Enemy Front im Test: Bemüht und ohne echte Höhepunkte

22
Test Wolfgang Fischer - Autor Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen
Enemy Front im Test: Bemüht und ohne echte Höhepunkte

Wehrhafter Reporter auf Europatour sucht Gleichgesinnte für gemeinsame Nazi-Jagd. Wir testen den Weltkriegs-Shooter Enemy Front von City Interactive und sind nicht durchweg begeistert. Es fehlt an Höhepunkten, auch wenn viele davon immerhin angedeutet werden.

Das neue Spiel der Macher von Sniper: Ghost Warrior 2 ist da und – soviel können wir euch gleich zu Beginn verraten – es ist besser als die dröge Scharf­schützenballerei geworden (Wertung von PC Games: 54). Enemy Front versetzt euch in die Rolle ei­nes amerikanischen Kriegsreporters im Zweiten Weltkrieg, der vom ein­fachen Schreiberling zur Nazi-Ver­nichtungsmaschine avanciert. Wie es dazu kommt, erfahrt ihr in vielen Rückblenden-Missionen, die euch nach Frankreich, Norwegen und Deutschland versetzen. Im Rahmen des Hauptmissionsstrangs erlebt ihr hautnah den verzweifelten Kampf der polnischen Freiheitskämpfer gegen die deutschen Invasoren in Warschau mit. Allzu viel solltet ihr euch von der Story aber nicht erwar­ten: Die Geschichte ist über weite Strecken ebenso blass und uninter­essant wie der Held Robert Hawkins.

Schnörkelloser Ego-Shooter

Enemy Front im Test: Ein bemühter Shooter, dem echte Höhepunkte fehlen. (5) Quelle: PC Games Enemy Front im Test: Ein bemühter Shooter, dem echte Höhepunkte fehlen. (5) Aber das ist nicht so schlimm: Wich­tiger als die Story ist bei einem Spiel wie Enemy Front die Action. Das neue Spiel von CI Games ist im Grunde ein schnörkelloser Ego-Shooter, weist in vielen Teilen aber unverkennbare Ähnlichkeiten zum Scharfschützen-Action-Titel Sniper: Ghost Warrior 2 auf, der auch von den polnischen Entwicklern stammt. Die 16 Missi­onen von Enemy Front sind stellen­weise stark geskriptet und bieten in Sachen Missionsgestaltung wenig Überraschendes. Während euch in den optisch langweiligen Warschau- Abschnitten ein eher enges Levelde­sign mit knackigen Straßenkämpfen und Gebäudestürmungen erwartet, sind die Abschnitte in Rückblenden offener gehalten und laden den Spie­ler – zumindest in der Theorie – ein, einen eleganteren Weg zu finden. Wie man es aus Ghost Warrior 2 kennt, dürft ihr an einigen Stellen mit einem Fernglas gegnerische Stützpunkte ausspionieren und Feinde auf der Minimap markieren, damit ihre Position und der Grad ihrer Aufmerksamkeit auf der Mini­map sichtbar wird. Entscheidet ihr euch fürs Schleichen, könnt ihr an­hand einer Gefahranzeige ablesen, wie nahe ihr daran seid, entdeckt zu werden.

Hat euch eine Wache be­merkt, habt ihr noch kurz Zeit wie­der in Deckung zu gehen. Es dauert eine Weile, bis man einschätzen kann, wann man möglicherweise gesehen wird und wann nicht. Wer es schleichend schafft, sich einem Gegner ungesehen zu nähern, darf ihn per brutaler Nahkampfatta­cke (V-Taste) aus dem Verkehr zie­hen. Das funktioniert in der Regel, wenn ihr Gegner mit einem Stein­wurf (T-Taste) ablenken und in eine bestimmte Richtung locken könnt. Schwieriger wird es dann schon, wenn Feinde in Zweierpatrouillen un­terwegs sind oder wenn es in Leveln nur so vor Feinden wimmelt. Werdet ihr entdeckt oder bei einem Feuer­gefecht von einem Gegner im Nah­kampf überrascht, könnt ihr euch mittels V-Taste zur Wehr setzen, vo­rausgesetzt, ihr seid schnell genug.

Enemy Front im Video-Test

Schwache KI

Eine weitere Option besteht darin, Gegner wie in Ghost Warrior 2 aus sicherer Entfernung mit dem Scharf­schützengewehr der Reihe nach auszuschalten. Die Sache hat nur einen Haken: Sobald ihr den ersten Schuss abfeuert, regiert das Chaos und die Taktik geht komplett über Bord. Besonders ärgerlich: Sämtli­che alarmierten Gegner auf diesem Kartenabschnitt wissen sofort haar­genau, wo ihr euch gerade versteckt haltet und nehmen euch aufs Korn. So arten manche potenziell span­nenderen Levels in eine seichte Bal­lerorgie aus. Seicht, weil die Gegner- KI sich in der Regel selten dämlich anstellt und so ganze Feindgruppen zu Kanonenfutter verkommen. Die meiste Zeit über fragt man sich: Wa­rum sollte ich mir den Stress antun, mit Bedacht vorzugehen, wenn die Rambo-Methode eigentlich immer schneller und besser funktioniert? Zumal das Schleichen nicht in jedem dafür gedachten Abschnitt gleich gut funktioniert und auch Spaß macht.

Die Illusion der Freiheit

Bildergalerie

Und so ballern wir uns ohne große Motivation von einem Abschnitt zum nächsten. Auch wenn gerade die Rückblenden-Levels den Eindruck von großen, frei erkundbaren Are­alen vermitteln, so ist dies nur eine Illusion. Die Levels von Enemy Front bestehen in der Regel aus mehreren, mitunter etwas umfangreicheren Einzelabschnitten, die ihr der Reihe nach absolviert. In jedem Bereich müsst ihr eine festgelegte Anzahl von Haupt- und Nebenaufträgen erledi­gen, wobei sich letztere nur selten auf den Spielablauf auswirken oder euch Boni bescheren. Die Aufgaben sind auch nicht unbedingt abwechs­lungsreich (sabotiere dies, zerstöre das) und gipfeln oft in "Erledige alle Gegner in diesem Gebiet!".

Enemy Front: Grafikvergleich PC vs. PS3

Meinung

Wie bei vielen Shootern üblich, könnt ihr die Waffen von erledigten Gegnern aufnehmen, gleichzeitig dürft ihr aber nur drei (Pistole und zwei "schwere Waffen") Knarren tragen. Dazu kom­men Granaten, Molotow-Cocktails und Sprengsätze, wobei letztere nur an bestimmten Stellen eingesetzt werden dürfen. Über Munition müsst ihr euch grundsätzlich keine Gedan­ken machen, denn buchstäblich alle 50 Meter könnt ihr an einer entspre­chenden Kiste euren Vorrat auffüllen. Medikits gibt es in Enemy Front nicht. Wer getroffen wurde, zieht sich hinter eine Deckung zurück und wartet, bis der rote Schleier auf dem Bildschirm langsam schwindet. Die Speicher­punkte in den Levels sind in der Regel fair gesetzt.

Die Grafik von Enemy Front ha­ben die Jungs von CI Games dank Cryengine ganz ordentlich hinbe­kommen, wenngleich ihr keinesfalls die optische Pracht eines Crysis 3 erwarten solltet. Am besten sehen dabei noch die Außenlevels in den Rückblenden aus. Nahkampfattacken und Stealth Kills sind überaus brutal inszeniert. Die Straßenkämpfe in Warschau sind spielerisch wenig anspruchsvoll und optisch auch kein Leckerbissen. Spielerisch anspruchslos, aber ordentlich in Szene gesetzt: Wenn ihr Türen aufbrecht, dürft ihr Gegner in Zeitlupe erledigen.

Wertung zu Enemy Front (PC)

Wertung:

6.0 /10

Wertung zu Enemy Front (X360)

Wertung:

5.0 /10

Wertung zu Enemy Front (PS3)

Wertung:

5.0 /10
Pro & Contra
Abwechslungsreiche Kampagne mit vier SchauplätzenSpielerische Freiheit in offenen Levels: schleichen, snipern oder ballernSchnörkellose Ballersequenzen
Schwache Gegner-KI mit hellseherischen FähigkeitenDurch fast unbegrenzten Munitionsvorrat stellenweise zu leichtUninspiriert präsentierte StorySich wiederholendes Missionsdesign
22
    • Kommentare (22)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von DarkKnight1993 Mitglied
        Dem kann ich nur zustimmen. Wolfenstein war ein richtiger Knaller nach langer Ebbe, da können sich andere mal ein Beispiel dran nehmen. Es geht eben doch ohne fetten MP! Vom gleichen Entwickler kommt ja nächstes Jahr DOOM, ich erwarte nicht weniger als den nächsten Knaller aus dem Hause id.

        Edit: Hätte schwören können dass id das neue Woflenstein programmierte, stimmt ja gar nicht :-B
      • Von DarkKnight1993 Mitglied
        Dem kann ich nur zustimmen. Wolfenstein war ein richtiger Knaller nach langer Ebbe, da können sich andere mal ein Beispiel dran nehmen. Es geht eben doch ohne fetten MP! Vom gleichen Entwickler kommt ja nächstes Jahr DOOM, ich erwarte nicht weniger als den nächsten Knaller aus dem Hause id.

        Edit: Hätte schwören können dass id das neue Woflenstein programmierte, stimmt ja gar nicht :-B
      • Von Bonkic Mitglied
        Zitat von golani79
        @Bonkic
        Ich mag Bioshock wirklich gerne - vor allem Teil 1 und Infinite.
        Teil 2 hat mir jedoch irgendwie gar nicht gefallen - da bin ich bei ca. der Hälfte weggestorben und bisher hab ich mich noch nicht wieder dran versucht ;)
        ich mag bioshock auch.
        nur der shooter-part ist imho ziemlich durchschnittlich.
        dafür hat es andere qualitäten. ;)

        Zitat von sauerlandboy79
        Seit "Far Cry 3" hat es für mich persönlichen keinen FPS mehr gegeben den ich als richtig gut bewerten würde. So ein richtiger Genre-Hit wäre echt wieder fällig.
        wolfenstein: tno und tob hast du gespielt?
        das sind eigentlich richtige genre-highlights!
      • Von sauerlandboy79 Mitglied
        Seit "Far Cry 3" hat es für mich persönlichen keinen FPS mehr gegeben den ich als richtig gut bewerten würde. So ein richtiger Genre-Hit wäre echt wieder fällig.
      • Von golani79 Mitglied
        Zitat von Enisra
        naja, Bioshock ist ja nicht das Einzige gute Spiel :-B
        Man Leute, Beispiele und so
        Ja trotzdem .. er schreibt ja, dass es für ihn persönlich in den letzten Jahren nur noch wenige gute Shooter gab.
        Da gehe ich schon davon aus, dass er die großteils gespielt hat und sich jetzt halt trotz schlechter Kritiken auch Enemy Front mal zu Gemüte geführt hat, welches eben trotz all der schlechten Kritiken eigentlich gar nicht mal so schlecht ist.

        Und du meinst halt, er solle nen guten Shooter spielen, wobei er Enemy Front eigentlich gar nicht als schlecht empfindet.
        Ist doch sowieso immer subjektiv und ich glaube auch nicht, dass es ihm wirklich um Alternativen zu CoD geht, sondern halt generell um die Shooterwelt.

        @Bonkic
        Ich mag Bioshock wirklich gerne - vor allem Teil 1 und Infinite.
        Teil 2 hat mir jedoch irgendwie gar nicht gefallen - da bin ich bei ca. der Hälfte weggestorben und bisher hab ich mich noch nicht wieder dran versucht ;)
      • Von Bonkic Mitglied
        vor allem sind die bioshocks keine besonders guten shooter.
        es sei denn teil 2 ist die ausnahme von der regel. den hab ich nämlich nach wie vor nicht gespielt. ;)
      Direkt zum Diskussionsende
  • Print / Abo
    Apps
    PC Games 07/2026 PCGH Magazin 07/2026 play5 07/2026 N-Zone 07/2026 Linux Magazin 07/2026 LinuxUser 07/2026 Raspberry Pi Geek 07/2026
    PC Games PC Games Hardware Linux Magazin Raspberry Pi Geek Computec Kiosk