Half-Life 2
Dass der beste Shooter seit Genre-Gründung in den ersten Spielminuten ein stumpfsinniges Kistenrätsel stellt, entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Da stehen Sie als Gordon Freeman in einem Hinterzimmer und lassen den Blick schweifen - ein viel zu hohes Fenster und zu viele Kisten. Computerspieler reagieren auf solche Probleme so selbstverständlich wie ein Gärtner, der Unkraut sichtet: Kurz den Lagerarbeiter spielen, die Kisten aufeinander stapeln und via selbst gebastelter Treppe zur Dachluke hinaus.
Diese tausendmal recycelte Sequenz wird technisch und dramaturgisch so geschickt verpackt, dass sie als Musterbeispiel für die spielerische Güte von Half-Life 2 gelten kann: Während Sie in jenem Raum nach einem Ausweg schauen, dringen gedämpft die Stimmen von Soldaten durch die Wand - man sucht nach Ihnen! Und als Sie durchs Fenster hinaus aufs Dach steigen, werden Ihnen lebenswichtige Funktionen wie die Atmung als nebensächlich erscheinen. Es ist, als würde man durch die Öffnung die richtige Welt betreten, so realistisch wirkt das Stadtpanorama, das sich später ausbreitet: Unter Ihnen schlängeln sich Straßen an Altbauten vorbei, am Rand stehen Bäume wie fotografiert und der graublaue Himmel ist auch auf Postkarten nicht schöner. Willkommen in City 17.
Ist der positive Grafik-Schock überwunden, setzen Sie langsam einen Schritt vor den anderen, um nicht vom Dach zu stürzen. Die Kugeln, die Ihnen von unten um die Ohren fliegen, machen die Sache zum Balanceakt. Waffenlos hüpfen Sie über Abgründe, ducken sich hinter Schornsteinen und schauen Tauben hinterher, die genervt vom Bleigewitter davonflattern. So bahnen Sie sich den Weg in den Unterschlupf, wo der aus dem Vorgänger bekannte Wissenschaftler Dr. Kleiner mitsamt Tochter Alyx haust und über die Rettung der Welt brütet. Sie sind da ein willkommener Verbündeter, konnten Sie doch schon in Teil 1 Ihre Heldenqualitäten unter Beweis stellen, als Aliens durch eine Art Dimensionstor in die Forschungsstation Black Mesa strömten.
Schöne neue Welt
Kein anderes Spiel zeichnet die Zukunftsvision vom totalen Überwachungsstaat bedrückender als Half-Life 2. Als Sie nach den Ereignissen des ersten Teils in City 17 ankommen, stehen maskierte Soldaten in Schutzanzügen an jeder Ecke, die Waffe schussbereit unter die Arme geklemmt. Über dem Bahnhof hängt eine Leinwand, auf die jedes Multiplexkino stolz wäre. Darauf zu sehen: Ein weißbärtiger Mann, Dr. Breen genannt, der mit einlullender Stimme so lange spricht, bis auch der Letzte kapiert, dass Widerstand gegen die neue Staatsgewalt keine gute Idee wäre.
Während Sie von den Gleisen weg zur Haupthalle laufen, spüren Sie die Augen der Wachposten auf Gordon - eine falsche Bewegung und die Unterdrücker drohen Schläge mit dem Elektroknüppel an. Sie stapfen durch sorgsam abgegrenzte Gehwege, vorbei an Bürgern, die mit hängenden Schultern auf Bänken hocken und mit ihrem Schicksal hadern. Regelmäßig schwirren Spähroboter wie eifrige Bienchen heran, halten vor Gordon und knipsen ihn im Blitzlicht. Man fühlt sich in eine beklemmende, ausweglose Welt versetzt, wie man sie aus Filmen wie Minority Report kennt. Beweis für Ihre Lebendigkeit: Irgendwann gelangen Sie an eine Menschenschlange, die zu einem Schalter führt, an dem die Essensausgabe stattfindet. Drängler ernten von den Wartenden eine Beschimpfung, wer sich ordnungsgemäß anstellt, erblickt hinter sich bald die nächste Person.


Alyx is nicht kleiners tochter^^
Wär auch komisch sie ähneln sich gar net^^