Flat Out
Gerade zu Rennbeginn sollten Sie aufpassen, nicht unter die Räder des dicht gedrängten Fahrerfeldes zu geraten.
Besser Allianz versichert: Ob Reifenstapel oder Obststände - in Flat Out geht wirklich alles zu Bruch. Woran denken Sie, wenn Sie das Wort Schadensmodell in Zusammenhang mit Rennspielen hören? Da bersten vielleicht Scheiben, wenn der Fahrer statt der Ideallinie die Leitplanke trifft, bei Kollisionen fliegen die Türen ab und die Karosserie verbeult. Wer viel Wert auf Realismus legt, der wünscht sich eventuell auch noch ein entsprechend angepasstes Fahrverhalten der Rennsemmeln. Flat Out setzt hier noch einen drauf und verpasst sogar der Umgebung ein "Schadensmodell". Da fahren Sie nicht nur in Reifenstapel hinein, sondern verteilen diese auch noch auf der Fahrbahn. Telefonmasten knicken um, feinsäuberlich aufgestapelte Baumstämme kullern bei einem Zusammenstoß auf die Straße und Zisternen werden lediglich von brüchigen Stützbalken gehalten und blockieren nach einer gezielten Kollision die Piste. Und all das wird physikalisch korrekt berechnet. Doch das Zerstören der Streckendekoration ist nicht nur ein desaströser Spaß, sondern kann durchaus spielentscheidend sein. Die umgestoßenen Reifen und Balken verschwinden nämlich nicht wie so oft nach wenigen Sekunden im digitalen Nirwana, sondern bleiben über den gesamten Rennverlauf dort liegen, wo Fahrer und Physik sie hinterlassen haben. Entsprechend können Sie Ihren Kontrahenten fiese Hindernisse vor den Kotflügel zaubern. Das behindert gleich in doppelter Hinsicht, denn entweder die Fahrer müssen ausweichen oder aber sie krachen frontal in die Sperren und fliegen aus der Windschutzscheibe. Damit ist das Rennen zwar nicht verloren, doch die Bruchpiloten müssen erst einmal zu ihren fahrbaren Untersätzen zurückhumpeln.
Formschön deformiert
Wer erfährt, dass Flat Out vom finnischen Entwickler Bugbear Entertainment stammt, der schluckt möglicherweise erst einmal, zeichnete sich das Erstlingswerk der Softwareschmiede doch durch schraubengenauen Realismus aus: Das Offroad-Spektakel Rally Trophy (82 Punkte, PC Games 12/01) simulierte das aus heutiger Sicht miserable Fahrverhalten der Oldies so akkurat, dass es den meisten Spielern schlichtweg zu anstrengend war, die Kisten unter Kontrolle zu bringen. So übertrieben geht es in Flat Out nicht zu, das im direkten Vergleich fast schon wie eine reinrassige Arcade-Raserei anmutet. Allerdings benötigen Sie auch hier einiges an Fingerspitzengefühl, sollten Sie anmutig um Kurven driften oder vor allem den Brettern, Pylonen und Reifen ausweichen wollen, die sich im Verlauf eines Rennens auf den Strecken stapeln. Sollten Sie selbige zu oft rammen, büßt Ihr fahrbarer Untersatz nicht nur Formschönheit ein, sondern steuert sich auch immer schlechter und verliert zunehmend an Motorleistung.
Fordernd, aber fair
Andererseits werden Sie für Blechschäden und Karambolagen auch belohnt - je mehr Schaden Sie machen, desto schneller lädt sich der Nitro-Boost auf, der in allen Rennsemmeln installiert ist. Voll aufgeladen verhilft er auf Knopfdruck zum kurzzeitigen Geschwindigkeitsschub. Den können Sie gut gebrauchen, denn die KI-Fahrer sind harte Konkurrenten - Konkurrenten allerdings, die nicht stur die Ideallinie abfahren, sondern sich auch gegenseitig in die Bande schubsen und des Öfteren Fahrfehler begehen. Dazu haben Ihre Widersacher wie auch Sie selbst auf den insgesamt 36 Rennstrecken des in drei Klassen unterteilten Karriere-Modus von bewaldeten Buckelpisten bis zu rutschigen Eisflächen in winterlichen Gefilden mehr als genug Gelegenheit. Während Sie in vielen Genre-Konkurrenten bereits nach kurzen Ausflügen über die Streckenbegrenzung hinaus wieder auf die Fahrbahn zurückgesetzt werden, erlaubt Flat Out auch längere Ausflüge in die Botanik - ob freiwillig oder unfreiwillig - und wirkt so weitaus realistischer.
Kampf ums Treppchen
Allerdings müssen Sie nicht befürchten, dass im Mehrspieler-Modus plötzlich alle Kontrahenten nur ihre eigenen Wald-und-Wiesen-Abkürzungen abfahren und niemand mehr die eigentlichen Rennstrecken nutzt. Damit das großzügige Leveldesign nicht derart missbraucht werden kann, ordert das Programm alle Querfeldeinfahrer nach zu langer Pistenabstinenz zurück zu einem imaginären Checkpoint auf der Strecke. Apropos Mehrspieler-Modus: Bis zu acht Spieler liefern sich hier spannende Rennen mit den insgesamt 16 geländetauglichen Fahrzeugen, die Sie mit verschiedenen Lackierungen und schmucken Aufklebern verzieren und mit neuen Teilen wie Motoren, Bremssystemen oder Stoßdämpfern ausstatten können - sofern Sie denn das nötige Bargeld besitzen.


Wann ist endlich September??