Das legendäre Rat Pack - Der Mythos lebt weiter
Das Rat Pack ist eine Legende, doch sein Mythos hallt bis heute nach - aktuell in der neuen Gauner-Komödie "Ocean's 8". Inspiriert ist diese ebenso wie ihre Vorgänger Ocean's 11-13 von dem Klassiker "Frankie und seine Spießgesellen" (1960) mit Frank Sinatra, Dean Martin Und Sammy Davis Jr. - dem Rat Pack eben. Wir werfen einen Blick auf den wohl berühmtesten "Boy's Club" in der Geschichte Hollywoods und besprechen dessen Vermächtnis.
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Die drei Musketiere. Die fünf Freunde. Die sieben Samurai. Seit jeher findet man sie in Film und Literatur: eingeschworene Lebensgemeinschaften, die gemeinsam haarsträubende Abenteuer erleben. So auch das Rat Pack, jener moralisch ungezwungene und modisch elegante Boy's Club, der in den 1960er-Jahren Las Vegas unsicher gemacht hat. Die Faszination ist verständlich, denn welcher Mann wünscht sich nicht hin und wieder, mit den Kumpels gemeinsam Gesetze und Frauenherzen zu brechen? Angefangen hat alles mit einer harmlosen Bemerkung - zumindest der Legende nach. Bereits Ende der 1950er-Jahre traf sich eine Männerrunde regelmäßig zu Whiskey, Zigaretten und Kartenspielen im Haus von Humphrey Bogart und Lauren Bacall. Als Lauren Bacall ihren Mann und seine Buddys eines Tages verkatert und übernächtigt nach einem zügellosen Wochenende in Las Vegas abgeholt haben soll, sagte sie angeblich: "Ihr seht aus wie ein Haufen Ratten." Daher der Name Rat Pack. Ob diese Anekdote tatsächlich wahr ist, ist fraglich. Schließlich starb Bogart bereits Anfang 1957 an Lungenkrebs und so scheint es eher unwahrscheinlich, dass er in den wenigen Monaten vor seinem Ableben noch die Kraft für ausgedehnte Ausflüge in die Stadt der Sünde hatte. Überliefert hingegen ist, dass Bogart und Bacall zuvor schon regelmäßig in den Holmby Hills von L.A. mit anderen in einer geselligen Runde zusammenkamen, die sich als Holmby Hills Rat Pack bezeichnete. Darunter waren so prominente Darsteller wie Cary Grant, David Niven, Judy Garland und Frank Sinatra. Womöglich übertrug erst die Presse später die Bezeichnung Rat Pack auf Sinatra und seine Clique.
Legendäre Konzerte in Vegas
Etwa 1960 setzte sich der Begriff Rat Pack durch, obwohl sich die Gruppe selbst lieber als "Das Gipfeltreffen" bezeichnete. Zum Rat Pack gehörten Weltstar Frank Sinatra, Lounge-Sänger Dean Martin, Entertainer Sammy Davis Jr. sowie die Schauspieler Peter Lawford und Joey Bishop. In den "Nebenrollen" waren gelegentlich Angie Dickinson, Shirley MacLaine und auch Marilyn Monroe zu sehen, die sogenannten Maskottchen des Rat Packs. Wann immer eines der Mitglieder der Rattenbande einen Auftritt hatte - Las Vegas war nach wie vor die beliebteste Spielwiese -, zog der Rest der Gruppe nach und kam oft unvermittelt ebenfalls auf die Bühne. Das war für die Zuschauer eine Sensation und bald schon wurden die Rat-Pack-Konzerte legendär. Die Auftritte von Sänger und Schauspieler Sinatra oder dem enorm populären Unterhaltungskünstler Martin waren in Windeseile ausverkauft, besonders in Las Vegas.
Apfelsaft in Whiskeygläsern
Das Rat Pack verkörperte diesen einen Traum: ein neues, cooles, souveränes Amerika. Bald erkannten auch die großen Filmstudios die Vorzüge einer solchen Marke und so kam die Idee auf, diesen Lebensstil auch auf der Kinoleinwand zu zeigen. Als erster Rat-Pack-Film gilt die RomCom "Meet Me in Las Vegas" (1956) von Regisseur Roy Rowland, in dem Frank Sinatra und Sammy Davis Jr. jedoch "nur" Gastauftritte haben. Zwei Jahre später übernahmen Sinatra und Dean Martin gemeinsam die Hauptrollen in "Verdammt sind sie alle" (1958) von Vincente Minelli, später traten sie häufiger als Duo auf. Der Film basiert auf einem Roman von James Jones ("Die Entwurzelten") und erzählt vom Schicksal eines Kriegsheimkehrers nach Ende des Zweiten Weltkriegs. Das war der erste Versuch, das Mysterium des Rat Packs mit Sozialkritik zu vermischen. Zu dieser Zeit war Sinatra als Darsteller eine Größe, er erhielt sogar 1954 den Oscar für seine Nebenrolle in "Verdammt in alle Ewigkeit". Doch "Verdammt sind sie alle" ist ein bierernster Film, den Studios wurde aber schnell klar, dass mit Gaunerkomödien mehr Geld zu machen war - es entsprach dem Image des Rat Packs weitaus besser. Die Leute wollten keine Kriegsheimkehrer sehen, sondern flotte Lebenskünstler.
In dieses Konzept passte dann auch viel besser der folgende Hit "Frankie und seine Spießgesellen" (1960), in dem erstmals das gesamte Rat Pack zusammen vor der Kamera stand. Sinatra spielte Danny Ocean, einen Meisterdieb, der einen gewagten Plan fasst: Zusammen mit seinen elf Kumpels will er in nur einer Nacht alle Casinos in Las Vegas ausrauben - höchst dezente Kapitalismuskritik mit einem Hauch von Robin-Hood-Romantik. Die Regie führte interessanterweise Lewis Milestone, der drei Jahrzehnte zuvor für den Antikriegsfilm "Im Westen nichts Neues" (1930) den Oscar gewonnen hatte. Auch im Milieu charmanter und gut gekleideter Krimineller war Milestone offensichtlich zu Hause, denn noch heute ist "Frankie und seine Spießgesellen" ein enorm vergnüglicher Film mit Spannung, Action, Musik und flotten Sprüchen sowie literweise Whiskey - zumindest hat es vor den Kameras diesen Eindruck. Denn bis heute hält sich hartnäckig das Gerücht, dass ausgerechnet die legendäre Saufnase Dean Martin in seinen Whiskeygläsern immer nur Apfelsaft schwappen hatte und dass er in Wirklichkeit ein disziplinierter Workaholic war. Da mag etwas dran sein, denn es ist schwer zu glauben, dass jemand bei so vielen Takes und so vielen Whiskeygläsern irgendwann noch aufrecht stehen könnte.
Die sieben wichtigsten Rat-Pack-Filme
Quelle: Warner
Szenenbild "Ocean´s Eleven" (2001) und Filmplakat "Frankie und seine Spießgesellen" (1960)
Quelle: Warner
Filmplakat zu "Frankie und seine Spießgesellen" (1960)Mit Frank Sinatra, Dean Martin, Sammy Davis Jr., Peter Lawford, Angie Dickinson und Joey Bishop. Zusätzlich ist Shirley MacLaine in einem Gastauftritt zu sehen. Danny Ocean und seine Kumpels wollen in nur einer Nacht jedes Casino in Las Vegas ausrauben. Hier wurde zum ersten Mal bewusst auf die Star-Power des Rat Packs gesetzt. Bis heute gilt der Film als ein Klassiker des Genres. 2001 drehte Regisseur Steven Soderbergh mit Ocean’s Eleven ein gelungenes Remake, in dem George Clooney, Julia Roberts, Matt Damon und Brad Pitt die Hauptrollen übernahmen.
Quelle: Warner
Filmplakat zu "Sieben gegen Chicago" (1964)Mit Frank Sinatra, Dean Martin und Sammy Davis Jr., Peter Lawford wurde beim Dreh durch den Sänger und Komiker Bing Crosby ersetzt. Sieben gegen Chicago ist eine klassische und sehr unterhaltsame Gaunerkomödie, die aus dem Leben des echten Gangsters Mickey Cohen Inspiration bezog. Im Chicago der Prohibitionszeit kämpfen zwei rivalisierende Banden um die Vorherrschaft im Alkoholschmuggel-Geschäft. Das Krimi-Musical ist eine mo-derne Aufbe-reitung der Robin-Hood-Geschichte.
Quelle: Warner
Filmplakat zu "Vier für Texas" (1963)Der Film zeigt Frank Sinatra und Dean Martin in einer weiteren albernen Westernkomödie. In Nebenrollen sind die Sexbomben Anita Ekberg (La Dolce Vita) und das Bond-Girl Ursula Andress (James Bond jagt Dr. No) zu sehen. Sinatra spielt das Schlitzohr Zack, das zusammen mit dem Revolverhelden Joe (Dean Martin) ein Casino eröffnen will. Ein charmanter Film voller harmloser Gags, zahlloser Schießereien und herb-männlicher Prügeleinlagen. Die Regie führte die Legende Robert Aldrich (Vera Cruz).
Quelle: Winkler Film
Filmplakat zu "Highway 2 - Auf dem Highway ist wieder die Hölle los" (1983)Der letzte Film mit dem (fast) kompletten Rat Pack. Neben diversen anderen Stars, beispielsweise Burt Reynolds, sind hier auch Frank Sinatra, Dean Martin, Sammy Davis Jr. und Shirley MacLaine zu sehen. Die Fortsetzung zu der Karambolage-Komödie Auf dem Highway ist die Hölle los (1981) fügt dem Thema nichts wesentlich Neues hinzu, ist aber dennoch sehr unterhaltsam. Wie auch im ersten Film nehmen eine Reihe von Outsidern an einem wilden und illegalen Cross-Country-Rennen teil. Auch vor schmutzigen Tricks machen die exzentrischen Wettkämpfer dabei erneut nicht halt.
Quelle: MGM
Filmplakat zu "Die Rache des Johnny Cool" (1963)Mit Sammy Davis Jr. und Joey Bishop. Rat-Pack-Mitglied Peter Lawford fungierte hier als Produzent. Der Darsteller Henry Silva, der in Frankie und seine Spießgesellen eine Nebenrolle als einer von Danny Oceans 11 hatte, spielte hier den Titelhelden – eigentlich ein Anti-Held. Johnny Cool ist seinem Namen gemäß ein eiskalter Auftragskiller. Der im Exil lebende amerikanische Gangster Colini (Marc Lawrence) schickt ihn in die USA, um gegen die dortige Mafia vorzugehen und blutige Rache zu nehmen.
Quelle: United Artists
Filmplakat zu "Die siegreichen Drei" (1963)Mit Frank Sinatra, Dean Martin, Sammy Davis Jr., Peter Lawford und Joey Bishop. Bei Die siegreichen Drei handelt es sich um eine temporeiche Western-Komödie, wie sie in den Sechzigern durchaus angesagt war. Das Drehbuch basiert auf dem Gedicht Gunga Din des britischen Dichters Rudyard Kipling. Der Film verlegt die Handlung in die Zeit der Indianerkriege im Jahre 1870 und erzählt die Geschichte von drei Kavallerieoffizieren und einem ehemaligen Sklaven, die sich zusammentun, um einen Indianeraufstand niederzuschlagen.
Quelle: Warner
Filmplakat zu "Dreimal nach Mexiko" (1965)Frank Sinatra und Dean Martin sind hier in einer albernen, aber durchaus witzigen Komödie zu sehen, die irgendwo zwischen einer Sitcom und einem Roadmovie angesiedelt ist. „Ol’ Blue Eyes“ Sinatra spielt Dan Edwards, den Chef einer Werbeagentur, der nach Mexiko reist, um seinen 19. Hochzeitstag zu feiern. Dabei kommt es versehentlich zu einer Scheidung, weswegen seine Frau Valerie (Deborah Kerr) seinen besten Freund Ernie Brewer (Dean Martin) heiratet, um ihrem Ex-Mann eins auszuwischen. Als Easter-Egg ist Sinatras Tochter Nancy Sinatra in einer Nebenrolle zu sehen.
Eine neue Ära
Gegen Ende der 1960er-Jahre klang der Erfolg der Rat-Pack-Filme langsam ab. Die späten Sechziger und frühen Siebziger brachten Katerstimmung. Erst in den Achtzigern kam das Rat Pack ein letztes Mal für einen Film zusammen: der Karambolage-Komödie "Auf dem Highway ist wieder die Hölle los" (1984). Es war ein lauter, dröhnender und chaotischer Streifen, das Kino des Exzesses, wie es in den 1980er-Jahren typisch war. Doch vor allem war es der lange Abschied von einem amerikanischen Mythos. Das neue Jahrtausend sollte uns jedoch mit einem Revival überraschen. Der talentierte, querköpfige Regisseur Steven Soderbergh, der in den 90er Jahren von der Traumfabrik belächelt wurde, heute aber zu den angesagtesten Filmemachern gehört, erweckte mit seiner Ocean's Trilogie das legendäre Rat Pack wieder zum Leben.
Aus alt mach neu
Ocean's Eleven (2001)
Quelle: Warner
Szenenausschnitt "Ocean's Eleven" (2001) - Brat Pitt, Georg Cloony und Julia Roberts
Es ist ein Heist-Film, wie er im Buche steht, dem sich Star-Regisseur Soderbergh 2001 widmete. Das Wort HEIST leitet sich von dem englischen Wort für die Räuberleiter ("hoist") ab. Heist-Filme beschäftigen sich vorwiegend mit der Planung und Durchführung komplexer Raubüberfälle. Als Akt der Entspannung brachte der Filmemacher das Remake zum Rat-Pack-Klassiker "Frankie und seine Spießgesellen" (1960) auf die große Kinoleinwand. Das hochkarätig besetze Casino-Raub-Abenteuer um Georg Clooney, Brat Pitt und Julia Roberts wurde ein solcher Hit, dass Soderbergh zwei weitere Teile in die Wege leitete. Kaum aus dem Gefängnis, schmiedet Gauner Danny Ocean Pläne für das nächste große Ding. Für den großen Raub eines Casinos in Las Vegas, scharrt der Gentleman-Gauner ein Team aus elf Spezialisten um sich.
Ocean's Twelve (2004)
Quelle: Warner
Szenenbild aus "Ocean's Twelve" (2004) - Die Gentleman-Gauner im Planungsmodus
Die Casinoraub-Bande hat alte Schulden zu begleichen, doch das Geld ist futsch und Ocean muss einen neuen Plan aufstellen. "Ocean's Twelve" bildet den Mittelteil von Soderberghs Trilogie. Bruce Willis, der in dieser Gauner-Komödie sich selbst spielt, war eigentlich für die Rolle Danny Ocean im "Ocean's Eleven" vorgesehen. Da er den Part aus Zeitknappheit ablehnen musste, ging dieser an George Clooney.
Ocean's Thirteen (2007)
Quelle: Warner
Szenenbild aus "Ocean's 13" (2007)
Rache ist süß. Danny Oceans Crew übt Rache an dem skrupellosen Casino-Besitzer Willy Bank. Der dritte und abschließende Teil von Soderberghs Ocean's-Trilogie orientiert sich stilistisch und inhaltlich deutlich mehr am Ersten und ist ein würdiger Abschluss.
Ocean's Eight (2018)
Quelle: Warner
Szenenbild aus "Ocean's 8" (2018)
Genau zehn Jahre nach "Ocean's Thirteen" (2007) dreht Gary Ross eine Weiterführung zum Ocean's Remake. Wie schon beim Original "Frankie und die Spießgesellen" (1960) und dem Ursprungsfilm für dieses Stück mit Clooney, Pitt, Damon und Co., ist dieser Ganoven-Blockbuster entsprechend berühmt besetzt. Schon vor dem Kinostart deutet alles darauf hin, dass zwei Fortsetzungen folgen könnten, um erneut eine Trilogie zu erschaffen. Denn mit der Produktion von Ocean's Nine und Ocean's Ten wäre ein nahtloser Übergang zu Sogerberghs Trilogie geschaffen. Der neue Caper-Krimi fängt auf die gleiche Weise an wie "Ocean's Eleven", mit einem Mitglieder der Ocean-Familie, das im Gefängnis befragt wird, was es nach dem Aufenthalt hinter Gittern macht. Diesmal stehen die Frauen im Mittelpunkt des Geschehens. Eine weibliche Truppe rund um Debbie Ocean plant einen großen Raubzug, der sich gewaschen hat. Ab dem 21. Juni ist "Ocean's 8" in den deutschen Kinos.

Hallöchen, da hat sich der Fehlerteufel aber ganz schön breit gemacht.
Danke für die Korrekturen :)
LG
"Der dritte Teil und abschließende Teil von Soderberghs...": "Der dritte und abschließende Teil von..."
"...und inhaltlich deutlich mehr am Ersten und ein würdiger Abschluss.": Da fehlt ein "ist".
"...Der neue Caper-Krimi beginnt auf die gleiche Weise an wie "Ocean's Eleven"...": Das sollte wohl entweder "beginnt auf die gleiche Weise wie" oder "fängt auf die gleiche Weise an wie" werden.