Legacy of Kain: Defiance
Anstatt wie Kain seinen Gegnern ihr Blut zu entziehen, saugt Raziel lieber Seelen auf, um die Lebensenergie aufzufrischen.
Im neuesten Kapitel der Legacy of Kain-Reihe gibt es die Blutsauger im Doppelpack: Sie ziehen abwechselnd die Fäden von Kain und Raziel. Später folgt das Aufeinandertreffen der beiden Erzfeinde. Fans der Serie werden die Geschichte Fingernägel kauend verfolgen und begrüßen, dass Entwickler Crystal Dynamics mit Antworten zu Fragen rausrückt, die lange unbeantwortet blieben. Einsteiger ohne Hintergrundwissen verbringen die Zeit dagegen mit Kopfkratzen. Doch beim eigentlichen Spielablauf greift ein Prinzip, das niemanden außen vor lässt: In Third-Person-Perspektive kämpfen Helden mit Schwert und Telepathie gegen Feinde, springen von Plattform zu Plattform und lösen auch mal ein Puzzle.
Gegner als Blutspender
Es wird nicht nur gehüpft und gekämpft, sondern auch geklettert aber nur an entsprechend gekennzeichneten Wänden.
Kain verfolgt sein Ziel schon eine lange Zeit: Seit Jahrhunderten will er Nosgoth als grausiger Diktator regieren - Vampirträume eben. Der alte Zauberer Moebius soll ihm dabei helfen. Also dringen Sie als Kain uneingeladen in seine Festung ein, und zwar in Rauchschwaden-Form durch Gitterstäbe, wie sich das für einen Blutsauger gehört. Es dauert nicht lange, da fließen die Lebenssäfte in Strömen. Wachen erledigt Kain mit seinem riesigen Schwert, das er schwingt, als wäre es leicht wie eine Feder. Gefallene Feinde lassen den Erfahrungsbalken Ihrer Spielfigur ansteigen, bis sie einen neuen Trick lernt, etwa "Blutrausch", "Inferno" oder "Massaker". Der Name ist Programm: Über eine simple Tastenkombination verwandelt sich Kain in eine Zerstörungsmaschine, die mit Hochgeschwindigkeit fachmännisch ihre Gegner zerlegt. Zuletzt saugt er seine Opfer entweder traditionell per Halsbiss aus oder mittels imaginärem Blutstrohhalm aus der Ferne. Kains Wunden verheilen dabei wie im Zeitraffer. Neu sind telepathische Fähigkeiten. Per Handschwenk wirbelt Kain seine Feinde durch die Luft. Bogenschützen winken Sie mal eben über die Brüstung. Andere Monster schleudert er gegen Fackeln oder auf Spieße, die aus Wänden hervorragen - ein morbider Schabernack lässt sich da treiben, solange die Gedankenkraft ausreicht.
Vorhang auf für Raziel
Ein Stilmittel von Defiance ist der Unschärfe-Effekt beim Kämpfen, der erst kürzlich exzessiv bei Prince of Persia eingesetzt wurde.
Sobald Kain das Ende eines Levels erreicht, schaltet das Spiel zu Raziel um. Der steckt zuerst im Jenseits fest und befreit sich mit Freeclimbing-Qualitäten: Als Raziel hüpfen Sie unter Zeitdruck über Abgründe und hangeln sich an Wänden hoch. Später reisen Sie auf Knopfdruck zwischen Wirklichkeit und Spektraldimension hin und her, etwa um Gittertüren als Geist zu passieren. An Blut ist Raziel nicht interessiert, stattdessen verschlingt er die Seelen seiner Widersacher - das ist dasselbe in Grün. Beide Figuren spielen sich beinahe identisch, bis auf minimale Unterschiede: Während Kain als schwerfälliger Fiesling durch die Welt tourt, gibt sich Raziel eher als Akrobat. Größere Schluchten überwindet Raziel, indem er seinen zerfledderten Umhang ausbreitet und wie "Der kleine Vampir" durch die Luft segelt.
Dunkle Seiten
1996 erschien Teil 1 für Sonys PlayStation. Auch Defiance merkt man seine Konsolen-Herkunft an, leider im
negativen Sinne. Es ist beispielsweise unmöglich, in bewährter Kombination von Maus und Tastatur zu spielen. Dass die ganzen Buttons nicht in komfortabler Anordnung auf ein Keyboard passen, ist eine Sache. Die andere ist: Die Kameraperspektive hängt nicht, wie etwa in Indiana Jones 6, hinter dem Spieler, sondern bewegt sich in unvorhersehbaren, häufig schrägen Schwenks mit. Das heißt: Sie brauchen einen Analogstick, den Sie mit der Feinfühligkeit eines Klavierspielers im richtigen Rhythmus biegen. Der Orientierung nicht gerade zuträglich ist auch, dass die Ansicht ständig wechselt: Da sehen Sie Kain von vorne, dann wieder von hinten oder seitlich. Die im Grunde linear angeordneten Räume und Abzweigungen werden wegen der Abwesenheit eines Kompasses oder einer Karte schnell zum Labyrinth, in dem man sinnlos umherirrt. Die Kameraperspektive ist damit das Todesurteil eines Spiels, das sonst locker die 80er-Hürde genommen hätte.


Aber was am meisten zählt ist doch eure eigene Meinung. Wenn pcg sagt das spiel…
Ach ja, richtig... PC Games ist ja bekannt dafür, Konsolen-Konvertierungen grundsätzlich niederzubashen. Siehe Silent Hill, siehe Breath of Fire, siehe Prince of Persia, siehe Indiana Jones 6, siehe ... ach, die Liste ist endlos!
Und ich…