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  • Wo die wilden Affen wohnen

    PIRATENBALLETT Die Figuren bewegen sich, vor allem im Vergleich mit Simon 3D, bemerkenswert geschmeidig - einer verbesserten Version der Grim-Fandango-Engine sei Dank! PIRATENBALLETT Die Figuren bewegen sich, vor allem im Vergleich mit Simon 3D, bemerkenswert geschmeidig - einer verbesserten Version der Grim-Fandango-Engine sei Dank! In karibischen Gestaden: Alkoholisierte Piraten kugeln sich selig am Strand, verhaltensgestörte Papageien beschimpfen alles, was bei Drei nicht auf den Bäumen sitzt, und Voodoo-Hexen jagen Nadeln in Strohpüppchen mit Handprothesen. Da seufzt der Hobbyfreibeuter: alles beim Alten auf Monkey Island.
    Beinahe zumindest. Dass LucasArts seine gnadenlos sympathische Heldengurke Guybrush Threepwood zur plastischen 3D-Figur geknetet hat, ist die einschneidendste Veränderung im vierten Teil der traditionellen Abenteuerserie. Die Kulissen werden zwar noch immer als feststehende Bilder geladen, aber sie sind - wie bereits bei Grim Fandango - mit perspektivischen Tricks so berechnet, dass der Eindruck von Räumlichkeit entsteht. Und die tatsächlich dreidimensionalen Figuren dürfen darin frei herumstolpern.
    Um die obligatorischen Jammerlitaneien konservativer Guybrush-Jünger gleich abzuwürgen, sei gesagt: Der eigenwillige Zeichenstil der Vorgänger hat den Transport in die technische Gegenwart ohne Kratzer und Dellen überlebt. Die Hintergrundbilder wirken wieder comicartig verfremdet, die Farben immer ein bisschen zu bunt, die Zeichentrickfiguren seltsam proportioniert, aber nicht kindisch: So muss das sein. Im Gegensatz zu Simon 3D erscheinen die Darsteller in Escape from Monkey Island auch nicht als schlecht geschnitzte, rheumakranke Marionetten, sondern bewegen sich rund und gesund. Gut gewählte, wechselnde Blickwinkel heben die Inszenierung endgültig auf das Niveau eines Animationsfilms.
    Unwiderruflich Vergangenheit ist die althergebrachte Maussteuerung. Guybrush knüpft an, wo Totenkopf Manny Calavera in Grim Fandango aufgehört hat, und nimmt seine Bewegungsbefehle ausschließlich von Tastatur oder Gamepad entgegen. Kommt ein interessant scheinender Gegenstand in Sichtweite, neigt er sein Tollpatschhaupt in die entsprechende Richtung und sondert auf Wunsch einen mehr oder minder erhellenden Kommentar ab. Hausecken und Tischkanten, die in der Jenseitsstory regelmäßig zum Spurtstopper und deswegen verflucht wurden, dürften in Zukunft leicht umschifft werden können. Außerdem hat sich die Inventarführung gebessert: Zwar werden die eingesammelten Utensilien weiter wie in Tomb Raider durchrotiert, doch das gezielte Auswählen und Kombinieren funktioniert weniger umständlich.
    Beispiele für die versprochenen Hundertschaften an abgedrehten Rätseln will LucasArts noch nicht preisgeben, aber die verrückte Hintergrundstory bildet zumindest schon einen gedüngten Nährboden für Puzzlespinnereien: Guybrush und Hausdrache Elaine kehren zu Beginn aus den Flitterwochen heim, die Wiederwahl der Lady zum Inselgouverneur steht kurz bevor. Blöderweise wurde sie in Abwesenheit von einem Intriganten namens Charles L. Charles für tot erklärt, was die Stimmung im Volk ein kleines bisschen beeinflusst hat. Ergo müssen schnell greifende Propagandamaßnahmen angeleiert werden. Zusätzlich steht das Familienhaus im Auftragsbuch einer Abrissfirma und - schlimmer noch! - Guybrush bekommt im Supermarkt kein Brot. Dass der Aushilfspirat das Chaos spontan zum Anlass für eine neuerliche Odyssee nimmt, liegt eher in seiner Natur als in Vernunft begründet: Wenn er vor Problemen steht, handelt er seinem Instinkt gehorchend. Der führt ihn zwar grundsätzlich vom Regen in die Pfütze, aber was soll"s.
    Mit einem peinlich rosa Barbiebötchen dümpelt er also im Folgenden zwischen vier Inseln hin und her, besucht Kneipen und Prothesenlabors - Spezialgebiet: Holzbeine -, wühlt sich durch buchstäbliche Affenmassen und vertreibt sich die Zeit mit berühmten Sportarten wie "Beleidigungsarmdrücken". Nebenbei werden zahlreiche Verbrechen und Komplotte aufgedeckt sowie en masse verschrobene Gestalten kennen gelernt. Ein Wiedersehen mit alten Bekannten wird es gleichfalls geben: Der redselige Stan beispielsweise bringt mittlerweile Immobilien unters Volk und die Voodoo-Lady sitzt den Großteil ihrer Lebenszeit immer noch faul auf dem Allerwertesten. Wer LeChuck in der Charakteraufzählung vermisst, möge die obigen Namen rekapitulieren und für eine Sekunde in Meditation versinken. Klingelt"s?
    Abschließend die Prophezeiung des redaktionsinternen Piratenrates: Vorbehaltlich weiterer Meutereien bei LucasArts (neben Schafer sind in den letzten Monaten u. a. Präsident Jack Sorensen, Entwicklungsleiter Steve Dauterman sowie drei der Chefkomponisten von Bord gegangen) wird die Mannschaft im Winter einen echten Spaßschatz heben.

    Bildergalerie: Flucht von Monkey Island
    Bild 1-3
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  • Flucht von Monkey Island
    Flucht von Monkey Island
    Publisher
    Electronic Arts
    Developer
    LucasArts
    Release
    01.12.2000

    Aktuelles zu Flucht von Monkey Island

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Flucht von Monkey Island
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http://www.pcgames.de/Flucht-von-Monkey-Island-Spiel-546/News/Wo-die-wilden-Affen-wohnen-4971/
07.03.2001
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