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  • Felix Schütz über Diablo 3: Das Auktionshaus wird geschlossen - eine richtige Entscheidung?

    Manche behaupten, der Beschluss sei lange überfällig. Doch kommen sehen hat ihn trotzdem niemand: Dienstag Abend verkündete Blizzard nüchtern seine Pläne, die beiden umstrittenen Auktionshäuser in Diablo 3 abzuschalten. Ab März 2014 werden Spieler ihre Items wieder auf die altmodische Tour - nämlich durch fleißiges Spielen - beschaffen. Was trieb Blizzard zu dieser Entscheidung? Und wie kam das Auktionshaus überhaupt zustande? Eine Betrachtung von Redakteur Felix Schütz.

    Es ist beschlossene Sache: Im März 2014 wird Blizzard beide Auktionshäuser in Diablo 3 abschalten. Das verkündeten Game Producer John Hight und Game Director Josh Mosqueira am Dienstag Abend in einer Videobotschaft. Die umstrittene Handelsplattform, für die Blizzard viel Kritik einstecken musste, findet damit ein unrühmliches Ende. Es ist ein drastischer Schritt, den die Entwickler da vollziehen – er steht für mehr als nur für eine nachhaltige Designänderung, er ist auch eine Botschaft an die Spieler: eure Kritik wurde gehört.

    Für die lange Wartezeit bis zur Abschaltung im März nennt Blizzard zweierlei Gründe. Erstens würde erhebliche Programmierarbeit anfallen, um die beiden Auktionshäuser sauber aus dem Spielcode zu entfernen. Zweitens will man den Spielern möglichst viel Vorlaufzeit geben, um ihre Geschäfte abzuwickeln. Ob im März 2014 auch schon der angekündigte große "Loot 2.0"-Patch erhältlich sein wird, der das Beute-System kräftig umkrempeln soll, steht derweil noch nicht fest – allerdings scheint es wahrscheinlich.

    Auf der FAQ-Seite geben die Entwickler bereits einige wichtige Antworten. Und trotzdem fragt man sich als Spieler: Wie konnte es dazu kommen? Und wie fing der Ärger eigentlich an? PC Games-Redakteur Felix Schütz blickt zurück.

    Wie kam das Auktionshaus überhaupt zustande? Durch das Echtgeld-Auktionshaus wurde Blizzard häufig Gier unterstellt. Dabei war niemand gezwungen, auch nur einen Cent auszugeben. Durch das Echtgeld-Auktionshaus wurde Blizzard häufig Gier unterstellt. Dabei war niemand gezwungen, auch nur einen Cent auszugeben. Quelle: Buffed

    Ich erinnere mich noch gut an den 27. Juli 2011. An diesem Tag saß ich mit zwei Dutzend anderen Redakteuren in einem kleinen Präsentationsaal im Blizzard Hauptquartier, irgendwo in Irvine, Kalifornien. Gerade hatte man uns eine Menge neuer Features des Spiels vorgestellt, jeder kritzelte oder tippte seine Notizen zurecht und wir bibberten erbärmlich unter der eiskalten Klimaanlage. Dann stellte sich Rob Pardo, Blizzards Vizepräsident für Game-Design, am Rednerpult auf und räusperte sich. Er wirkte nervös, und ein paar Minuten später wussten wir auch warum: Die Ankündigung, Diablo 3 mit zwei Auktionshäusern auszustatten, war nicht nur überraschend und spannend - sie barg auch ein handfestes Risiko für das Spiel und für Blizzards Image. Heute zeigt sich: Pardos Sorgen waren nicht unberechtigt.

    Das Auktionshaus sollte vor allem ein Problem lösen, das Blizzard zuletzt bei Diablo 2 viel Kopfzerbrechen bereitet hatte: den illegalen Handel mit Items. Da wurden virtuelle Gegenstände und Spielgold umständlich über eBay und einige höchst zwielichtige Seiten gehandelt, der Chat war überschwemmt mit Goldfarmern, Sicherheiten gab es nicht – wer einem Betrüger auf den Leim ging, hatte Pech gehabt. Für Diablo 3 führte Blizzard darum zwei Auktionshäuser ein, eines mit Spielgold als Währung und eines, in dem mit echtem Geld gehandelt wurde. Dadurch sollten zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden: Erstens sollte der Item-Handel hundertprozentig sicher sein und über Blizzards eigene Battlenet-Server laufen. Das sollte sorgenfreies Spielen ohne Betrugsgefahr garantieren. Zweitens: Zumindest im Echtgeld-Auktionshaus wollte der Hersteller einen kleinen Prozentbetrag an jeder Auktion mitverdienen. Das überraschte nur die wenigsten, denn immerhin hatte Blizzard jahrelang keinen Cent von dem vielen Geld gesehen, das bei Diablo 2 zwischen Goldfarmern und Käufern geflossen ist. Interessanter Nebeneffekt des Echtgeld-Auktionshauses: Durch den Handel mit virtuellen Items hatte man die Möglichkeit, sich seine Gewinne auf ein Paypal-Konto ausbezahlen zu lassen – so mancher Spieler besserte sich dadurch sein Taschengeld auf.

    Auch die Qualität der legendären Items war zunächst unbefriedigend. Hier besserte Blizzard mit mehreren Patches kräftig nach. Auch die Qualität der legendären Items war zunächst unbefriedigend. Hier besserte Blizzard mit mehreren Patches kräftig nach. Quelle: Buffed Zwischen Gold und Geld: Die Probleme des Auktionshauses

    Zunächst mal hatte das Auktionshaus seinen Zweck durchaus erfüllt: Illegaler Item-Handel war kein nennenswertes Problem mehr in Diablo 3. Blizzards Image nahm allerdings Schaden, denn durch das Echtgeld-Auktionshaus wurde den Entwicklern häufig Gier unterstellt. Das lag nicht mal am Auktionshaus selbst, sondern vielmehr daran, dass man anfangs nur selten richtig gute, legendäre Gegenstände im Spiel finden konnte. Einige Spieler hatten dadurch den Eindruck, langfristig auf das Auktionshaus angewiesen zu sein, um gute Items zu bekommen. Hinzu kam der brutal schwere Inferno-Modus, den Blizzard schon kurz nach Release mit mehreren Patches entschärfen musste, damit auch Spieler ohne hervorragende Ausrüstung eine Chance hatten.

    Natürlich konnten die Spieler aber komplett auf den Echtgeld-Einsatz verzichten und stattdessen das Spielgold-Auktionshaus nutzen – schon deshalb war der Vorwurf, Blizzard habe das System aus reiner Gier eingeführt, weder richtig noch fair. Im Spielgold-Auktionshaus trat jedoch das eigentliche Problem im Spieldesign noch deutlicher zutage: Richtig tolle Beute droppte vor allem in den ersten, prägenden Spielwochen zu selten, und damit sprach sich schnell herum, dass Diablo 3 ein wichtiger Motivationsfaktor fehlen würde. Blizzard reagierte auf die Kritik und lieferte wichtige Patches nach: In den Monaten nach Release wurde Inferno fairer, die legendären Items wurden verbessert, die Dropraten gingen rauf, Paragonlevel und Monsterstufen sorgten für zusätzliches Beuteglück. Doch die Patches gingen scheinbar nicht weit genug: Trotz vieler Balancing-Anpassungen ist es für viele Spieler immer noch verlockender, weil leichter, sich kurzerhand große Mengen Spielgold über das Auktionshaus zu erhandeln und damit einfach gezielt ein Item zu ersteigern.

    Wer trägt die Schuld – die Items oder die Spieler? Vor allem legendäre Items und Set-Gegenstände droppten anfangs nur selten - viele Spieler gewöhnten sich schnell daran, solche Items lieber im Auktionshaus zu kaufen. Vor allem legendäre Items und Set-Gegenstände droppten anfangs nur selten - viele Spieler gewöhnten sich schnell daran, solche Items lieber im Auktionshaus zu kaufen. Quelle: Blizzard

    Heute gibt auch Blizzard offen zu: Der Handelsplatz ist einfach zu bequem geraten. Er untergräbt den Spaß am Spielen, den Reiz an der Beutejagd – denn zu oft ist das gefundene Loot einfach nicht gut genug, dass sich dafür stunden- und tagelanges Farmen rechtfertigen ließe. Wer viel Spielzeit investiert, bekommt zwar massenhaft Handelsware und dadurch tonnenweise Spielgold, doch richtig tolle Beutestücke findet man immer noch zu selten. Das Glücksgefühl, einen grandiosen Gegenstand zu finden, kommt vielen Spielern nicht häufig genug – und so kleidet man sich eben lieber im Auktionshaus ein.

    Letztlich ist das Auktionshaus zu nutzen eine Entscheidung des Spielers, die ihm schlichtweg zu leicht gemacht wurde. Ist ein Spieler also schuld daran, wenn ihm das Auktionshaus den Spaß verdorben hat? Nein, nicht wirklich – Blizzard hätte viele Möglichkeiten gehabt, um die Spieler vom Handelsplatz zu entwöhnen und das Gameplay in den Vordergrund zu stellen. Beispielsweise durch lohnenderes Crafting oder durch mehr accountgebundene Items - oder eben durch das "Loot 2.0"-Beutesystem, das sich derzeit in Entwicklung befindet. Teile davon sind bereits in der Konsolenfassung von Diablo 3 enthalten, und dort zeigt es Wirkung: Es droppen nicht nur wesentlich früher und häufiger legendäre Items, sie sind auch fast immer auf den eigenen Charakter zugeschnitten. Teilweise übertreiben es die Entwickler hier sogar: Mein Level 32-Dämonenjäger, den ich gerade auf der Xbox 360 spiele, ist in so viel gutes Zeug gekleidet, dass er vor lauter DPS zu platzen droht. Das Spiel wird dadurch zwar ziemlich leicht und kurzweilig, für mich ist es im Moment aber auch einen Tick spaßiger als die PC-Version (die ich übrigens trotzdem noch super finde). Ob mich das Endgame – was ja letztendlich aus Item-Farmen besteht – dann noch reizen wird, bleibt allerdings abzuwarten.

    Das Auktionshaus abschalten – gut oder schlecht?

    Dass Blizzard das Echtgeldauktionshaus abschaltet, begrüße ich – es war mir nie ganz geheuer und ich habe es stets nach Leibeskräften ignoriert. Echtes Geld ausgeben für ein paar Items? Nein danke, das ist nichts für mich.

    Das Spielgold-Auktionshaus abschalten? Ein anderer Fall. Natürlich rückt dadurch das Gameplay wieder in den Vordergrund, und das ist am wichtigsten. Allerdings wird dieser Schritt auch alte Probleme zurückbringen: Goldfarmer und zwielichtige Item-Shops dürften beispielsweise wieder an Bedeutung gewinnen – und das ist kein Grund zur Freude. Handel wird außerdem nur noch direkt von Spieler zu Spieler möglich sein – das ist zwar schön altmodisch, könnte für Spieler ohne prall gefüllte Freundesliste aber auch zu einer frustrierenden Erfahrung werden. Dass Blizzard in Zukunft ein neues Tauschhandelsystem einbauen wird, halte ich ich für unwahrscheinlich – die Entwickler werden sich kaum wieder derart die Finger verbrennen wollen.

    Übrigens rechne ich trotz der gestrichenen Auktionshäuser nicht damit, dass Blizzard einen Offline-Modus einbauen wird. Und das finde ich nach wie vor schade – immerhin beweist gerade die Konsolenfassung wieder, wieviel Spaß das Spiel auch offline im Solo-Modus macht!

    Fazit: Besser spät als nie

    Die Abschaltung der Auktionshäuser wird das Spiel nicht automatisch besser machen. Dafür ist vielmehr das Loot 2.0-Update zuständig, denn es soll sicherstellen, dass die Beutejagd lohnender und spaßiger wird. Mit besseren Items im Gepäck dürfte dann auch das Verlangen nach einer Handelsplattform langsam verschwinden – denn wozu Items ersteigern, wenn ich doch beim Spielen genügend cooles Zeug finde? Wahrscheinlich wäre es nicht mal nötig gewesen, die Auktionshäuser ganz abzuschaffen. Indem Blizzard sie trotzdem einmottet, soll also nicht nur das Spiel, sondern vor allem das eigene Image verbessert werden, man will ein Signal senden: die Kritik wurde gehört. Dabei bleiben allerdings auch einige Vorteile des Spielgold-Auktionshauses auf der Strecke und es stellt sich die Frage, ob Blizzard in seinem Streben, die Community zufriedenzustellen, nicht ein wenig über das Ziel hinausschießen wird. Doch auch wenn Fragen wie diese bis zum nächsten März offen bleiben: Blizzard ist auf dem richtigen Weg.

    02:03
    Diablo 3: Infos zur Abschaltung des Auktionshauses im Video
  • Diablo 3
    Diablo 3
    Publisher
    Activision Blizzard
    Developer
    Blizzard
    Release
    15.05.2012
    Es gibt 81 Kommentare zum Artikel
    Von golani79
    Es kommt ein Update mit Loot 2.0 - das wird die Chancen auf bessere Drops erhöhen.
    Von Hawkscream
    ich finde es scheiße , ich habe jetzt 300 std diablo 3 gespielt u kein einziges legendäres item bekommen u ca 40% von…
    Von Enisra
    BNC-Kabel LAN 

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    • Es gibt 81 Kommentare zum Artikel

      • Von golani79 Erfahrener Benutzer
        Zitat von Hawkscream
        ich bedaure es sehr das das ah geschlossen wird denn man bekommt nur mittelmässige waren gedrobt. :-(((

        Es kommt ein Update mit Loot 2.0 - das wird die Chancen auf bessere Drops erhöhen.
      • Von Hawkscream
        ich finde es scheiße , ich habe jetzt 300 std diablo 3 gespielt u kein einziges legendäres item bekommen u ca 40% von den magischen o goldenen items sind für meinen car nicht nutzbar.
        wenn ich das zeug verkaufe bekomme ich nur ca.10% von dem was ich investieren muß um was gleichwertiges beim händler zu…
      • Von Enisra Erfahrener Benutzer
        Zitat von MisterSmith
        Noch nicht einmal ein LAN-Kabel hatte ich bzw. weiß ich nicht einmal ob mit meinem damaligen PC überhaupt eine LAN-Verbindung möglich gewesen wäre.  :-D

        BNC-Kabel LAN 
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1089007
Diablo 3
Felix Schütz über Diablo 3: Das Auktionshaus wird geschlossen - eine richtige Entscheidung?
Manche behaupten, der Beschluss sei lange überfällig. Doch kommen sehen hat ihn trotzdem niemand: Dienstag Abend verkündete Blizzard nüchtern seine Pläne, die beiden umstrittenen Auktionshäuser in Diablo 3 abzuschalten. Ab März 2014 werden Spieler ihre Items wieder auf die altmodische Tour - nämlich durch fleißiges Spielen - beschaffen. Was trieb Blizzard zu dieser Entscheidung? Und wie kam das Auktionshaus überhaupt zustande? Eine Betrachtung von Redakteur Felix Schütz.
http://www.pcgames.de/Diablo-3-Spiel-21367/Specials/Felix-Schuetz-ueber-Diablo-3-Das-Auktionshaus-wird-geschlossen-eine-richtige-Entscheidung-1089007/
19.09.2013
http://www.pcgames.de/screenshots/medium/2010/01/diablo-3-splash.jpg
diablo,action-rollenspiel,blizzard
specials