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  • Kolumne zu Erotikspielen auf Steam, virtueller Pornographie und sexuellen Inhalten: Keine Angst vor nackter Haut!

    Ein Spiel auf Steam sorgt mit nackten Schulmädchen für Furore. Redakteur Peter Bathge findet es gut, dass Videospiele wie Kindred Spirits on the Roof mit immer mehr Tabus brechen und hofft in der Kolumne auf PCGames.de dass Entwickler dadurch Raum für neue Ausdrucksmöglichkeiten ihrer künstlerischen Begabung haben - ohne den eh schon wuchernden Sexismus vieler Titel zu befeuern.

    Kindred Spirits on the Roof will das erste unzensierte Spiel mit eindeutig sexuellen Inhalten und Grafiken auf Steam sein. Stimmt ja gar nicht! Schon 2011 gab's beispielsweise in The Witcher 2 neben dreidimensional modellierten Nippeln auch einen Blick auf Triss Merigolds Schamhaare. Selbst die Schamlippen der rothaarigen Hexe hatte ein Grafiker eingebaut. Warum also die ganze Aufregung? Weil es halt mal wieder um das Lieblingsthema des Internets geht: Titten!

    Skandalspiel? Von wegen!

    Kindred Spirits on the Roof ist ein typisch japanisches Eroge, also ein Erotikspielchen in Form einer Visual Novel. Es ist quasi ein Buch in Spieleform mit bergeweise Text, der vor gezeichneten, statischen Hintergründen scrollt. Ab und zu darf man dann mal eine Entscheidung treffen und wählen, welche der verschiedenen Schulmädchen man in der Rolle der jungen Schülerin Toomi Yuna als nächstes verführt. So klickt man sich durch die auffasernde Handlung und bringt quasi nebenbei einem lesbischen Geisterpaar bei, wie das mit dem gleichgeschlechtlichen Sex eigentlich so funktioniert, damit die beiden Phantome Frieden im Jenseits finden.

    In Kindred Spirits on the Roof gibt's nackte Tatsachen. Die sind aber nur nebensächlich; Story und Charaktere stehen im Vordergrund. In Kindred Spirits on the Roof gibt's nackte Tatsachen. Die sind aber nur nebensächlich; Story und Charaktere stehen im Vordergrund. Quelle: Liar Soft Klingt obskur, nicht wahr? Genau deswegen sind solche Visual Novels für mich als Japan-Nichtversteher ein Buch mit sieben Siegeln, ich finde dieses spezielle Genre gerade mal als Satire wie in Hatoful Boyfriend einigermaßen erträglich. Bis in Kindred Spirits on the Roof die Hüllen fallen, vergehen übrigens Stunden. Als Heißmacher für notgeile Hentai-Stecher ist das Spiel daher kaum geeignet. Von Interesse ist es hauptsächlich deswegen, weil es sich mit dem Thema gleichgeschlichtlicher Liebe zwischen Frauen auseinandersetzt (Stichwort: Yuri). Das ist im aus westlicher Sicht immer ein wenig verklemmt wirkenden Japan ein beachtlicher Erfolg.

    Letzten Endes sind die Bilder und Sexszenen in Kindred Spirits of the Roof aber immer noch vergleichsweise harmlos und gehen kaum über das Niveau eines typischen Softpornos hinaus. Ja, man sieht mal ab und zu eine unverpixelte Vagina. Brisant wird das Ganze aber allenfalls durch die Manga-typische Darstellung der Protagonisten, die laut Spieleinblendung zwar alle über 18 Jahre alt sein sollen, aber doch eher an minderjährige Schulmädchen erinnern und manch verbohrten Kommentator absurde Vergleiche zur Kinderpornographie ziehen lässt.

    12:07
    Kindred Spirits on the Roof: Das "Skandalspiel" im Angespielt-Video

    Mehr Mut zu nackten Tatsachen!

    Tabubrüche wie bei Kindred Spirits on the Roof tragen hoffentlich dazu bei, dass sexuelle Darstellungen in Spielen ihren Nimbus des Besonderen verlieren. Das Kino macht es vor, hier sind Sexszenen schon lange kein Aufregerthema mehr und werden als das Teil des künstlerischen Gesamtwerks angesehen. Videospiele, ihre Spieler und leider auch die Presse dagegen hängen zum Großteil immer noch in der Pubertät fest. Da wird lüstern (leider auch bei uns auf PCGames.de) jede Sexszene in einem Spiel analyisiert und jede Meldung, die auch nur eine Andeutung von nackten Tatsachen enthält, wird emsig geklickt. Solange diese seltsame Kombination aus verquerer Scham und triebgesteuerter Sex-Geilheit weiter besteht, dürfte es schwer sein, objektiv über Sex in Spielen zu diskutieren. Schade, denn ich würde gerne sehen, was Entwickler mit mehr kreativer Freiheit und Akzeptanz bei der Darstellung von nackten Tatsachen anstellen könnten!

    Nacktmods erfreuen sich bei PC-Spielern größter Beliebtheit. Nacktmods erfreuen sich bei PC-Spielern größter Beliebtheit. Quelle: newvegasnexus.com Natürlich will ich nicht, dass in Zukunft in jedem Spiel nur noch Brüste zu sehen sind oder man im nächsten Elder Scrolls mit allen NPCs möglichst detailreichen Beischlaf haben kann. Wenn Videospiele eines nicht brauchen, dann ist es noch mehr Seximus! Bitte keine Kettenrüstung-Bikinis für weibliche Rollenspiel-Heldinnen mehr! Ich will realistisch dargestellte Frauen. Die dürfen ruhig schön sein, aber ihr Äußeres sollte nie ihre bestimmendes Charaktermerkmal sein. Es wäre ja schon hilfreich, wenn der Busen vieler weiblicher Figuren nicht alle Gesetze der Schwerkraft missachten würde. Die gigantischen Ausmaße vieler Brüste, die in so manchen Spielen enthalten sind (egal ob verschämt versteckt hinter Bikini und engem Top oder frei hüpfend), würden in der Realität zu schrecklichen Rückenschmerzen führen.

    Ein erwachsener, weniger triebhafter Umgang mit dem Thema kann lediglich positive Effekte haben und dazu beitragen, die Videospiele weiter aus der Schmuddelecke zu holen, wohin manche Medien und Verbände sie angesichts der periodisch wiederkehrenden Pornographie-Vorwürfe in Richtung Mass Effect oder Metal Gear Solid 5 (Hallo, Quiet!) gerne zurückzerren wollen. Ganz ehrlich: Wenn ich mir gerade die hypersexuelle Darstellung von Frauen in einigen Titeln anschaue, kann ich entsprechende Stürme der Entrüstung verstehen.

    Selbst ein vermeintlich erwachsenes Spiel wie The Witcher 3 setzt die Sexszenen mit Geralts munter wechselnden Partnerinnen mehr wie eine Belohnung fürs emsiges Durchspielen ein denn als Ausdruck glaubwürdiger Gefühle zwischen zwei fiktiven Personen. The Witcher 3 mag zwar Ansätze von einer ernsthaften Beschäftigung mit dem Thema Intimität besitzen, doch letzten Endes beeindruckt am Spiel mehr der Detailgrad bei der Darstellung der Sexszenen. Nur der Hexer selbst muss auch im dritten Teil ohne sein wertvollstes Stück auskommen. In Heavy Rain ließ die eher realistisch dargestellte Heldin die Hüllen fallen - um einen schmierigen Nachtclubbesitzer abzulenken. In Heavy Rain ließ die eher realistisch dargestellte Heldin die Hüllen fallen - um einen schmierigen Nachtclubbesitzer abzulenken. Quelle: videogameszone.de

    Brustwarzen: okay. Aber bitte keinen Penis!

    Geralt hat in The Witcher 3 keine Geschlechtsteile, die von ihm flachgelegten Frauen aber schon. Geralt hat in The Witcher 3 keine Geschlechtsteile, die von ihm flachgelegten Frauen aber schon. Quelle: PC Games Wenn es um die explizite oder implizierte Darstellung von Geschlechtsverkehr geht, geben sich Videospiele oft seltsam einseitig. Brüste sind okay, Nippel auch und selbst der ein oder andere verschämte Blick zwischen die Beine mancher Frau hat es bereits in auf Steam veröffentlichte Spiele geschafft. Wenn es aber um den männlichen Gegenpart geht, dann halten sich viele Entwickler im wahrsten Sinne des Wortes bedeckt. Dabei wäre es nur logisch und gerecht, wenn Spiele auch männliche Helden in ihrer Sexualität darstellen - wenn es denn nötig ist.

    Denn Sexszenen, knisternde Erotik und nackte Tatsachen sollten meiner Meinung nach stets einen tieferen Sinn haben und zum Gesamterlebnis beitragen. Auch ist was dran am Argument, dass weniger manchmal mehr ist. Eine geschickt mit der Erwartungshaltung spielende Kameraführung kann für mehr Sinnesfreunde sorgen als schnöde Polygon-Brüste oder ein strammes Glied, das dem Spieler förmlich ins Gesicht springt.

    Reine Pornographie hat allerdings ebenfalls ihre Berechtigung und könnte in virtueller Form sogar viel von ihrem negativen Image verlieren. Man male sich das nur mal aus: Sex-Performer müssten bei einer eventuellen Virtual-Reality-Revolution der Pornoindustrie allenfalls ins Motion-Capture-Studio oder ihre Lustschreie per Mikrofon aufzeichnen und wären nicht wie bei realer Pornographie dazu gezwungen, mit jungen Jahren ihren Körper in teils entwürdigender Weise als Lustobjekt zu verkaufen.

    Der Shower With Your Dad Simulator 2015 zeigt nur verpixelte Penisse. Der Shower With Your Dad Simulator 2015 zeigt nur verpixelte Penisse. Quelle: marbenx Abseits solcher Fleischbeschau wäre ein offenerer Umgang mit Sex in Videospielen aber hauptsächlich dazu geeignet, Spielern realistischere Rollenbilder von Männern und Frauen zu vermitteln. Eine glaubwürdigere Abbildung menschlicher Beziehung wäre möglich, denn Sex ist nunmal ein integraler Bestandteil des Zusammenlebens von Mann und Frau - oder Mann und Mann, Frau und Frau. Themen wie Homosexualität und Transgender könnten eine größere Rolle einnehmen und völlig neue Erzählungen ermöglichen. Die Enttabuisierung der Darstellung sexueller Akte bringt im Idealfall einen offeneren Umgang mit dem Thema mit sich. In Bioware-Spielen haben Sexszenen mittlerweile Tradition. Sie schwanken zwischen klischeehaft und geschmackvoll. In Bioware-Spielen haben Sexszenen mittlerweile Tradition. Sie schwanken zwischen klischeehaft und geschmackvoll. Quelle: Bioware

    Kinder schützen, Erwachsene nicht bevormunden

    Natürlich muss der Jugendschutz weiterhin gewährleistet sein. Hier sind insbesondere auch die Eltern gefordert, dich sich dafür interessieren sollten, was der Nachwuchs eigentlich so spielt. Nicht umsonst gibt es Altersfreigaben; Steam hat zumindest eine Altersabfrage vor die Store-Seite von Kindred Spirits on the Roof gesetzt. Eine sichere Methode, um Kinder vor erwachsenen Inhalten zu schützen, ist das freilich nicht.

    Erotikspiele auf Steam: Keine Angst vor nackter Haut! Kolumne Allerdings darf die Sinnhaftigkeit von züchtiger Sex-Darstellung in Videospielen zwecks Jugendschutz bezweifelt werden, wenn Minderjährige auch abseits von Computer und Konsole ständig mit eindeutig-zweideutigen Motiven konfrontiert werden. Das reicht von der Dessous-Werbung im Fernsehen bis hin zu Sexualverbrechen im abendlichen Tatort. Wenn sich Jugendliche im Internet mit einem Klick Hardcore-Pornos anschauen können - was für einen Sinn ergibt es dann, bei Spielen vergleichsweise züchtig mit dem Geschlechtsakt umzugehen?

    Das hat jetzt wohl auch Steam-Betreiber Valve erkannt. Nachdem sich das Unternehmen in der Vergangenheit geziert hatte, bestimmte Spiele mit sexuellen Inhalten unzensiert in sein Programm aufzunehmen (wie gesagt: bei The Witcher 2 war alles okay für Valve!), ist die für den PC-Markt derzeit wohl einflussreichste Firma doch noch im 21. Jahrhundert angekommen. Gut so! Alles andere wäre auch ein extremer Anachronismus.

    10:43
    Liebesspiele-Video: Sex in Games - von Larry bis the Witcher
    Spielecover zu Grand Theft Auto: San Andreas
    Grand Theft Auto: San Andreas

    Sex gehört dazu

    Für Street Fighter 5 musste Capcom die Darstellung der weiblichen Kämpferinnen nach Sexismus-Vorwürfen überarbeiten. Viel geändert hat sich nicht. Für Street Fighter 5 musste Capcom die Darstellung der weiblichen Kämpferinnen nach Sexismus-Vorwürfen überarbeiten. Viel geändert hat sich nicht. Quelle: Capcom Unsere Gesellschaft ist hochgradig sexualisiert. Sex ist ein zentraler Bestandteil unseres Lebens - und zwar schon weit vor Erreichen der Volljährigkeit. Besonders die Rolle von Frauen wird in Werbung und Medien sehr häufig auf ihren Sexappeal heruntergebrochen. Videospiele sind da keine Ausnahme. Ausladende Oberweiten in Street Fighter 5 und knapp bekleidete Volleyball-Häschen in Dead or Alive Xtreme stellen lediglich die auffälligsten Beispiele dar. Jahrelang war es für Ego-Shooter und Actionspiele mit muskelbepackten Kerlen in der Hauptrolle Usus, eine scharfe Pixel-Braut an die Seite des Macho-Helden zu stellen. Selten dümmliches Beispiel: Far Cry.

    Knackarsch und dicke Brüste, damit wird schon seit Urzeiten für Videospiele geworben. Zwar gab es mit der Zeit auch immer wieder große Erfolge für Emanzipation und Gleichberechtigung, wurden starke Heldinnen wie Lara Croft oder Evie Frye geschaffen, deren Besonderheiten sich eben nicht (nur) auf ihr Äußeres beschränkten. Aber es heißt nicht umsonst: Sex sells! Und so haben Videospiele schon immer Sex oder zumindest die Andeutung von Sex enthalten.

    Kaum etwas davon war erwachsen und der Geschichte zuträglich, einiges für humoristischen Effekt eingebaut (Larry Laffer), anderes mehr Fan-Service (Mass Effect) oder gar pure Fleischbeschau für die vermeintliche Zielgruppe der 15-jährigen Heranwachsenden (God of War). Dass es jetzt ein japanisches Softporno-Spiel braucht, um sich über derartige Darstellungen aufzuregen, ist nicht nur hochgradig lächerlich, sondern auch verlogen. Schließlich spielen Sex und sexuelle Andeutungen schon immer eine große Rolle in Spielen und werden von den Herstellern für eiskalt kalkulierte Marketing-Strategien genutzt. Wäre doch eine schöne Abwechslung, wenn die Geschlechtsteile in Zukunft mal eine wichtigere Rolle für Gameplay und Story spielen würden.

    01:29
    Kindred Spirits on the Roof: Erotikspiel bei Steam - das Intro
    • Es gibt 79 Kommentare zum Artikel

      • Von belakor602 Erfahrener Benutzer
        Zitat von Birdy84
        "Wenn sich Jugendliche im Internet mit einem Klick Hardcore-Pornos anschauen können - was für einen Sinn ergibt es dann, bei Spielen vergleichsweise züchtig mit dem Geschlechtsakt umzugehen?" Wir könnten auch gleich alle Geschwindigkeitsbegrenzungen auf öffentlichen…
      • Von Worrel Erfahrener Benutzer
        Zitat von Pherim
        Auch das ist durchaus wahr, aber nackte Kinder am Strand haben ja erst mal gar nichts mit Pornografie zu tun ...
        Es geht mir darum, daß kinderpornographisches Material durchaus auch ohne sexuelle Nötigung und dadurch geschädigte Kinder entstehen kann.
      • Von Pherim Erfahrener Benutzer
        Auch das ist durchaus wahr, aber nackte Kinder am Strand haben ja erst mal gar nichts mit Pornografie zu tun und werden es auch nicht dadurch, dass sich Leute mit entsprechender Neigung dadurch erregt fühlen. Das ist ja auch so eine Problematik (ging ja auch durch die Medien im Fall Edathy), dass es ja…
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Kolumne zu Erotikspielen auf Steam, virtueller Pornographie und sexuellen Inhalten: Keine Angst vor nackter Haut!
Ein Spiel auf Steam sorgt mit nackten Schulmädchen für Furore. Redakteur Peter Bathge findet es gut, dass Videospiele wie Kindred Spirits on the Roof mit immer mehr Tabus brechen und hofft in der Kolumne auf PCGames.de dass Entwickler dadurch Raum für neue Ausdrucksmöglichkeiten ihrer künstlerischen Begabung haben - ohne den eh schon wuchernden Sexismus vieler Titel zu befeuern.
http://www.pcgames.de/Kindred-Spirits-on-the-Roof-Spiel-56599/Specials/Erotik-Sexspiele-Kindred-Spirits-on-the-Roof-Kolume-zu-nackter-Haut-1186360/
18.02.2016
http://www.pcgames.de/screenshots/medium/2016/02/Sexspiele_auf_Steam_Kindred_Spirits_on_the_Roof_Teaser_1-pc-games_b2teaser_169.jpg
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