Empire Earth 3
Malen Sie sich mal aus, dass der Papst seine Schweizer Garde historisch in eine Linie mit den Heerscharen eines Gaius Julius Cäsar stellt oder denken Sie an die teetrinkende Queen, die von einem gegenwärtigen Weltreich fabuliert. Die gerade vor Ihrem geistigen Auge ablaufende Tragikomödie ist eine Idee dessen, was Empire Earth 3 der ruhmreichen Serie antut, die Age of Empires-Mitentwickler Rick Goodman vor sechs Jahren ins Leben rief.
In fünf Epochen - Antike, Mittelalter, Kolonialzeit, Moderne, Zukunft - spielen Sie mit einem von drei Völkern entweder im Welteroberungsmodus (siehe Kasten rechts) oder im "Scharmützel" um die Wette. Sie erforschen neben dem Epochenaufstieg Verbesserungen für Ihre Einheiten oder gar neue Versionen derselben. Dabei stehen Ihnen die üblichen Echtzeit-Strategie-Verdächtigen zur Seite: Infanterie, Kavallerie, Artillerie, See- und später Lufteinheiten. Das wechselseitige Auf-die-Mütze-Geben folgt dabei dem gewohnten Schere-Stein-Papier-Prinzip.
Als Rohstoffe dienen Ihnen die banale Ressource "Rohstoffe" - ein als solcher deklarierter Klumpen Holz oder Stein, keineswegs jedoch natürliche Vorkommen wie Wälder oder Tiere - und Vermögen, das Sie mit Handelskarren und -routen erzielen. Bauen und Schürfen ist Ihnen nur innerhalb Ihrer eigenen Territorien erlaubt - hier hält sich Empire Earth 3 an eine Idee des Vorgängers. Ebenso traditionsbewusst: die für die Grafikqualität bizarr hohen Hardware-Anforderungen und die zu nahe Kamera.
Der Versuch, diese bekannten Ideen kompromisslos und vereinfacht zu einem humoristischen Spiel zu vereinen, hätte funktionieren können. Nur leider ist das Rezept in dieser Mischung hoffnunglos altmodisch, die Kompromisslosigkeit mit einem Mangel eigener Ideen erkauft und die Vereinfachung hat etwa zur Folge, dass Eingeborene oft die gleichen Einheiten haben wie sie. Effektiv ist das Resultat so erfolgreich wie eine bekannte Wanderung römischer Legionäre im Teutoburger Wald.
Die drei Völker (Westen, Naher Osten, Ferner Osten) unterscheiden sich durchaus in Bezug auf Einheiten und Bevölkerungsmanagement. Auch kann man den Einheiten - gerade in der Zukunft - eine gewisse Coolness nicht absprechen, etwa wenn die Asiaten mit skorpionartigen Walkern durch die Gegend fetzen. Das freie Spiel gegen den Computer unterhält so durchaus.
Um ein wichtiges Markenzeichen von Empire Earth 3 nicht auszulassen: Die Einheiten melden sich mit witzig gemeinten Sprüchen zu Worte wie "Ich bin schnell wie der Wind - das machen die Bohnen." Selbst wenn Sie das lustig finden, spätestens nach dem zehnten Mal täuscht es nicht mehr darüber hinweg, dass das Imperium gefallen ist. Sehr tief sogar.

