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  • GLARE

    Test: Indie-Jump&Run von eleganter Simplizität

    Genauer hinschauen lohnt sich: In Glare dreht sich alles darum, wie ein Blick mit der Kraft der Sonne die Welt verändern kann. Ob das kreative Indie-Hüpfspiel dem Platzhirsch Rayman Legends Konkurrenz machen kann und sich der geringe Kaufpreis von 14 Euro lohnt, verrät der PC Games-Test samt Video-Review.

    Ob die Augen wie im Volksmund behauptet wirklich das Fenster zur Seele sind, sei an dieser Stelle einmal offen gelassen. Doch ihre Macht ist nicht zu leugnen: Blicke können mörderisch sein oder eiskalt, sie bringen Menschen zum Schweigen, man kann jemanden mit den Augen ausziehen. Mütter blicken besonders gerne vorwurfsvoll. Augen können vor Leidenschaft glühen oder sehnsuchtsvoll blicken. Und ein strenger Blick der Ehefrau hat noch jeden Gatten innehalten lassen. Da überrascht es wenig, dass auch die Hauptfigur von Glare seine Augen zu mehr als zum Sehen benutzt – allein mit der Kraft seines Blickes bekämpft er im Jump & Run des Indie-Entwicklers Phobic Studios die Mächte des Bösen.

    Die Energieleitungen, an denen ihr euch entlang hangelt, müsst ihr erst mit dem Lichtstrahl des Shiners aktivieren. Die Energieleitungen, an denen ihr euch entlang hangelt, müsst ihr erst mit dem Lichtstrahl des Shiners aktivieren. Quelle: PC Games Protagonist mit sonnigem Gemüt

    Glare spielt man aus einer seitlichen Perspektive, der Protagonist rennt, springt und gleitet auf unser Kommando Abgründe hinab. Das Spiel steuert sich überraschend gut und äußerst präzise mit Maus und Tastatur. Wer will, schließt ein Gamepad an, damit fällt aber das Zielen schwerer als mit der Maus – ein erheblicher Nachteil, denn in Glare ist die Blickrichtung des Helden von entscheidender Bedeutung. Die Spielfigur besitzt nämlich einen im wahrsten Sinne des Wortes durchdringenden Blick: Mit der rechten Maustaste funktioniert der Held seine Augen zu einer Taschenlampe mit der Wattstärke der Mittagssonne um. Den entstehenden Lichtstrahl fokussiert er anschließend auf Objekte und Gegner im Blickfeld. Das Ergebnis fällt unterschiedlich aus: Eine Pflanze wächst im Lichtschein und eignet sich daraufhin als Trampolin, um höhere Ebenen zu erreichen. Gegner fliehen vor der Helligkeit und lassen sich so in tödliche Stachelfallen drängen. Über Abgründen platzierte Knotenpunkte agieren als Anker, an die sich der Held hängt, sobald er sie anstrahlt, und an aus gleißender Energie bestehende Rutschbahnen seilt man sich wie an einer Wäscheleine ab, sobald man sie mit den glühenden Augen des Protagonisten aktiviert hat.

    Die Planeten werden von interessanten Wesen bevölkert, denen es meistens auszuweichen gilt. Die Planeten werden von interessanten Wesen bevölkert, denen es meistens auszuweichen gilt. Quelle: PC Games Da aber selbst in Glare Blicke allein nicht töten können, verfügt der Protagonist auch noch über eine Laserkanone, mit der er simple Kämpfe gegen Pflanzen austrägt, die schädliche Sporen ausspucken. Oder gegen Kamikaze-Aliens, die auf ihn zufliegen. Bis zu drei Treffer hält der Held aus, bevor er das Zeitliche segnet – Heilung versprechen die fair verteilten automatischen Speicherpunkte und von Gegnern fallen gelassene Orbs. Ein Sprung in einen mit Stacheln besetzten Abgrund führt dagegen zum sofortigen virtuellen Exitus. Richtig knifflig ist Glare die meiste Zeit über nicht, gerade zu Beginn wirkt der Schwierigkeitsgrad eine Spur zu niedrig. Das liegt daran, dass der Protagonist am Anfang nicht viel mehr kann als springen, schießen und Pflanzen mit seinem magischen Blick zum Wachsen zu bringen. Erst nach und nach erhält er im Laufe der linear ablaufenden Kampagne automatisch weitere Fähigkeiten, was die Komplexität und den Anspruch der launigen Hüpferei allmählich steigert. Das Ende ist dann selbst für Genre-Kenner eine Herausforderung, da hier die Checkpoints weiter auseinander liegen und blitzschnelle Reaktionen sowie das Auswendiglernen eines Hindernisparcours gefragt sind.

    Die Intro-Sequenz liefert einen der wenigen Story-Schnipsel des Spiels. Die Intro-Sequenz liefert einen der wenigen Story-Schnipsel des Spiels. Quelle: PC Games Story? Unnötiger Ballast!

    In Glare dreht sich alles um das Gameplay – der Rest interessiert nicht. Die Hintergrundgeschichte beschränkt sich auf eine kurze Videosequenz zu Beginn: Fiese Aliens namens Ramora, die wie fliegende Piranhas aussehen, haben eine Reihe von Planeten mit lebensfeindlicher Finsternis infiziert. Ein Wächter des Lichts stellt sich ihnen entgegen: der Shiner. Tada, das war sie auch schon, die Handlung von Glare. Okay, Glare ist ein Jump & Run, da erwarten wir keinen epischen Plot mit überraschenden Wendungen und ausufernden Dialogen. Macht ja Rayman Legends auch nicht anders. Doch der fantastische Genre-Vertreter aus dem Hause Ubisoft verfügt zumindest über viel Charme und Humor. In dieser Beziehung hält sich Glare vornehm zurück: Der Shiner zeigt das gesamte Spiel über keine Gefühlsregung, trifft keine anderen Figuren und spricht auch nicht. Sympathisch macht ihn das nicht eben. Und dennoch ist Glare atmosphärisch, was es hauptsächlich dem Design seiner Planeten zu verdanken hat.

    Im Spielverlauf bereist der Spieler fünf von den Ramora heimgesuchte Planeten und folgt dabei den Jump&Run-Konventionen, wie sie ein berühmter Klempner mit roter Mütze und blauer Latzhose etabliert hat: Nacheinander findet sich der Shiner in Wald-, Wüsten-, Fels-, Eis- und Lava-Umgebungen wieder. Zum Schluss gibt es noch einen sechsten Bosslevel. Die Planeten sind sehr fantasievoll gestaltet: Während man den Shiner im Vordergrund von links nach rechts und zurück lenkt, sieht man im Hintergrund Berge, Sanddünen und seltsame Felsformationen vorbeiziehen, die sich bei näherer Betrachtung als riesige Wesen entpuppen, auf deren Gliedmaßen Moos und Bäume wachsen. Überhaupt gibt sich die Fauna sehr abwechslungsreich und dient entweder als Hindernis oder Transportmittel auf dem Weg zum Levelausgang: Der Shiner reitet auf dem Rücken fliegender Riesenmotten, überspringt anstürmende Mammut-Nashorn-Mischlinge oder weicht gefährlichen Sandwürmern aus, die sich wie in der Science-Fiction-Saga Dune durch den Untergrund fressen.

    Die Bosskämpfe gleichen sich in ihrem grundsätzlichen Ablauf stark. Die Bosskämpfe gleichen sich in ihrem grundsätzlichen Ablauf stark. Quelle: PC Games Diesen Boss kenne ich doch!

    Jeder Level schließt mit einem Bosskampf gegen das Herz der Finsternis, das den jeweiligen Planeten verseucht. Viermal tritt der Spieler gegen ein solches böses Herz an und jedes Mal muss man die Unterschiede zur vorherigen Auseinandersetzungen mit der Lupe suchen. Es geht nämlich stets darum, das Herz in drei Phasen mit der Energiekanone zu beschießen, bis es den Geist aufgibt. Dabei fliegt der Shiner rund um sein Ziel herum und weicht Aliens, Bomben und Laserstrahlen aus, deren Anzahl mit jedem Level zunimmt. Das zentrale Spielelement und die große Innovation von Glare, der Sonnenblick des Helden, kommt in diesen Gefechten kaum zum Einsatz. Hier lässt Glare viel Potenzial ungenutzt!

    Auch sonst ist nicht alles eitel Sonnenschein (haha!): Zuweilen sorgt die Kamera für Frust, etwa wenn sie nicht weit genug herauszoomt, um dem Spieler einen Hinweis zu geben, wohin er als nächstes zu springen hat. So kommt es zuweilen vor, dass man einen Bildschirmtod in Kauf nehmen muss, um den Pfad auszuspähen. Das Leveldesign entschädigt dafür aber mit einem sehr schwunghaften Aufbau, der zum wirbelschnellen Hinabgleiten von Abhängen und furiosen Sprungsequenzen in Sekundenschnelle einlädt: Es macht einen Heidenspaß, in einem Affenzahn durch die Levels zu fegen und der Gefahr ins Gesicht zu lachen. Levels lassen sich beliebig wiederholen, um die eigene Bestzeit zu unterbiete. Außerdem sind 20 Artefakte im Spiel versteckt, die es zu finden gilt, sofern man jedes Quäntchen Spielspaß aus Glare herauspressen möchte. Doch selbst mit solchen Spielzeitstreckungen ist das Vergnügen ein kurzes: Glare ist nach drei bis vier Stunden vorbei. Neben der Kampagne gibt es keine weiteren Modi, auch keine Koop-Option. Dafür kostet das Spiel jedoch nur rund 14 Euro. Auch wenn Glare das Jump&Run-Genre nicht revolutioniert: Das Geld ist bei diesem sympathischen Indie-Spiel gut angelegt.

    Glare ist als kostenpflichtiger Download (Preis: 14 Euro) über Steam oder die offizielle Webseite (DRM-freie Version) erhältlich.


    Glare (PC)

    Spielspaß-Wertung
    73 %
    Leserwertung
    (0 Stimmen):
    -
    Pro & Contra
    Sehr flüssiges Jump&Run-Gameplay
    Abwechslungsreiches Leveldesign mit immer neuen Hüpf-Elementen
    Sanfte Lernkurve: Leichter Einstieg, zunehmend komplexe Levels
    Fordernder finaler Level
    Fantasievolle Planeten mit einzigartiger Flora und Fauna
    Stimmungsvolle Musikuntermalung
    Reduzierte, aber hübsche Optik
    Sehr präzise Maus-Tastatur-Steuerung
    Versteckte Artefakte sammeln als Nebenaufgabe
    Zu Beginn eine Spur zu simpel
    Teils unübersichtliche Kameraperspektiven
    Extrem geringer Umfang
    Bosskämpfe verlaufen stets nach dem gleichen Schema
    Minimalistische Story-Präsentation
    Keine Sprachausgabe, Musik wiederholt sich

  • Es gibt 3 Kommentare zum Artikel

    Von PeterBathge
    Test wird schwierig, aber ich plane derzeit eine Besprechung ohne Wertung. Mal schauen, ob es morgen damit klappt.
    Von Marten-Broadcloak
    Wenn schon so etwas hier getestet wird, gibt es dann auch bald einen Test von "Knock Knock"?
    Von belakor602
    Sieht richtig interessant aus, vor allem gefällt mir das Leveldesign ist richtig fantasievoll!
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Glare
Test: Indie-Jump&Run von eleganter Simplizität
Genauer hinschauen lohnt sich: In Glare dreht sich alles darum, wie ein Blick mit der Kraft der Sonne die Welt verändern kann. Ob das kreative Indie-Hüpfspiel dem Platzhirsch Rayman Legends Konkurrenz machen kann und sich der geringe Kaufpreis von 14 Euro lohnt, verrät der PC Games-Test samt Video-Review.
http://www.pcgames.de/Glare-PC-257968/Tests/Glare-im-Test-1092574/
14.10.2013
http://www.pcgames.de/screenshots/original/2013/10/03_20131014142453-pc-games_b2teaser_169.jpg
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