Nachfolger zu F1 2001.
Die computergesteuerten Fahrer sind nicht immer so diszipliniert. Da jeder eigene Charakterwerte hat, wird oftmals auch hart gekämpft.
Electronic Arts praktiziert mit seinen Sportspielen die Politik der kleinen Schritte. Hier mal eine Überarbeitung der Grafik, dort mal ein neues Feature, das nächste Mal eine veränderte Steuerung. FIFA-, NHL- und NBA-Käufern ist diese Vorgehensweise längst bekannt, nun hat sie auch die F1-Serie erreicht. Wie bereits bei F1 2001 halten sich die Neuerungen gegenüber dem jeweiligen Vorgänger stark in Grenzen.
F1 2002 ist das erste Spiel, das die Daten der aktuellen Saison verwendet. Die Teamfarben stimmen exakt mit den Originalen überein, die auf den Wagen angebrachten Werbebanner sind wie in der Realität von der jeweiligen Strecke abhängig und auch die nachgebildeten Strecken entsprechen den aktuellen Pistenlayouts. Selbst Grand Prix 4, das voraussichtlich erst im Juli 2002 erscheinen wird, wird noch die Daten des Jahres 2001 verwenden.
Die meisten Veränderungen gegenüber F1 2001 sind rein kosmetischer Natur. So stehen vor dem Start Boxenluder an den Rennwagen, ein Mechaniker winkt den Spieler aus und in die Box und die Fahrzeuge wirken noch ein gutes Stück detailreicher als bisher.
Weitaus wichtiger sind jedoch die Änderungen am Fahrmodell. Nach wie vor simuliert der Computer das Fahrverhalten aller elf Wagentypen, der Spieler hingegen fährt (unabhängig vom gewählten Typ) immer das gleiche Fahrzeug. Dieses ist nun weitaus besser kontrollierbar und die Bodenhaftung wirkt längst nicht mehr so schmierig wie bisher. Im Gegenzug bedarf es nun umfangreicher Änderungen am Standard-Setup, um dem Boliden das Untersteuern abzugewöhnen, der sonst selbst in harmlosen Kurven über die Vorderräder schiebt. Wirklich tragisch ist dieses Fahrverhalten jedoch nicht, da F1 2002 einen Drift mittels Sound- und Force-Feedback-Effekten rechtzeitig ankündigt. Wer nicht mit der Tastatur, sondern mittels Lenkrad seine Runden dreht, kann sogar in einen kartähnlichen, kontrollierten Drift gelangen. Der ist zwar nicht unbedingt realistisch, macht aber jede Menge Spaß.
Überhaupt setzt Electronic Arts auch in der jüngsten Fassung der F1-Serie auf fahrerische Kurzweil. Spektakuläre Unfälle passieren in TV-gerechter Häufigkeit, Fahrfehler führen nur in den seltensten Fällen zum Ausfall und die Gegner fahren (meistens) gleichzeitig fair und herausfordernd. Zusätzlich sorgt auch das aktuelle Regelwerk für einen geringeren Schwierigkeitsgrad: Eine zweistufige Anti-Schlupfregelung ist ebenso im Spiel enthalten wie eine Anfahrthilfe.
Dennoch ist F1 2002 alles andere als ein Fun-Racer. Wer die zahlreichen Fahrhilfen ganz oder teilweise abgeschaltet hat, braucht viel Fingerspitzengefühl, um gute Rundenzeiten auf die Piste zu legen. Im Vergleich zum Vorgänger wirkt das Fahrmodell aber nicht mehr so aggressiv, sondern verzeiht auch kleinere Fehler. Eine sehr informative Telemetrie hilft dem Spieler dabei, sein Fahrzeug an die Strecke und den persönlichen Fahrstil anzupassen. Hierbei handelt es sich nicht um eine Eigenentwicklung von Electronic Arts, sondern um ein lizenziertes Fanprojekt von Simon Phillips.
Den dicksten Minuspunkt fährt sich das Spiel mit seiner der Grafik ein. Die Farben wirken kraftlos, die Texturen sind zu grob aufgelöst und Lichteffekte fehlen komplett. Offenbar wurden im grafischen Bereich lediglich die Fahrzeugmodelle verbessert. Immerhin wurden die Kamerapositionen den Wünschen der Spielergemeinde angepasst: Endlich sieht der Fahrer sowohl in der Cockpitansicht als auch mit der Verfolgerkamera ausreichend weit, um seinen Wagen sicher um engste Kurven steuern zu können.


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