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  • Gerade noch die Kurve gekriegt

    LINIENTREU Nicht weniger als 14 Bus-, S- und Straßenbahn-Linien durchziehen dieses Städtchen. Die überwiegend grün hinterlegten "Smileys" verraten uns, dass die Fahrgäste mit unserem Service zufrieden sind. LINIENTREU Nicht weniger als 14 Bus-, S- und Straßenbahn-Linien durchziehen dieses Städtchen. Die überwiegend grün hinterlegten "Smileys" verraten uns, dass die Fahrgäste mit unserem Service zufrieden sind. "Was ist spannend an der Simulation des Öffentlichen Verkehrs in Städten?" - gleich der erste Satz des Handbuch-Vorworts greift jene ketzerische Frage auf, die sich wohl jeder stellt, dem der Verkehrsgigant in Anzeigen und Vorschauberichten aufgefallen ist. Und jetzt stehen Sie da im Laden, halten die Packung in Händen und werden von Selbstzweifeln förmlich zerrissen: Soll ich? Soll ich nicht? Soll ich? Schon mal vorab: Die Macher von Erfolgstiteln wie Der Industrie-Gigant oder Die Völker haben erneut bewiesen, dass Aufbauspiele ihre große Stärke sind.
    Eine schier endlose Blechlawine quält sich tagtäglich aus den Vororten in die City unserer 30.000-Einwohner-Metropole. Als ob die Nadelöhr-Brücken über den Fluss, die verwinkelten GÄsschen und die verstopften Kreuzungen der Hauptverkehrsstraßen noch nicht reichen würden, hat kürzlich auch noch ein neues Einkaufszentrum samt Multiplex-Kino eröffnet, was die Situation kaum entschärfen dürfte. Klare Sache: Ein funktionierendes Bus- und Bahnsystem muss her. Jetzt sind Sie als Unternehmer oder Verkehrsbeauftragter gefragt - sorgen Sie dafür, dass die Stadt wieder lebenswert wird und die Bewohner gerne bereit sind, das Auto in der Garage zu lassen. Bei der Gelegenheit können Sie den Kollegen bei den bundesdeutschen Verkehrsverbünden auch mal vorführen, wie man trotz modernster Fahrzeuge und freundlichem Personal unterm Strich immer noch bombig verdient.
    Auch wenn man es auf den ersten Blick vermuten könnte: Der Verkehrsgigant ist kein SimCity 3000. Während Sie im letztgenannten Spiel eine Stadt von Grund auf am Reißbrett entwerfen, existiert sie hier bereits. Beim Verkehrsgiganten geht es wirklich einzig und allein um den Öffentlichen Personennahverkehr. Sie beobachten die Verkehrsströme und finden heraus, welche Gebäude am häufigsten angesteuert werden. Darauf basierend richten Sie dann Bus-, Straßen- und S-Bahnlinien ein, bauen Haltestellen, kaufen Straßenbahnen und Busse und weisen sie den Strecken zu. Im Idealfall führt dies zu spürbar entlasteten Straßen, gut frequentierten Routen und einem stetig anwachsenden Kontostand.
    Bis zu 40.000 Bürger wohnen in jeder Metropole, die sich zu Fuß, per Auto oder mit Öffentlichen Verkehrsmitteln durch die Straßen bewegen und natürlich nur zu einem Teil dargestellt werden können. Simuliert und berechnet wird aber jeder einzelne. Um Ihnen einen groben Eindruck zu vermitteln: In einer mittleren Stadt mit 20.000 Einwohnern sind mindestens 200 Passanten und über 1.000 Autos gleichzeitig unterwegs - nicht willkürlich kreuz und quer durcheinander, sondern sehr gezielt von der Wohnung zur Arbeit oder in die Schule und wieder nach Hause. Damit die Stadt richtig funktioniert, werkelt im Hintergrund eine ausgesprochen komplexe Simulation, die es je nach Einstellung mehr oder weniger genau nimmt. Doch selbst das so genannte "Realmodell" vereinfacht die Rahmenbedingungen zu Gunsten des Spielspaßes, damit der Verkehrsgigant auch für Normalspieler durchschaubar bleibt. Die Situation in den Städten bleibt immer gleich - keine Geburten, keine Todesfälle, keine Um- und Wegzüge. Ein Schüler bleibt also zeitlebends ein Schüler, so tragisch das auch für den Betroffenen sein mag. Jedes Gebäude innerhalb der Stadt gehört einer von fünf Kategorien an: Wohnen, Arbeiten (Fabriken, Büros etc.), Einkaufen, Lernen oder Freizeit (hierzu gehören Stadien, Theater, Museen, aber auch Kirchen). Wenn Sie nun einzelne Schulen, Kathedralen, Kinos oder Bürokomplexe anklicken, werden alle Wohnhäuser rot gekennzeichnet, deren Bewohner diese "Zielgebäude" ansteuern. Das funktioniert auch umgekehrt: Wohnhaus anklicken, schon werden die dazugehörigen Schulen und Arbeitsplätze markiert. Dadurch bekommen Sie einen ganz guten überblick, wer wo arbeitet oder sich erholt. Im Idealfall stammen beispielsweise die Besucher eines Kaufhauses aus ein und demselben Viertel; vor allem bei Schulen oder Stadien verteilen sie sich über die gesamte Stadt. Wer da einen möglichst großen Teil der Meute einsammeln und zum Ziel bringen will, kommt mit einer einzigen Verkehrsverbindung keinesfalls zu Rande.
    Damit die Bürger von Ihrem Transportangebot Gebrauch machen, sind eine Reihe von Voraussetzungen zu erfüllen: Zunächst mal muss die Linie bekannt sein, was sich mit Werbung oder etwas Geduld bewerkstelligen lässt. Eine Haltestelle mit Wartehäuschen sollte sich in Laufnähe befinden, das Ziel muss sich in akzeptabler Geschwindigkeit erreichen lassen (also bloß keine zu komplizierten Umwege), man sollte tunlichst nicht Öfter als drei Mal umsteigen müssen, die Wartezeit hat sich in Grenzen zu halten und natürlich schadet es nichts, wenn es sich um gepflegte Fahrzeuge samt freundlicher Fahrer handelt. Regelmäßige Wartungsarbeiten und anständige Bezahlung wirken hier wahre Wunder. Da die Fahrzeuge jedoch Jahr für Jahr nur minimal altern, ist der Aspekt des Reparierens nebensächlich - noch dazu, wo man dies automatisieren kann.
    Auf der Verkehrsgigant-CD-ROM befinden sich 45 Städte samt ihrer zu lösenden Probleme, verteilt auf 15 Kampagnen-Missionen und 30 Einzelkarten. Wie schnell Sie die letzte Kampagnen-Karte anspielen können, hängt von Ihren Erfolgen ab: Je mehr Vorgaben Sie erfüllen, umso mehr Karten werden freigeschaltet (maximal drei). Keine Stadt gleicht dabei der anderen: Manche Regionen sind durch ausgedehnte Flüsse und Grünflächen geprägt, andere bestehen größtenteils aus hässlichen Hochhaus-Siedlungen - was wiederum den Verkehrsplaner freut, weil er sehr viele Kunden auf einen Schlag abholen kann. Der Albtraum jedes Profitgeiers sind ausgedehnte Vororte mit Einfamilienhäusern, wo der Bus alle paar Meter halten muss - kein Wunder, dass sich die Fahrten ewig hinziehen. Manche Stadtviertel werden erst nach und nach freigeschaltet, so dass Sie sich beispielsweise erst in einem stark eingeschränkten Raum bewähren müssen.
    Bereits beim bloßen überfliegen der Städte versteht man schnell, warum in jeder einzelnen Karte mehr als 20 Mann-Tage Arbeit stecken: Bis hin zu Telefonhäuschen, Lampen, Parkbänken, Brunnen, Plätzen und Bäumen wurde jedes Objekt von Hand gesetzt, was den Ortschaften einen individuellen Look verpasst. Zusätzlich zu den umhertuckernden Autos, LKWs und Bussen und den geschäftigen Passanten sind auch einzelne Anlagen animiert - wie etwa die Wellen im Becken des Freibades. Drei Zoomstufen und drei Auflösungen sorgen für übersicht. Weil die Karte leider nicht gedreht werden kann, bleiben Ihnen Einblicke in manche Straßenzüge verwehrt. Will man ein Wartehäuschen bauen, tut man gut daran, verdeckende Gebäude einfach auszublenden. Ebenfalls extrem nützlich: die Zeitrafferfunktion. Per Plus- und Minustaste verlangsamen Sie die Spielgeschwindigkeit stufenlos - damit lassen sich auch die Anlaufzeiten einer Linie bequem überbrücken. Mit bis zu drei Kamerafenstern behalten Sie obendrein einzelne Busse oder Haltestellen stets im Blickfeld.
    Eine möglichst große Flächendeckung, ein Firmenwert von zehn Millionen, 40% aller Schüler befördern, 20% der Hausfrauen zum Shopping transportieren - das sind einige der Spielziele, auf die es ankommt und die Sie innerhalb eines vorgegebenen Zeitrahmens (Beispiel: zehn Jahre) erreichen sollen. Ausschließlich in den Einzelszenarien sind zusätzlich bis zu drei Computergegner damit beschäftigt, Ihnen mit konkurrierenden Fuhrunternehmen das Leben etwas schwerer zu machen. Einen Verdrängungswettbewerb müssen Sie nicht befürchten - in hektische Klickerei artet das Spiel nie aus. Gerade auf den Hauptstrecken sind genügend Fahrgäste für alle da; zudem steigen die Passagiere munter zwischen den Linien verschiedener Betreiber um. Lediglich in schwierigeren Missionen, bei denen es um jeden einzelnen zahlenden Kunden geht, muss man schon mal an der Preisschraube drehen. Freilich zahlt kein Mensch mehr für das Ticket als unbedingt nötig, doch die voreingestellten Tarife funktionieren in 99% aller Fälle prächtig. Etwas undurchsichtig ist in diesem Zusammenhang das Preiszonenmodell; zwar kann man die Anzahl der Zonen und die Aufpreise einstellen, doch weder werden die Zonen angezeigt noch hat man Anhaltspunkte für die Preisgestaltung.
    In den Einzelszenarien ist der Schwierigkeitsgrad in drei Stufen wählbar; je größer die Karte (klein, mittel, groß), desto vertrackter das Aushecken der besten Routen. Außerdem wählen Sie zwischen zwei Spielmodi: Als Unternehmer kommt's allein auf Firmenwert und Flächendeckung an, als Verkehrsbeauftragter muss zusätzlich die Stadt weitestgehend von der Geißel "Auto" befreit werden. In der Praxis ist die Vorgehensweise aber weitgehend identisch: Herausfinden, welche Einwohnerströme wohin fließen, und mit entsprechenden Linien dagegensteuern. Da trifft es sich gut, dass mit zunehmender Spieldauer eine immer größere Auswahl an Fahrzeugen zur Auswahl steht; so werden immer komfortablere Busse und Straßenbahnen "erfunden", die beispielsweise mehr Fahrgäste aufnehmen können. Bei beiden Verkehrsmitteln nutzen Sie das vorhandene Straßennetz (für Straßenbahnen müssen Sie natürlich Schienen verlegen), allerdings heißt es bei Staus: "Nichts geht mehr!" - da nützt dem Trambahnschaffer auch noch so heftiges Klingelgeläute nichts. Permanent freie Bahn haben lediglich S-Bahnen oder Magnetschwebebahnen, auf die Fortgeschrittene mit entsprechendem Kleingeld zurückgreifen können. Nachteil: Die Schienen brauchen Platz. Gebäude können zwar prinzipiell abgerissen werden, so richtig Sinn macht das aber nicht. Zum einen kostet beispielsweise der Abriss einer Schule locker über elf Millionen, zum anderen kann es passieren, dass die dazugehörigen Familien - so sie denn keine andere Schule finden - umgehend die Stadt verlassen. Die Folge: leer stehende Wohnungen. Wer also unbedingt Bahntrassen verlegen möchte, sollte darauf achten, dass er tunlichst nur Grünflächen und brachliegendes Gelände erwischt.
    Geplant waren sie eigentlich, in der Endversion fehlen sie - warum keine U-Bahnen? Beim ausführlichen Testen hat die JoWood-Crew bemerkt, dass ein unterirdisches Tunnelsystem spielerisch wenig hergibt, weil sich dadurch alle oberirdischen Verkehrsprobleme umgehen lassen - reiche Verkehrsgiganten, die sich die U-Bahn hätten leisten können, wären durch diese Vorzüge nur noch reicher geworden. Unerfüllt bleibt auch der Wunsch nach einem Karteneditor. Den schon jetzt sehr benutzerfreundlichen Editor hat JoWood zwar ursprünglich beilegen wollen. Doch damit eine Stadt bespielbar wird, reicht es nicht, einfach großzügig Gebäude auf eine Fläche zu verteilen - da ist viel korrigierende Handarbeit vonnöten. Außerdem will man sich das eine oder andere Schmankerl ja auch noch für die unvermeidliche Zusatz-CD aufsparen ...

    Der Verkehrsgigant (PC)

    Spielspaß
    81 %
    Leserwertung:
     
    Meine Wertung
  • Der Verkehrsgigant
    Der Verkehrsgigant
    Developer
    JoWooD Entertainment AG
    Release
    01.03.2000

    Aktuelles zu Der Verkehrsgigant

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Der Verkehrsgigant
Gerade noch die Kurve gekriegt
http://www.pcgames.de/Der-Verkehrsgigant-Spiel-21277/Tests/Gerade-noch-die-Kurve-gekriegt-4829/
07.03.2001
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