Dishonored (PC)

Release:
12.10.2012
Genre:
Action
Publisher:
Bethesda Softworks

Dishonored im Test: Intelligente Schleich-Action mit brillantem Design - Ab heute im Handel

12.10.2012 11:00 Uhr
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44°
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Dishonored: Die Maske des Zorns im Test von PC Games: Vier Tage vor Release am 12. Oktober sagen wir euch, wie gut der innovative Mix aus Deus Ex, Thief und System Shock geworden ist. Schaffen die Entwickler von Dark Messiah of Might and Magic mit ihrem atmosphärischen Einzelspieler-Titel endlich den Durchbruch? Die Antwort gibt es bei uns.


PC Games testet Dishonored: Bethesdas Action-Schleich-Mix glänzt durch tolles Spieldesign und jede Menge Möglichkeiten, die Aufgaben zu lösen. (11) PC Games testet Dishonored: Bethesdas Action-Schleich-Mix glänzt durch tolles Spieldesign und jede Menge Möglichkeiten, die Aufgaben zu lösen. (11) [Quelle: Siehe Bildergalerie] Publisher Bethesda ist mit Dishonored ein großes Risiko eingegangen. Der Videospielemarkt wird seit langem von den Reihen mit gewichtigen Namen wie Call of Duty, Battlefield oder The Elder Scrolls beherrscht; neue Projekte mit einzigartigen Konzepten ohne bekannten Namen haben es seit jeher schwer. Damit nicht genug: Dishonored besitzt keinen Mehrspielermodus, hat dafür aber einen einzigartigen/gewöhnungsbedürftigen Grafikstil und ein Spielprinzip, das dem Spieler Intelligenz, Erkundungsdrang und Kreativität abverlangt. Klingt nach einem programmierten Verkaufsflop. Doch es ist gerade dieses Abweichen von der Norm, was Dishonored zu einem Meilenstein macht: Dishonored ist eines der besten Spiele dieses Jahres. Weil es neue Wege geht. Weil es den Spieler ernst nimmt. Und weil es spielerische Freiheit über das filmähnliche, skriptbasierte Wow-Erlebnis vieler aktueller Top-Spiele stellt.

Obwohl ihr Dishonored aus der Ego-Perspektive spielt, handelt es sich bei dem Titel um ein Action-Adventure und nicht um einen Ego-Shooter. Ihr schlüpft in die Rolle von Corvo, dem Leibwächter der Kaiserin von Dunwall, einer an das viktorianische London angelehnte Steampunk-Hafenstadt. Nach einem Attentat auf die Monarchin und der Entführung ihrer einzigen Thronerbin verdingt sich Corvo als Meuchelmörder, der die Verschwörer zur Rechenschaft zieht und die Prinzessin rettet. Für diese Aufgabe stehen ihm neben allerlei Waffen auch sechs magische Fähigkeiten zur Verfügung, die er im Laufe des Abenteuers erhält. Die Geschichte umfasst neun lineare Missionen (Spielzeit: rund 15 Stunden), zwischen denen ihr im Hauptquartier der kaiserlichen Rebellen Gespräche führt und eure Ausrüstung verbessert. Eine echte offene Spielwelt gibt es nicht, dafür aber jede Menge alternative Routen innerhalb der Aufträge.

Info: Kopierschutz
Für die Installation von Dishonored benötigt ihr ein Steam-Konto, mit dem die beigefügte Seriennummer verknüpft wird. Dazu ist einmalig eine aktive Internetverbindung nötig, anschließend lässt sich Dishonored beliebig oft im Offline-Modus starten. Ein Weiterverkauf ist durch die Steam-Anbindung unmöglich.

Info: Ungeschnitten und ab 18
Die deutsche Version von Dishonored erscheint komplett ungeschnitten. Auch hierzulande fließt in den Kämpfen reichlich Blut, Köpfe fliegen herum und Gliedmaßen werden abgetrennt. Besonders die Finishing-Moves im Schwertkampf sind äußerst brutal geraten. Außerdem lassen sich Gegner in Brand stecken oder bei lebendigem Leibe von Ratten zerfressen. Keine Frage: Dishonored ist ein Spiel für Erwachsene und gehört nicht in Kinderhände!

Dishonored: Das hat uns gefallen

Superbes Leveldesign mit vielen Freiheiten

PC Games testet Dishonored: Bethesdas Action-Schleich-Mix glänzt durch tolles Spieldesign und jede Menge Möglichkeiten, die Aufgaben zu lösen. (8) PC Games testet Dishonored: Bethesdas Action-Schleich-Mix glänzt durch tolles Spieldesign und jede Menge Möglichkeiten, die Aufgaben zu lösen. (8) [Quelle: Siehe Bildergalerie] Wo andere lineare Spiele euch durch enge Levelschläuche mit geskripteten Attraktionen zu beiden Seiten des Pfades schleusen, geht Dishonored einen anderen Weg: Zwischen Start- und Zielpunkt jeder Mission erwartet euch ein breiter, interaktiver Level-Spielplatz, der stets mehrere Lösungswege anbietet. Die selbstständige Entdeckung dieser Routen macht dabei einen Großteil des Spielspaßes aus. Das Leveldesign von Dishonored setzt neue Maßstäbe; der Grad an Bewegungsfreiheit ist unvergleichlich.
Vertikales Gameplay, ursprünglich eine PR-Phrase im Zusammenhang mit den hochhausschwangeren, aber schlauchigen Crysis 2-Umgebungen, ist in Dishonored Alltag. Hier kraxelt ihr Häuserruinen hinauf, springt von einem einsturzgefährdeten Balkon zum Nebengebäude und stoßt auf eine Abkürzung über das Dach zum Anwesen eines wohlhabenden Adeligen. Corvo springt meterhoch in die Luft, zieht sich automatisch an Vorsprüngen nach oben, schlittert unter niedrigen Torbögen hindurch und teleportiert sich mithilfe einer seiner sechs Spezialfähigkeiten in alle Himmelsrichtungen.

Lediglich eine winzige Missionsmarkierung weist euch daraufhin, wo das nächste Opfer von Meuchelmörder Corvo wartet – wie ihr dorthin gelangt und was ihr mit der Zielperson anstellt, liegt komplett in eurem Ermessen. Kriecht ihr durch die Kanalisation? Steigt ihr durchs Fenster ein? Wählt ihr den Schleichweg durch den Hundezwinger? Schlüpft ihr in den Körper einer Ratte und tappst durch einen Lüftungsschacht? Oder entscheidet ihr euch für den Frontalangriff? Die spielerische Freiheit von Dishonored ist erstaunlich und mehr als willkommen in Zeiten linearer, filmähnlicher Schlauchlevel-Shooter!

Spannende Schleicheinlagen, intensive Kämpfe

Obwohl in Dishonored stets mindestens ein halbes Dutzend Pfade zum Level-Ziel existieren, entscheidet ihr euch grundsätzlich nur zwischen zwei Verhaltensweisen: Entweder ihr geht behutsam vor und vermeidet es, Aufmerksamkeit zu erregen, oder ihr metzelt euch durch die Gegnerreihen und schert euch nicht darum, wenn ihr Alarm auslöst. Das Fantastische daran: Beide Spielarten machen gleich viel Spaß!

Das liegt vor allem an Corvos coolen und auf verschiedene Weise einsetzbaren Spezialfähigkeiten: Mit einem beschworenen Rattenschwarm lenkt ihr Gegner zum Beispiel ab – oder lasst die Nager eure Feinde bei lebendigem Leib auffressen. Die kurzzeitige Körperübernahme eines Soldaten nutzt ihr, um ungesehen einen bewachten Korridor zu passieren – oder um den Gegner in eine dunkle Ecke zu steuern und dort abzumurksen.

Die Schwertkämpfe, die einen Gutteil der Duelle ausmachen, sind ausnehmend packend inszeniert. Mit eurer Klinge hackt ihr auf Widersacher ein, die parieren, Gegenangriffe starten oder behände ausweichen. Wenn ihr selbst einen Schlag blockt, bringt ihr den Widersacher aus dem Gleichgewicht und erledigt ihn mit einem Finisher. Das fühlt sich wuchtig und einfach gut an: Das Treffer-Feedback stimmt. Das gut sortierte Waffenarsenal bietet mit Granaten, Minen, Pistole und Armbrust genug Abwechslung, sodass euch die Auseinandersetzungen so schnell nicht langweilig werden.

Als Schleichspiel muss sich Dishonored weder vor Deus Ex noch vor Splinter Cell oder der Thief-Serie verstecken. Der Nervenkitzel ist kaum auszuhalten, wenn Corvo in geduckter Haltung von einer Ecke zur nächsten huscht, die Körper betäubter oder erledigter Feinde außer Sicht schafft und im letzten Moment eine Wache für immer zum Schweigen bringt, bevor sie Alarm auslöst. In solchen Momenten übt Dishonored die typische Faszination eines Schleichspiels aus: Ihr seid Jäger und Gejagter in einer Person, ihr lauert im Schatten und beobachten die arglosen Widersacher in ihren intimsten Momenten (inklusive lustiger Pinkelanimation). Und wenn doch mal die Alarmglocken läuten und Verstärkung anrückt, genügt ein Druck auf die Quickload-Taste, um einen neuen Anlauf zu starten.

Entscheidungen haben Konsequenzen

PC Games testet Dishonored: Bethesdas Action-Schleich-Mix glänzt durch tolles Spieldesign und jede Menge Möglichkeiten, die Aufgaben zu lösen. (3) PC Games testet Dishonored: Bethesdas Action-Schleich-Mix glänzt durch tolles Spieldesign und jede Menge Möglichkeiten, die Aufgaben zu lösen. (3) [Quelle: Siehe Bildergalerie] Im Herzen von Dishonored werkelt das sogenannte Chaos-System. Dadurch bewertet das Spiel nach jeder Mission – manchmal ein wenig undurchsichtig für den Spieler – euer Vorgehen. Wer Wachen und Zivilisten nur betäubt anstatt sie umzubringen, wer möglichst wenige Alarme auslöst und Zielpersonen auf alternative Weise aus dem Weg schafft, dessen Chaos-Wert ist niedrig. Wer dagegen einen auf Rambo macht, bekommt eine hohe Chaos-Wertung serviert.

Wer für viel Chaos sorgt, der trifft in späteren Missionen auf mehr Gegner als sonst. Außerdem bekommt ihr eine andere Endsequenz präsentiert, als wenn ihr lediglich das absolute Minimum an nötiger Gewalt eingesetzt und für wenig Aufsehen gesorgt habt. Insgesamt gibt es drei verschiedene Schlussszenen, die das Abenteuer allesamt auf befriedigende Weise abschließen, sich im Ton aber stark unterscheiden. Das Ende variiert zudem noch minimal, abhängig von den Nebenmissionen, die ihr im Spielverlauf erfüllt habt. Einige dieser optionalen Aufträge kriegt ihr nur zu Gesicht, wenn ihr dem entsprechenden Charakter vorher bereits einen Gefallen getan habt. Dadurch stoßt ihr gegen Ende sogar auf einen völlig neuen Levelabschnitt, den ihr sonst nicht zu sehen bekämt, und Nebencharaktere ereilt ein anderes Schicksal als üblich.

Ein solches System von Entscheidungen und Konsequenzen gab es bereits in anderen Spielen, doch Dishonored brilliert in dieser Disziplin, weil es euch keinen Spielstil aufzwingt. Deus Ex: Human Revolution etwa belohnte Schleichen mit mehr Erfahrungspunkten für ausgeknockte Gegner – solch eine künstliche Spielerführung sucht ihr in Dishonored vergeblich! Außerdem beeindruckt die Möglichkeit, nahezu jeden NPC um die Ecke zu bringen (bis auf einige wenige für den Plot wichtige Figuren) oder das komplette Spiel zu beenden, ohne das Leben eines einzigen Polygon-Charakters zu beenden! Selbst die Zielpersonen, die Corvo eigentlich meucheln soll, lassen sich stets durch das Erfüllen einer optionalen Nebenaufgabe aus dem Weg räumen, ohne sie unter die Erde zu bringen.
Das Spielerlebnis unterscheidet sich je nach eurem Spielstil derart stark, dass wir euch einen zweiten Durchgang dringend empfehlen, um alles zu sehen!

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Dishonored: Die Maske des Zorns im PC Games Videotest
Redakteur
Moderation
12.10.2012 11:00 Uhr
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Dein Kommentar
Erfahrener Benutzer
Bewertung: 0
20.10.2012 22:59 Uhr
Also, ich muss sagen... ich hab Dishonored nun schon zweimal durch und es ist ein wunderbar mutiges Spiel, das seine Sache sehr gut macht. Grafik ist stimmig, Soundtrack ist klasse, Synchronsprecher machen ihre Arbeit toll, Gameplay ist top und es ist angenehm anspruchsvoll. Das Beste ist aber: Man hat jede…
Erfahrener Benutzer
Bewertung: 1
18.10.2012 04:04 Uhr
Zitat: (Original von Chazer;9516695)
Hätte ein bisschen umfangreicher in Sachen Spiellänge sein können, aber ansonsten ein top Spiel, Die Leute von Arkane Studios sollten mehr Games dieser Art machen =)


Da kann ich dir nur empfehlen ihre beiden ersten Spiele (dishonored war ihr 3. überhaupt erst) zu spielen. Arx Fatalis und Dark Messiah of Might & Magic sind von ihrer Art auch etwas Besonderes und einzigartig.
Erfahrener Benutzer
Bewertung: 0
15.10.2012 22:31 Uhr
Hätte ein bisschen umfangreicher in Sachen Spiellänge sein können, aber ansonsten ein top Spiel, Die Leute von Arkane Studios sollten mehr Games dieser Art machen