach Meinung Technik-begeisterter Futurologen und Kybernetiker. PC Games beleuchtet für Sie die Zukunftsvisionen der Wissenschaft.
Gibt der Trailer zu Star Trek Online – Borg Nexus einen Einblick in eine mögliche Kollektiv-Zukunft der Menschheit?
Der Geist in der Maschine
Als Anfang 2009 der erste hirngesteuerte Twitter-Eintrag verfasst wurde, war die Reaktion der Öffentlichkeit zurückhaltend. Denn Technikbegeisterte wissen schon seit einiger Zeit, dass die Benutzung von Computern durch Gehirnleistung, dank implantierter Computerchips und spezieller Headsets, im medizinischen Bereich vereinzelt bereits möglich ist. Eine Technik, die nun auch auf dem Spielemarkt Fuß zu fassen beginnt. So stellte die Firma NeuroSky zu Beginn dieses Jahres auf der Game Developers Conference beispielsweise das Brain To Computer Interface vor, das es dem Spieler erlaubt, eine Figur mittels Gedankenkraft zu bewegen. Möglich wird der Zaubertrick durch eine Art Headset, das gemessene Gehirnwellen des Spielers in Befehle für den PC umwandelt. Und auch Sony hat die Zeichen der Zeit erkannt und ein Patent für ein Interface angemeldet, mit dessen Hilfe PC- und Video-Spiele nicht nur gesehen und gehört, sondern auch gefühlt und gerochen werden können. Das alles soll ohne Eingriff in den Körper von statten gehen: Via Ultraschall werden bestimmte Regionen des Gehirns gezielt stimuliert, so dass auch die Synapsen den Vorstellungen des Spielers entsprechend feuern. Einen konkreten Plan zur Umsetzung hat Sony bislang allerdings nicht.
Google inklusive
Doch nicht nur die Entertainment-Industrie ist an der Entwicklung von Interfaces, die Gehirn und Technik verbinden, interessiert. So sind einige Wissenschaftler davon überzeugt, dass die Menschheit schon bald in den Genuss eines Hive-Bewusstseins, ähnlich dem aus Star Trek Online bekannten Gedankennetzwerk des elektronisch verbundenen Borg-Kollektivs, kommen wird. Bewerkstelligen soll das omnipräsente Google-Feeling ein implantierter Computerchip, der das menschliche Gehirn direkt mit dem Internet verbindet. Mit seiner Hilfe könnten die Nervensysteme von Menschen verbunden werden. Selbst Hirne von Tieren sollen sich in den Gedankenverbund einbinden lassen. Damit würde zumindest ein Teil des Menschen zum Gruppen-Lebewesen, das bei aktiver Internet-Verbindung auf die Gedanken seiner Mitmenschen zugreifen – und dabei die eigenen Erfahrungen in das System einspeisen kann.
Die Ewigkeit als Avatar
Doch optimistische Futurologen gehen sogar noch einen Schritt weiter. Denn die planen, ihr Gehirn, ihre Erfahrungen und Gefühle vor dem Tod in eine Datenbank zu übertragen und so der Sterblichkeit zu entgehen. Laut dem britischen Physiker Ian Pearson soll es für den wohlhabenderen Teil der Bevölkerung bereits 2050 möglich sein ihr komplettes Gehirn in einen Rechner hochzuladen. Weniger Glückliche müssten auf den Service allerdings bis "2075 oder 2080" warten, "wenn das Verfahren Routine geworden ist". Die Fusion von Hirn und PC soll dabei vor allen Dingen eines bewirkten: Unsterblichkeit. Die Idee an sich klingt zumindest simpel. Mit Hilfe eines Scanners wird der gesamte Aufbau eines Gehirns abgetastet, registriert und anschließend in den Computer eingespeist. Mit im Gepäck werden selbstverständlich auch die Erfahrungen, Emotionen und Gedanken des Individuums sein. Raymond Kurzweil, Experte in Bereich der künstlichen Intelligenz, ist überzeugt davon, dass die Menschheit in Kürze als elektronische Plattform potenziell unsterblich wird – zumindest bis jemand den Strom-Stecker zieht. Für so machen Kybernetiker ist der Upload des Gehirns jedoch nur der erste Schritt. Die Idee eines künstlich verbesserten Menschen geistert bereits seit vortechnischen Zeiten durch unsere Gedankenwelt. Die logische Konsequenz aus dieser Wunschvorstellung ist der Cyborg, die Verschmelzung von Mensch und Maschine, Biologie und Technik. Denn um die Ewigkeit als Avatar auch in vollen Zügen auszukosten, sollte das virtuelle Bewusstsein mit Sinnesorganen und einem Bewegungsapparat ausgestattet sein. Möglich wäre dies beispielsweise durch zusätzliche Software oder einen künstlichen Körper. Immerhin – die Implantierung künstlicher Körperteile ist der Medizin schon lange nicht mehr fremd.
Lediglich die notwendigen Rechnerleistungen und die zu niedrigen Kapazitäten auf dem Bereich der Hirnabtastung trennen die Menschheit, den Futuristen zufolge, noch von einem Leben als Geth. Zukunftsoptimisten, die nicht so lange warten möchten, haben aber immerhin jetzt schon die Option, sich bis zum Tag X einfrieren zu lassen. In Anspruch nehmen kann man diese Dienstleistung beispielsweise bei der Firma Alcor in Arizona. Die macht die Ewigkeit im Tiefkühlfach schon für schlappe 150.000 Dollar möglich. Wer die abgespeckte Variante bevorzugt, kommt sogar noch billiger davon: Das Einfrieren des Gehirns ist nämlich bereits für 80.000 Dollar machbar. Ob die Kunden allerdings wirklich in einer Welt aufwachen, in der jede Menschlichkeit in künstliche Körper transferiert wurde, kann natürlich niemand garantieren. Sollten die Wissenschaftler allerdings recht haben, haben wir mit Spielen wie Mass Effect 2, Tron Legacy und Star Trek Online aber die Möglichkeit einen Blick in die Zukunft der Menschheit zu erhaschen. Denn wer weiß: Was jetzt wie Fiction scheint, kann einen Tages Realität werden.
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An beschränkte Cyborgs glaub ich schon eher, es gibt bereits Prothesen die mit Nerven verbunden sind und sich mit Gedankenkraft steuern lassen.