Beyerdynamic MMX 300 Generation 2 - Die Stereo-Referenz unter den Headsets im Test
Die deutsche Traditionsfirma Beyerdynamic bringt mit dem MMX 300 Generation 2 nach rund 10 Jahren einen Nachfolger ihres Stereo-Headsets heraus - dieses Mal wirklich. Denn eigentlich sollte das Stereo-Headset mit Hifi-Qualitäten schon Anfang des Jahres erscheinen. Doch gab es Komplikationen bei der Serienfertigung, bei einigen Geräten konnte es deshalb in bestimmten Fällen zu Störgeräuschen kommen. Dies ist nun behoben, wir testen die neue Produktion des in Handarbeit bei Heilbronn gefertigten Edel-Headsets hiermit erneut.
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Im Gegensatz zu vielen anderen Headset-Herstellern ist der Heilbronner Audiospeziallist Beyerdynamic schon sehr lange im Geschäft und kann auf eine Erfahrung zurückgreifen, von denen andere nur träumen können. Die Firma wurde vom Elektroingenieur Eugen Beyer 1924 in Berlin gegründet und stellte zuerst Kinolautsprecher für den gerade aufkommenden Tonfilm her. 1937 entstand mit dem DT 48 der erste Kopfhörer - und blieb, stetig verbessert, bis 2012 im Angebot. 1937 kam auch das erste Mikrofon von Beyerdynamic. Dazu fertigte der Hersteller bereits früh Piloten-Headsets, deren Nachfolger in Form der HS-Reihe auch heute noch großen Anklang finden. Eine präzise, qualitativ hochwertige Kommunikation sowie Geräuschdämmung standen also schon früh im Fokus. Das stand nicht nur für Piloten schnell fest, 1963 sprach Queen Elizabeth bei ihrem Antrittsbesuch in Australien in ein Beyerdynamic M 88, 1966 tourten die Beatles durch Deutschland - ausgerüstet mit dem Beyerdynamic E 1000 Bändchen-Mikrofon. Unzählige andere Musiker und Bands, darunter Abba, Bob Dylan oder Udo Lindenberg setzen auf Equipment von Beyerdynamic und auch noch heute sind Mikrofone und Kopfhörer des Herstellers bei vielen Musikern in Gebrauch - häufig sind diese dann auch in den Musikvideos zu sehen. Es darf also wohl behauptet werden, Beyerdynamic versteht etwas vom Handwerk.
Beyerdynamic MMX 300 Generation 2 - Oberklasse-Headset auf Hifi-Basis
Besitzer des MMX 300 der ersten Generation dürften uns wohl bei dieser Behauptung zustimmen, das Headset wird nicht umsonst als Referenz gehandelt und gehört noch immer zu den besten Headsets, die man überhaupt kaufen kann. Doch ist das MMX 300 bereits seit 10 Jahren auf dem Markt. Eine Auffrischung bei Technik und Design war also trotz der Langlebigkeit qualitativ hochwertiger Audiokomponenten langsam an der Zeit. Und prinzipiell ist diese Auffrischung auch sehr gut gelungen. Die Treiber des MMX 300 Generation 2 basieren nun offenbar auf dem DT 770 Pro, einer verbesserten Variante des in seiner Urform ebenfalls schon seit über 30 Jahren erhältlichen DT 770 - während die Grundform sowie das Mikrofon von dem Piloten-Headset HS 400 abstammen. Dazu wurde das komplette Äußere überarbeitet und kommt nun in dezentem Mattschwarz daher, der Vorgänger wirkte mit seinem Kunststoffdruck im Karbon-Look noch deutlich verspielter.
Die wenigen Plastikteile machen einen außerordentlich robusten Eindruck, die anschmiegsame Beschichtung der Hörer bietet haptisches Wohlgefühl. Der Bügel ist aus gebürstetem und mattschwarz beschichtetem Federstahl gefertigt - das Metall wurde sauber entgratet und sanft poliert. Die Kunstlederpolsterung des Bügels ist breit und dick gepolstert, zudem lässt sich die Polsterung einfach mittels Klettverschluss lösen, reinigen oder austauschen. Die mit Velourpolstern ausstaffierten Hörmuscheln sind mit der für Beyerdynamic typischen und häufig kopierten Aufhängung am Bügel befestigt. Die Ohrpolster lassen sich ebenfalls austauschen, etwa für den Fall, dass Sie Kunstleder bevorzugen oder die Kunstfaser eine Wäsche benötigt. Überhaupt lassen sich praktisch alle Teile abnehmen, wechseln oder austauschen, beim MMX 300 Generation 2 zählt dazu erfreulicherweise auch das Kabel.
Beyerdynamic MMX 300 Generation 2 - Neuauflage mit Startschwierigkeiten
An dieser Stelle ist eventuell das Problem bei der Herstellung zu suchen. Wir erhielten bereits Anfang des Jahres ein Testmuster, jedoch stammte dieses aus einer Vorserien-Produktion. Genauer: Unser Testsample war das Beyerdynamic MMX 300 Generation 2 Nummer 5. Bei diesem Gerät hatten wir indes keinerlei Beanstandung, tatsächlich ist es bis zum heutigen Tage in der Redaktion im alltäglichen Gebrauch. Beim Vergleich zwischen beiden Geräten ist klanglich kein Unterschied festzustellen, auch äußerlich gleichen sich die beiden Headsets wie ein Ei dem anderen (bis auf die Tatsache, dass das bislang ungeputzte Vorserienmodell mittlerweile etwas schmutziger ist). Es gibt eine einzelne sichtbare Ausnahme - die beiliegenden Kabel sowie der Klinkenstecker am Headset selbst fallen leicht unterschiedlich aus. Die von Beyerdynamic beschriebenen "eventuell in seltenen Fällen auftretenden" Störgeräusche, welche für das Zurückziehen der ersten Produktions-Charge verantwortlich waren, könnten auf ein sporadisch auftretendes Kontaktproblem bei Steckern oder Kabelfernbedienung zurückfallen, möglicherweise aufgrund einer zu hohen Toleranz. Auch wenn wir selbst bei unserem Vorserien-Exemplar keine Probleme feststellen konnten, ist es beruhigend zu wissen, dass Beyerdynamic der Qualität offensichtlich eine sehr hohe Stellung einräumt - der (finanzielle) Aufwand bei Fehlersuche, erneuter Fertigung und Auslieferung dürfte beträchtlich gewesen sein. Gut und lobenswert, dass der Hersteller an dieser Stelle konsequent gehandelt hat.
Quelle: PC Games Hardware
Zwei mal MMX 300 Generation 2. Vorne die Neuauflage, hinten das Vorserien-Muster. Bei Letzterem hat sich der Bügel durch tägliches Tragen der Kopfform angepasst.
Doch genug zu Historie, Äußerlichkeiten und etwaigen Fehlern, die behoben wurden. Was macht das Beyerdynamic MMX 300 Generation 2 aus, was macht es besonders und weshalb ist eine Investition von rund 300 Euro für ein Stereo-Headset eine Überlegung wert? Beginnen wir einmal bei den klanglichen Qualitäten, schließlich sind diese bei dem Headset besonders beachtenswert.
Beyerdynamic MMX 300 Generation 2 - Deshalb ist und bleibt das Stereo-Headset Referenz
Das Beyerdynamic MMX 300 Generation 2 ist ein klassisches Stereo-Headset. Das bedeutet, das Gerät wird per Klinkenkabel mit dem PC verbunden, es kommt weder mit USB-Anschluss, RGB-Beleuchtung, Klangprofilen oder Surround-Sound. Solange Sie das Mikrofon nicht nutzen, verhält sich das Headset wie ein klassischer Hifi-Kopfhörer. Und das ist es ja zu weiten Teilen auch: Im inneren der Hörmuscheln werkelt pro Seite ein 40-mm-Neodym-Treiber. Deren Frequenzreichweite wurde laut Datenblatt gegenüber dem Vorgänger erhöht, doch betrifft dies vor allem für das menschliche Ohr nicht wahrnehmbare Frequenzen am obersten und untersten Ende. Dennoch ist beim Vergleich mit dem Vorgänger ein leichter Unterschied beim Klang zu vernehmen, wie der Autor dieser Zeilen anhand des sich seit über fünf Jahren im privaten Besitz befindlichen MMX 300 Gen. 1 überprüfen konnte. Das neue Gerät ist noch einen Tick präziser, spricht nochmals etwas flotter an und klingt dabei ein wenig neutraler und direkter - was indes auch daran liegen könnte, dass sich die Materialien der Neuauflage etwas geändert haben und natürlich konnte sich das alte Gerät klanglich über die Jahre ein wenig "entspannen".
Quelle: PC Games Hardware
Die Polster lassen sich einfach wechseln oder austauschen.
Das MMX 300 Generation 2 spielt sehr frei und luftig auf - deutlich mehr, als man aufgrund der geschlossenen Bauweise erwarten würde. Der Tiefton ist dabei leicht betont, die Bässe sind sehr druckvoll und satt. Im oberen Frequenzverlauf zeichnet sich das MMX 300 durch eine schmale, aber kräftige Höhenspitze aus - die unter Kennern bekannte "Beyer-Spitze". Zwischen den beiden sorgsam ausgefeilten Betonungen, die dem Hörer einen warmen und zugleich spritzigen Sound verleihen, verläuft das Frequenzband dagegen praktisch linear, zudem ist keine der Betonungen ausgeprägt genug, umliegende Frequenzen zu verdecken und so das Klangbild zu stören.
Tatsächlich ist das Beyerdynamic MMX 300 für jeden Einsatz geeignet, selbst bei der Wiedergabe hochqualitativer, anspruchsvoller Musik wandern die Mundwinkel des Zuhörers zufrieden nach oben. Dies ist eine Disziplin, in der die allermeisten Headsets keine gute Figur abgeben. Häufig schlucken diese Geräte feine Details, nerven aufgrund heftiger Bassbetonung mit unpräzisem, rumpeligen Tiefton und verfärbten Stimmen, lassen aufgrund häufig schwacher Mitten das Klangbild dünn und blechern wirken und malträtieren das Ohr mit zischenden, unsauberen Höhen - und das gilt selbst für hochpreisige Geräte.
Solch eben genannten Klangeigenschaften haben bei einem Headset (oder Kopfhörer) nicht nur negative Auswirkungen beim Musikhören, sondern auch bei Räumlichkeit, Detailabbildung und Ortung sowie der Sprachverständlichkeit. Ein "Gaming-Headset" mit solch einer Abstimmung mag zwar aufgrund eines kräftigen Basses wuchtig klingen, wäre aber prinzipiell zur Ortung und akustischen Orientierung, Verständlichkeit von Stimmen und der Räumlichkeit nicht zureichend für den eigentlichen Einsatzzweck geeignet - auch wenn viele Headset-Hersteller mittlerweile sicht- und hörbar darum bemüht sind, zumindest einige ihrer Headsets neutraler abzustimmen, bislang kam kaum ein anderes Headset an die klanglichen Qualitäten des MMX 300 heran - und mit dem MMX 300 Generation 2 wurde diese Messlatte noch eine kleine Stufe höher.
Und noch etwas macht das MMX 300 besser als viele andere Headsets: Es ist außerordentlich bequem. Es erscheint dem eigentlichen Einsatzzweck eines Spieler-Headsets zu widersprechen, doch viele "Gaming-Headsets" sind recht unbequem. Oft sind die Geräte schwer und klobig, sitzen stramm oder viel zu locker, drücken bereits nach kurzer Tragezeit und lassen die Ohren schwitzen. Das Beyerdynamic MMX 300 ist dagegen mit knapp über 280 Gramm recht leicht, dazu verteilt es das Gewicht dank breiter, weicher Polster und feiner Balance ausgesprochen gut, schließt dabei gut ab und isoliert, lässt aber gleichzeitig noch etwas Luftzirkulation zu und schottet sie nicht vollständig ab - beim Tragen des MMX 300 hat man daher weder das Gefühl, den Kopf in einen Schraubstock, noch in eine Taucherglocke zu stecken und ist zugleich dennoch von störenden Außengeräuschen sicher.
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Doch mit Sound und Komfort haben wir erst zwei der drei wichtigen Punkte eines Headsets angesprochen. Der dritte Punkt ist die Kommunikation. An dieser Stelle kommt das sehr überzeugende Kondensator-Mikrofon des MMX 300 Generation 2 ins Spiel: Dieses ist fest verbaut, kann also nicht demontiert, wohl aber durch ein Drehgelenk sowie des flexiblen Halses problemlos vor dem Mund positioniert werden. Es kann zudem bei Nichtgebrauch nach oben geklappt werden. Das Mikrofon kann mittels eines Schalters an der Kabelfernbedienung aktiviert oder stumm geschaltet werden, außerdem ist dort ein Knopf angebracht, der die Aufnahme unterbricht, solange Sie ihn betätigen - praktisch, wenn man während eines Chats niesen muss oder sich schnell mit einen Schluck erfrischen möchte, ohne dabei die Gesprächspartner mit Schluckgeräuschen zu quälen. Das Mikrofon verfügt über einen Pop-Schutz und zeichnet Gespräche sauber auf - selbst ohne zusätzliche Mikrofonverbesserungen. Wenn Sie unser Video starten, können Sie sich selbst ein Bild machen, wir haben einen Teil über das Mikrofon des MMX 300 aufgezeichnet, angeschlossen an einen einfachen Laptop ohne eine zusätzliche Rausch- oder Echo-Unterdrückung zu nutzen. An einer guten Soundkarte klingt das Mikrofon (und auch das Headset an sich) nochmals besser.
Beyerdynamic MMX 300 Generation 2 - Fazit, Wertung
Die Antwort auf die Frage, weshalb das Beyerdynamic MMX 300 unsere Referenz unter den Stereo-Headset war und in zweiter Generation zumindest vorerst auch bleibt, ist also komplex - es gibt eine Vielzahl Faktoren. Aber sie ist im Grunde gut zu vereinfachen: Das MMX 300 Generation 2 ist ganz einfach in den meisten Wertungskriterien deutlich überlegen. Richtig, es hat keinen USB-Anschluss und benötigt - um die klanglichen Qualitäten auch wirklich auszureizen - eventuell einen guten Zuspieler in Form einer Soundkarte, USB-DAC oder zumindest einem guten Onboard-Sound. Und richtig, out-of-the-box können weder virtueller Surround-Sound, ein Equalizer oder Klangprofile genutzt werden - dazu wäre ebenfalls eine anderweitige Lösung nötig, beispielsweise via Soundkarte oder einer kostenlosen Software wie Razer Surround, Creative Acoustic Engine Light oder, ganz schnöde, via dem optionalen virtuellen Surround, den Sie nun optional in Windows 10 aktivieren können. Und nochmals richtig, bunt leuchten tut das klassisch-schlichte MMX 300 Generation 2 ebenfalls nicht.
All dies berücksichtigen wir jedoch auch in der Wertung - für jedes dieser gegenüber gut ausgestatteten USB-Geräten mangelnden Features lässt das MMX 300 Generation 2 wie auch andere Stereo-Headsets Punkte auf der Strecke (betrifft vor allem die Ausstattungs-Note). Doch kann das Beyerdynamic MMX 300 Generation 2 dafür bei Komfort, Verarbeitung, dem erstklassigen Sound, dem sehr guten Mikrofon im Vergleich zu anderen Headsets dermaßen viele Punkte einholen, dass es selbst sehr gut ausgestattete und vergleichsweise gut klingende "Gaming-Headsets" in der Gesamtwertung abhängen kann. Wenn Sie statt einer ergonomisch zweifelhaften, bunt blinkenden USB-Plastikskulptur, die zufällig auch so etwas wie Töne von sich geben und aufzeichnen kann, lieber einen wirklich bequemen, toll klingenden Kopfhörer samt einem sauber funktionierendem Mikrofon hätten, ist das MMX 300 Generation 2 eine gute Wahl - selbst zu dem hoch anmutenden Preis. Das MMX 300 erster Generation im Besitz des Testers war auf die Jahre gerechnet eine Investition von 60 Euro pro Jahr - und wird sicherlich noch einige Jahre halten. Und auch wenn wir das anhand des neuen Geräts noch nicht bezeugen können, auch das MMX 300 Generation 2 dürfte ein echter Langläufer werden. Und ist am Ende vielleicht sogar günstiger als das aufgrund von Defekten gefühlt halbjährig zu ersetzende Gaming-Headset.
| Hersteller | Beyerdynamic |
|---|---|
| Web | www.beyerdynamic.de |
| Preis | ca. 300 Euro |
| Preis-LeistungMangelhaft | mangelhaft |
| Ausstattung | 1,8 |
| Eigenschaften | 1,23 |
| Leistung | 1,46 |
| WERTUNG | 1,49 |
| + | Außerordentlich bequem |
| + | Fantastischer Sound |
| - | Sehr teuer |

Hatte auch schon mehrere Headsets der Firma Roccat oder Logitech testen können aber die sehen angesichts meiner MMX 300 keine Sonne, die hielten in der Regel 6 Monate bis ein Jahr aus bevor was kaputt war oder sie schlechter klangen.
Sind 300 Euro viel? Ganz sicher, aber dafür bekommt man ein Meisterwerk deutscher Ingenieurskunst das grade in Sachen Qualität seines gleichen sucht
Wer sich 100 Euro sparen will und aufs Mikro verzichten kann der greife dann eben auf die DT880 oder DT990 von Beyerdynamic allerdings rate ich zu einer Soundkarte um das volle Potenzial solcher Kopfhörer (auch anderer qulitativ hochwertiger Marken wie Sennheiser) zu entfalten.
Sollte mein altes MMX 300 kaputt gehen (von dem ich erstmal nicht ausgehe) werde ich sicher die 2. Generation kaufen.
PS: Ich bin bewusst nicht tiefer auf den Klang eingegangen da dies durch den( und auch anderen) Artikel exzellent beschrieben wird.