Just Cause
Wie spaßig es sein kann, einem Diktator den Marsch zu blasen, zeigt dieses Spiel. Unter anderem dank reichlich spektakulärer Stunts.
Just Cause versprüht kubanisches Flair, wie dieser schmucke Straßenzug beweist.
Just Cause beweist erneut: Wir können froh sein, dass Englisch nicht unsere Muttersprache ist. Weil: Man darf Spiele-titel lässig finden, die eigentlich komplett dämlich sind. "Just cause" heißt nämlich "triftiger Grund". "Hey, lass uns Triftiger Grund zocken", sprach Klein-Hansi zu seinem Kumpel - ach, reden wir besser nicht drüber. Denn glücklicherweise sieht es aus, als sei der Name das Einzige, was bei diesem action-reichen Abenteuer ungenial daneben ist.
Es geht darum, die Militär-Regierung des karibischen Fantasie-Staates San Esperito zu stürzen. Das klappt nur Stück für Stück, der Spieler muss also in der Salamitaktik 34 Provinzen des Landes unter seine Kontrolle bekommen. Zu diesem Zweck schlüpft er in die Rolle des CIA-Agenten Rico Rodriguez, der nicht nur mächtig gut ballern kann, sondern unglaubliche Stunt-Manöver draufhat (lesen Sie dazu den Kasten "Willkommen im Schwinger-Club!").
Ein weiteres Merkmal des Ab-16-Spiels sind zynische Sprüche. "Schön, dass du das Töten noch draufhast!", lobt uns etwa unser Boss nach der ersten Schießerei. Die Duelle bestreiten Sie übrigens wahlweise in der Verfolgersicht oder einer Perspektive, die eine auf der rechten Pixelschulter sitzende virtuelle Kamera bietet.
Zahlenspiel
Eine unscharfe Optik lässt den Sprung im Auto noch dynamischer erscheinen.
Die uns präsentierte Beta-Version hatte noch Macken bei der Physik-Engine, sah aber nach Spaß aus: Just Cause verbindet südseeinseliges Far Cry-Flair mit einem Spielprinzip à la GTA, wobei es aber weniger Tiefgang besitzt. Dafür erinnert es stark an fluffiges Popcorn-Kino und motiviert Sie, indem es fast wie ein Diablo 2 den Sammeltrieb weckt. Ständig giert der Spieler danach, neue Waffen und Vehikel freizuschalten.
Ein paar Zahlen gefällig? Just Cause protzt mit 89 Fahrzeugen, Booten und Flug-geräten, 20 Handfeuerwaffen, 290 Missionen (21 sind für die Hintergrundgeschichte wichtig), einer 32 mal 32 Kilometer großen, von Beginn an frei begehbaren Welt, sechs Städten und vier Fraktionen, als da neben der Regierung die Rebellen und zwei Drogenkartelle wären. Diese gehen sich natürlich hübsch gegenseitig auf die Säcke und Sie sind schneller drin verwickelt, als Sie "Huch!" sagen können.
Wie groß San Esperito ist, verdeutlichen zwei weitere Zahlen: Die Entwickler haben virtuell 1,3 Millionen große Bäume sowie 10,5 Millionen kleine Bäume und Büsche gepflanzt. Wer mag, darf das gerne prüfen. Wenn Sie pro Sekunde eine Pflanze zählen, brauchen Sie 136 Tage (ohne schlafen, pinkeln, poppen und so weiter). Entscheidend für den Spielspaß wird allerdings letztlich sein, wie abwechslungsreich die Missionen ausfallen.
Was wir bislang gesehen haben, passt: Man muss unter anderem den Rebellenchef aus einem Gefängnis befreien und eine Auto-Verfolgungsjagd mit der Polizei überstehen, Straßensperren in die Luft sprengen und einen Drogenkurier ausschalten, um dessen Identität anzunehmen. Nach Aussagen von Sven Liebold, PR-Manager bei Eidos, soll es häufig mehrere Möglichkeiten geben, Aufträge zu lösen. Eine Drogenplantage zum Beispiel lässt sich mit einem Trecker samt Giftspritze, einem schnuckeligen Flammenwerfer oder auch Kampfhubschrauber-Bombardement zerstören.
Scharfe Optik
Peng, du bist tot! Die Schulterkamera ist beim Zielen hilfreich.
Das Spiel sieht abgesehen von einigen unrunden Animationen, die bis zum Verkauf noch den letzten Schliff kriegen sollen, sehr hübsch aus. Besonders eindrucksvoll sind die fast schon überzeichneten Explosionen. Ja, wir glauben, Triftiger Grund kann richtig nett werden. Trotz des beknackten Titels.

