Zieh dich warm an, Diablo!
UND KEINER HEISST MANFRED Eine besonders kriegerische Rasse, mit der Sie es zu tun haben, nennt sich Krug.
Durch Kerker zu stromern und gegen böse Kreaturen zu kämpfen, vermag Spieler für Tage, Wochen oder Monate vor den PC-Monitor zu fesseln. Auf der diesjährigen Microsoft-Messe wurde ein besonderer Leckerbissen dieses süchtig machenden Spielprinzips vorgestellt.
Immer diese Riesenspinnen! Auch in Dungeon Siege begegnen einem die lästigen Viecher an jeder Wegkreuzung. In den Kerkerwelten wiederum wimmelt es nur so von keulenschwingenden Skeletten, Kobolden und Skorpionen, die kaum kleiner sind als Einkaufswagen im Supermarkt. Dies alles mag nach einem 08/15-Programm à la Satanica klingen, doch bereits ein kurzer Blick auf Dungeon Siege genügt, um solche Sorgen zu vertreiben. Das Team von Total Annihilation-Entwickler Chris Taylor hat hier nicht den x-ten Aufguss von Diablo in Angriff genommen, sondern produziert gerade einen technisch brillanten Genremix mit einer spannenden Hintergrundgeschichte, einer durchdachten Steuerung und mit enormem Spielwitz. Im Kern ist der Titel natürlich ein waschechtes Rollenspiel, denn zu Beginn definieren Sie einen Charakter, den Sie auf Abenteuerreise schicken. Allerdings wird die Entwicklung Ihrer Spielfigur weitaus weniger von Bedeutung sein als die Kämpfe, die Ihnen bevorstehen. Wie das legendäre Diablo werden Sie nämlich alle naselang von wilden Kreaturen bedroht, die scharenweise auf Ihre Hauptfigur einstürmen. Da Sie jedoch bis zu zehn Charaktere in Ihren Abenteurertrupp aufnehmen dürfen, stellen selbst achtköpfige Riesenmonster mit baumdicken Tentakeln kein unüberbrückbares Hindernis dar. Sollte es einen Ihrer Helden doch einmal von den Beinen hauen, ist er keineswegs perdu, sondern nur so lange betäubt, bis ihm ein Kollege einen Heiltrank einflößt.
Dieses Wiederaufpäppeln eines schwächelnden Helden geht genauso leicht vonstatten wie alle übrigen Aktionen. Chris Taylor hat darauf geachtet, dass der Spielfluss so wenig wie möglich unterbrochen wird. Lästige Menüs sucht man vergeblich, denn übersichtliche Schaltflächen mit den Porträts der in Frage kommenden Figuren befinden sich am linken Bildrand. Ein Klick auf das Konterfei des Magiers - und schon ist dieser aktiviert und kann mit neuen Befehlen versorgt werden, ohne dass man das Geschehen in der Fantasy-Welt aus dem Auge verlöre. Es ist auch möglich, seinen Figuren langfristige Handlungsanweisungen zu geben oder - wie im Echtzeitstrategiegenre - Kampfgruppen zu definieren. Die Maus lässt sich ebenfalls dazu benutzen, die Karte heranzuzoomen oder beliebig zu drehen. Weiterhin wurden lästige Ladebildschirme gar nicht erst eingebaut, worauf Taylor besonders stolz ist, da man auf diese Weise stundenlang ohne jegliche Unterbrechung im Spielgeschehen versinken kann.
Betritt ein Heldengrüppchen einen neuen Abschnitt, dann wird es nicht auf wundersame Weise von einer grünen Aue in einen Kerker versetzt, sondern steigt ganz einfach die Treppe hinab. Bei solchen Übergängen von einer der rund 15 Regionen in einen Kerker kommt man in den Genuss der atemberaubenden Grafik, die selbst den Augen verwöhnter Spieler schmeichelt. Insbesondere steile Klippen, Wendeltreppen, mehrgeschossige Gebäude und verfallene Friedhöfe erscheinen ungemein plastisch und lassen selbst so manchen hochgelobten Ego-Shooter optisch alt aussehen. Auch die Animationen der liebevoll gestalteten Spielfiguren sind rundum gelungen, wobei Details wie Lichtreflexionen auf der Schwertschneide oder sichtbare Verwundungen nach einem hitzigen Duell nicht unwesentlich zum fabelhaften Gesamteindruck beitragen. Ein Mehrspielermodus wird bis zu zehn Spielern die Chance bieten, gegen- oder miteinander die prächtige und aufregende Welt über ein lokales Netzwerk oder das Internet zu erkunden.

