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  • Elite: Dangerous - Die Ursprünge der bahnbrechenden Weltraum-Sim-Reihe im Rückblick

    Entscheidungsfreiheit ohne Gleichen: Ein Spiel setzt neue Maßstäbe und begründet ein Genre. In unserem Meisterwerke-Special werfen wir einen Blick zurück auf das erste Elite aus dem Jahre 1984. Wenige Wochen vor der Veröffentlichung des erfolgreichen Kickstarter-Projekts Elite: Dangerous, erhaltet ihr so einen Einblick in die Ursprünge der bahnbrechenden Weltraum-Simulation.

    Wir schreiben das Jahr 1984 und das geteilte Deutschland wird unablässig von Modern Talking beschallt. Apple ist noch nicht so hip, baut dafür gute Computer wie den ersten Macintosh und Ronald Reagan verkündet bei einer Mikrofon-Probe scherzhaft die Bombardierung der Sowjetunion – was angesichts des Kalten Krieges aber natürlich keiner lustig fand, außer Reagan selber. Computer waren lange nicht so alltäglich wie heutzutage, wenn auch der C64 langsam seinen Siegeszug antrat.

    Mikro ist relativ ...

    Zu dieser Zeit entwickelten zwei Studenten der britischen Uni Cambridge ein Weltraumspiel für einen hierzulande wenig verbreiteten, sogenannten "Micro-Computer" der Firma Acorn. Wirklich winzig war der Rechner nach heutigen Maßstäben natürlich nicht: Der Hersteller wollte damit andeuten, dass man für das Gerät kein eigenes Stockwerk benötigte, sondern es bequem auf einen Schreibtisch stellen konnte. Besagte Studenten, Ian Bell und David Braben, schätzten die offene Architektur des teuren und verhältnismäßig leistungsfähigen Systems, um ein bis dato unbekanntes Spielprinzip zu erschaffen: Open World mit dreidimensionaler Grafik. Oder jedenfalls etwas, was man sich zu diesem Zeitpunkt darunter vorstellte.

    Begrenzte Kapazitäten

    Sternenkarte: Das Spiel bietet bis zu 2.000 Sternensysteme, die wir anfliegen können. Sternenkarte: Das Spiel bietet bis zu 2.000 Sternensysteme, die wir anfliegen können. Quelle: PC Games Damit hatten die beiden sich ein hohes Ziel gesteckt: Computerspiele waren überhaupt erst wenige Jahre alt und beschränkten sich in aller Regel auf kurzweilige, aber flache Arcade-Spielchen (mit Grafik) oder Adventures mit viel Tiefgang, aber schlechter Zugänglichkeit (meist komplett ohne Grafik). Die begrenzte Rechenleistung der damaligen Computer rangierte im Vergleich zu heutigen Geräten irgendwo zwischen Mikrowelle und Kaffeevollautomat. Entwickler mussten also in Bezug auf Features harte Entscheidungen treffen: Denn noch knapper als Rechenleistung war damals die Speicherkapazität.

    Der "Micro" hatte in der Basisversion ganze 8 KB zur Verfügung und davon ging auch noch der Platz für das Betriebssystem ab. Denn Festplatten waren damals vollkommen unbezahlbar und alles musste in den RAM geladen werden. Gespeichert wurde in der Regel auf Kompaktkassetten, ein Floppylaufwerk kostete damals gut und gerne das Doppelte des Computers selber. Zum Vergleich: Ein heutiger PC mit 4 GB RAM verfügt über das 537-millionenfache an Speicherkapazität, das ist ein Multiplikator von über einer halben Milliarde.

    Eine Menge Lichtjahre

    Und auf so einer Möhre programmierten Bell und Braben ein Weltraumspiel, das nicht nur über frühe Polygon-Grafik verfügte, sondern dem Spieler völlige Reisefreiheit innerhalb von 2.000 Sternensystemen in acht Galaxien bot; Reisen erwünscht. In Elite startete man mit einem kleinen Schiff und 100 Credits in der Tasche, welche natürlich vermehrt werden wollten. Denn die Raumschiffe ließen sich aufrüsten – und das war auch bitter nötig, denn das All war bei Elite alles andere als leer. Besonders gefürchtet waren natürlich die Raumpiraten, welche dem Spieler nach dem Vermögen – oder schlimmer: dem Leben – trachteten.

    Such dir eine Rolle aus

    Welche Rolle nun der Spieler einnahm, war ihm selbst überlassen. Wer keine Lust auf Handel hatte, betrieb eben Piraterie oder sorgte Als Kopfgeldjäger für Ruhe und Ordnung im Universum. So oder so sorgte man aber besonders für den eigenen Geldbeutel. Wem all diese Möglichkeiten nicht zusagten, der übernahm halt Missionen für das Militär oder widmete sich dem Asteroiden-Bergbau. Hauptsache, die Kasse stimmte und man konnte als Belohnung für seine Mühen immer mal wieder eine neue Waffe an sein Raumschiff schrauben oder den zunächst recht lausigen Antrieb aufrüsten.

    Ein frühes Open-World-Spiel

    Damit war Elite tatsächlich sogar das erste echte Open-World-Spiel, wenn auch der Begriff damals noch nicht üblich war. Aber Begrifflichkeiten hin oder her, nun gab es für Zocker zum ersten Mal überhaupt eine Spielwelt, auf die man grundlegenden Einfluss nehmen konnte, und die vor allem fern von einem vordefinierten Spielziel war. Das war wirklich neu und daneben sahen andere Titel ganz schön alt aus.

    Natürlich erkannte die Spielerschaft das Potenzial des Titels. Elite wurde ein ausgesprochener Erfolg und in der Folge auf praktisch alle damaligen Computersysteme portiert. Und das war eine Menge, der Markt war noch Lichtjahre von der heutigen Konzentration auf den PC und zwei Konsolensysteme entfernt – und mobile Geräte existierten allenfalls als Vision einiger Pioniere, die dafür auch noch tüchtig ausgelacht wurden.

    Umsetzungen auf viele Systeme

    Elite war und ist nicht totzukriegen. In den Jahren nach dem Release wurde es auch noch für Systeme umgesetzt, die es zum ursprünglichen Veröffentlichungstermin noch nicht gab; als da wären Amiga, Atari ST und letztlich sogar das NES. Und Elite machte sich auf jedem System Freunde.

    08:59
    Retro-Special: Elite

    Der Nachfolger

    Der Nachfolger bot bessere Grafik als das Original. Im Bild greifen wir gerade einen Frachter an. Der Nachfolger bot bessere Grafik als das Original. Im Bild greifen wir gerade einen Frachter an. Quelle: PC Games Vom großen Erfolg angeregt (und dem damit einhergehenden satten finanziellen Polster unterstützt) begann Anfang der 90er-Jahre die Entwicklung des Nachfolgers Frontier. Der erste Teil hatte Maßstäbe gesetzt, die David Braben nun natürlich übertreffen wollte: Nun wurden vollständige Planetensysteme simuliert, während beim Urspiel "nur" Raumstationen angeflogen werden konnten. Frontier hingegen bildete nichts weniger als eine Milchstraße mit 100 Millionen Sonnensystemen ab. Für jeden Stern sind Größe, Leuchtkraft, Masse und Oberflächentemperatur angegeben und Planeten kreisen sogar auf elliptischen Bahnen.

    Und dabei muss man abermals bemerken, dass die Rechenleistung der damaligen Systeme zwar ein Mehrfaches von denen aus der Zeit um 1984 brachte, im Vergleich zu heute aber immer noch geradezu lächerlich anmutete. Aber so ambitioniert das ganze Projekt auch war, es spaltete die Spielerschaft in zwei Lager. Die einen empfanden Featureumfang und Flugphysik als überfordernd, während es anderen immer noch nicht weit genug ging. Und zu allem Überfluss war das Spiel auch noch eine einzige Baustelle beim Release; es verfügte über eine Anzahl von Bugs und enthielt Features, die niemals wirklich funktionierten. An den großen kommerziellen Erfolg von Elite konnte Frontier deshalb niemals anknüpfen.

    ... und noch ein Nachfolger

    Auch Frontier: First Encounters als nunmehr dritter Teil der Serie war in hohem Maße fehlerhaft, die Amiga-Version beispielsweise ist niemals zur Veröffentlichungsreife gelangt. Trotzdem verkaufte sich der Titel für damalige Verhältnisse mit gut über 100.000 Stück wirklich ordentlich. Trotzdem wurde es danach sehr, sehr still um das Franchise. Fast 20 Jahre lang war nichts mehr von Elite zu hören – bis heute, aber dazu kommen wir gleich noch.

    Vielkopiertes Spielprinzip

    Trotz der halbgaren Nachfolger zeigte sich eines: Das eigentliche Spielprinzip war nicht totzukriegen. Zahlreiche Entwickler ließen sich von Elite inspirieren und schufen eine Masse an Titeln, die sich prinzipiell an das Spielerlebnis anlehnten oder sich sogar ganz konkret um die gleiche Thematik drehten. Viele davon hatten außergewöhnlich großen Erfolg und sind so selber in die Annalen der Videospielgeschichte eingegangen. Dazu gehören unter anderen Pirates! (1987) von Sid Meier, Privateer (1993) oder Freelancer (2001) von Wing Commander-Schöpfer Chris Roberts. Dazu gibt es noch die Spieleserie X (beginnend 1999), die gerade ein besonders langes und unrühmliches Kapitel im Buch der unspielbar verbuggten Neuinterpretationen aufgeschlagen hat. Zum Glück ist X Rebirth aber nicht das einzige Eisen im Feuer.

    Ganz allgemein erfreut sich das Thema immer noch größter Beliebtheit, wenn auch in den letzten zehn Jahren im Vergleich zu anderen Genres in dieser Hinsicht nicht allzu viele Spiele veröffentlicht wurden. Als Beispiel sei das MMO Eve Online genannt, das von vielen als illegitimer Nachfolger von Elite betrachtet wird. Oder das mittlerweile völlig überfinanzierte und noch nicht veröffentlichte Crowdfunding-Projekt von bereits erwähntem Chris Roberts, Star Citizen, das ebenfalls ein MMO in einer persistenten Spielwelt ist und weltweit mit Spannung erwartet wird. Und nicht zuletzt war auch die riesige Fangemeinde des Spiels alles andere als untätig. Eine Vielzahl von Fan-Remakes, Erweiterungen, Elite-Wikis und überarbeiteten Originalversionen lassen sich im Netz finden, Elite war also nie tot.

    Ein neuer Versuch ...

    David Braben hingegen denkt offensichtlich nicht im entferntesten daran, sich anzusehen, wie andere mit dieser Art von Spielen Kasse machen und holt sich nun auch ein Stück vom Kuchen: Mit Elite Dangerous (und ebenfalls einer Finanzierung über www.kickstarter.com) soll noch dieses Jahr ein Nachfolger erscheinen, der direkt an das Ur-Elite anknüpft. Aber natürlich im zeitgemäßen Gewand, mit Multiplayer und allem modernen Brimborium. Was halt so dazugehört. Nun bleibt nur noch zu hoffen, dass Elite Dangerous nicht im Schatten von Star Citizen verschimmelt – und natürlich, dass David Braben aus den Fehlern von Frontier und Frontier: First Encounter gelernt hat ...

    Wer ist David Braben?

    David Braben im Jahr 2005. David Braben im Jahr 2005. Quelle: PC Games Der kluge Kopf hinter Elite heißt David Braben, ist gebürtiger Brite und Absolvent der renommierten University of Cambridge. Im Gegensatz zu anderen, eher schillernden Gestalten der Branche ist Mr. Braben mehr der unauffällige Typ. Geboren wurde David Braben 1964 im mittelenglischen Nottingham. Schon früh zeigte sich sein Faible für Computer: Nach einem naturwissenschaftlichen Studium in Elektrotechnik legte er einen zweiten Abschluss in Informatik hin.

    1984 veröffentlichte er sofort in Zusammenarbeit mit dem Programmierer Ian Bell Elite. Das Spiel wurde sofort ein durchschlagender Erfolg. Es folgten andere, wegweisende Spielen wie Zarch oder Virus, die sich leider nicht zu ähnlich großen Publikumslieblingen entwickelten. Von den Kritikern wurden die Titel aber gelobt und er machte sich 1988 an die Arbeit für einen Nachfolger. Nach fünfjähriger Entwicklungszeit wurde Frontier 1993 endlich veröffentlicht. Zu sagen, dass das Spiel floppte, wäre übertrieben: Aber sowohl in Kritik und Verkäufen blieb das Spiel hinter den (zugegebenermaßen hochgestecken) Erwartungen zurück. Was blieb, war ein solider und höchst ambitionierter Titel, der leider mit zu vielen Bugs zu kämpfen hatte.

    Braben ließ sich nicht entmutigen und machte sich erneut an die Arbeit: 1995 floppte jedoch auch First Encounter und Braben wandte sich anderen Projekten zu. Mit der 1993 gegründeten Firma "Frontier Developments" macht er in Folge trotzdem von sich reden, beispielsweise mit dem fantastischen und heute noch exzellent spielbaren Rollercoaster Tycoon 3 oder Spielen zu dem besonders in Großbritannien beliebten Wallace & Gromit-Franchise.

    Erst im Jahre 2006 war wieder etwas von Elite zu hören: Damals kündigte Braben den nunmehr vierten Teil der Serie an, der aber sang- und klanglos wieder im Orkus der angekündigten und niemals fertiggestellten Spiele verschwand. In der Zwischenzeit entwickelte David Braben den Raspberry Pi, einen wirklichen "Micro-Computer" auf Linux-Basis, der das Format einer Scheckkarte aufwies und die Digitalisierung der Gesellschaft besonders in der Dritten Welt vorantreiben sollte. Mit 15 Pfund ist dies ein für hiesige Verhältnisse besonders günstiges Gerät, aber das Wohlstandsgefälle ist immer noch so groß, dass die umgerechnet knapp 20 Euro für viele Menschen deutlich mehr als ein Monatsgehalt darstellen.

    Im November 2012 ließ Braben die Spielerschaft erneut aufhorchen: Über die Crowdfunding-Seite www.kickstarter.com sammelte der Brite Mittel für ein neues Elite mit dem Namen Dangerous. Das Ziel von 1,25 Millionen Pfund wurde lässig erreicht und stellte das höchste Volumen an Kapital dar, was bis dato via Kickstarter gesammelt wurde – es gibt offensichtlich noch genügend Spieler, denen Elite ein Begriff ist und die sich eine Neuauflage in zeitgemäßer Form wünschen. Angepeilter Veröffentlichungstermin ist der März dieses Jahres – ein ehrgeiziges Ziel, da sich das Spiel zum jetzigen Zeitpunkt noch in der Alpha-Phase befindet ...

  • Elite: Dangerous
    Elite: Dangerous
    Developer
    Frontier Developments
    Release
    16.12.2014
    Es gibt 3 Kommentare zum Artikel
    Von doublefrag
    ...obwohl wir alle noch auf den "Bang" warten! ;-)
    Von Sheggo
    schöner Bericht mit viel Hintergrundwissen. Dafür ein großes DANKE!ich habe das originale Elite nie gespielt, da ich…
    Von Triplezer0
    "Wenige Wochen vor der Veröffentlichung des erfolgreichen Kickstarter-Projekts Elite: Dangerous[...]"Darf ich mal…
    • Es gibt 3 Kommentare zum Artikel

      • Von doublefrag Neuer Benutzer
        ...obwohl wir alle noch auf den "Bang" warten! ;-)

        < Link entfernt >
      • Von Sheggo Erfahrener Benutzer
        schöner Bericht mit viel Hintergrundwissen. Dafür ein großes DANKE!

        ich habe das originale Elite nie gespielt, da ich erst zu X-Wing und Wing Commander Zeiten für PC eingestiegen bin (286er glaub ich).
        hoffe aber auf ein schönes neues 4X Game mit WENIGEN BUGS :P
        anderes Eisen im Feuer ist ja Limit Theory, wofür ich auch Backer bin. Star Citizen muss erst mal beweisen, dass es mehr als ein Hype ist
      • Von Triplezer0 Erfahrener Benutzer
        "Wenige Wochen vor der Veröffentlichung des erfolgreichen Kickstarter-Projekts Elite: Dangerous[...]"

        Darf ich mal erfahren wie ihr darauf kommt dass elite in wenigen wochen rauskommt? Momentan ist das in alpha phase 1.

        März war mal als termin angepeilt aber ich bezweifle stark dass das noch korrekt ist.
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1104112
Elite: Dangerous
Elite: Dangerous - Die Ursprünge der bahnbrechenden Weltraum-Sim-Reihe im Rückblick
Entscheidungsfreiheit ohne Gleichen: Ein Spiel setzt neue Maßstäbe und begründet ein Genre. In unserem Meisterwerke-Special werfen wir einen Blick zurück auf das erste Elite aus dem Jahre 1984. Wenige Wochen vor der Veröffentlichung des erfolgreichen Kickstarter-Projekts Elite: Dangerous, erhaltet ihr so einen Einblick in die Ursprünge der bahnbrechenden Weltraum-Simulation.
http://www.pcgames.de/Elite-Dangerous-Spiel-16864/Specials/Elite-Dangerous-Die-Urspruenge-der-bahnbrechenden-Weltraum-Sim-Reihe-im-Rueckblick-1104112/
12.01.2014
http://www.pcgames.de/screenshots/medium/2014/01/elite_meisterwerke_special_0001-pc-games.jpg
elite,weltraum,simulation
specials