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  • Das Wettrüsten der Supermächte: Hollywood und die Faszination des Kalten Krieges
    Quelle: Paramount; Sony

    Das Wettrüsten der Supermächte: Hollywood und die Faszination des Kalten Krieges

    Seit beinahe 30 Jahren ist der Kalte Krieg zu Ende. Die Spannungen ­zwischen Ost und West nahmen merklich ab. Filmisch wird das Thema nur noch sporadisch aufgegriffen, wie zuletzt in der deutschen Serienproduktion "Deutschland '83" und in Steven Spielbergs "Bridge of Spies". Doch es gab eine Zeit, in der der Kalte Krieg das Filmgeschäft fest im Griff hatte.

    Als mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs die Siegermächte Europa unter sich aufteilten und sich die Westmächte unter der Leitung der Vereinigten Staaten und der Ostblock unter der Führung der Sowjetunion gegenüberstanden, entbrannte eine neue Form des Konflikts: der Kalte Krieg. Der Begriff wurde 1947 von dem US-amerikanischen Journalisten Walter Lippmann geprägt und ging bald in den Sprachgebrauch der folgenden Jahrzehnte über. In dieser Zeit schwelten unzählige Auseinandersetzungen zwischen Ost und West. In den 60er Jahren erreichte der Kalte Krieg mit dem Bau der Berliner Mauer, der Kubakrise und dem Prager Frühling einen brandgefährlichen Höhepunkt. Die Welt stand kurz vor der atomaren Eskalation. Gleichzeitig bauten die populären Massenmedien ihren Einfluss auf die Öffentlichkeit immer weiter aus, die Bevölkerung wurde immer stärker in den politischen Diskurs eingebunden. Daher verwundert es nicht, dass der Kalte Krieg starken Einfluss auf gesellschaftliche Entwicklungen nahm, auch im Bereich des Films.

    Nach dem Krieg ist vor dem Krieg

    James Bond "James Bond 007 - Liebesgrüße aus Moskau" aus dem Jahr 1963 Quelle: 20th Century Fox Kriegs- und Spionagefilme gab es zwar auch schon vor der Zeit des Kalten Krieges, doch nach 1945 vollzog sich eine bemerkenswerte Wandlung des Genres. Das Leid des Zweiten Weltkriegs und die Bilder von zerstörten Städten und KZ-Befreiungen ließen die Menschen die Welt mit anderen Augen sehen. Auch im Kino. Zunächst sah es so aus, als wäre die Zeit der patriotischen Filme, in denen Filmstars ­gegen Leinwandbösewichte antreten, vorbei. Doch in Hollywood hatten sich die Studios daran gewöhnt, die Tapferkeit des braven Soldaten zu zelebrieren - und nun sollte mit Kriegsende auch das Ende entsprechender Filme eingeläutet werden? Die Kanonen schwiegen zwar, aber die Kameras rollten weiter. Korea- und Vietnam-Krieg boten in den kommenden Jahren in den USA genügend Stoff für das Kriegsfilm-Genre, waren im Grunde aber voll entbrannte, offene Konflikte zwischen Ost und West, Demokratie und Kommunismus - und somit eine spürbare Folge des Kalten Krieges, der Europa durch den Eisernen Vorhang trennte, welcher erst Ende der Achtzigerjahre allmählich fiel.

    Offener und verdeckter Konflikt

    Während sich die USA und die Sowjetunion in sogenannten Stellvertreterkriegen gegenüberstanden, bot der Kalte Krieg gleichzeitig den idealen Nährboden für verdeckte Operationen, Feindpropaganda und gegensei­tiges Belauern. Das Spektrum zwischen Kriegsfilm und Spionagethriller fiel in den Jahren zwischen 1947 und 1990 entsprechend facettenreich aus und reichte von tragischen Kriegs-Epen ("Die Brücke von Toko-Ri", 1955; "Die durch die Hölle gehen", 1978; "Apocalypse Now", 1979), satirischer Aus­einandersetzung Dr. Seltsam "Dr. ­Seltsam oder: Wie ich lernte, die Bombe zu lieben" aus dem Jahr 1964 Quelle: Sony ("Dr. Seltsam oder: Wie ich lernte, die Bombe zu lieben", 1964) und kommerziellen Action-Krachern ("Rambo", 1982/1985; "Top Gun", 1986) bis hin zu klassischen Spionage-Thrillern ("Der Spion, der aus der Kälte kam", 1965; "James Bond"-Reihe) und offener, politisch-motivierter Systemkritik ("Die rote Flut", 1984).


    Die Wahrnehmung und die Logik des Konflikts waren dabei zunächst meist sehr einfach gestrickt. Es gab eine klare Unterscheidung zwischen Freund und Feind, Gut und Böse. Die Grenze verlief mitten durch Europa entlang des Eisernen Vorhangs, zwischen West und Ost. Der Kalte Krieg spielte sich dabei häufig in den Köpfen der Menschen ab und reichte von hypothetischen Scharmützeln bis zum atomaren Ernstfall. Schriftsteller und Filme­macher bedienten sich dieser Ängste und ­Vorstellungen und formten daraus ihre ganz eigenen Fiktionen. Eine echte politische Unterscheidung fand kaum stand. Insbesondere westlichen Produktionen diente der Kalte Krieg häufig nur als Hintergrund für Spannung und die Darstellung der Überlegenheit des Westens, während in Ost-Produktionen der Propaganda-Gedanke meist im Vordergrund stand. Beispielhaft sei an dieser Stelle die DDR-Produktion "For Eyes Only - Streng geheim" (1963) genannt. Der Film dreht sich um die Aufdeckung eines NATO-Invasionplans, der angeblich auf Tatsachen beruhte.

    Die rote Gefahr

    Gerade in Amerika hatte der Kalte Krieg immensen Einfluss auf das politische, aber eben auch kulturelle Leben. Zu Beginn der 1950er-Jahre nahm der Antikommunismus enorm zu. Senator Joseph McCarthy leitete den Ausschuss zur Untersuchung "antiamerikanischer Umtriebe". Kommunisten und liberale Intellektuelle wurden ausfindig gemacht und als vermeintliche Spione und Systemgegner denunziert. Darunter zu leiden hatten auch zahlreiche Schauspieler und Regisseure, die auf der "Schwarzen Liste" landeten. Zur selben Zeit begannen sich Hollywood-Produktionen intensiv thematisch mit dem Kalten Krieg und dem Eisernen Vorhang auseinanderzusetzen, darunter zahlreiche B-Movies. Sam Fullers "Polizei greift ein" (1953) und Robert Aldrichs "Rattennest" (1955) entwickelten sich jedoch zu Klassikern des Film noir. In Ersterem steht der Diebstahl eines Mikrofilms, der brisante Informationen zu amerikanischen Kommunisten enthält, im Mittelpunkt. In Aldrichs Thriller spielt atomares Material eine zentrale Rolle. Die kommunistische Bedrohung fand ihren Ausdruck aber auch unterschwelliger. Top Gun "Top Gun - Sie fürchten weder Tod noch Teufel" aus dem Jahr 1986 Quelle: Paramount Filme wie Christian Nybys "Das Ding aus einer anderen Welt" (1951) oder Don Siegels "Die Körperfresser kommen" (1956) müssen im Kontext der Furcht vor einer kommunistischen Infiltration betrachtet werden. Im Science-Fiction- und Horror-Bereich finden sich aber eben nur indirekte und symbolische Anspielungen auf die Angst vor dem Kommunismus und den Kalten Krieg, während Spionage- und Kriegsfilme ganz klar Stellung bezogen. Zwei Streifen, die sich beide in den Polarregionen an Bord von amerikanischen U-Booten abspielen, vereinen in sich recht beispielhaft die Art und Weise, wie in den Sechziger- und Siebzigerjahren thematisch mit dem Kalten Krieg umgegangen wurde: James Harris' "Zwischenfall im Atlantik" (1964) und John Sturges' "Eisstation Zebra" (1968). In beiden Fällen kommt es zu atomaren Zwischenfällen und weder die USA noch die Sowjet­union können ihre propagierte moralische Überlegenheit untermauern. Gleichzeitig überwiegt die nukleare Gefahr jeglicher Ideologie.

    Mit der Zuspitzung des Kalten Krieges während der Kuba-Krise änderte sich zum Teil auch die Wahrnehmung der unvorstellbaren Auswirkungen eines Atomschlags und es entstanden zwei der bemerkenswertesten Filme jener Zeit. In Sidney Lumets "Angriffsziel Moskau" (1964) und Stanley Kubricks "Dr. Seltsam oder: Wie ich lernte, die Bombe zu lieben" (1964) findet ein Angriff auf die Sowjetunion statt, der vom US-Präsidenten mit allen Mitteln zu verhindern versucht wird. In Lumets Thriller ordnet der Präsident am Ende als Vergeltung für die Zerstörung Moskaus sogar die Bombardierung New Yorks an. Kubrick arbeitete mit seiner tiefschwarzen Kriegssatire dagegen die Absurdität eines atomaren Angriffs heraus.

    Bridge of Spies - Trailer
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    Spielecover zu Bridge of Spies - Der Unterhändler
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    Annäherung

    Als kurze Zeit später der Vietnamkrieg ausbrach, es Präsident Nixon aber gleichzeitig gelang, die Spannungen zwischen seinem Land und der Sowjetunion etwas abzubauen, verloren die Filmemacher in den Folgejahren zunächst das Interesse am Kalten Krieg, aber auch am heißen Konflikt in Indochina. Das Publikum war kriegsmüde. Doch mit der Ankündigung, dass sowohl die USA als auch die Sowjetunion planten, ihre Länder mit neuen Interkontinentalraketen aufzurüsten, sowie mit der Übernahme des US-Präsidentenamtes durch Ronald Reagan 1980 wurde neues Öl in das "kalte" Feuer des Ost-West-Konflikts gegossen. Die Sowjetunion wurde zum "evil empire" abgestempelt und CIA-Chef William Casey sah das Land wieder auf dem Weg "der guten alten Zeit des Kalten Krieges".

    Deutschland 83 "Deutschland '83" aus dem Jahr 2015 Quelle: Universum Für viele Filmemacher stand nun nicht mehr die Unterwanderung des Westens durch den Kommunismus oder die atomare Bedrohung im Vordergrund, sondern die glorreiche Amerikanische Nation, die den Sieg davontragen wird. Schließlich musste man die Wunden des verlorenen ­Vietnamkrieges lecken und wie könnte man das besser als mit siegreichen Actionhelden à la Rambo im Kino. Der Kalte Krieg an sich wurde zwar noch immer thematisiert, allerdings häufig mit einem eben fast schon nostalgischen Beigeschmack. Sam Peckinpahs letzter Film "The Osterman Weekend" (1983) oder Richard Benjamins "Little Nikita" (1988) zeugen davon. Einige Filme setzten also auf Helden und Action, andere wiederum eiferten "der guten alten Zeit" nach, doch wie in der politischen Realität traten Veränderungen auf: Die in den Streifen vertretenen Ideologien wurden vielseitiger. Neben rechtslastigem Chauvinismus wie in John Milius' "Die rote Flut" von 1984 entstanden auch neue Betrachtungswinkel, so mit John Schlesingers "Der Falke und der Schneemann" (1985), in dem sich die CIA als noch niederträchtiger als die Sowjetagenten herausstellt. Und dann waren da noch die Produktionen, die in gewissem Maße die Zukunft vorwegnahmen: In Michael Apteds "Gorky Park" (1983), Walter Hills "Red Heat" (1988) oder John McTiernans "Jagd auf Roter Oktober" (1990) ­arbeiten Amerikaner und Russen zusammen und bewahren gemeinsam den Weltfrieden. McTiernans Film war zudem die letzte Hollywood-Produktion, die während des Kalten Krieges entstand. Nach dem Fall der Berliner Mauer 1989 und dem darauffolgenden Zusammenbruch der Sowjetunion näherten sich Ost und West mehr und mehr an. Der Eiserne Vorhang fiel, der Terminus des Kalten Krieges hatte ausgedient. Aber dennoch gibt es aus jener Zeit noch viele spannende Geschichten zu erzählen, zu denen zuletzt auch Spielbergs "Bridge of Spies" gehörte. Es wird nicht die letzte gewesen sein, die den Weg auf die Leinwand fand. Vielleicht wird es auch ganz neue geben, denn fast 30 Jahre nach dem Ende des Kalten Krieges scheinen die Machtansprüche und Ressentiments der ehemaligen Blockmächte in den Köpfen der Menschen nicht vollends verschwunden zu sein.

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