GTA: Vice City
Wenn Sie in Vice City einmal auf einem Bike gefahren sind, wollen Sie gar nicht mehr in die klobigen Kisten, Autos genannt, steigen.
Wenige Taximinuten vom Ground Zero entfernt steht ein Gebäude, das aufgrund seiner Marmorverkleidung zuerst altmodisch wirkt. Kontrastprogramm im Rockstar-Stockwerk: Die Wände sind zugekleistert mit GTA-Postern, und in der Eingangshalle liegen in einem Kasten zwei Konsolen zum Spielen. Fast würde man sich fühlen wie in der Spieleabteilung von Karstadt, verliefen an der Decke nicht Holzbalken in alle Richtungen. Es ist ein komischer Stil. Aber gewöhnlich ist bei Rockstar ohnehin nicht viel - vor allem nicht die Spiele.
Im Präsentationsraum steht mächtig eine schwarze Couch für Gäste. Auf ihr liegen lilafarbene Kissen mit einem großen R drauf. R für Rockstar. Das Sofa ist ausgerichtet auf eine Leinwand, unter der ein knallbunter PC mit Vice City-Schriftzug brummt. Fast alle Einrichtungsgegenstände sind aufs Flaggschiff getrimmt: die GTA-Marke. Pressesprecher Jeff Castaneda fragt mit einem breiten Grinsen im Gesicht: "So, ihr wollt also das Spiel sehen?" Er spricht mit der Zuversicht einer Person, die weiß, dass ihr Gegenüber gleich staunen wird.
Ein Spiel wie ein Film
Die Kubaner (links) sind eigentlich ganz friedlich. Vorausgesetzt, man hält sich aus ihren Angelegenheiten raus.
Tommy Vercetti, Star der beiden dreidimensionalen GTA-Teile, ist ein geborener Pechvogel. Erst haut ihn seine Freundin übers Ohr, und nun geht auch noch der Drogen-Deal schief, den er für Gangster-Boss Sonny Forelli abwickeln soll. Der Stoff ist weg, das Geld auch, und Forelli verdammt sauer. In Vice City wird eine ganz eigene Gaunergeschichte erzählt, die neben der Hauptfigur nicht viel mit GTA 3 gemein hat. Ihre Aufgabe ist es, Tommy aus dem Schlamassel zu befreien. In 58 Missionen fahren Sie Autos zu Schrott, bringen Gangster um die Ecke, gewinnen Rennen, sprengen Gebäude in die Luft und sausen mit einem Schnellboot übers Wasser. Und das ist noch lange nicht alles. Abwechslung war schon immer eine Stärke von GTA.
Die Zwischensequenzen, die nach jedem Auftrag den Fortlauf der Geschichte erzählen, sprühen vor Dynamik. Die charismatischen Figuren gestikulieren beim Sprechen leidenschaftlich mit Händen und Armen und klingen nicht viel weniger überzeugend als beispielsweise Robert De Niro in einem seiner Mafia-Filme. Für jeden der Charaktere im Spiel wurden professionelle Sprecher verpflichtet, darunter Dennis Hopper (Speed), Burt Reynolds (Heat) oder gar Jenna Jameson (ist in Amerika das, was hierzulande Gina Wild war). Um die Sound-Qualität zu wahren, hat man auf eine komplette Eindeutschung verzichtet und nur die Untertitel übersetzt. Diesmal meldet sich auch der im Vorgänger noch stumm gewesene Tommy mit der Stimme von Schauspieler Ray Liotta (GoodFellas) zu Wort. "Die Stimme verleiht Tommy viel mehr Persönlichkeit. Dadurch werden die Cut-Scenes spannender, weil Tommy mit seiner Umgebung auf eine Art und Weise interagieren kann, wie das auch in Filmen geschieht", findet Rockstar-Chef Terry Donovan. Wir übrigens auch.
Was ist neu?
Neben Hawaiihemden darf Tommy auch tragen: kubanische T-Shirts, Polizeiuniformen, Bauarbeiter-Anzug - und mehr.
Dass Vice City im fiktiven Miami der 80er-Jahre spielt, haben Sie sicher schon mitbekommen. Doch das ist natürlich nicht die einzige Neuerung. Viele Verbesserungen liegen im Detail verborgen. Beispielsweise ist es jetzt möglich, Autos auf unterschiedliche Art und Weise zu stoppen. Ein gezielter Schuss auf die Reifen lässt selbige zerplatzen; das Auto kommt ins Schleudern. Windschutzscheiben sind in Vice City nicht mehr sicher wie Panzerglas, sondern zerbersten im Kugelhagel - schlecht für den Fahrer dahinter. Neu ist auch, dass Tommy in heiklen Situationen wie ein Stuntman aus fahrenden Autos hüpfen kann und sich dabei mit einer Bodenrolle größere Blessuren erspart. Das ist besonders nützlich, um rasch etwaigen Verfolgern zu entwischen.


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