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  • Wie GTA in den Goldenen Zwanzigern.

    Tommy bearbeitet ein geparktes Auto. Tommy bearbeitet ein geparktes Auto. Quelle: Illusion Softworks Wie nur? Wie kann man Mafia irgendwie anders präsentieren als besonders cool, besonders schillernd? Die Bilder auf diesen Seiten stammen direkt vom entwickelnden Studio Illusion Softworks ­ traurigerweise zeigen sie das Actionspiel um so viel blasser, als es tatsächlich ist. Wir hatten eine aktuelle Version in der Redaktion und sahen eine Szene nach der anderen, die wir festhalten wollten. Filme wie Der Pate, Goodfellas oder Carlito’s Way stecken inzwischen in jedem Detail, sogar mancher Kameraeinstellung ist die Inspiration anzusehen. Doch die Designer hatten der Presse im Vorfeld verboten, eigene Aufnahmen zu machen. Schleierhaft, warum. Zeitschriften bekamen jeweils eine kleine Bildermenge zugewiesen, die Motive darin zusammenhangslos ausgewählt. So bleibt nur die Beschreibung dessen, was wir wirklich gesehen haben, um Ihnen Lust auf das erste wahre Italo-Actionspiel zu machen.
    Ihre Rolle ist die des Taxifahrers Tommy. Sie machen Mittagspause in ihrem Wagen, beobachten durch die Scheiben, wie Paare im Park herumschlendern und wie Hausfrauen einkaufen gehen. Den Baseball-Schläger sehen Sie dagegen nicht kommen! Sie kriegen nur mit, dass es plötzlich kracht und dass Ihnen das linke Fenster in Scherben um die Ohren fliegt. Dann zerren zwei Kerle an Ihnen, bis Sie auf dem Gehsteig liegen, knüppeln und treten auf Sie ein. "Das hast du davon!", zischen die Zwei abwechselnd. Ihr Gesicht schon übel lädiert, quälen Sie sich wieder auf die Beine und sehen rechtzeitig klar, als der Angreifer mit der Baseball-Keule zum letzten Schlag ausholt. So endet die selbstlaufende Sequenz, der Spaß beginnt. Aus der dritten Person steuernd, tauchen Sie unter dem Prügel weg, dann sprinten Sie los. Das Geniale ist der Polka-Soundtrack, der erklingt, während Sie durch die Gassen der Nachbarschaft flüchten. Von Balkonen aus tauschen Omas quer über einen Hinterhof hinweg Tratsch-Storys aus; ein Vermummter versucht glücklos, in ein Haus einzusteigen; in einem Durchgang wartet ein Verehrer ebenso vergeblich auf sein Date. "Wo bleibt sie nur? Wir hatten doch gesagt, dass wir uns hier treffen." Die Verehrte treffen Sie einen Block weiter ­ in einem anderen Durchgang wartend. An all diesen kleinen Begebenheiten hasten Sie im Takt der Polka vorbei, schmeißen Mülleimer um und suchen Abkürzungen hinter unverschlossenen Türen ­ dabei würden Sie am liebsten stehen bleiben und zur Musik klatschen und tanzen. Der blecherne Grammophonklang macht’s umso besser. Wohin Sie sich wenden sollten, zeigt ein grüner Pfeil nur ungefähr an. Wenn Sie in einer Sackgasse landen, sind Sie erledigt - es sei denn, Sie finden einen Gegenstand, mit dem Sie sich wehren können ...
    Später - da sind Sie selbst ins Familien-Business eingestiegen - stehen Sie in einem eleganten Anzug an der Tankstelle vor einem Motel. Lässig an ein Auto gelehnt tun Sie das, was ein Mafioso mit Pomade im Haar direkt neben einer Zapfsäule eben tun muss: Sie zünden sich eine Kippe an. Und zwar mit der richtigen Attitüde: Den Kopf leicht nach unten gebeugt, die Stirn in grüblerische Falten gelegt, wie es Marlon Brando früher getan hat, führen Sie das Feuerzeug aufreizend langsam an die Zigarette, atmen tief ein und langsam aus. Im Motel findet gerade eine Geldübergabe statt, die ein Kollege von Ihnen abwickelt. Eile mit Weile.
    Warum sich die Regisseure von Mafia für diese Einstellung so viel Zeit lassen, ist eine Sekunde später klar, als jäh das Chaos die Beschaulichkeit durchbricht: Die Tür fliegt auf, ein Mann stolpert heraus und fällt blutend in den Staub. "Ich bringe Dich zum Arzt", sagen Sie. Aber ihr verletzter Partner stöhnt: "Das Geld ... ist wichtiger. Hol’ es." Außerdem sitzt innen noch ein zweiter Kollege fest. Sie greifen eine Pump-Gun aus dem Kofferraum, klettern über Kisten auf den rückwärtigen Balkon des Motels und schleichen hinunter zur Bar, wo die ehemaligen Geschäftsfreunde Billard spielen. Das Geld? Der Kollege? Bevor Sie einen klaren Gedanken fassen können, fallen erste Schüsse.
    Eine Seitwärtsrolle bringt Sie in Deckung. Danach heißt es, einen kühlen Kopf bewahren, denn Kämpfe haben in Mafia ihre Tücken. So lange Sie schießen, ist die Action rasant und flüssig wie in anderen Action-Titeln auch. Aber irgendwann ist die Sekunde erreicht, in der Sie keine Munition mehr haben und nachladen müssen. Da liegt der Unterschied - denn das dauert in Mafia ein bisschen! Wenn Sie just ungeschützt in der Mitte eines Raums hocken, entsteht daraus ein Problem von gewisser Tragweite. Oder es steigert die Spannung noch mehr. Nämlich dann, wenn Ihnen ein Gegner ziemlich nah gegenüber steht und ebenfalls eilig Patronen in seine Waffen stopft, weil sein Magazin gleichzeitig leergeschossen war. Denkwürdige Szene Nummer Drei: Die Liebesnacht. Nachdem Sie die Tochter eines Café-Besitzers nach Hause geleitet haben, damit Madame vor Rüpeln sicher ist, ruhen Sie kurz auf ihrem Bettchen. Wieder aufzustehen, vermeiden Sie geflissentlich. "Ich hatte schon viele Frauen", denken Sie danach. "Aber keine war wie sie." Romantik ist nicht unbedingt die Stärke starker Männer.
    Action ist es dafür sehr wohl, wie Sie Mal um Mal beweisen: Während eines Alkoholschmuggels sitzen Sie mit einer Maschinenpistole auf der Ladefläche des voll beladenen LKW. Dicht am Auspuff hängen düstere Männer in schnelleren Autos, die Sie stoppen, von der Straße drängen oder erschießen wollen. Die Wagen wechseln wie wild die Spuren, kommen näher, lassen sich zurückfallen. Mögliche Lösungen: Fahrer treffen, Reifen treffen, Motoren platzen lassen.
    Andere Beispiele: Als Fluchtwagenfahrer heizen Sie immer wieder durch ein großes, unglaublich belebtes Netz aus Straßen. Nachdem Sie mittels Sabotage am Motor des Hauptkonkurrenten Ihre Siegchancen erhöht haben, nehmen Sie sogar an einem hoch dotierten Rennen teil. Sie führen einen Banküberfall durch, schleichen sich verkleidet auf eine politische Veranstaltung, um einem unfolgsamen Gouverneur seine Grenzen aufzuzeigen, oder jagen ein Hotel in die Luft, dessen Besitzer Sie enttäuscht hat. Zwischendurch geraten Sie in gefährliche Gewissenskonflikte wie diesen: Ein Freund hat die Familia verraten - lassen Sie ihn leben oder töten Sie ihn?
    In diesem Titel steckt so viel ­ schade, dass wir Ihnen die Bilder dazu nicht zeigen dürfen. Verstehe einer die Entwickler! Eines sei Ihnen an dieser Stelle jedoch versprochen: In unserem Testbericht werden wir Mafia von der beeindruckendsten Seite zeigen.

  • Mafia: The City of Lost Heaven
    Mafia: The City of Lost Heaven
    Publisher
    Take-Two Interactive
    Developer
    Illusion Softworks
    Release
    06.09.2002
  • Print / Abo
    Apps
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64370
Mafia: The City of Lost Heaven
Wie GTA in den Goldenen Zwanzigern.
http://www.pcgames.de/Mafia-The-City-of-Lost-Heaven-Spiel-13152/News/Wie-GTA-in-den-Goldenen-Zwanzigern-64370/
02.08.2002
http://www.pcgames.de/screenshots/medium/2002/07/hau_rein.jpg
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