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Schutz vor Kinderpornographie - Kommt die Internetzensur für Deutschland?

18.04.2009 10:12 Uhr
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Bundes-Familienministerin Ursula von der Leyen und fünf große Internet-Provider unterschrieben gestern einen Vertrag, um Kinderporno-Webseiten auszusperren. Ebnet sie damit einen Weg für die Zensur des Internet in Deutschland?

Ursula von der Leyen, Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend . Ursula von der Leyen, Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend . Gestern um 9:30 Uhr wurde in Deutschland ein Stück Internetgeschichte geschrieben. Und auch wenn das Wort "Zensur" von den Verantwortlichen vermieden wird, so bläst der gestern von einigen großen Providern und Familienministerin Ursula von der Leyen unterzeichnete Vertrag in genau dieses Horn. Zensur? In Deutschland? In einem Rechtsstaat?

Dabei klingt die dahinter stehende Idee von der Leyens ja grundsätzlich nicht schlecht: Man wolle den Zugriff auf Internetseiten, die Kinderpornographie anbieten, erschweren. Der eingeschlagene Weg zu diesem Ziel scheint aber zumindest fragwürdig: Fünf große Telekommunikationsanbieter - wie zum Beispiel die Telekom oder Arcor - erklärten sich gestern freiwillig vertraglich dazu bereit, ihren Kunden den Zugang zu solchen Seiten per DNS-Sperre zu verweigern. Die Basis der Sperre liefert das Bundeskriminalamt mit einer täglich aktualisierten Liste. Wer dann in seinem Browser eine Adresse eingibt oder per Hyperlink auf eine solche Seite gelenkt wird, gelangt auf eine vom Internet-Anbieter eingerichtete Umleitung und bekommt statt der angefragten Seite ein Stoppschild zu sehen. Einige kleinere Provider (darunter beispielsweise Freenet), die zusammen etwa 25% des Internetzugangs in Deutschland bereitstellen, verweigern sich einer solchen Sperre.

Gegen solch ein Unterfangen gibt es natürlich eine ganze Reihe kritischer Stimmen, die sowohl die technische Umsetzung wie auch die gesetzliche Grundlage für ein derartiges Vorgehen in Frage stellen. Darf ein Rechtsstaat so etwas? Ist der Schutz effektiv? Wird damit einer Internetzensur Tür und Tor geöffnet? Geht das nicht am eigentlichen Problem vorbei? Einer der Kritiker ist Christian Bahls, selbst ein Missbrauchsopfer und Gründer des Vereins "Missbrauchsopfer gegen Internetsperren" (Mogis). In einem Interview mit Zeit Online erklärt er, warum eine solche Sperre die Kinderpornographie nicht effektiv bekämpft, und wirft den staatlichen Institutionen mangelndes technisches Verständnis vor. So fand er heraus, dass viele Kinderpornographie-Server in Ländern stehen, in denen man die Verantwortlichen leicht ermitteln und strafrechtlich belangen könnte - nur geschehe das eben aufgrund mangelnden technischen Hintergrundwissens nicht. Der Verein Mogis stand - wie viele andere Organisationen (unter Anderem der Chaos Computer Club) auch - gestern bei der Unterzeichnung des Vertrags vor dem Presse- und Besucherzentrum der Bundesregierung, um dort zu demonstrieren.

Ähnlich kritische Stimmen erheben sich in der Gesellschaft für Informatik (GI), die bei der Computerzeitung zu Wort kommt. Auch sie sind überzeugt, dass die technische Umsetzung nicht nur ineffektiv sei, sondern gar völlig am Problem vorbeigehe. Kinderpornographie werde, so ein GI-Sprecher, nur zu einem ganz geringen Prozentsatz über Webseiten ausgetauscht, vielmehr nutzen Pädophile Peer-to-Peer-Netzwerke oder Handys zur Verbreitung von verbotenem Material. Außerdem helfe die Sperre, die ganz nebenbei für versierte Internetnutzer leicht zu umgehen sei, nicht, die Hintermänner zu fassen.

Auch Bundesjustizministerin Zypries warnt vor dem Vorgehen ihrer Kollegin. Gegenüber der Rheinischen Post erklärte sie: "Dieser Weg ist verfassungsrechtlich problematisch. Staatlich veranlasste Eingriffe in das Fernmeldegeheimnis - und darum geht es hier - brauchen nach unserem Grundgesetz eine gesetzliche Grundlage".

Dabei ist die Idee, bestimmte Seiten unzugänglich zu machen, keineswegs eine deutsche Erfindung. In Dänemark beispielsweise ist die Technik seit einiger Zeit im Einsatz, in Australien ebenso. Und die Erfahrungswerte dort hinterlassen gemischte Gefühle: In Down Under werden beispielsweise nicht nur Pädophilie-Seiten ausgesperrt, sondern auch Webportale, die über Abtreibung oder Euthanasie aufklären. Kein Wunder, dass Verfassungsschützer auf die Barrikaden gehen. Solange solche Einschnitte in die Informationsfreiheit nicht gesetzlich geregelt sind, laufen die beteiligten Provider zudem Gefahr, sich mit Haftungsproblematiken auseinandersetzen zu müssen.

Eine heikle Diskussion, die da gerade im Gange ist, immerhin handelt es sich um Kinderpornographie. Fällt dieses Schlagwort, haben es die Kritiker schwer sich gegen eine Wand von Mitleid und Aufgebrachtheit durchzusetzen. Böse Zungen behaupten sogar, dass Frau von der Leyen das knallhart ausnutze, um die Provider quasi zu erpressen. Bei einer Presskonferenz im Familienministerium etwa zeigte Pressesprecherin Iris Bethge öffentlich Kinderpornographie-Webseiten - ein schlagkräftiges Argument in der Zensur-Diskussion. Wer nicht in einem Atemzug mit Kinderpornographie genannt werden möchte, zieht lieber bei von der Leyens Internetsperrprogramm mit. Eine Gesetzesgrundlage zu diesem Thema ist derzeit in Arbeit und soll schon nächste Woche auf den Weg gebracht werden.

Was meinen Sie? Ist die Sperre sinnvoll? Oder schränkt sie die Informationsfreiheit ein? Wird es dabei bleiben oder wird das Internet noch weiter "gesperrt"?

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Benutzer
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18.04.2009 10:12 Uhr
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08.05.2009 15:07 Uhr
Zitat: (Original von Joe_2000 am 04.05.2009 21:46)
[url=https://epetitionen.bundestag.de/index.php?action=petition;sa=details;petition=3860] Online-Petition (Deutscher Bundestag) gegen die Internetzensur[/url]


Argumente etc. wurden nun ja schon lang und breit diskutiert, daher von mir nur die bitte der aktiven Teilnahme. Anmelden, Unterzeichnen und Verbreiten.  

Unterzeichnet ist es und die Verbreitung kommt auch noch
Erfahrener Benutzer
Bewertung: 0
05.05.2009 10:28 Uhr
Zitat: (Original von Joe_2000 am 04.05.2009 21:46)
[url=https://epetitionen.bundestag.de/index.php?action=petition;sa=details;petition=3860] Online-Petition (Deutscher Bundestag) gegen die Internetzensur[/url]


Argumente etc. wurden nun ja schon lang und breit diskutiert, daher von mir nur die bitte der aktiven Teilnahme. Anmelden, Unterzeichnen und Verbreiten.  

Verfolge die Anzahl der Mitzeichner auch ganz fasziniert. Beachtliche Resonanz, 10k+ allein am ersten Tag.
Erfahrener Benutzer
Bewertung: 0
04.05.2009 21:46 Uhr
[url=https://epetitionen.bundestag.de/index.php?action=petition;sa=details;petition=3860] Online-Petition (Deutscher Bundestag) gegen die Internetzensur[/url]


Argumente etc. wurden nun ja schon lang und breit diskutiert, daher von mir nur die bitte der aktiven Teilnahme. Anmelden, Unterzeichnen und Verbreiten.  
STF
Erfahrener Benutzer
Bewertung: 0
28.04.2009 00:47 Uhr
Auch 3Sat "Neues - Das Computermagazin" hat sich dem Thema angenommen:
http://www.3sat.de/3sat.p...://www.3sat.de/neues/sendungen/magazin/133366/index.html

Und hier die komplette Sendung im .mp4 Format:
http://podfiles.zdf.de/po...

Ausserdem...
Die technische Verzögerung für die Sperrung kinderpornografischer Internet-Seiten verstößt nicht gegen die Vereinbarung der Internet-Anbieter mit dem Bundeskriminalamt
http://www.stz-online.de/...

Surf-Sperre für Kinderporno-Seiten verzögert sich
http://www.stz-online.de/...
http://www.stz-online.de/...
Erfahrener Benutzer
Bewertung: 0
26.04.2009 23:04 Uhr
Zitat: (Original von Raptor am 25.04.2009 11:12)
Zitat: (Original von ferrari2k am 25.04.2009 08:49)
Zitat: (Original von Shadow_Man am 24.04.2009 23:35)
Hier noch ein aktueller Artikel über dieses Thema: http://www.abendblatt.de/...

Dort äußert sich Justizministerin Brigitte Zypries (SPD) unter anderem wie folgt:


"Ich gehe davon aus, dass dadurch Begehrlichkeiten geweckt werden, auch Inhalte ausländischer Anbieter zu reglementieren, die keinen Bezug zu Kinderpornografie aufweisen." Dringend notwendig sei deshalb eine generelle Diskussion über die sich ändernde Bedeutung des Internets: "Wir müssen uns in Deutschland zunächst darüber klar werden, wie wir mit dem Internet generell umgehen wollen. Befürchtungen, die Liste sperrwürdiger Inhalte würde sehr schnell sehr lang werden, sind in meinen Augen berechtigt. Wir müssen dafür Sorge tragen, dass wir nicht über das Ziel hinausschießen. Deshalb bleibt es bei der Begrenzung auf die Sperrung von Kinderpornografie."

Was ein Wahlkampfgewäsch  
Jetzt tut sie so, als wenn sie total besorgt wäre. Bei der Vorratsdatenspeicherung gab es keine solchen Bedenken.
Und bei Vertragsunterzeichnung auch nicht.
Sorry Frau Zypries, aber der Zug ist schon lange abgefahren.

Tja es wird aber auch hier noch Leute geben die auf dieses Wahlkampfgewäsch hereinfallen. Ich halte von den aktuellen Politikern eh nicht mehr viel, weil ich den Eindruck habe, dass es ihnen mehr um die eigene Macht geht als um die Interessenvertretung der Leute die sie gewählt haben. Ich habe den Eindruck das die Politik versucht den Bürgern die Interessen vorzugegeben es sollte aber aber so nicht sein. MMn sollten die Politiker zwar das Wohl des Volkes als Absicht haben, sich aber nicht gegenüber einem Großteil der Bevölkerung mit IHREN Ideen durchsezten, die dann teilweise auch noch vom Verfassungsgericht gestoppt werden müssen und dass auch nur wenn jemand klagt. Aber leider ist die aktuelle Politikrige da anders gestrickt und Populismus und solches Wahlkampfgewäsch sind an der Tagesordnung.

Das Problem ist nur, dass ich aufgrund dieser Situation echt nicht weiß, was ich wählen soll, es fällt irgendwie alles flach.
Muss mich mal drum kümmern, dass ich als Bremer auch die Piratenpartei für die Bundestagswahl unterstützen kann.

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