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Faces of War (PC)

Release:
23.12.2008
Genre:
Strategie
Publisher:
Ubisoft

Faces of War

25.09.2006 00:10 Uhr
|
Neu
|

Lohn der Mühen

Faces of War Sobald Sie sich mit den Tücken der Steuerung angefreundet haben, dürfen Sie sich auf teils riesigen Schlachtfeldern austoben. Spektakulär ist die Art und Weise, wie Sie die Figuren durchs Gelände bewegen. Weiße Silhouetten zeigen sofort, wie sich die Gruppe am Ziel aufbaut - ob sie beispielsweise kniend an einer Mauer in Deckung geht oder sich links und rechts von Türen aufbaut. Das schafft ein tolles Commander-Feeling. Dazu kommen klasse Physik-Effekte - alles lässt sich zerstören und frisch entstandene Trümmer bieten neue Deckung.

Die Kampagnen-Missionen sind zudem meist sehr lange und abwechslungsreich aufgebaut. Oft dachten wir: "Zum Glück ist die Mission ja gleich zu Ende, uns geht langsam die Puste und die Munition aus". Nein, da schicken die Entwickler skriptgesteuerte Nachschubtruppen ins Feld - das erscheint manchmal zu sehr in die Länge gezogen. Für solche Einsätze dürfen Sie ruhig mehrere Spielstunden einplanen, um alle Feinheiten auszutüfteln. Es wäre durchaus sinnvoll gewesen, manche überlangen Missionen aufzuteilen.

Grafisch spielt Faces of War auf jeden Fall in der oberen Liga mit - die Levelkarten sind sehr detailverliebt und vor allem die Animationen der Soldaten machen was her. Wenn Sie beispielsweise einen Trupp an einer Hausecke platzieren und eine Weile zuschauen, sehen Sie, wie die Jungs sich an die Mauern pressen und immer wieder um die Ecke spitzen - das schafft ordentlich Atmosphäre.

Auch die Fahrzeuge sehen klasse aus. Es gibt mehrstufige Schadensmodelle, Ketten von Panzern zerfetzt es in Minenfeldern, Räder von explodierenden Vehikeln fliegen durch die Luft - da steht uns öfter der Mund vor Staunen offen. Was etwas stört, ist der deutlich weichgezeichnete Grafik-Look, der Faces of War irgendwie zu sauber aussehen lässt. Company of Heroes zaubert eine deutlich düstere und stimmigere Kriegsszenerie auf.

Wo bleibt der Nachschub?

Faces of War Bei den langen Gefechten geht Ihren Schützlingen zwangsläufig irgendwann die Munition aus. Dann heißt es, Kisten und Leichen plündern. Das erscheint am Anfang noch realistisch, nervt aber im fortlaufenden Spiel mehr, als es Spaß bereitet. Da Sie ja auch nicht im Vorfeld wissen, ob das gewählte Objekt die gewünschte Munition oder Ausrüstung bei sich hat, müssen Sie viele Mausklicks und Zeit für Ausrüstungstauscherei einplanen.

Bloß dumm, dass Sie gerade im knüppelharten Taktik-Modus genau diese Zeit nicht haben. Hier wäre eine automatische Spielunterbrechung bei geöffnetem Inventar schön gewesen. Oder noch besser: eine Schaltfläche für automatisches Durchsuchen nach Ausrüstung in einem gewissen Aktionsradius. Entwickler Best Way hätte sich ruhig bei Rollenspielkollegen wie Dungeon Siege oder Sacred bedienen dürfen, die solche Komfortfunktionen besitzen.

Was genau mache ich hier?

So vielseitig die Missionen bei Faces of War auch sind, man fühlt sich oft etwas hilflos und die Missionsziele sind nicht immer eindeutig. Im Test kam es öfter vor, dass plötzlich die Meldung "Missionsziel erreicht" zu lesen war, obwohl wir nicht genau wussten warum. Irritierend sind weiterhin Programmierpatzer, zum Beispiel in einer Mission der deutschen Kampagne, in der es im Missionstext heißt: "Überqueren Sie den Fluss und zerstören Sie die Brücke."

Seltsamerweise befindet sich aber der Missionsmarker an einer Straßenkreuzung weit vor besagter Brücke. Das sorgt für Verwirrung. Schade ist auch, dass die Protagonisten wie austauschbare Figuren erscheinen. Es handelt sich um die "Massenware" Soldat. Ob Sie eine Mission mit nur einem Überlebenden oder mit einem intakten Team beenden, spielt keine Rolle und hängt lediglich von Ihrem Ehrgeiz ab. So richtig motivierend ist das jedenfalls nicht.

Viel ansprechender dagegen sind die vielen taktischen Winkelzüge, die das Spiel bietet. Flankenangriffe, gegnerische Panzer kapern, Minen legen, es gibt viele verschiedene Wege, wie Sie an eine Mission herangehen, und das macht den eigentlichen Spielreiz aus.

Company of Soldiers

All die bislang genannten Mängel sind für sich genommen nicht gravierend, machen sich aber in der Summe negativ bemerkbar und gehören einfach nicht in ein zeitgemäßes Spiel, das zu den Besten gehören will. Der Spitzenreiter des Echtzeit-Strategie-Genres Company of Heroes zeigt beispielsweise, wie es geht. Natürlich ist Relics Glanzstück ein Quasi-Hollywood-Projekt und echte Taktik-Fans werden es wahrscheinlich als zu leicht betrachten.

Dennoch muss sich Faces of War den Vergleich gefallen lassen, vor allem in puncto Bedienungsfreundlichkeit und Präsentation gibt es bessere Spiele. So bleibt Ubisofts Taktik-Spiel zwar ein durchaus guter Titel, verschenkt aber letztlich den besten Platz ganz oben im Taktik-Himmel.

PC GAMES-
Spielspaß-Wertung:
78 %
Leserwertung
(0 Votes):
-
Hoher taktischer Anspruch
Teils umständlich geratene Steuerung
Groß inszenierte Schlachten
Nerviges Inventar-Handling
Abwechslungsreiche Missionen
   
Stefan Weiß
Das Missionsdesign ist bestens gelungen, dafür schmerzt die Steuerung.
Vorgänger Soldiers bot taktisch anspruchsvolle Kost, aber auch haufenweis Bugs. Faces of War macht das besser: Schlimme Fehler traten nicht auf. In den Gefechten kann ich mich richtig austoben. Die Missionen sind fordernd und es kracht und rumst an allen Ecken. Je länger ein Kampf dauert, desto deutlicher macht sich das auf dem Schlachtfeld bemerkbar. Anfangs halbwegs intakte Städte bleiben als rauchende Trümmerhaufen zurück. Jede Veränderung kann ich wiederum für taktische Zwecke nutzen  das ist genial. Wieso Faces of War aber dennoch der Sprung in die 80er-Klasse verwehrt bleibt? Das liegt zum größten Teil an der recht umständlich geratenen Steuerung und Menüführung. Vor allem das frickelige Umhergerenne, um Munition aufzusammeln, hätte komfor-tabler gelöst werden können. Schade ist auch, dass einem die Figuren in keiner Weise ans Herz wachsen, da es völlig egal ist, mit wie viel Einheiten Sie die jeweiligen Missionsziele erreichen. Medaillenvergaben im Debriefing hätten hier für bedeutend mehr Motivation gesorgt.
   
Redakteur
Moderation
25.09.2006 00:10 Uhr
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