Online-Abo
Login Registrieren
Online-Abo
Möchtest du diese Seite als Startseite festlegen?
als Startseite festgelegt.
    Möchtest du diese Seite als Startseite festlegen?
    Mobile als Startseite festgelegt.
    Login Registrieren
  • GCDC: Radon Labs unzufrieden mit deutscher Spieleentwicklung

    André Blechschmidt äussert sich kritisch über die Entwicklung deutscher Computerspiele. André Blechschmidt äussert sich kritisch über die Entwicklung deutscher Computerspiele. Eine Pressekonferenz bei Radon Labs (Project Nomads, Das Schwarze Auge 4) brachte interessante Einblicke in die deutsche Spieleentwicklung. André Blechschmidt, CEO des Studios, erläuterte dabei einige der Hürden und Sorgen, die während einer Produktion auftreten. Die Entwicklerfirma hat am heutigen Tage rund 80 Angestellte und verteilt sich auf zwei Zentralen, jeweils eine in Berlin und in Halle. In letzterer findet vorrangig die grafische Umsetzung der Spiele statt.

    Nachdem Radon Labs vor einigen Jahren mit finanziellen GCDC: Radon Labs unzufrieden mit deutscher Spieleentwicklung Schwierigkeiten zu kämpfen hatte, entschieden sich die Verantwortlichen im Jahr 2003 für einen sogenannten "Relaunch", also eine neue Orientierung der Firma. So fasste man den Plan, vorrangig "kleinere" Spiele günstig zu produzieren. Das bezeichnet Blechschmidt als "Butter und Brot"-Titel - also Spiele, die für Einnahmen sorgen. Mit den Gewinnen sollen dann parallel ein bis zwei "große" Projekte finanziert werden. Eines dieser Spiele ist Das Schwarze Auge 4: Drakensang.

    Haben Deutsche das Nachsehen?

    GCDC: Radon Labs unzufrieden mit deutscher Spieleentwicklung Damit ein Entwicklerteam sein Spiel aber wirklich zur Reife bringen kann, benötigt es die finanzielle Unterstützug eines Publishers. Doch laut Blechschmidt sind internationale Geldgeber überaus mißtrauisch. Dazu nennt er drei Gründe, von denen uns zwei zumindest merkwürdig vorkommen: Beispielsweise gibt es seiner Ansicht nach erhebliche Sprachbarrieren zwischen Englisch sprechenden Publishern und deutschsprachigen Entwicklern. Haben die Deutschen also alle im Unterricht gepennt ?
    GCDC: Radon Labs unzufrieden mit deutscher Spieleentwicklung Der zweite seltsame Grund laut Blechschmidt: "Deutsche gehen nicht regelmäßig mit den Publishern etwas trinken." Es mangelt also an sozialem Kontakt? "Erst wenn man sich persönlich getroffen und miteinander gesprochen hat, entsteht das nötige Vertrauen für ein Abkommen." Der Deutsche, ein Kontaktmuffel? Und dabei sagt man uns doch so viel Kneipenkultur nach...

    Deutsche Spiele - Top oder Flop?

    GCDC: Radon Labs unzufrieden mit deutscher Spieleentwicklung Blechschmidts dritter Grund ist hingegen ein interessanter: Deutsche Spiele seien zu komplex für ausländische Märkte. Eine These, die man erst mal weiter diskutieren müsste, generell aber nicht falsch ist. Ein Blick auf die wichtigsten deutschen Spiele:

    - Far Cry (dt.)? Ein internationaler Erfolg.
    - Die Siedler und Anno? Da hat Blechschmidt durchaus Recht: Aufbauspiele sind hierzulande hochbeliebt, woanders eher weniger - ganz gleich wie toll sie technisch und spielerisch sein mögen.
    - Sacred? Ein weltweiter Überraschungshit.
    - Gothic? Von Kritikern respektiert, von Käufern im Ausland gemieden. Burgen, ewig lange Waldspaziergänge und gemütliches Tempo - das trifft den deutschen, nicht aber den weltweiten Geschmack.
    - Ankh und Geheimakte Tunguska? Traditionelle Adventure-Spiele sind mittlerweile in Deutschland zuhause, international konnten sie jedoch kaum Fuß fassen.
    - X3: Hier trifft Blechschmidts These voll und ganz zu: Die X-Reihe ist viel zu komplex geraten. Sind Deutsche leidensfähiger? Oder einfach die anspruchsvolleren Spieler? Oder erkennt der Amerikaner doch vielleicht nur schneller als wir, worum es wirklich geht - den Spielspaß nämlich?

    Rollenspiele auf dem Vormarsch

    Blechschmidt wirft eine weitere Folie seiner Powerpoint-Präsentation an die Wand. "Im Jahr 2003 und 2004 hat das Rollenspielgenre an Käufer- und Publisherinteresse eingebüßt.", erklärt er. "Doch World of Warcraft änderte das alles."
    Hm. Natürlich hat World of Warcraft einen immensen, ja überwältigenden Einfluß auf Online-Spiele und besonders MMORPGs. Doch hat es Rollenspiele an sich aus der Dunkelheit geführt? Wir sind da mißtrauisch, Blechschmidt zeigt sich jedoch überzeugt: "Jeder Publisher auf der ganzen, verxxxxten Welt wollte plötzlich ein Rollenspiel machen. Kein Scheiß."

    Radon Labs beschloss, die Das Schwarze Auge-Lizenz zu kaufen und auf ihrer Basis ein Rollenspiel zu entwickeln. Internationale Publisher zeigten daran kein Interesse, zumal DSA eine klassisch-deutsche Lizenz ist. Aus Befürchtung, der Markt sei für so ein Produkt schlichtweg zu klein, wanderte das Angebot von Publisher zu Publisher - bis man mit Dtp einen deutschen Geldgeber fand.

    Geldsorgen

    Doch auch hier, so Blechschmidt, gibt es Probleme: Deutsche Publisher verfügen in der Regel über weniger Geldmittel als die großen internationalen Firmen (etwa Vivendi oder Electronic Arts). Eine Million Euro hatte Radon Labs zur Verfügung, dafür erwartete man einen sogennanten AAA-Titel (sprich: "Triple A", also ein besonders hochwertiges Spiel in den höchsten Wertungsbereichen; Anm. d.R.). "Völlig unmöglich!" urteilt Blechschmidt.
    Eine exemplarische Rechnung: Bei einer Million Euro Budget und 80 Angestellten würde das im Jahr bedeuten: 1.000.000 Euro / 80 Angestellte / 12 Monate = 1041,70 Euro monatliches Durchschnittsgehalt pro Mitarbeiter. Wohlgemerkt: Dies umfasst weder externe Entwicklungskosten (Musikstudio, Orchester, Motion Capture-Aufnahmen) noch Mieten, Strom oder sonst etwas.

    So galt es also, Kosten in der Entwicklung zu sparen. Ein schmerzlicher Prozess, in dem geliebte Ideen und Features eines Spiels zugunsten der Finanzierbarkeit gestrichen werden. So strich Radon Labs unter anderem den anfangs geplanten kooperativen Mehrspielermodus.

    Auf gutem Wege

    Mittlerweile haben die Entwickler aber eine Finanzspritze erhalten. Und die Entwicklung von Das Schwarze Auge 4: Drakensang schreitet prächtig voran. Radon Labs und Dtp bemühen sich um ein klassisches Party-Rollenspiel, mit farbenfroher Grafik, traditionellem Gameplay und "inländischem Charme": Ritterburgen, Wälder und Fachwerkhäuser sind eben des deutschen Lieblinge. Zum Beweis zeigte Blechschmidt eine Handvoll neuer Szenen und Trailer, die einmal mehr die schöne Spielgrafik und sogar ein frühes Interface demonstrieren.

    Sie finden einige Fotos dieser Video-Demonstration in unserer Bildergalerie, ein entsprechendes Video wird derzeit ebenfalls vorbereitet und sollte in wenigen Stunden online sein. Sobald das Bild- und Filmmaterial in besserer Qualität vorliegt, liefern wir es selbstverständlich nach.

  • Es gibt 14 Kommentare zum Artikel
    Von Loosa
    Nicht zu vergessen, dass die Engine durch staatliche Fördergelder mitfinanziert wurde. Mit Ziel auf…
    Von Pilipansen
    Das sind schon reichlich interessante Thesen, die dort aufgestellt werden. Und irgendwie erscheint es mir auch wenig…
    Von fabo-erc
    moin sind die folien die er da zeigt ernst gemeint? welches publikum war bei dieser praesentation dabei? -fabo
    • Es gibt 14 Kommentare zum Artikel

      • Von Loosa Erfahrener Benutzer
        Zitat von Blue_Ace am 21.08.2007 19:47
        Den einzigen Unterschied (zu deutschen Entwicklern) den Crytek machte war einehervorragende Grafikdemo den Publisher vorzustellen, ein Team Aufzubauen welches aus erfahrenen Entwicklern und Moddern! besteht welche mit ihren Ziel (Egoshooter) bereits bestens als Spieler vertraut waren.
      • Von Pilipansen Neuer Benutzer
        Das sind schon reichlich interessante Thesen, die dort aufgestellt werden. Und irgendwie erscheint es mir auch wenig wie ein Offenbarungseid für einen Entwickler, wenn der Erfolg an schlechtem Englisch scheitert. Oder an mangelnder Gelegenheit einen trinken zu gehen. Zumindest das erste Problem ist leicht zu lösen. Und vielleicht wird man ja auch mal auf ein Bier eingeladen, wenn es erst mit der Kommunikation klappt.

      • Von fabo-erc Erfahrener Benutzer
        moin

        sind die folien die er da zeigt ernst gemeint?

        welches publikum war bei dieser praesentation dabei?

        -fabo
  • Print / Abo
    Apps
    PC Games 12/2016 PC Games Hardware 01/2017 PC Games MMore 01/2016 play³ 12/2016 Games Aktuell 12/2016 buffed 12/2016 XBG Games 11/2016 N-Zone 12/2016 WideScreen 12/2016 SpieleFilmeTechnik 11/2016
    PC Games 12/2016 PCGH Magazin 01/2017 PC Games MMORE Computec Kiosk On the Run! Birdies Run
article
610422
Games Convention 2007
GCDC: Radon Labs unzufrieden mit deutscher Spieleentwicklung
http://www.pcgames.de/Games-Convention-2007-Event-156980/News/GCDC-Radon-Labs-unzufrieden-mit-deutscher-Spieleentwicklung-610422/
25.08.2007
http://www.pcgames.de/screenshots/medium/2007/08/radon_NEU_005.jpg
news