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  • Jowood-Themenwoche - Tag 2: Stefan Berger von Jowood: "Gibt nichts zu beschönigen"

    Seit dem Börsengang vor elf Jahren gab es kaum eine Phase, in der Jowood nicht ums Überleben gekämpft hätte: Ende April kam jetzt das endgültige Aus. In der Reportage "Die Unsinkbaren" in der PC Games 6/11 (erscheint am 25. Mai) lest ihr, wie sich die Österreicher in einen Teufelskreis aus Größenwahn, unfertigen Spielen und tragischen Fehlentscheidungen hineinmanövrierten. Im Rahmen unserer Jowood-Themenwoche steht uns nach Michael Rüve von Piranha Bytes heute Jowood-Manager Stefan Berger Rede und Antwort.

    Das ursprüngliche Logo von Jowood wurde vor einigen Jahren modernisiert. Das ursprüngliche Logo von Jowood wurde vor einigen Jahren modernisiert. Quelle: JoWooD Ergänzend zur Jowood-Reportage veröffentlichen wir seit gestern täglich ein neues Interview mit Leuten, die es wissen müssen: Persönlichkeiten, die seit Jahrzehnten dabei sind. Insbesondere wird es auch um die Frage gehen, wie es mit Gothic, Arcania & Co. weitergeht. Freut euch auf interessante Blicke hinter die Kulissen des österreichischen Publishers, der mit Titeln wie Gothic 2, Gothic 3, Spellforce, Industriegigant und Die Gilde Spielegeschichte geschrieben hat.

    Richard Dean Anderson (MacGyver) auf dem Jowood-Stand der E3 2005: Der Schauspieler wirbt für das nie erschienene Stargate SG-1: Alliance. Richard Dean Anderson (MacGyver) auf dem Jowood-Stand der E3 2005: Der Schauspieler wirbt für das nie erschienene Stargate SG-1: Alliance. Und das sind einige unserer Experten und Gesprächspartner:
    Michael Rüve: Geschäftsführer von Piranha Bytes (Gothic 1 bis 3, Risen, Risen 2: Dark Waters) - zum Interview
    Hans Schilcher: Gründer und Vorstand von Jowood sowie Spieldesigner (Der Industriegigant, Der Verkehrsgigant)
    Ralf Adam: Langjähriger Produzent und Projektleiter für viele Jowood-Titel, unter anderem Spellforce und Die Gilde
    Stefan Berger: Seit 2001 bei Jowood tätig und zuletzt als Business Development Manager verantwortlich
    Alexander Jorias: Gründer und Geschäftsführer von Massive Development (Schleichfahrt, Aquanox, Aquanox 2: Revelation)
    Teut Weidemann: Gründer und Geschäftsführer von Wings Simulations (Panzer Elite und Söldner: Secret Wars)
    ...plus weitere "Zeitzeugen" - zum Interview

    Heute bei pcgames.de: Stefan Berger, Business Development Manager bei Jowood. Natürlich freuen wir uns auf eure Fragen und Kommentare rund um die Interviews und die Reportage.

    Stefan Berger ist nach wie vor Business Development Manager in der Jowood-Zentrale in Wien. Stefan Berger ist nach wie vor Business Development Manager in der Jowood-Zentrale in Wien. PC Games: Stefan, du bist seit zehn Jahren für JoWooD aktiv, nach wie vor für das Unternehmen tätig und kennst die Firma wie nur wenige andere. Kurzum: Wie geht es dir heute und mit was bist du derzeit beschäftigt?
    Stefan Berger: Derzeit bin ich noch mit der Abwicklung diverser Geschäfte beschäftigt. Die Firma wird, wie es in der Presse ja bekannt gegeben wurde, noch "finalisiert" und die Assets / Marken werden verwertet. Dies muss natürlich auch begleitet werden, was derzeit meine Hauptaufgabe ist.

    PC Games: Was hat Jowood letzten Endes aus deiner Sicht das Genick gebrochen?
    Stefan Berger: Letzten Endes war es der schlechte Verkauf der Titel. Dieser schlechte Abverkauf kommt unter anderem natürlich auch von der Produktqualität, welche, das ist auch kein Geheimnis, nicht immer den hohen intern gesetzten Maßstäben entsprach. Sind die Kunden zufrieden und ist die Nachfrage nach einem Titel hoch, passen auch die Zahlen. Dies war leider bei unseren Titeln nicht immer der Fall. Hier müssen wir uns natürlich als erstes selbst an der Nase nehmen. Da gibt es nichts zu beschönigen.

    PC Games : Der Clinch mit Entwicklern, Studios und Publishern wurde zwangsläufig recht öffentlich ausgetragen. Würdest du die These unterschreiben, dass sich JoWooD mehr mit sich selbst beschäftigt hat als mit der Entwicklung von Spielen?
    Stefan Berger: Nein, auch wenn es nach außen hin so gewirkt hat. Wir haben einfach zu viele Räder drehen wollen und an zu vielen Fronten - also Distribution, Publishing, Entwicklung etc. - gleichzeitig kämpfen wollen, was bei keiner Firma gutgehen kann. Man könnte auch sagen, dass wir einfach zu viel wollten und uns dann einfach "verhaspelt" haben.

    PC Games: Du warst für das Business Development verantwortlich, hast also mitentschieden, welche Spiele wann wie von wem entwickelt werden. Welche deiner Entscheidungen würdest du heute nochmal genauso treffen, welche bereust du im Nachhinein?
    Stefan Berger: In meinen zehn Jahren bei Jowood - wo ich keine einzige Sekunde missen möchte - war ich in fast allen Bereichen tätig. Allgemein wäre zu sagen, dass wir meiner Meinung nach einfach immer zu viel wollten, sei es im Bereich Game Design, in der Vermarktung, in der Entwicklung oder sonst wo, es fehlte der Fokus der Kräfte, um die Dinge sauber umzusetzen, die ein "Must have" gewesen wären. Eine Konzentration des Teams auf wenige Titel pro Jahr wäre unter Umständen zielführender gewesen und hätte uns auch einige Probleme erspart. "Hätt ich, wär ich, würd ich, könnt ich" ist aber nicht, und deshalb müssen wir alle einfach aus den Fehlern lernen und diese in der Zukunft meiden.

    PC Games: An welchen Moment deiner Arbeit für JoWooD denkst du am liebsten zurück?
    Stefan Berger: An alle. Ich bin mit der Firma JoWooD durch gute und schlechte Zeiten gegangen, aber eines war immer hier: Der Zusammenhalt innerhalb der Firma. Ich habe während der Zeit sehr viele Menschen kennen und schätzen gelernt und freue mich jedes Mal wieder, wenn ich diese Leute bei Messen oder sonstigen Veranstaltungen treffen kann. Es war eine schöne Zeit, auch wenn wir in diversen "Tiefs" steckten, haben alle immer wieder versucht den "Kopf aus der Schlinge" zu ziehen. So etwas verbindet.

    PC Games: Der Insolvenzverwalter plant, das Unternehmen als Ganzes bis Ende Juni zu verkaufen. Was passiert jetzt mit euren Marken, Spielen und so weiter?
    Stefan Berger: Diese Marken und Spiele gehen dann in den Besitz des neuen Eigentümers über und werden hier dann auch weiter vermarktet und hoffentlich auch weiter ausgebaut. Jowood steht ja nicht nur für die Rollenspiele / Strategiespiele Die Gilde, Gothic und Spellforce sondern auch noch für Klassiker wie Die Völker, Aquanox und so weiter. Hier gibt es noch einige Möglichkeiten, Brands (= Marken, Anm. d. Red.) aufzubauen und zu pflegen.

    PC Games: Was passiert mit den bereits angekündigten Spielen wie dem Spellforce-2-Add-on "Faith in Destiny" und dem Arcania-Add-on "Fall of Setarrif"?
    Stefan Berger: Dies wird sich nach einer Übernahme der Spiele und Brands entscheiden. Hier möchte ich noch nicht vorgreifen.

    PC Games: Laut Piranha Bytes fällt die Marke "Gothic" in Kürze an das Studio zurück. Kannst du das bestätigen?
    Stefan Berger: Es bestehen Verträge, die ihre Gültigkeit haben, dass das Unternehmen JoWooD Gothic 4 und Add On noch veröffentlichen kann, sowie die bestehenden Produkte bis zu einem gewissen Zeitraum vermarkten darf. Dieser Vertrag wird sicherlich eingehalten werden, auch gegebenenfalls von einem neuen Partner, der die Assets (= Marke, Software usw., Anm. d. Red.) heraus kaufen wird, je nachdem. Ein Gothic 5 und weitere Versionen gehören dem Entwickler Piranha Bytes, dies ist aber schon vor mehreren Jahren vereinbart worden, also nichts Neues aus der Pleite des Unternehmens Jowood. Dieses Thema wurde nur bis dato nie so breitgetreten und offiziell veröffentlicht.

    PC Games: JoWooD wurde ja von den eigenen Fans häufig recht heftig kritisiert. Gab es Momente, in denen ihr euch zu Unrecht an den Pranger gestellt saht?
    Stefan Berger: Nein, meiner Meinung nach haben wir genug Fehler gemacht die einen Aufenthalt am Pranger rechtfertigen. Man könnte auch von einem Jahresabo am Pranger sprechen. An die Fans: Nein, es gibt kein Jahrzehnteabo am Pranger! Aber im Ernst: Ja, wir haben oft Fehler gemacht, der größte aber meiner Meinung nach war immer der, zu viel auf einmal zu wollen. Wir wollten immer die berühmte "Eierlegende Wollmilchsau" entwickeln, also Spiele, wo alles drinnen ist. 10 USP's (= Unique Selling Proposition = einzigartiges und unverwechselbares Feature), 2.000 Features etc. Dies war auch oft einfach zu viel für den Entwickler, auch wenn dieser sich zugetraut hätte, ein solches Spiel in dieser Form irgendwann fertigstellen zu können. Je größer ein Spiel, umso höher ist die mögliche Fehlerquote und umso schwieriger ist es, ein sauberes Spiel auf den Markt zu bringen. Dies haben wir einfach auch über die Jahre lernen müssen. Wichtig ist es, fokussiert zu bleiben und in allen Bereichen klare Strategien zu haben. Generell finde ich es schade, dass einige sich immer nur auf die negativen Punkte stürzen wollen und immer nur einen Schuldigen zu suchen. In einer Geschäftsbeziehung gibt es zwei oder mehrere Parteien, die zusammenarbeiten und in unserem Fall ein Spiel auf den Markt bringen. Auch hier gibt's dann immer die berühmten "Hätt ich, wär ich, würd ich, könnt ich" Argumentationen, die ich aber niemals in der Öffentlichkeit breit treten würde. Dies gehört einfach intern in einer Partnerschaft besprochen.

    PC Games: Welche Pläne hast du für die Zeit nach JoWooD?
    Stefan Berger: Mal gucken. Was kommt, wird die Zeit uns zeigen, aber ich freue mich schon darauf.

    Lest zu diesem Thema auch den Report "Die Akte Jowood" bei unseren Kollegen von Games Aktuell. Die Reportage "Die Unsinkbaren" über den Aufstieg und Niedergang von Jowood findet ihr in der PC Games 6/11 (ab diesem Samstag bei den Abonnenten, ab 25. Mai beim Zeitschriftenhändler).

  • Es gibt 7 Kommentare zum Artikel
    Von soadismfaebu
    Wenn man aber schon TES 4 erwähnen will, dann muss man leider sagen, dass Bethesda mit Oblivion zwar ein gutes Spiel ablieferten, aber das auch seine Macken hatte, z.b. Inventar etc. die einfach nur billig auf die PC- Version übertragen wurden. Und wenn man sich jetzt Fallout 3 anschaut, kann man zum Teil…
    Von springenderBusch
    Wie kann man die selben Fehler aber immer und immer wieder machen ? Wenn ich bei einem Projekt feststelle das dieses Produkt die Firma an den Rand des Machbaren bringt dann ziehe ich sofort die Konsequenzen. Das heißt ich lerne sofort aus den offensichtlichen Fehlern. Im Falle JoWood dagegen : Weiterhin zu…
    Von getier
    kann ich nur unterschreiben. in den letzten jahren einfach nur pure überforderung. und wenn dann noch ein sagen wir mal nicht gerade kompetentes studio sich darüber beschwert das sie nicht genug zeit hatten obwohl der abgabe termin seit monaten bzw jahren bekannt ist bricht das einer kleinen firma schluss…
    • Es gibt 7 Kommentare zum Artikel

      • Von soadismfaebu Benutzer
        Zitat von Shadow_Man
        Vor allem bei Gothic 3 hat man das ja gemerkt. Da wollte man eine riesengroße Welt machen, um anscheinend Oblivion Konkurrenz zu machen. Man hat aber vergessen, dass bei Bethesda da vielleicht 4 oder 5 mal soviel Leute an den Elder Scrolls Spielen arbeiten. Das…
      • Von springenderBusch Erfahrener Benutzer
        Wie kann man die selben Fehler aber immer und immer wieder machen ? Wenn ich bei einem Projekt feststelle das dieses Produkt die Firma an den Rand des Machbaren bringt dann ziehe ich sofort die Konsequenzen. Das heißt ich lerne sofort aus den offensichtlichen Fehlern. Im Falle JoWood dagegen : Weiterhin zu…
      • Von getier Erfahrener Benutzer
        kann ich nur unterschreiben. in den letzten jahren einfach nur pure überforderung. und wenn dann noch ein sagen wir mal nicht gerade kompetentes studio sich darüber beschwert das sie nicht genug zeit hatten obwohl der abgabe termin seit monaten bzw jahren bekannt ist bricht das einer kleinen firma schluss…
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Jowood-Themenwoche - Tag 2: Stefan Berger von Jowood: "Gibt nichts zu beschönigen"
Seit dem Börsengang vor elf Jahren gab es kaum eine Phase, in der Jowood nicht ums Überleben gekämpft hätte: Ende April kam jetzt das endgültige Aus. In der Reportage "Die Unsinkbaren" in der PC Games 6/11 (erscheint am 25. Mai) lest ihr, wie sich die Österreicher in einen Teufelskreis aus Größenwahn, unfertigen Spielen und tragischen Fehlentscheidungen hineinmanövrierten. Im Rahmen unserer Jowood-Themenwoche steht uns nach Michael Rüve von Piranha Bytes heute Jowood-Manager Stefan Berger Rede und Antwort.
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