Kolumne: Jugendschutzgesetz - Size matters
Familienministerin Ursula von der Leyen.
Grell leuchteten die lilafarbenen Abgeordnetensessel im Berliner Reichstag, als gestern die Neufassung des Jugendschutzgesetzes verabschiedet wurde. Man konnte die augenschmeichelnde Farbe der Sitzbezüge deshalb so prima besichtigen, weil nur eine Handvoll von Volksvertretern überhaupt anwesend war. Eine halbe Stunde lang wurden Argumente vorgetragen, dann hieß es: Abstimmen.
Ergebnis: Die berüchtigte Neufassung des Jugendschutzgesetzes wird kommen. Inklusive brutalstmöglich schwammiger Formulierungen, die - bei strenger Auslegung - die Hälfte aller aktuellen Action-Filme und -Spiele auf den Index der Bundesprüfstelle treiben. Alle Spielepackungen werden zudem mit USK-Stickern gekennzeichnet, die rund vier Mal so groß sind als die bisherigen Logos.
Die USK-Sticker auf Packungen werden bald größer.
Wird es was bringen? Ich meine: Nein. Genauso gut könnte man auf deutschen Autobahnen Geschwindigkeitsschilder mit zwei Metern Durchmessern aufstellen - es würde trotzdem weiter gerast. Wer den Verkaufsstart von Grand Theft Auto 4 miterlebt hat (anerkanntermaßen ein Ab-18-Spiel), wird wissen, dass nicht wenige Minderjährige in Begleitung ihrer Erziehungsberechtigten anrückten. Andere Väter, Mütter, Großeltern kamen alleine, wurden zuvor aber von ihren 14-, 15-, 16jährigen Sprösslingen ausführlich gebrieft (man könnte auch sagen: genötigt).


Es ist eigentlich genau das selbe Geschwafel wie damals bei der Rockmusik. Das Prinzip ist sogar noch sehr viel älter (siehe Hexenverfolgungen): Irgentwas ist schief gegangen und ein Sündebock muss her. Und umso weniger die Wähler davon verstehen umso…