Steam: Vorteile und Probleme aus Sicht der Publisher
Empire: Total War segelt unter Steam. Nicht allen Spielern gefällt dieser Zug.
Fabian Doehla, seines Zeichens PR-Manager bei Sega, beantwortete PC Games einige Fragen über die Erfahrungen des Publishers mit Steam. Denn Sega hatte vor nicht allzulanger Zeit das grandiose Strategiespiel Empire: Total War veröffentlicht. Das Besondere: Zum Spielen müssen Sie Valves Plattform Steam zwingend installieren. Das erzürnte viele Spieler, denn das Misstrauen gegenüber Valves Methoden sitzt tief.
Hintergrund: In einer großen Umfrage wollen wir deshalb Ihre Meinung wissen: Was halten Sie von Steam? Die Ergebnisse fließen direkt in den Artikel der kommenden Ausgabe der PC Games ein.
Gleichzeitig wollen wir aber auch die Gegenseite zu Wort kommen lassen. Das Interview mit Sega finden Sie deshalb an dieser Stelle.
PC Games: Sega hat sich dazu entschieden, Empire: Total War verpflichtend über Steam zu veröffentlichen. Warum?
Sega: Das geschah - ob man es nun glaubt oder nicht - in erster Linie auf Wunsch von The Creative Assembly hin. Alle Total War-Spiele sind bislang mehrfach gepatched worden, was verschiedene Ursachen hat. Gerade beim Balancing ist immer viel Feintuning nötig, da man die nahezu unendlichen Möglichkeiten der Total War-Produkte mit keiner Q&A der Welt testen kann. Bislang haben wir die Patches umständlich via Forum oder auf Covermount-Datenträger veröffentlichen müssen. Als Folge hat nach zwei Monaten jeder eine andere Version gespielt. Gerade in Sachen Multiplayer ist dies aber eher hinderlich. Steam ist hier ein großer Schritt nach vorne, da der Entwickler Instant-Patches, Multiplayer-Features und auch Achievements einfach integrieren bzw nachreichen kann. Natürlich spielt der Kopierschutz ebenfalls eine wichtige Rolle, dies ist unbestritten. Aber es geht eben nicht darum alleine. Das DRM bringt hier "ganz nebenbei" noch einige nicht unerhebliche Vorteile. Dies beantwortet natürlich auch gleich die Frage nach den Vorteilen von Steam.
PC Games: Wo liegen für euch als Publisher die größten Nachteile mit Steam?
Sega: Nicht jeder Spieler verfügt über einen Online-Zugang - der ist aber für die Aktivierung unumgänglich. Wer Empire: Total War trotzdem spielen will, der muss es woanders aktivieren, was natürlich suboptimal ist.
Außerdem gibt es viele Vorbehalte und Vorurteile zu Steam. Empire: Total War wurde im Vorfeld teilweise auf Basis völlig verdrehter und teilweise komplett falscher Aussagen harsch kritisiert. Es handelte sich hier zwar in erster Linie um eine Gruppe von Leuten, die generell alle Steam-Produkte öffentlich kritisieren. Dennoch tut diese Kritik natürlich weh - in dem Fall sicher ein Nachteil.
PC Games: Was verändert sich beim Verkauf, im Vergleich mit einem nicht über Steam erscheinenden Produkt?
Sega: Da wir Empire in Deutschland als normales "boxed product" vermarktet haben: nur sehr wenig. Optional kann man das Spiel direkt bei Steam erwerben und spart damit den Gang in den Laden. Das war es dann aber auch mit signifikanten Unterschieden zu anderen Spielen der Total War-Serie.
PC Games: Was müssen Entwickler bei ihrer Arbeit mit Steam beachten? Wie unterscheidet sich die Produktion im Vergleich?
Sega: Prinzipiell bleibt dem Entwickler mehr Zeit, da er bis kurz vor Veröffentlichung am Produkt arbeiten kann. Bei einer normalen Version muss ja das reguläre Produktionsdatum beachtet werden.
Außerdem wird für jede Version die bei Steam live geht ein Approval benötigt. Das sind die größten Unterschiede - harmloser als man es auf den ersten Blick vermuten könnte.
PC Games: Deutsche Spieler sind ja eher als Steam-abgeneigt bekannt. Ein Problem für euch?
Sega: Zum Teil wurde diese Frage schon beantwortet. Ja, es gibt in Deutschland viele Vorbehalte gegen Steam - so wie es in Deutschland auch lange Zeit sehr viele Vorbehalte gegen Kreditkarten gab und gibt.
Dabei sind diese nachweislich viel sicherer als zahlreiche andere Zahlungsmethoden. Wir können die Vorbehalte teilweise verstehen, sehen aber die Vorteile einer Steam-Veröffentlichung bei einem Spiel wie Empire: Total War als wichtiger an. Wir wurden bei Medieval 2 kritisiert, da die Patches nicht richtig kommuniziert wurden, es Probleme mit unterschiedlichen Sprachversionen gab und Multiplayer nicht richtig funktioniert hat. Nun haben wir diese Probleme gelöst, bekommen aber für den Vertriebsweg Gegenwind. Es ist in unseren Augen unmöglich, die perfekte Lösung anzubieten. Klar wäre ein Spiel ohne Kopierschutz für den Endkunden optimal. Aber wirtschaftlich würde dies vermutlich zu einem Totalschaden führen. Wenn wir also auf Steam verzichten und einen anderen Kopierschutz benutzen - dann gibt es ebenfalls Kritik. Wir halten Steam nicht für die allerbeste oder gar perfekte Lösung. Aber sicher für den besten Weg Empire: Total War zu spielen und auf dem neuesten Stand zu halten.
PC Games: Sieht Sega Steam als Plattform der Zukunft oder war Empire ein einmaliges Experiment? Wird es weitere Sega-Produkte über Steam geben?
Sega: Steam war sicher kein Experiment. Wir sind trotz der Kritik sehr zufrieden. Die Fehlerquote bei der Installation ist viel kleiner als man das vermuten mag - wer allerdings sein Produkt problemlos aktiviert und spielt, der eröffnet keinen Thread mit seinen Steam-Problemen. Es liegt in der Natur der Sache dass sich Käufer mit Problemen beschweren, was auch völlig okay ist. Wenn aus einer allgemeinen Steam-Abneigung dann jedoch ein gezieltes Schlechtreden eines sehr guten Produktes wird, dann tut dies Entwickler und Publisher natürlich weh.


Die Frage die zu stellen ist, wäre aber doch, mit welcher Entwicklung wir auf dem Spielemarkt zu rechnen haben, wenn die Toptitel alle nur noch mit DRM/STEAM herausgebracht werden.
Es wird in jedem Fall dazu führen, dass diejenigen die…
Falsche Vorurteile habe ich jedenfalls garantiert nicht, denn meine negative Meinung zu Steam beruht auf meinen eigenen persönlichen Erfahrungen! Das kommt auf jeden Fall nicht einfach vom…
Offensichtlich merkst du gar nicht mehr wie fanatisch du auf manche Leute wirkst.
Ich kann die Wahrnehmung anderer Leute nicht beeinflussen. Ich selbst sehe allerdings keinen Fanatismus meinerseits. Genau definiert ist das ja nicht, aber für mich wäre…