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  • Hard West im Test: XCOM im Wilden Westen – ein guter Mix?

    Im Review zeigt Hard West ungeahnte Stärken: Klassische Wildwest-Taktik mit starken XCOM-Anleihen und moralischen Entscheidungen - ein Genre-Mix, der erstaunlich gut funktioniert. Warum Hard West trotzdem nicht gleich eine Top-Wertung erreicht, klärt unser Test zum Taktikspiel.

    Ancient Space: Das Erstlingswerk

    Hard West ist schon das zweite Spiel des polnischen Entwicklerteams Creative Forge Games. Erst im September 2014 hatte das Studio sein Debütspiel veröffentlicht, das Weltall-Taktikspiel Ancient Space. In unserem Test konnte das Spiel zwar nur eine mäßige Wertung einfahren, zeigte aber auch viele Stärken und gute Ideen.

    Hier geht's zum Test von Ancient Space.
    Wilder Western? Schnee von gestern! Stattdessen schlägt Creative Forge Games im Test zu Hard West ungewohnte Töne an: Das Taktikspiel entführt ins Zeitalter der Cowboys und Indianer, vermixt das Ganze aber kräftig mit düsteren Fantasy-Elementen, moralischen Entscheidungen und einer Riesenportion XCOM. Eine spannende Mischung, die letztes Jahr viele Kickstarter-Backer neugierig machte - kein Wunder, dass für das Spiel 65.000 Euro an Spendengeldern zusammen kamen. Ob sich die Investition aber auch gelohnt hat, klärt unser Review zu Hard West.

    Die Story-Kampagne: Teufel im Nacken

          

    Hard West ist in acht Szenarien unterteilt, die lose miteinander verknüpft sind. Hard West ist in acht Szenarien unterteilt, die lose miteinander verknüpft sind. Quelle: PC Games Einen Multiplayerpart oder Endlosmodus gibt's nicht in Hard West. Stattdessen spielen wir eine fair bemessene Story-Kampagne, die sich über acht Szenarien erstreckt. Jedes Szenario ist im Grunde eine in sich geschlossene Mini-Kampagne, die für ein bis zwei Stunden beschäftigt und die jeweils einen anderen Protagonisten in den Mittelpunkt rückt. Der leibhaftige Tod agiert als (englischsprachiger) Erzähler, der uns mit bedeutungsschwangerer Stimme die einzelnen Charaktere näher bringt: Zu Beginn lenken wir die Geschicke eines Vaters und seines Sohnes, die im Wilden Westen ihr Glück als Goldschürfer versuchen, dann aber in die Fänge des Teufels geraten und - frisch verflucht - allerlei üble Ereignisse heraufbeschwören. Blutrünstige Inquisitoren, wahnsinnige Kultisten und gehörnte Dämonen lassen wenig Zweifel daran, dass Hard West auf typische Cowboy-Romantik pfeift. Spätere Szenarien spinnen die Fantasy-Story weiter, erzählen auch Parallelhandlungen und eine düstere Vorgeschichte, mit der das ganze Teufelsdrama seinen Anfang nahm. Der Plot mag abgedroschen und trocken präsentiert sein, führt uns aber trotzdem solide durch's Spiel - schade allerdings, dass außer dem Tod alle Figuren stumm daherkommen, das Helden- und Schurkenensemble bleibt daher weitestgehend blass.

    Rollenspiel-Elemente: Knifflige Entscheidungen

          

    In Hard West verbringen wir viel Zeit auf Übersichtskarten, auf denen wir neue Orte ansteuern. In Hard West verbringen wir viel Zeit auf Übersichtskarten, auf denen wir neue Orte ansteuern. Quelle: PC Games Einen großen Teil der Spielzeit in Hard West verbringen wir auf hübsch gestalteten Übersichtskarten, auf denen wir neue Orte erkunden, Händler abklappern, Nebenaufgaben lösen und Charaktere treffen. Sämtliche Ereignisse werden als schlichte, aber gut geschriebene Textkästen präsentiert, in denen abwechslungsreiche Entscheidungen warten : Greifen wir einem verlorenen Wanderer mit einer Geldsprende unter die Arme? Erkunden wir die einsturzgefährdete Mine? Hauen wir unsere Kontrahenten bei einem Kartenspiel über's Ohr? Wie in einem Rollenspiel gilt es zu wählen, ob man vorsichtig oder mutig, gerissen oder einfach bitterböse vorgehen will. Risikofreudige Spieler können so weitere Begleiter für die eigene Party, Schätze, seltene Ausrüstung und passive Boni abstauben, laufen allerdings auch Gefahr, dass sich ein Partymitlied gefährlich verletzt, einen bösartigen Fluch einfängt oder ganz einfach ins Gras beißt. Motivierend!

    Alle Ereignisse in Hard West finden in Textform statt, sind gut geschrieben und manchmal angenehm knifflig. Alle Ereignisse in Hard West finden in Textform statt, sind gut geschrieben und manchmal angenehm knifflig. Quelle: PC Games Besondere Würze erhält dieser Spielmodus durch die unterschiedlichen Kampagnenziele. Jedes Szenario in Hard West bietet nämlich ein eigenständiges Konzept, das uns in unseren Entscheidungen stark beeinflusst: Mit einem Charakter müssen wir beispielweise eine Expedition vorantreiben, dazu Arbeitskräfte anheuern und diese für gefährliche Aufgaben wie Jagd oder Schatzsuche einsetzen - stets darauf bedacht, nicht zuviele Arbeiter zu verheizen, während man sich von einem Questziel zum nächsten vorarbeitet. In einem anderen Szenario müssen wie die Nahrungsvorräte unserer Party im Auge behalten und viel Geld für neuen Proviant einplanen. Oder wir müssen geheime Entwürfe sammeln und einer rätselhaften Massenhysterie auf den Grund gehen, dabei aber sorgsam darauf achten, das unser aktueller Held nicht selbst den Verstand verliert. Dank solcher Rahmenbedingungen fühlt sich jedes der acht Kapitel frisch an - das tröstet auch ein wenig darüber hinweg, dass wir in jedem Szenario wieder von Null anfangen und uns von liebgewonnenen Charakteren trennen müssen.

    Hard West im Test-Video

          
    07:22
    Hard West im Test-Video: Das XCOM im Wilden Westen

    Charakterpflege: Kartenspiel als Skill-Baukasten

          

    Links rüsten wir unsere Party mit neuen Items aus, rechts im Bild: Die Karten, die unserer Figur Spezialkräfte und Boni verleihen. Links rüsten wir unsere Party mit neuen Items aus, rechts im Bild: Die Karten, die unserer Figur Spezialkräfte und Boni verleihen. Quelle: PC Games Viele Ereignisse in Hard West drehen sich darum, Geld für neue Ausrüstung zu verdienen. Neben allerlei Knarren - darunter auch abgefahrenes Gerät wie vierläufige Shotguns oder Revolver mit Mundharmonika-Magazinen - können wir auch Heilgegenstände, Bomben und vor allem die wichtigen Talismane kaufen. Letztere erhöhen die wenigen Basiswerte der Charaktere, zum Beispiel Verteidigung, Reichweite oder Zielgenauigkeit. Ein solides System, das allerdings Tiefe vermissen lässt, zumal es keine Charakterklassen in Hard West gibt - hier kann also jeder alles lernen, tun und verwenden. Immerhin ein System erlaubt aber weitere Spezialisierungen: Jede Figur hat ein eigenes Inventar für Spielkarten, die wir durch gemeisterte Missionen und als Belohnungen für Ereignisse erhalten. Egal ob Bube, König oder Ass, jede Karte liefert nicht nur einen passiven Bonus, sondern oft auch eine aktive Fähigkeit, die sich im Kampf einsetzen lässt. Cooles Detail: Bestimmte Kartenkombinationen sorgen für weitere Boni, ein Full House regeneriert beispielweise die Lebenspunkte einer Spielfigur.

    Die Kämpfe: Wilder Westen trifft XCOM

          

    Wozu die ganzen Knarren, Karten und Spezialkräfte? Natürlich für die rundenbasierten taktischen Kämpfe, für die sich Hard West kräftig bei Firaxis' XCOM bedient. Aus der isometrischen Draufsicht steuern wir unsere vier Gruppenmitglieder durch kleine, aber meist hübsch aufgebaute Karten. Mal mit dem Ziel, einen Kameraden zu befreien, einen Gegenstand zu finden oder einfach sämtliche Gegner von der Map zu fegen. Pro Runde hat dazu jede Figur zwei Aktionspunkte zur Verfügung, die sie zum Bewegen, Schießen, Nachladen oder für eine Spezialaktion nutzen kann, etwa eine Ladung Heilkräuter einzuwerfen. Am Wichtigsten ist es dabei, dass sich die Charaktere stets in Deckung befinden. Dazu zeigt das Spiel mit Schildsymbolen an, welche Orte in der Umgebung Schutz vor Feindfeuer bieten - eben genau wie in XCOM.

    before
    after

    Überhaupt ändert Hard West nur wenig an der zugrunde liegenden Formel; dass ein Charakter auch mal einen Tisch umwerfen kann, um sich so Deckung zu schaffen oder dass wir versteckte Feinde anhand ihres Schattenwurfs anvisieren können, fällt da kaum ins Gewicht - etwas mehr Eigenständigkeit hätte Hard Wests Taktikmodus gut getan. Zu den wenigen Besonderheiten des Spiels zählen die Glückspunkte, die Freund und Feind verlieren, sobald sie beschossen werden. Ist der Glücksvorrat eines Charakters erst mal aufgebraucht, steigt die Chance, dass er einen feindlichen Treffer kassiert. Wer sich allerdings eine Kugel einfängt, erhält dafür Glückspunkte zurück - diese Dynamik sorgt dafür, dass sich die Schießereien in Hard West nicht zu lang hinziehen. Da es auch keine Reflexschüsse ("Overwatch") wie in XCOM gibt, lockt uns das Spiel so immer wieder in die Offensive - einfach nur einigeln und darauf warten, dass sich der Gegner rührt, führt meistens nicht zum Ziel.

    Gute Ideen: Überleben ist (auch) Glückssache

          

    Bevor uns ein Gegner trifft, muss er zunächst unsere Glückspunkte reduzieren. Bevor uns ein Gegner trifft, muss er zunächst unsere Glückspunkte reduzieren. Quelle: PC Games Glückspunkte werden in Hard West auch für die Spezialkräftige benötigt, die wir unseren Charakteren mithilfe der ausgerüsteten Spielkarten verleihen. Manche dieser Sonderfähigkeiten fallen fast schon übertrieben mächtig aus: Beispielweise sorgt der Skill "Kreischen" dafür, dass unser ausgewählter Held sämtlichen Gegnern in seiner Sichtweite drei Schadenspunkte verpasst - das reicht oft schon, um einen schwächeren Feind zu besiegen. "Goldene Kugel" feuert dagegen kurzerhand über die gesamte Map - durch Türen, Wände und sonstige Hindernisse. Einer der coolsten Tricks ist aber die Fähigkeit "Querschläger", dank der wir Schüsse von bestimmten Umgebungsobjekten wie Eimern oder Kesseln abprallen lassen - so ist es uns möglich, lässig um mehrere Ecken zu schießen und Feinde in ihrer Deckung zu treffen. Von solchen guten Spielideen hätten wir in Hard West gerne noch mehr gesehen! Auch bei den Gegnertypen zeigt sich das Spiel knauserig - neben dem normalen schießwütigen Cowboy treten wir nur selten gegen Dämonen an, die aber genauso wie alle anderen Gegner mit Pistolen und Gewehren austeilen. Das ist auf Dauer viel zu wenig - dabei hätte das Fantasy-Setting doch problemlos interessantere Widersacher zugelassen.

    Planen und Schleichen: Verschenktes Potenzial

          

    Betreten wir während der Planungsphase einen rot markierten Sichtkegel, beginnt sofort der Kampf. Betreten wir während der Planungsphase einen rot markierten Sichtkegel, beginnt sofort der Kampf. Quelle: PC Games Anstatt die Kämpfe weiter aufzupeppen, haben die Entwickler lieber versucht, eine gewaltlose Planungsphase in manchen Levels umzusetzen - was leider kaum Spaß macht. In diesen Missionen dürfen wir mit unseren Figuren zunächst die Karte erkunden, vielleicht mal ein Missionsziel erfüllen oder einfach nur eine gute Kampfposition beziehen, doch danach folgt in allen Fällen eine zünftige Schießerei. Da bringt es auch wenig, dass wir Feinde mit der Waffe bedrohen und sie so für ein paar Runden kampfunfähig machen können - denn wenige Runden später müssen wir sowieso alles über den Haufen schießen. Vielfältige Lösungswege, taktische Entscheidungen, Verkleidungen oder die Möglichkeit, den Feinden eine Falle zu stellen, haben wir hier nicht. Gegner stehen einfach nur stur in der Gegend herum und erkennen uns nicht, selbst wenn wir uns auf wenige Schritte nähern - Hauptsache, wir bleiben außerhalb ihres eingeblendeten Sichtkegels. Kurzum: Hier wird ordentlich Potenzial verschenkt. Schade! Ein kräftiger Schuss vom guten alten Desperados: Wanted Dead or Alive hätte Hard West doch sicher gut getan.

    Meinung, Wertung und Fazit: Wildwest im Härtetest

          

    Wo kaufen?

    Hard West ist als Download über Humble Bundle, Steam und GOG.com erhältlich. Das Spiel hat zwar nur englische Sprachausgabe, aber dafür überwiegend ordentlich übersetzte deutsche Texte.
    Doch so ist Hard West eben - es bringt viele gute Ideen und Spielelemente unter einen Hut, macht aber einfach nicht genug aus seinen Möglichkeiten. Den besten Eindruck hinterlässt die Spielebene auf der Übersichtskarte, hier haben uns die vielen moralischen Entscheidungen und gut geschriebenen Texte bis zum Schluss motiviert. Auch die Kämpfe sind grundsätzlich unterhaltsam, lassen auf Dauer aber taktische Vielfalt und Abwechslung vermissen. Von der höheren Wertungsliga jenseits der 80 ist Hard West also noch ein ganzes Stück entfernt! Doch wer sich kein zweites XCOM, sondern nur einen ordentlichen B-Titel erhofft, kann trotzdem guten Gewissens zugreifen - immerhin kostet das Spiel nur faire 20 Euro.

    Hard West (PC)

    Spielspaß
    73 %
    Leserwertung:
     
    Meine Wertung
    Pro & Contra
    Gelungener Mix aus Textadventure, RPG und Rundentaktik
    Solide Kampfmechanik im XCOM-Stil
    Aufgeräumtes, brauchbares Interface (Tipp: Shift-Taste für schnelle Zielauswahl!)
    Ordentliche Musikuntermalung
    Ein paar schön gestaltete Maps und Missionen
    Gut geschriebene dt. Texte
    Teils spannende moralische Entscheidungen
    Gelungenes Spielkartensystem
    Fairer Preis, angemessener Umfang (ca. 10 bis 16 Stunden)
    Ein paar nette Wildwest-Einfälle (z.B. Querschläger, umgekippte Tische als Deckung)
    Trocken präsentierte Story
    Unauffällige, oft berechenbare Gegner-KI
    Im Grunde nur zwei Gegnertypen
    Stumme Helden
    Wenig Missionsideen, kaum Skript-Ereignisse oder Überraschungen
    Helden leveln nicht auf, rudimentäres Charaktersystem
    Nur Pistolen und Gewehre als Waffen
    Öde Planungsphase
    Kein Schleichen möglich
    Keine alternativen Lösungswege
    Viel ungenutztes Potenzial
    Grafisch veraltet
    Vier starre Kamerawinkel, keine Zooms oder dramatische Zeitlupenkills o.ä.
    Story endet unbefriedigend

    • Es gibt 2 Kommentare zum Artikel

      • Von TheBobnextDoor Erfahrener Benutzer
        Ein neues Szenario ist auf dem Weg.
        Once more into the Weird West

        Wird wieder Zeit den Colt zu laden und auf Dämonenjagd zu gehen. 
      • Von TheBobnextDoor Erfahrener Benutzer
        Heute mein letztes Szenario abgeschlossen, das Spiel hat mich für den kleinen Preis beeindruckt. Auch wenn man Potential hat liegen lassen. Das könnten sie aber gerne in einem 2. Teil versuchen zu verbessern.
        Ich muss aber auch sagen, dass die Planungsphase gar nicht so schlecht umgesetzt wurde, gut die…
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Hard West
Hard West im Test: XCOM im Wilden Westen – ein guter Mix?
Im Review zeigt Hard West ungeahnte Stärken: Klassische Wildwest-Taktik mit starken XCOM-Anleihen und moralischen Entscheidungen - ein Genre-Mix, der erstaunlich gut funktioniert. Warum Hard West trotzdem nicht gleich eine Top-Wertung erreicht, klärt unser Test zum Taktikspiel.
http://www.pcgames.de/Hard-West-Spiel-54734/Tests/Hard-West-Review-XCOM-im-Wilden-Westen-1179946/
04.12.2015
http://www.pcgames.de/screenshots/medium/2015/12/HardWest_TEST_REVIEW_PCG_PC_004-pc-games_b2teaser_169.jpg
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