King's Bounty: The Legend im PC Games-Test
Die optisch spektakulären Fähigkeiten der Zorngeister werten die rundenbasierenden Sechseck-Kämpfe (für ältere Semester: Hexagon!) noch einmal deutlich auf.
Es war einmal - in einer Zeit, als Computerspiele nur in wenige Haushalte und auch dort nur in die unbeleuchteten Räume Einzug gehalten hatten - ein Strategiespiel namens King's Bounty. Das kombinierte den Aufbau eines Heldencharakters, das Bereisen einer Abenteuerkarte und rundenbasierende Kämpfe im Fantasy-Land hübsch miteinander. Es fand sich bald ein - von denselben Entwicklern programmierter - Thronfolger ein, Heroes of Might and Magic, der fortan das Reich rundenbasierender Strategie-Rollenspiel-Mixe beherrschen sollte. Doch nun erhebt sich der alte König, um dem Treiben des jetzigen Regenten ein Ende zu setzen ...
Alte Gewänder für neue Helden
Will sagen: King's Bounty: The Legend, eine Hommage an den knapp 20 Jahre alten Klassiker, ist nun endlich zum Test da - und wahrlich wie ein Märchen alter Zeiten, im Guten wie im Schlechten. Altmodisch scheint allein die immense Zeit, die man sich in der Spielwelt Endoria aufhalten muss, um auch nur ansatzweise voranzukommen. Dabei will man nach der sehr kurzen und etliche Fragen fürs Handbuchstudium offen lassenden Einführung sofort weitermachen. Schnell die Klasse des Helden gewählt - eher ein Magier, der dafür weniger Truppen führen kann, ein tumber Kämpfer ohne viel Hokuspokus oder der ausgeglichene Paladin? - und hinaus in die Welt. Schließlich fordern die zahlreichen im Menü noch ausgegrauten Talente im Charaktermenü geradezu auf, nach ein paar verdroschenen Monstern und einem Levelaufstieg den Traumhelden mit den besten Gegenständen zu erschaffen.
Lebensdiges Endoria
Gelegentlich zoomt die Spielengine auf Ihre kämpfenden Einheiten. Animationen, Modelle und Effekte sind bestenfalls oberer Durchschnitt, aber in der Summe stimmig.
Indes: Endoria, das Ihr Held in Echtzeit bereist, wimmelt nur so von Gefahren. Gegnertruppen patrouillieren über die Karte und greifen selbstständig an; am Anfang verputzen die meisten herumstreunenden Räuber, Bären und Zwerge den Helden zum Frühstück. Die raren erfüllbaren Quests und Kämpfe geben allerdings enttäuschend wenig Erfahrungspunkte ab, sodass der "Held" lange eher ein Ritter von trauriger Gestalt ist. Zu wenig Erfahrungspunkte, kaum Items - hier streckt King's Bounty ebenso massiv wie unnötig: den Anspruch in die Höhe, die Spielzeit in die Länge. Auf Sprachausgabe und Videos haben die Macher verzichtet. Mit King's Bounty kommen immense Mengen Text auf Sie zu - somit sind nicht alle Quests episch, wohl aber der Lesestoff zu ihnen. Dabei wären die vielen witzigen Charaktere und Nebengeschichten sehr viel lebendiger als ihre weniger originellen HoMM-Pendants, wenn man von ihnen mehr sähe als gezeichnete Porträts.
Neben diesem Einschlag von Retro-Ambiente bietet das technisch durchschnittliche Spiel großartige Fantasy-Abenteuer. Mit dem Helden durch die Wälder und Sümpfe zu streifen, in Höhlen hinabzusteigen, Arenakämpfe zu bestreiten und sogar gegen die Hüter von Artefakten IN den Artefakten zu kämpfen, das reißt enorm mit. Die farbenprächtige, fantasievolle Spielwelt und die enorm packenden Rundengefechte scheinen die Uhr beim Spielen wie von Geisterhand zu beschleunigen.


Über Tipps würde ich mich freuen.
Ich spiele mittlerweile LvL 11 auf "Normal" und das Spiel ist wirklich bockschwer. Kaum Gegner zu finden, die schwächer als ich eingestuft werden, nach beinahe jedem Kampf muss ich nach Hause reiten um meine Armeen…