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  • Indie Watch mit Jazzpunk: Peter Bathge testet das schrullige Scherz-Adventure

    Jazzpunk ist originelle Unterhaltung mit jeder Menge absurdem Humor. Quelle: PC Games

    Bewaffnet mit Schlapphut und Furzkissen zerstückelt PC-Games-Redakteur Peter Bathge in einer neuen Folge von Indie Watch Pizza-Zombies, fotokopiert seinen eigenen Hintern im Namen der nationalen Sicherheit und spielt Wedding Quake. Das alles und mehr ist in Jazzpunk möglich, einem verrückten Indie-Adventure für den PC. In Text- und Videoform berichtet Peter von seinem abgefahrenen Ausflug ins Land der flachen Witze.

    Über Jazzpunk zu schreiben, ist so ähnlich wie jemanden vom Kabarettbesuch am vorherigen Abend zu erzählen, bei dem der Gesprächspartner nicht anwesend war: Man tut sein Bestes, um ihm die während der Vorstellung verspürte Fröhlichkeit zu vermitteln, aber die Nacherzählung der Sketches kann aus zweiter Hand einfach nicht die gleiche Wirkung erzielen wie bei einem selbst. Wenn ich euch jetzt also den Humor von Jazzpunk mit einer Anekdote aus dem Spiel zu erklären versuchen würde, dann würde sich das in etwa so lesen: "Und dann ist der eine Kerl von der Brücke gefallen und dabei ertönte der Wilhelm-Schrei und ich hab so laut gelacht wie lang nicht mehr ... wisst ihr, weil das so plötzlich kam ... und die Brücke, der Kerl ist runtergefallen, versteht ihr. Und und und, dieser Schrei, also das war ... also irgendwie fand ich das unheimlich witzig ..."

    Ziemlich seltsam, oder? Daher mein Rat: Spielt Jazzpunk selbst oder schaut euch zumindest mein Video zum Spiel an! Denn Humor, das zentrale Spielement diese Adventures aus der Ego-Perspektive, ist nicht nur Geschmackssache, sondern in Textform auch ziemlich schwer zu vermitteln, wenn man nur ein Spieleredakteur ist und kein Comedian. Aber Spaß an den bis zum Rand mit Gags und amüsanten Schwachsinn vollgestopften zwei Spielstunden von Jazzpunk haben, das ist auch ohne humoristische Ausbildung möglich. "Wie jetzt?", mag sich der ein oder andere fragen. "Jazzpunk ist nach zwei Stunden schon wieder vorbei? Und dafür verlangt Entwickler Necrophone Games geschlagene 14 Euroauf Steam und knappe 11 Euro auf Gog.com?" Ja, der Preis von Jazzpunk hat sich gewaschen, zumindest für die gebotene Spielzeit. Wer allerdings die Kosten-Nutzen-Rechnung mit dem beim Spielen verspürten Spaß kombiniert, der könnte zum Schluss kommen, dass Jazzpunk eigentlich ein ausgesprochen fairer Deal ist.

    03:19
    Indie Watch: Peter Bathge testet Comedy-Adventure Jazzpunk

    Kein echtes "Spiel"

    Das Szenario von Jazzpunk kommt reichlich abgefahren daher, weshalb Roboter-Prostituierte keine Seltenheit sind. Das Szenario von Jazzpunk kommt reichlich abgefahren daher, weshalb Roboter-Prostituierte keine Seltenheit sind. Quelle: PC Games Der Spieler übernimmt in Jazzpunk die Rolle eines Geheimagenten, der in einer kuriosen Paralleldimension zur Zeit des Kalten Krieges eine Reihe von Missionen wie die Infiltration der sowjetischen Botschaft oder die Extraktion einer unbezahlbaren Niere (!) erfüllen muss. Die Hintergrundgeschichte als abgedreht zu bezeichnen, wäre untertrieben, denn neben Spionen im Trenchcoat begegnet ihr auch Roboter-Prostituierten, sprechenden Fröschen und einem uralten Fruchtdämon. Ja, da steht wirklich "Fruchtdämon", ich habe mich nicht verschrieben. Um ihn zu besiegen, müsst ihr - logisch! - eine Runde in Jazzpunks ureigenem Fruit Ninja-Klon bestehen. Das ist nur eines von mehreren optionalen Minispielen, die am ehesten klassisches Gameplay bieten, wie man es heutzutage von einem PC-Spiel erwartet. Der Rest von Jazzpunk erschöpft sich darin, durch die weitläufigen, in bunter Simpel-Optik dargestellten Levels zu laufen und auf Personen, Tiere und Objekte zu klicken. Kämpfe gibt es keine, wenn man das Herumfuchteln mit einer Fliegenklatsche außen vor lässt, und Rätsel beschränken sich auf simpelste Kombinationsaufgaben.

    Jazzpunk als Spiel zu bezeichnen, ist somit eine gewagte These, am ehesten lässt es sich noch als abgefahrenen Trip durch die Vorstellungskraft seiner zwei Indie-Entwickler bezeichnen: inklusive einem schrägen Besuch im Cyberspace und einer Reise durch den Verdauungstrakt eines Krokodils. Es ist erstaunlich, wie viel (Spiel-)Witz in Jazzpunk steckt und wie viel Einfallsreichtum. Um in den Genuss aller kreativen Einfälle der Macher zu kommen, ist eins aber unabdingbar: Ihr müsst euch gut umschauen!

    Ein Ausflug in den Cyberspace darf natürlich nicht fehlen. Ein Ausflug in den Cyberspace darf natürlich nicht fehlen. Quelle: PC Games

    Freude am Experimentieren

    Wo andere Spiele Wert auf eine packende Inszenierung legen und der zu erzählenden Geschichte die Bewegungs- und Entscheidungsfreiheit des Spielers gerne mal hintanstellen, ermutigt Jazzpunk den Spieler, einen Umweg zu gehen. Wer einfach nur stur der Hauptmission folgt, hat zwar auch eine Menge zu lachen, aber verpasst sehr viele Gags wie eine brillante James-Bond-Persiflage, ein Tauben-Wettschießen oder die Möglichkeit, mit einer Sprühdose Käse in den Mund eines Millionärs zu spritzen. Schnell gerät man als Spieler in einen wahren Rausch, grast die Umgebungen systematisch nach mittels weißen Kreisen markierten Objekten und Personen an, die er anklicken kann in der Hoffnung, nein, der Gewissheit, unterhalten zu werden. Kaum ein anderes Spiel wartet mit derart vielen nebensächlichen Ablenkungen auf, die es dennoch alle wert sind, verfolgt zu werden.

    Jazzpunk vermeidet aber den Fehler vieler vermeintlicher Parodien, sich für den Unterhaltungswert auf das bloße Zitieren bekannter Spiele, Filme oder Bücher zu verlassen: Die Entwickler stellen mit schöner Regelmäßigkeit unter Beweis, dass sie authentisch lustig sein können, ganz ohne sich auf die Verballhornung einer Pop-Kultur-Referenz verlassen zu müssen. Der subtile Jazz-Soundtrack unterstreicht die Pointen der vielen Gags perfekt und die bizarre Sprachausgabe aus dem Soundmixer trägt zur einzigartigen Atmosphäre bei. Nur manchmal vergreift sich Jazzpunk meiner Meinung nach im Ton, wenn ein Witz arg ausgelutschte Klischees zum Thema hat, etwa bei einem Besuch an einem asiatischen Imbissstand, oder wenn die vorgetragene Spitze sich als zu stumpf erweist, um mehr als ein müdes Lächeln beim Spieler hervorzurufen.

    Fragt nicht ... Fragt nicht ... Quelle: PC Games Zudem droht der ohnehin recht simple Plot angesichts der vielen Nebenbeschäftigungen immer wieder in der Bedeutungslosigkeit zu versinken. Aber das ist wohl beabsichtigt: Jazzpunk will keine bedeutsame Geschichte erzählen, will auch nicht mit Kopfnüssen, Charakterentwicklung oder toller Grafik glänzen. Das überlässt es gerne anderen Spielen. Jazzpunk will unterhalten, in jedem Augenblick. Eine Minute ohne Gag ist eine verlorene Minute und die meisten Minuten, die ich mit Jazzpunk verbracht habe, wurden begleitet von einem Schmunzeln, einem Lächeln, einem verhaltenen Kichern, einem überrascht ausgestoßenen "HA!" oder einem von Herzen kommenden, volltönenden, das Zwerchfell anspannenden Lachen aus voller Kehle.

    Jazzpunk ist pures Entertainment ohne tieferen Sinn, Spaß um des Spaßes Willen und erinnert in dieser Beziehung an eine interaktive Version der Die Nackte Kanone-Filme mit Leslie Nielsen. Letzlich wünscht man sich unweigerlich mehr von Jazzpunks spritziger Art - und ist am Ende vielleicht enttäuscht, dass man nach zwei Stunden schon alles gesehen hat, was dieses ungewöhnliche Comedy-Kleinod zu bieten hat.

    Über Indie Watch

    Peter Bathge ist Redakteur der PC Games und hat ein Faible für ambitionierte Spiele kleiner Studios ohne großen Publisher, sogenannte Indies. Mit Indie Watch wirft er das Schlaglicht auf interessante, unterhaltsame, ungewöhnliche oder überteuerte Indie-Spiele, die es auf Steam, Gog.com oder anderen Download-Portalen zu erstehen gibt. Peter freut sich über Kommentare, Kritik und Anregungen sowie Vorschläge für die nächste Spielbesprechung, am besten direkt hier im Kommentar-Thread oder per E-Mail an peter.bathge@computec.de.

  • Es gibt 3 Kommentare zum Artikel
    Von LouisLoiselle
    Abgefahrenes Spiel :-DEmpfehlen könnte ich Hero Siege. Seit kurzem auf Steam. Nicht zu verwechseln mit Siege Hero.
    Von PeterBathge
    Vor Weihnachten gab es jede Menge große Spiele zu testen und 2014 brauchte ich erstmal wieder eine Weile, um auf…
    Von TheBobnextDoor
    Nanu, ich dachte schon der Peter wäre mit seinem Projekt in der Versenkung verschwunden. :DAls Vorschlag hätte ich:…
    • Es gibt 3 Kommentare zum Artikel

      • Von LouisLoiselle VIP
        Abgefahrenes Spiel :-D
        Empfehlen könnte ich Hero Siege. Seit kurzem auf Steam. Nicht zu verwechseln mit Siege Hero.
      • Von PeterBathge Redakteur
        Vor Weihnachten gab es jede Menge große Spiele zu testen und 2014 brauchte ich erstmal wieder eine Weile, um auf Touren zu kommen. Daher bin ich erst jetzt wieder dazu gekommen, mich mit Indie Watch zu beschäftigen. Aber die Reihe war ohnehin immer als unregelmäßiges Special geplant ;)

        Das sieht genial…
      • Von TheBobnextDoor Erfahrener Benutzer
        Nanu, ich dachte schon der Peter wäre mit seinem Projekt in der Versenkung verschwunden. :D

        Als Vorschlag hätte ich: Probably Archery:B
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Schrulliges Scherz-Adventure vorgestellt: Jazzpunk
Bewaffnet mit Schlapphut und Furzkissen zerstückelt PC-Games-Redakteur Peter Bathge in einer neuen Folge von Indie Watch Pizza-Zombies, fotokopiert seinen eigenen Hintern im Namen der nationalen Sicherheit und spielt Wedding Quake. Das alles und mehr ist in Jazzpunk möglich, einem verrückten Indie-Adventure für den PC. In Text- und Videoform berichtet Peter von seinem abgefahrenen Ausflug ins Land der flachen Witze.
http://www.pcgames.de/Indie-Watch-Thema-257847/Specials/Indie-Watch-Jazzpunk-im-Test-1109755/
17.02.2014
http://www.pcgames.de/screenshots/medium/2014/02/05-pc-games_b2teaser_169.jpg
indie game,comedy,adventure
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