Ein Shot ist alles / Alles ist ein Shot - Die 10 besten Plansequenzen
Plansequenzen gehören schon lange zur vermeintlichen Königsklasse des Filmemachens. Darunter versteht man eine Szene, eine Sequenz oder sogar einen ganzen Film, der ohne Unterbrechung gedreht wurde und somit auch ohne Montage auskommt. Wenngleich man manchmal ein bisschen das Gefühl bekommt, dass betreffende Werke nur angeben wollen, so kommt man doch nicht umhin, bei gelungenen Plansequenzen beeindruckt auf die Leinwand zu starren.
Je nach Umfang des durchgeplanten Abschnitts steckt ein gewaltiger logistischer Aufwand hinter der Umsetzung einer Plansequenz - oder auch im Fachjargon sogenannten "Long-Takes" oder "One-Shots". Für gewöhnlich sind Einstellungen im zeitgenössischen Hollywoodkino nur wenige Sekunden lang, ehe ein Schnitt geschieht. Eine derartige Kurzweiligkeit setzt die Toleranz für Fehler ohne Frage sehr hoch an. Einzelne Einstellungen können beliebig getauscht und neu gedreht werden, ohne dass der normale Kinozuschauer die zeitliche Differenz zwischen ihnen wahrnehmen würde. Die geringe Dichte an Bildinformationen in einzelnen Segmenten gestattet es zudem deutlich einfacher die Illusion einer kontinuierlichen, in sich geschlossenen Filmrealität zu generieren. Man ist nicht darauf angewiesen zusammenhängende Welten nachzubauen - es wird sich meist auf das beschränkt was der Zuschauer am Ende zu sehe bekommt.
Doch warum erschweren sich manche Filmemacher ihren Schaffensprozess, indem sie solche Sequenzen einbauen? Ist es wirklich nur die Prahlerei mit dem eigenen filmischen Talent oder profitieren die Filme auch über den WoW-Effekt hinaus von dieser Technik? In den folgenden Beispielen wollen wir euch nicht nur die unserer Meinung nach besten Plansequenzen präsentieren, sondern auch kurz auf deren deren Zweck oder Zwecklosigkeit eingehen.
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Platz 10: Viktoria
"Viktoria" muss in solch einer Liste natürlich Erwähnung finden. 2015 sorgte der zweistündige Long-Take für Furore bei den Kinogängern. Mit einem gerademal zwölfseitigen Drehbuch wollte man den Darstellern bei dem Trip durch die Berliner Nacht die nötigen Freiheiten geben, um spontaner beim Dreh zu agieren. Die drei Ton-Teams, sechs Regieassistenten und 150 Statisten standen für insgesamt drei Drehs zu Verfügung. Die letzte dieser Aufnahmen war schließlich im Kino zu sehen. Viktoria ist ein Trip den man miterleben soll - der Einsatz von Montage hätte unnötig Distanz geschaffen.
Platz 9: Oldboy
Ein Mann verbringt 15 Jahre eingesperrt und isoliert von der Außenwelt. Als er aus seiner "Zelle" tritt, hat er nur eines im Sinn: Rache an seinen Peinigern! Das Meisterwerk aus dem Jahr 2003 beglückt den Zuschauer zwar nur mit einer recht kurzen Plansequenz, begeistert jedoch durch seine Visualität. Die Zweidimensionalität dieser Kampfszene erlaubt dem Zuschauer den Überblick über die Gegnermassen zu behalten, welche auf den Protagonisten hereinbrechen. Zudem ist die Anlehnung an alte Beat-'em-up-Games unverkennbar.
Platz 8: Revenge of the Warrior
Wenngleich "Revenge of the Warrior" keineswegs zur Riege der besten Filme gehört, so hat die längste ungeschnittene Kampfszene der Filmgeschichte dennoch einen Platz in dieser Liste verdient. Mit knapp über vier Minuten Dauer und über mehrere Stockwerke hinweg ist die körperliche Anstrengung des Schauspielers Tony Jaa spürbar. Mehrere Versuche waren nötig, um die Szene in den Kasten zu kriegen. Aufgrund von Überanstrengung musste zwischenzeitlich der Kameramann gewechselt werden. Als Muay-Thai-Kämpfer und -Stuntman ist dies eine schöne Zurschaustellung von Tony Jaas Können.
Platz 7: Russian Ark
"Russian Ark" ist mit Sicherheit an vielen Kinozuschauern vorübergegangen. Als vermeintlich erster Film hat er noch vor "Viktoria" den Gewaltakt eines Long-Takes in Spielfilmlänge gewagt. Durch die Gemäuer eines Museums hindurch geleitet ein geisterhafter Führer den Zuschauer durch 300 Jahre russischer Geschichte. Besonders schön ist hier, dass die Plansequenz den zeitlichen Charakter eines Museums nicht verfälscht. Die Ausstellungsstücke können aus völlig verschiedenen Zeiten der Geschichte stammen und sind dennoch an einem Ort und zur gleichen Zeit einsehbar - in diesem Fall sogar lebendig. Ein bisschen so, als würden man beim betreten der Museumsräume in die damalige Welt eintauchen.
Platz 6: Goodfellas
Der weltberühmte One-Shot aus "Goodfellas" vermittelt eine kontinuierliche und lebendige Welt. Dem Mafiosi Henry Hill folgend, betritt die Kamera einen Club durch die Hintertür. Der Backstage-Charakter dieser Szene führt durch enge Gänge und geschäftige Küchenabteile des Interieurs und erlösen das Restaurant damit von seiner Kulissenhaftigkeit. Gleichermaßen untermauert das Durchstreifen der verschiedenen, für Normalsterbliche verschlossene Abschnitte die Macht, die Hill innewohnt und diesem alle Türen öffnet.
Platz 5: Gravity
Die Eröffnungssequenz aus "Gravity" ist gleich aus mehreren Gründen ein beeindruckendes Machwerk. Der Echtzeitverlauf durch den Long-Take erlaubt es dem Zuschauer, sich allmählich an die veränderte Wahrnehmung im All zu gewöhnen. Bewegungen sind langsamer, aber auch schwerer zu kontrollieren. Das Sichtfeld der Kamera wird durch die dreidimensionale Bewegung im schwerelosen Raum unstet. Der anschließen hereinbrechende, absolute Kontrollverlust wird durch diese kurze aber prägnante Vorarbeit noch greifbarer.
Platz 4: Im Zeichen des Bösen
Das Kunststück von Filmmeister Orson Welles zeigt eindrucksvoll den zeitlichen Charakter von Plansequenzen. Entgegen ihrer geschnittenen Konterparts verlaufen sie nämlich in Echtzeit. Zu Beginn der Sequenz wird eine Bombe in einem Auto platziert. Wenn ihr auf den Timer des Sprengkopfes achtet, werdet ihr merken, dass er exakt auf die Länge der ab da weiterlaufenden Szene eingestellt wurde. Mit Kulissenwechsel u.v.m. ist dies gerade für damalige Verhältnisse eine herausragende Leistung.
Platz 3: Hard Boiled
John Woos Actionspektakel "Hard Boiled" gipfelt in einem der besten Shoot-outs von Cop vs Gangster, die es je gegeben hat. Bei der Materialschlacht zerlegen die beiden Polizisten ein ganzes Stockwerk samt dort wartender Feindschaft, nur um nach einer kurzen Aufzugsfahrt ein anderes, tatsächlich aber das gleiche Stockwerk erneut zu durchqueren. Richtig gelesen: In den knapp 20 Sekunden, während denen die Protagonisten in eine vermeintlich andere Ebene fahren, wird die eben zerstörte Kulisse so aufgeräumt, dass es beim erneuten Betreten nach einem anderen Raum aussieht. Gelungener Boxenstopp mangels zweitem Stocks.
Platz 2: Children of Men
Ein ganz besonderer Leckerbissen ist die Hinterhalts-Szene aus "Children of Men". In einer nicht allzu fernen Zukunft sind die Menschen der Erde unfruchtbar geworden. Am Rande des Aussterbens versuchen die Protagonisten die einzig schwangere Frau in Sicherheit zu bringen. Auf der Flucht geraten sie in einen Hinterhalt. In 360° aufgenommen, hatte man in dieser Szene ein vierköpfiges Team auf dem Dach des fliehenden Autos platziert, um gleichermaßen die Personen innerhalb als auch die Angreifer außerhalb aufzunehmen. Die Gleichzeitigkeit der Ereignisse macht Platz 2 zu etwas Besonderem.
Platz 1: Abbitte
Im Long-Take des Dramas "Abbitte" wird der Zuschauer an der Küste Dunkirks entlanggeführt. Dort schafft das Stilmittel vor allem eines: Die Vermittlung unvorstellbaren Ausmaßes. Der choreographische Herkulesakt der 1.300 Statisten führt dem Zuschauer die Vielschichtigkeit, die Verzweiflung und die Absurdität, die dieser Krieg mit sich brachte, vor Augen. Mit beeindruckenden Bildern erhält man eine Zusammenfassung dessen, was in den von den Kämpfen gemarterten Soldaten vorgeht. Von apathisch wippenden bis zu verzweifelt feiernden Soldaten, von pragmatischen Hinrichtungen bis hin zu einem singenden Chor. Völlig surreal.
Wir sind uns natürlich bewusst, dass es noch unzählige großartige Beispiele gibt. Ihr seid herzlich dazu eingeladen eure Vorschläge in die Kommentare zu schreiben. Welche Filme gehören eurer Meinung nach in dieses Ranking noch hinein?

:D
In einer Folge von Firefly gab es auch eine super Schlusseinstellung, wo die gesamte Crew zu Wort kam. „Summer!“ wurde deshalb zum geflügelten Schrei des Teams, denn Summer Glau kam auch da nur kurz am Ende, musste eigentlich nichts machen - und verbockte es endlos oft.
Hach, schade, dass die Serie nicht länger überlebte. :(
Es ist mir irgendwie noch immer ein Rätsel, wie Firefly es damals nicht geschafft hat. Naja, wundern sich sicher alle drüber...
:D
In einer Folge von Firefly gab es auch eine super Schlusseinstellung, wo die gesamte Crew zu Wort kam. „Summer!“ wurde deshalb zum geflügelten Schrei des Teams, denn Summer Glau kam auch da nur kurz am Ende, musste eigentlich nichts machen - und verbockte es endlos oft.
Hach, schade, dass die Serie nicht länger überlebte. :(
Birdman und Viktoria sind er Experimente, da sie beide ein versuch sind einen One-Shot Film zu machen.
https://youtu.be/FHi36DCTwec
https://www.youtube.com/w...
(Mal davon abgesehen, dass ich den Film extrem packend fand)